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Er kicherte. »Du hast gelernt zu verbergen, wie sehr du sie haßt. Meinst du das?«

Ashton strich über seinen kantigen Kiefer. »Ich wußte doch, daß du mir nicht nur wegen dem, was du in deinen Hosen hast, sympathisch warst. Verrat bloß nicht mein Geheimnis. Und jetzt komm her, und tu deine Pflicht.«

Ein Dockarbeiter, der fünf Minuten später am Pier vorüberkam, bemerkte, daß die >Euterpe< leicht im Wasser rollte -höchst ungewöhnlich für solch einen ruhigen Tag.

»Die Droschke ist da, um Sie zum Bahnhof zu bringen, Madam.«

»Laden Sie das Gepäck ein, Ramsey.«

Der Butler verbeugte sich und zog sich zurück. Trotz seiner gezierten englischen Sprechweise - aus diesem Grund hatte ihn Will den anderen Bewerbern vorgezogen - war er für Ashton nichts anderes als ein weiterer Sklave, gefesselt durch Lohngeld anstatt durch Ketten, doch berechtigte ihn das noch lange nicht zu besserer Behandlung. Dienstboten bereiteten einem deswegen soviel Freude, weil man hier menschliche Wesen zur Verfügung hatte, die vor jedem Wort zitterten, das man sagte.

Will kam aus seinem Billardzimmer geschlendert. Die Manschettenknöpfe aus Goldnuggets waren so groß, daß seine Hemdsärmel durchhingen. Obwohl er gealtert war, wirkte er viel gesünder und munterer als zu der Zeit, in der Ashton ihn in Santa Fe kennengelernt hatte. Der Erfolg bekam ihm sehr gut.

Seine lebhaften blauen Augen schauten seine Frau einen Moment lang bewundernd an. Dann tätschelte er ihre Wange, als wäre sie seine Lieblingskatze.

»Benimm dich anständig.«

Ashton spürte einen kleinen Riß. Sie konnte zwar nichts anderes als Wärme in seinem Blick entdecken, doch seine Bemerkung erinnerte sie an seine Warnung, nachdem sie grundlos den Schwager der Senora erschossen hatte. Nur Will konnte bei ihr den gleichen kleinen Angstschock auslösen, den sie so gern bei anderen erzeugte. »Aber ja doch, mein Schatz«, sagte sie.

Sie trug sich im Mills House als Mrs. W.P. Fenway, Chicago, ein. Die Aufmerksamkeit des Personals konzentrierte sich natürlich auf eine attraktive Frau, die ganz allein mit elf Gepäckstücken reiste. Doch niemand bekam sie deutlich zu sehen; sie ging stets stark verschleiert. Es hatte keinen Sinn zu enthüllen, daß sie eine Main war.

Ashton erkundete das liebliche Charleston, das noch immer unter den Zerstörungen des Krieges litt. Schwarze lungerten überall mit impertinenter Miene herum; dafür hätten sie zu ihrer Kinderzeit die Pferdepeitsche zu kosten bekommen. Es gab immer noch einige Yankees in blauer Uniform zu sehen.

Sie mietete sich eine geschlossene Kutsche für eine Rundfahrt. Die Battery brachte die Erinnerung an jene aufregenden Wochen zurück, als Sumter belagert wurde. Sie stand am Hafen, während ihr Fahrer in diskreter Entfernung wartete. Sie schaute aufs Meer hinaus, eine Frau mit einer wunderbaren Figur, deren Taille mit Fischbein eng geschnürt war. Sie trug Samt von der Farbe von altem Burgunder, viele Meter, die ihren Rock mit Tournüre aufbauschten. Es war höllisch heiß, aber die Wirkung war es wert. Spaziergänger machten sich so ihre Gedanken über die teuer gekleidete, ziemlich melancholische Frau, die da über das Wasser auf den Atlantik hinausstarrte. Waren ihre Gedanken romantischer Natur? Trauerte sie einer verlorenen Liebe nach?

Ich hasse dich, Billy Hazard. Alles wäre anders gekommen, wenn du mich statt meiner zimperlichen kleinen Schwester geliebt hättest.

Ashton gab nicht nur Billy, sondern auch Orry, Cooper und Madeline die Schuld an ihrem Exil und an den grauenhaften Monaten als Hure. Als sie daran dachte, was sie alles durch das selbstgerechte Verhalten ihrer eigenen Familie verloren hatte, fühlte sie, wie sich der alte Haß erneuerte. Sie schnüffelte, tupf-te sich die Augen mit ihrem Handschuh trocken, kehrte zur Kutsche zurück und befahl dem Fahrer, langsam zur East Bay zu fahren. Dort betrachtete sie sich das Haus, wo sie mit dem armen Huntoon gelebt hatte.

Als sie in der engen Tradd Street an Coopers Haus vorbeifuhr, drückte sie sich in die Kissen der Kutsche, als eine Frau aus dem Tor kam; Coopers schlichte, unscheinbare Frau, älter, aber immer noch mit Adlernase und ohne Busen. Trotz des Schleiers wandte Ashton ihr Gesicht ab. Sie rief dem Fahrer zu, schneller zu fahren. Es gab nicht den geringsten Zweifel - sie haßte sie alle.

In den nächsten Tagen erfuhr sie einige überraschende Dinge. Zum einen, daß Orry den Krieg nicht überlebt hatte. Nachdem er Ashton und Huntoon wegen ihrer Rolle bei der Powell-Ver-schwörung aus Richmond verjagt hatte, war er an die Front in Petersburg gegangen, wo ihn irgendein Yankee erschoß.

Ashton empfand weder Kummer noch Bedauern, sondern nur noch mehr Zorn auf ihren einarmigen Bruder. Sein Tod betrog sie um eine gute Chance zur Rache, und das gefiel ihr ganz und gar nicht.

Madeline lebte allein, wohlhabend, aber von allen verachtet wegen ihres republikanerfreundlichen Verhaltens. Ashton hörte von dem Klanüberfall auf Mont Royal und dem im Bau befindlichen neuen Haus. Von einem angetrunkenen Journalisten, mit dem sie flirtete, erfuhr sie dann noch etwas, was sie in echte Erregung versetzte. Jedermann in der Stadt wußte es. Mont Royal war hoch mit Hypotheken belastet.

»Es ist mir ein Vergnügen, Sie kennenzulernen«, sagte Leverett Dawkins, der auf seinem Spezialbürostuhl thronte. »Was kann die Palmetto Bank für Sie tun?«

Ashton saß in perfekter Haltung auf der Kante des Besucherstuhls. Sie zog die Schultern zurück, was die Linie ihres Busens noch betonte. Dies entging dem Bankier keineswegs. Sie beobachtete, wie sein Blick nach oben zu ihrem Gesicht wanderte -der arme Narr hatte wohl geglaubt, es sei ihr entgangen, worauf sich seine Aufmerksamkeit konzentrierte -, und wußte, daß sie sich im Vorteil befand. Sie war mit Dawkins' Namen vertraut, hatte ihn aber nie persönlich kennengelernt; er würde sie also niemals mit der Main-Familie in Verbindung bringen.

Äußerlich gefaßt, aber innerlich angespannt sagte sie: »Ich möchte mich über die Grundbesitzverhältnisse in diesem Bezirk erkundigen. Ich habe alte Familienbande in South Carolina. Ich schätze die Gegend um Charleston sehr und würde mir hier gern ein Zuhause schaffen.«

»Ich verstehe. Fahren Sie bitte fort.«

»Als ich vorgestern die Ashley River Road entlangfuhr, sah ich eine wunderbare Plantage, in die ich mich sofort verliebte. Ich habe sie mir seitdem noch zweimal angesehen, und mein Gefühl hat sich nur noch verstärkt. Ich hoffte, Sie könnten mir etwas über den Besitz sagen.«

»Auf welche Plantage beziehen Sie sich, Ma'am?«

»Man sagte mir, der Name sei Mont Royal.«

»Ah, die Main-Plantage«, sagte er und lehnte sich zurück. »Der Eigentümer ist Mr. Cooper Main. Er wohnt in dieser Stadt.«

Es verwirrte Ashton, den Namen ihres Bruders zu hören. Ihr schwerer, schwarzer Schleier verbarg das zum Glück. Sie faßte sich wieder und sagte leichthin: »Ich dachte, eine Frau hätte das alles unter sich.«

»Sie meinen Mrs. Orry Main, die Schwägerin des Besitzers.« Ashton bemerkte eine gewisse Abneigung in seinen Worten. »Sie lebt dort aufgrund einer Vereinbarung mit Mr. Main. Sie ist eine Art Managerin, verantwortlich für die Leitung von Mont Royal. Doch der Besitz liegt bei Mr. Main.«

Vorsichtig fragte sie: »Ist die Plantage eventuell zu kaufen?«

Er dachte darüber nach; da mußten Coopers Gefühle bezüglich der Negerschule berücksichtigt werden, auch sein Haß auf Madeline Main, weil sie Komplizin bei der Eheschließung seiner Tochter mit diesem Yankee gewesen war. Dawkins' Besucherin brachte eine neue, höchst interessante Möglichkeit ins Gespräch, die einen doppelten Vorteil bieten konnte. Zum einen den Profit, zum anderen konnte die Bank ein Kundenverhältnis beenden, das sich allmählich zum Ärgernis auswuchs.

»Mont Royal ist mit einer beträchtlichen Hypothek belastet«, sagte er, »die von dieser Bank gehalten wird.«

Das wußte sie bereits, ließ sich aber nichts anmerken. »Oh, welch ein Glück! Glauben Sie, der Besitzer, dieser Mister, äh ...«