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... Eine volle Woche verstrich - alles ruhig. Gouverneur Orr hat die Legislative einberufen, und es gibt lebhafte Debatten über eine Reihe neuer Gesetze zugunsten der befreiten Schwarzen sowie zur Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Von den bis jetzt vorgeschlagenen Gesetzen halte ich nicht allzuviel. Das ist nichts weiter als das alte System, verkleidet in neuem Gewand. Wenn sich jene, die Feldarbeiter benötigen, durchsetzen und diese Vorschriften Gesetz werden, dann werden wir sicherlich den Zorn der Nordstaaten ernten.

... Ein freudiger Tag. Zumindest begann er so. Prudence hat ihre ersten Schüler, den zwölfjährigen Pride und den vierzehnjährigen Grant, die Söhne unseres befreiten Negersklaven Sim und dessen Frau Lydie. Als die Jungs noch Francis LaMotte gehörten, hatten sie affektierte klassische Namen - Jason, Ulysses. Letzterer drehte den Spieß um und nannte sich nach einem weniger populären Ulysses!

Noch herzbewegender, wir haben eine weiße Schülerin. Dorrie Otis ist fünfzehn. Auf Drängen ihrer Mutter kam sie voller Scheu zu uns, zeigte sich aber sehr schnell begierig, die Bedeutung dieser merkwürdigen gedruckten Zeichen in Büchern zu verstehen. Ihr Vater ist ein armer Farmer, der nie im Besitz von Sklaven war, aber mit dem System sympathisierte. Ich bin sehr froh, daß seine Frau die Schlacht gewonnen hat, das Mädchen zur Schule zu schicken.

Ein einziger Tag der Freude - mehr gestand man uns nicht zu ...

»Wach auf, Madeline!« Prudence schüttelte sie erneut. Madeline hörte einen Mann brüllen. »Nemo ist draußen. Es brennt.«

»Oh mein Gott.«

Madeline erhob sich hastig aus dem Schaukelstuhl, rieb sich die Augen. Mit ungeschickten Fingern schloß sie die vier obersten Knöpfe ihres beschmutzten Kleides. Sie hatte sie wegen der feuchten Hitze geöffnet und war dann im Schaukelstuhl eingeschlafen.

Sie rannte zur offenen Tür. Draußen im Lampenschein tauchte Nemo mit tränenverschmiertem Gesicht auf. Sie sah den erhellten Himmel. »Ist es die Schule?« Er nickte nur; sprechen konnte er nicht.

Barfuß rannte sie aus dem Haus die sandige Straße entlang zu den alten Sklavenquartieren. Prudence hielt mit ihr Schritt; die Feuchtigkeit klebte das Baumwollnachthemd an ihren üppigen Busen und die breiten Hüften. Der helle Schein drang durch die Bäume und beleuchtete ihren Weg.

Gerade als sie das Schulhaus erreichten, stürzte die letzte Wand in einem Funkenregen nach innen. Die Hitze sprang sie an wie ein wildes Tier.

Prudence schien das nicht zu bemerken. »All meine Bücher sind da drinnen. Und meine Bibel«, schrie sie.

»Du kannst da nicht rein«, sagte Madeline und zerrte sie zurück.

Prudence wehrte sich einen Augenblick, bevor sie aufgab. In ihren Augen lagen Schmerz und Ungläubigkeit, als sie in die Flammen starrte.

Hinter den beiden Frauen versammelten sich einige Schwarze: Andy und Nemo und Sim mit ihren Frauen. Pride und Grant schauten verwirrt und verloren drein.

»Hat jemand hier irgendeinen Fremden gesehen?« fragte Madeline. Niemand hatte etwas bemerkt. Sim erklärte, daß ihn der Schein des Feuers geweckt habe; er hatte einen leichten Schlaf.

Madeline marschierte auf und ab vor Zorn. Sie schleuderte eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. »Randall Gettys hat mich vor der Eröffnung der Schule gewarnt. Vermutlich hat er die Hand hier im Spiel. Allerdings würde er nicht selbst ein Feuer legen, denke ich. Ich halte ihn für einen absoluten Feigling. Er brauchte Komplizen.«

Sie behielt die Bäume in der unmittelbaren Umgebung im Auge, besorgt, daß sich das Feuer noch weiter ausbreiten könnte, was allerdings nicht geschah. Die Flammen konnten die abgeholzte Fläche um das Gebäude nicht überspringen und fielen in sich zusammen, strahlten aber weiter eine intensive Hitze aus.

»Das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wer die Feinde sind. Nun, da läßt sich jetzt auch nichts dran ändern. Würde jemand von euch hoch zum Haus gehen und mir das Bild dieser schwarzen Frau bringen?«

Lincoln trat vor. »Ich gehe.«

Er eilte davon. Madeline ging weiter auf und ab. Sie konnte ihre nervöse Erregung kaum unter Kontrolle halten. Prudence redete sanft auf die Schwarzen ein, schüttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern, weil sie deren Fragen nicht beantworten konnte.

Lincoln kam mit der Daguerreotypie von Neil Whitebird zurück. Madeline nahm sie und näherte sich vorsichtig den glühenden Überresten. »Das Feuer war das Werk derart schändlicher Männer, daß sie ihre Taten nur im Schutz der Dunkelheit ausführen können. Ich bin mir sicher, die gleichen Männer haben mir das geschickt.« Sie streckte den Arm aus, zeigte ihnen das Gesicht der Prostituierten. »Das ist eine schwarze Frau von üblem Charakter. Die Männer, die diese Schule niedergebrannt haben, sagen, schwarz sei gleichbedeutend mit böse, böse gleichbedeutend mit schwarz. Gott möge sie verfluchen. Wißt ihr, warum sie mir gerade dieses Bild geschickt haben? Meine Mutter war eine Terzeronin.« Verblüfftes Schweigen. »Mehr noch, während einer gewissen Zeit in ihrem Leben verkaufte sie sich an Männer. Doch mein Vater betete sie an. Heiratete sie. Ich halte sie in Ehren. Ich bin stolz darauf, daß ihr Blut in meinen Adern fließt. Euer Blut. Sie wollen, daß wir das für einen Makel halten, ihrem Blut unterlegen. Wir sollen uns in einer Ecke zusammenducken und sie segnen, wenn sie uns ein paar Abfälle zuwerfen, wir sollen dankbar sein, wenn sie uns auspeitschen. Nun, ich sage, zur Hölle mit ihnen. Und das halte ich von ihnen und ihren Taktiken und ihren Drohungen.«

Sie riß die Daguerreotypie mitten durch und schleuderte die Stücke in die Glut. Sie rauchten, krümmten sich, brannten und waren verschwunden.

Madelines Gesicht glühte rot im Feuerschein. Vor Hitze und Zorn lief ihr der Schweiß übers Gesicht. »Falls ihr euch darüber wundern solltet, jawohl, das alles regt mich schrecklich auf, aber ändern tut sich dadurch nichts. Wenn die Asche kalt ist, räumen wir sie weg und beginnen mit dem Bau eines neuen Schulhauses.«

Eines der >Negergesetze<, das die neue Legislative albernerweise in Kraft gesetzt hat, definiert eine farbige Person als einen Menschen, der mehr als ein Achtel Negerblut hat. Also bin ich ausgenommen. Liebster, ich glaube jedoch, daß das keine Auswirkungen auf meine Gegner haben wird.

Ich bin überzeugt davon, daß Mr. Gettys zu ihnen gehört. Könnte der Tanzlehrer ebenfalls einer von ihnen sein? Ich weiß es nicht, und es kümmert mich auch nicht sonderlich. Sie haben uns den Krieg erklärt, mehr brauchen wir nicht zu wissen.

Ich muß Dir sagen, Liebster, daß ich schreckliche Angst habe. Ich bin nicht besonders mutig. Doch ich wurde so erzogen, daß ich zwischen richtig und falsch unterscheide und für das Recht eintrete.

Die Schule ist richtig. Der Traum von einem neuen Mont Royal ist richtig. Ich werde mich nicht unterwerfen. Sie werden mich töten müssen, wenn sie meine Pläne vereiteln wollen.

EINIGE VORSCHRIFTEN AUS SOUTH CAROLINAS >VERHALTENSKODEX FÜR SCHWARZE<

1865

Einem Neger ist es gestattet, Grund und Boden zu erwerben und zu behalten.

Einem Neger ist es gestattet, vor den Gerichten Gerechtigkeit zu suchen, zu klagen und verklagt zu werden und als Zeuge in all den Fällen aufzutreten, in die nur Neger verwickelt sind.

Einem Neger ist es gestattet zu heiraten; der Staat wird diese Ehe und die Legitimität der Kinder aus dieser Ehe anerkennen.

Einem Neger ist es nicht gestattet, eine Person anderer Rasse zu heiraten.

Einem Neger ist es nicht gestattet, ohne spezielle Lizenz, die 10 bis 100 Dollar im Jahr kostet, einer anderen Tätigkeit als Farmer oder Diener nachzugehen.