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»Main«, half er ihr.

»Würde er verkaufen, wenn die Hypothek als Teil der Transaktion beglichen würde?«

»Natürlich kann ich nicht für ihn sprechen, aber die Möglichkeit besteht selbstverständlich. Falls Sie an einem Angebot interessiert sind, würde unsere Bank gern für Sie tätig werden. Gegen ein gewisses Honorar, versteht sich.«

»Selbstverständlich. Darauf bestehe ich. Und auf einigen anderen Bedingungen. Mein Mann, Mr. Fenway, ist ein sehr reicher Mann. Kennen Sie die Fenway's Piano Company?«

»Wer kennt sie nicht? Und das ist Ihr Gatte? Sehr schön.«

»Wenn Mr. Main herausfindet, wer seine Plantage kaufen möchte, könnte er versuchen, den Preis unvernünftig hochzutreiben.«

»Wir können dafür sorgen, daß dies nicht geschieht. Wenn wir für Sie die Verhandlungen führen, können Sie vollständig anonym bleiben, bis der Kauf getätigt ist.« Er merkte, daß sie damit zufrieden war. »Sie erwähnten gewisse weitere Bedingungen.«

Ihr Herz schlug so schnell, daß sie fast zitterte. Es war in Griffweite die Chance für die perfekte Rache, von der sie seit Jahren geträumt hatte. Sie bemühte sich, die Anspannung aus ihrer Stimme herauszuhalten, als sie sagte: »Ich möchte, daß der Kauf sehr schnell abgewickelt wird. Innerhalb weniger Tage. Ich möchte den Verkauf abgewickelt sehen, bevor ich nach Chicago zurückkehre.«

Zum erstenmal runzelte er die Stirn. »Ihr Verlangen entspricht nicht den Regeln, Mrs. Fenway. Und ist schwierig zu bewerkstelligen.«

Sie lehnte sich zurück, als würde sie ihm ihre Freundlichkeit entziehen. »Nun, dann tut es mir leid.«

»Schwierig«, wiederholte er und hob schnell eine Hand. »Aber nicht unmöglich. Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht.«

»Ausgezeichnet«, sagte sie und entspannte sich wieder. »Das ist ausgezeichnet. Vielleicht könnten wir jetzt die Details besprechen? Ein Angebot? Bitte nennen Sie eine Zahl, aber im vernünftigen Rahmen, vergessen Sie das nicht. Allerdings hoch genug, damit das Angebot auf Mr. Cooper Main unwiderstehlich wirkt. Das ist das Zauberwort, Mr. Dawkins.«

Langsam hob sie den schwarzen Schleier und schenkte ihm ihr süßes Giftlächeln. Er war hingerissen vom feuchten Glanz ihrer Lippen und der ebenmäßigen weißen Schönheit ihrer Zähne, als sie ihm zuflüsterte: »Unwiderstehlich.«

Siebtes Buch

Über den Jordan

Ich glaube nicht, daß die Weißen unter einem Gesetz leben können oder wollen, bei dem so ignorante, so käufliche und korrupte Menschen das Sagen in ihrer Staatsregierung haben ... Ich glaube, sie werden es so lange ertragen, wie sie können, doch es wird der Punkt kommen, wo sie es nicht mehr können.

General Wade Hampten 187I

66

Es ist von Sam. Aus New York. Mein Brief wurde von St. Louis nachgesandt.«

»Was schreibt er?«

Sie überflog die Seite. »Er war ganz überrascht, daß ich in South Carolina bin. Er wünscht dir alles Gute und eine schnelle Erholung. Er wird nur zu gern den Brautführer machen, solange die Zeremonie nicht mit einer normalen Vorstellung zusammenfällt. Was für eine Vorstellung?« Sie drehte das Blatt um. »Meine Güte. Das ist ja nicht zu fassen.«

»Was?«

»Claudius Wood hat Sams >Othello< gefallen. Er hat die Produktion importiert, um eine Lücke in seinem Spielplan zu füllen, und die Sache hat sich zu einem gewaltigen Erfolg entwickelt. Sam schreibt, es könnte ewig im New Knickerbocker laufen. Eddie Booth hat sich's zweimal angesehen. Oh, das ist pure Ironie. Sam arbeitet für den Mann, der mich beinahe umgebracht hätte.«

Sie warf Sams Brief beiseite; auch er war von St. Louis nachgeschickt worden.

»Du klingst verärgert.«

»Nun, ja. Eigentlich sollte ich toleranter sein. Sam ist Schauspieler, was bedeutet, daß er in mancher Hinsicht wie ein kleines Kind ist. Die Wünsche von Kindern sind oft stärker als ihre Loyalitäten. Sam hat sich immer diese Art von Erfolg gewünscht - was im Theater Unglück bedeutet -, also entwischte er ihm selbstverständlich. Dann, als er nicht danach Ausschau hielt, kam der Erfolg. Es wäre albern zu erwarten, daß er dem Erfolg den Rücken zuwendet. Er ist Schauspieler.«

»Das sagtest du bereits.«

»Ja, aber damit ist auch alles erklärt. Wir werden einfach an einem Tag heiraten müssen, an dem das Knickerbocker dunkel bleibt. Das heißt, falls du noch ...«

»Und ob. Komm her.«

Gelbliches Licht, Sommerlicht, fiel auf die Zimmerdecke und die weiß-getünchte Wand hinter dem Kopfteil seines Bettes. Die Arbeit an dem neuen Haus war für heute beendet. Jemand trieb einen letzten Nagel in einen Dachbalken; bei jedem Schlag klang der Nagelkopf wie eine Glocke.

Er hörte, wie sich in der Ferne die Säge jaulend in das Holz biß. Er hörte die Schreie und die knallenden Peitschen der Maultiertreiber, die mit ihren Karren durch die Phosphatfelder fuhren. Ganz in der Nähe, in dem großen Raum des weißgetünchten Hauses, unterhielten sich Madeline und Willa über das Abendessen. Sie waren vom ersten Tag an, als er und Willa aufgetaucht waren, großartig miteinander ausgekommen.

Charles, bekleidet mit einem warmen, blauen Flanellnachthemd, das Willa ihm genäht hatte, lag da und starrte zur Decke hoch. Auf der linken Seite schmerzte ein großer Teil seines unteren Rückenbereichs immer noch, doch es war nicht mehr so schlimm wie zuvor. Täglich ging es ihm besser.

Roter Bär und vier seiner Cheyenne hatten ihn bewußtlos in das Versorgungslager gebracht. Eine Armeeambulanz transportierte ihn nach Leavenworth zu Duncan. Gus war sicher dort angekommen, obwohl Charles das in seinem Zustand nicht erfaßte. Der Brigadier telegraphierte ans Theater, und Willa kam mit dem nächsten Zug nach Kansas. Während der drei Wochen, in denen sie Charles pflegte, schloß Sam Trump sein Theater in St. Louis und machte sich mit seinem Ensemble auf nach New York.

In Leavenworth versuchte ein Chirurg die Kugel herauszuholen, schaffte es aber nicht. In der Hoffnung, Charles' Schmerzen zu lindern, hatte gestern ein schlaksiger ehemaliger Sklave namens Leander einen weiteren Versuch gemacht. Leander sagte, er habe den größten Teil seines Erwachsenenlebens den Doktor gespielt; auf einer Baumwollplantage am Savannah River war er für seine Mitsklaven die einzige medizinische Hilfe gewesen. Charles sagte, er solle es probieren, obwohl ihm klar war, daß der Versuch mit seinem Tod enden konnte.

Leander gab Charles einen mit einem whiskygetränkten Lappen umwickelten Stock. Während Charles halb verrückt vor Schmerz in den Stock biß, stieß Leander ein mit Feuer desinfiziertes Messer in die Wunde. Offensichtlich war Narbengesichts Bleikugel erst vor kurzem gewandert. Leander fand sie schnell und holte sie mit einer Drahtschlinge heraus.

Jenseits der halb geschlossenen Tür mischte sich eine dritte, dünnere Stimme in das Gespräch der beiden Frauen. Charles atmete den moschusartigen Dunst des Sumpflandes ein, spürte das schwache Kitzeln von Pinienpollen ganz hinten in seiner Kehle. Jedes Jahr, so regelmäßig wie der Zorn Gottes, färbten sie jede Oberfläche gelblichgrün. Er war zu Hause.

Es war nicht das vollkommene Glück, das er sich vorgestellt hatte, als er Willa überredete, ihn für die lange Zeitspanne bis zu seiner Wiederherstellung nach Mont Royal zu begleiten. Madeline baute das große Haus im Gedenken an Orry wieder auf, doch die Plantage hatte viele Veränderungen hinnehmen müssen, die ihm fremdartig und grob erschienen. Nichts mehr von der alten Grazie. Nur noch Dampfmaschinen und aufgewühlte Reisfelder.

Madeline war von Cooper entfremdet und bei den weißen Familien im Bezirk verhaßt. Eine Organisation, über die er kaum etwas wußte, der Ku-Klux, hatte den Bezirk eine ganze Weile terrorisiert. Klansmänner hatten Andy Sherman ermordet, an den er sich noch als Sklaven ohne Nachnamen erinnerte. Auch eine weiße Schullehrerin hatten sie getötet. Die süße, einsame Melodie der Heimat, die er jahrelang gepfiffen hatte, schien irgendwie den falschen Ton zu treffen.