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Mit einem Grunzen warf Narbengesicht den Karabiner weg. Er sang lauter und schleuderte seine Mokassins von den Füßen. Er tänzelte nach rechts, bot Schulter und Unterarm an. Er zeigte die Axt, schwang sie in einem langsamen, spöttischen Kreis herum. Plötzlich schoß die Schneide waagrecht auf Charles zu.

Der Boden war aufgeweicht; nach dem Winterfrost war das Gras immer noch braun und spärlich. Charles rutschte mit einem Fuß weg, als er das Bowiemesser mit beiden Händen hob und den Axthieb abblockte, Schneide gegen Schneide. Die Wucht des Schlages ließ die Axt vom Messer abgleiten und an Charles' Ohr vorbeizischen. Charles stach nach dem auf ihn zustürzenden Körper, ein schwer zu treffendes Ziel in der nur vom Sternenlicht aufgehellten Finsternis. Er verfehlte es.

Narbengesichts Schärpe behinderte ihn in seinem Bewegungsspielraum; das war Charles' einziger Vorteil. Er wußte, daß sich die vier Reiter auf ihn stürzen würden, wenn er sich einfach aus Narbengesichts Reichweite entfernte. Also mußte er es hier beenden, mochte Gott ihm beistehen.

Wieder glitt Narbengesicht heran, ließ seine Axt rotieren. Er schwang sie, schlug zu. Charles duckte sich. Der nächste Schlag. Wieder duckte sich Charles, spürte aber, wie das Metall seine Haare streifte. Er riß seine Messerhand hoch, erwischte Narbengesichts linken Ärmel. Der Hundekrieger drehte sich wie ein Tänzer weg, um die um ihn gewickelte Schärpe zu entrollen.

Charles stand zusammengekrümmt da, beide Hände in der traditionellen Haltung des Messerkämpfers erhoben. Das Bowiemesser funkelte im Sternenschein. Beide Männer hatten bereits ihr Fleckchen Boden aufgewühlt. Der Schlamm saugte an Charles' Stiefeln, als er seitlich auswich in Erwartung des nächsten Schlages.

Narbengesicht wechselte die Axt in die linke Hand. Charles drehte sich, um die Bewegung zu kontern. Er wendete sich Narbengesichts linker Hand zu, was die linke Seite seines Körpers ungedeckt ließ. Ohne Vorwarnung warf Narbengesicht die Axt zurück; er stieß ein tiefes, aus seinem Bauch kommendes Lachen aus, während er mit der rechten Hand zuschlug.

Charles' Parade von rechts nach links riß Narbengesichts Unterarm innen auf. Narbengesicht reagierte darauf, indem er die Axt nach oben zog. Charles griff mit seiner linken Hand danach, und Narbengesicht trat mit seinem rechten Fuß nach ihm. Der harte Tritt traf ihn zwischen den Beinen. Er wirbelte herum, verlor im Schlamm die Balance und stürzte zu Boden.

Narbengesicht kreischte wie ein Junge auf, der ein Spiel gewonnen hatte. Er sprang mit beiden Knien auf Charles, rollte ihn dann von der Seite auf den Rücken. Er packte Charles'

Messerhand und drückte sie hinter seinem Kopf in den Schlamm. Die Axt schwang hoch, ein schwarzer Keil gegen den vertrauten milchigen Schleier der Sterne.

Die Axt sauste herab. Charles riß seinen Kopf zur Seite, spürte die Schneide in seinem Haar, bevor sie sich in den Matsch grub. Er drehte seine Messerhand und ritzte Narbengesichts Knöchel. Narbengesicht schrie auf, mehr überrascht als verletzt.

Charles versuchte seine Messerhand loszureißen. Narbengesicht hielt fest. Charles roch das ranzige Fett, mit dem Narbengesicht seinen Körper eingeschmiert hatte, bevor er sich bemalte. Narbengesicht schwang die schlammverschmierte Axt erneut nach unten, und wieder drehte Charles sich weg. Die Drehbewegung befreite seine Messerhand. Er stieß das Bowiemesser in Narbengesichts linken Oberarm.

Der Hundekrieger ließ die Axt fallen. Das stumpfe Ende der Schneide knallte gegen Charles' Schläfe. Narbengesicht atmete rauh, schmerzerfüllt. Charles krallte sich mit der linken Hand in Narbengesichts Kinn; das Messer in seiner rechten Hand steckte immer noch in dem blutenden linken Arm von Narbengesicht. Er spürte, wie das Kinn unter seiner linken Hand schlaff wurde. Der Blutverlust schwächte Narbengesicht schnell. Charles brauchte nur nach oben zu greifen und ihm die Kehle durchzuschneiden.

»Stich ihn ab«, sagte Graue Eule aus der Dunkelheit.

Charles' Messerhand begann zu zittern. Narbengesicht hing wie ein Mehlsack über ihm, den jemand auffüllte; er wurde schwerer und schwerer.

Stich zu.

Er konnte es nicht. Mit der linken Hand rollte er Narbengesicht von sich. Er hatte ihn besiegt. Das genügte.

Er spürte eine Hand an seinem rechten Oberschenkel, begriff nicht, was da vor sich ging. Graue Eule rannte vor, als Narben-gesicht sich aufrichtete und den Armeecolt in Anschlag brachte, den er Charles aus dem Halfter gerissen hatte. Die Waffe war mit Schlamm bedeckt, funktionierte aber trotzdem. Graue Eule warf sich vor Charles, um ihn mit seinem Leib zu schützen; die beiden Cheyenne feuerten. Die für Charles bestimmte Kugel traf den Fährtensucher.

Mit einem nassen Klatschen fiel Narbengesichts Kopf zurück in den Schlamm. Er war getroffen, ohne daß Charles hätte sagen können, wo. Oben am Hang wieherten die Pferde der vier Reiter und warfen die Köpfe hoch. Graue Eule sank auf die Knie und feuerte drei weitere Kugeln auf sie ab. In der Sprache der Cheyenne brüllte er ihnen zu, daß Narbengesicht tot war. Die Indianer formierten sich hastig zu einer Reihe und trabten außer Sicht.

Graue Eule atmete aus, ein müder, erschöpfter Laut. Charles kratzte sich den Schlamm aus den Augen und kroch auf den Fährtensucher zu. Im Dorf gab jemand Alarm.

Charles nahm Graue Eule in seine Arme. Das Hemd des Spurenlesers war glitschig von Schlamm und Blut. Das Sternenlicht ließ sein Gesicht, das bemerkenswert gefaßt wirkte, weiß aussehen.

»Ich habe den Weg für uns gefunden, mein Freund. Nun gehe ich weiter.«

»Graue Eule, Graue Eule«, sagte Charles mit gebrochener Stimme.

»Ich gehe, wie meine Vision es mir vorausgesagt hat. Ich gehe.«

»Graue Eule!«

»Da.« Mit zitternder Hand griff Graue Eule nach dem Schleier der Sterne. Der Weg in die ewigen Jagdgründe. Seine Hand fiel zurück auf seine Brust, und Charles spürte, wie ein Schauder durch seinen Körper lief, als er starb.

Er hielt die Leiche von Graue Eule in seinen Armen, während er Narbengesicht betrachtete, der regungslos mit dem Armeecolt in der Hand dalag. Er wußte, es gab etwas, was er tun mußte, doch Erschöpfung und Verwirrung ließen ihn noch einige Momente verharren. Dann fiel es ihm ein. Er sah eine Plattform hoch oben in einem Baum vor sich, dem Himmel näher. Graue Eule war ein guter Mann gewesen, und es war seine Pflicht, sie für ihn zu bauen. Er hatte geglaubt, die Götter wollten, daß er andere führte, selbst wenn dieser Weg ins Exil und in den Tod führte. Bis zum Ende war er seiner Vision treu geblieben. Charles wünschte, er hätte etwas, woran er ähnlich inbrünstig glauben könnte.

Aber er hatte doch etwas. Gus fiel ihm ein. Und Willa.

Sanft ließ er den Körper in das schlammige Gras gleiten. Zweimal rutschte er aus. Er hörte laute Stimmen hinter sich. Roter Bär und seine Leute. Sie würden ihm beim Bau von Graue Eules Ruhestätte behilflich sein. Er wandte sich ihnen zu, um auf sie zu warten.

Er lag im Sterben, aber er war noch nicht tot; Narbengesicht stemmte sich ein paar Zentimeter hoch und schoß Charles in den Rücken.

GEO HAZARD C/O HAZARDS LEHIGH STATION PENNSYLVANIA

DER KRIMINELLE BENT VERHAFTET UND HINGERICHTET IM INDIANERTERRITORIUM AM 27STEN.

ICH HABE DEN OHRRING.

CHARLES MAIN FT LEAVENWORTH KANS TELEGRAMM

MADELINES JOURNAL

Mai 1869. Die Presse hat einen neuen Skandal, den sie breittreten kann. Die Zeitungen von Charleston sind voll von Enthüllungen aus Washington über die Dixie-Läden. Unfaßbar für mich, daß der Name mit dem Skandal verbunden ist.

»Unglücklich«, sagte der Boß. »Höchst unglücklich, Stanley. Ich dachte, Sie würden für Ihren Bezirk einen ausgezeichneten Kongreßabgeordneten abgeben, wenn sich Muldoon gegen Ende der laufenden Amtszeit zurückzieht. Sie sind recht bekannt, Sie können sich einen Wahlkreis leisten, Sie werden von hochstehenden Prinzipien geleitet.«