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Ein Neger darf per Autorität eines Gerichtsoffiziellen ausgepeitscht und zurückgebracht werden, wenn er einem Herrn fortläuft, bei dem er sich als Diener verdingt hat; ist er noch keine 18 Jahre, so ist er nur mäßig auszupeitschen.

Ein Neger darf sich keiner Milizeinheit anschließen oder eine Waffe besitzen, mit Ausnahme einer Vogelflinte.

Ein Neger wird zur Feldarbeit abgestellt, wenn er von einem Gerichtsoffiziellen der Landstreicherei für schuldig befunden worden ist.

Ein Neger wird des Staates verwiesen oder zu harter Fron verurteilt für alle Verbrechen, die nicht die Todesstrafe nach sich ziehen.

Ein Neger wird zum Tode verurteilt, wenn er zur Rebellion aufruft, in ein Haus einbricht, eine weiße Frau körperlich belästigt oder ein Pferd, ein Maultier oder einen Ballen Baumwolle stiehlt.

11

Lieber Jack, schrieb Charles, ich gehe mit einer Handelsgesellschaft für 6 Monate im Jahr in den Westen. Mein Partner sagt, Du kannst jederzeit in Ft. Riley, Kansas, eine Nachricht hinterlassen. Ich melde mich bei Dir, sobald ich zurück bin. Ich hoffe, mein Sohn bleibt gesund und wird sich an mich erinnern und macht Dir und Maureen nicht zuviel Arger. Gib ihm einen Extrakuß von seinem >Pa<.

Ich muß das tun, weil ich nicht mehr in der Armee bin. Ich hatte in Jefferson Barracks einigen Arger...

Ein Spalt strahlend hellen Lichts lag zwischen dem Land und den dichten, grauen Wolken, die im Westen schwer nach unten drückten. Dem Kalender nach war es noch Sommer, September, doch die regenfrische Vegetation und die kühle Luft ließen einen an den Herbst denken.

Die gesamte Jackson Trading Company kam aus dem Wald geritten, vornweg ein Dutzend schwer mit Waren beladene Mulis. Leinenpacken bargen Säckchen mit Glasperlen in unterschiedlichen Größen; Holzfuß Jackson bevorzugte Rauten- und Triangelformen, so wie jene, die am Brustbesatz seines Mantels glitzerten und blitzten.

Der Händler hatte Charles erklärt, daß Cheyenne-Frauen Perlen wünschten, um damit die Gewänder zu verzieren, die sie fertigten. Die Weißen hatten Glasperlen in den Westen eingeführt, und die Vorliebe dafür war bereits weitverbreitet. Eine ältere, traditionellere Zierde stellten die Stachelschweinborsten dar, die es am Mississippi im Überfluß, auf den trockenen Hochebenen, wohin sie gingen, aber höchst selten gab.

Auch einige relativ sperrige Gegenstände brachte Jackson mit. Eiserne Hacken, die länger hielten als das mit Riemen an einem Stock befestigte Schulterblatt eines Büffels. Haltbarkeit war ebenfalls ein Vorteil eines anderen Artikels, den er in größeren Mengen mitführte - ein kleines eisernes Rechteck, bei dem eine lange Seite mit einer Feile zugeschliffen worden war. Das Werkzeug ersetzte ein ähnliches Gerät aus Knochen, mit dem die Haare von der Büffelhaut geschabt wurden, die dann in Kleidungsstücke und Tipiabdeckungen genäht wurden.

Der Händler meinte, es gäbe noch viele andere Dinge, die er verkaufen könnte, aber er zog es vor, sich auf einige wenige Gegenstände zu beschränken, deren Beliebtheit stetig gewachsen war. All diese Güter waren für Frauen bestimmt, wurden aber von Männern mit der am weitesten verbreiteten indianischen Währung bezahlt - mit Pferden.

Charles nahm das alles in sich auf, zusammen mit Holzfuß' Erklärung für seinen Erfolg.

»Es gibt Händler im Fort, die verkaufen die gleichen Sachen wie ich, aber die Cheyenne würden nicht mal in ihre Nähe gehen. Und umgekehrt. Ich bringe seit fast zwanzig Jahren Waren in die Dörfer.«

»Regeln die Indianeragenten nicht den Handel?«

Holzfuß spuckte einen Klumpen Kautabak aus und brachte auf diese Weise seine Ansicht über das Indianerbüro des Innenministeriums zum Ausdruck. »Das würden sie sicher gern, weil die meisten von ihnen nichts weiter als geldgierige Taugenichtse sind, die am liebsten den ganzen Handel an sich reißen würden. Ich hab' ein wachsames Auge auf sie. Wenn sie mich nicht finden, können sie mich nicht aufhalten. Die Cheyenne werden mich nicht verraten, aus dem gleichen Grund, aus dem ich noch meine Haare hab'. Ich bin ihr Freund.«

»Der sich aber ins Gegenteil verwandeln kann, wenn man ihn betrügt, ja?« Charles deutete auf die eingekerbte Feder.

»Nun, ja, das auch.«

Zigarrenrauch kringelte sich an der Krempe von Charles' brandneuem, flachem Filzhut vorbei. Er saß bequem auf Satan; auf die Schenkelinnenseiten seiner Jeans hatte er Streifen abgeschabter Büffelhaut genäht. Der Schecke war wieder in guter Verfassung, doch Charles achtete trotzdem auf leichte Zügelführung; wenn immer möglich leitete er ihn durch Druck von Hand und Knie. Satan reagierte schnell; er war intelligent. Charles hatte keine schlechte Wahl getroffen.

In der Sattelscheide steckte ein glänzend neues Spencer-Repetiergewehr, das sieben Patronen aus einem Magazin verfeuerte. Sein Zigeunermantel verbarg ein Bowiemesser von einem Fuß Länge und ein scharfes Beil mit Pawnee-Verzierungen, Federn und Perlenschnüren am Schaft. Er war besser ausgerüstet als die US-Kavallerie, die sich mit Kriegsrestbeständen zufriedengeben mußte.

Die herbstliche Landschaft, die kühlen Temperaturen und die sinkende Nacht ließen ihn melancholisch werden. Holzfuß versuchte das mit lebhafter Unterhaltung zu verscheuchen.

»Wie geht's der kleinen Schauspielerin? Verschmachtet sie vor Sehnsucht?«

»Das bezweifle ich.«

»Hast du vor, sie wiederzusehen?«

»Vielleicht im Frühjahr.«

»Charlie, du hast so einen komischen Ausdruck in den Augen. Hab' ich früher schon bei Männern gesehen. Hast du eine andere Frau verloren?«

»Ja. In Virginia. Ich spreche nicht gern darüber.«

»Dann tun wir's auch nicht. Trotzdem ganz nett, daß du als Trost die kleine Schauspielerin hast.«

»Sie ist nichts weiter als eine Bekannte. Außerdem kann eine Frau nicht durch eine andere ersetzt werden. Können wir das Thema fallenlassen?«

»Sicher. Du wirst das sowieso bald vergessen. Wo wir hingehen, gibt's massenhaft andere Sachen, die deine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen werden.« Sein Tonfall drückte aus, daß er damit nicht Amüsements, sondern Gefahren meinte.

Charles wünschte sich, er könnte Gus Barclay wenigstens für kurze Zeit vergessen, aber er war dazu einfach nicht in der Lage. In seinem Herzen hegte er den Wunsch, daß sein Gewissen ihn etwas intensiver an Willa Parker denken lassen möge. Ihre bezaubernde Mischung aus Jugend und Weitläufigkeit, Idealismus und fröhlicher Toleranz fesselte seine Phantasie. Vermutlich konnte es nicht schaden, wenn er bei seiner Rückkehr die angebotene Eintrittskarte akzeptierte.

Falls er zurückkehrte.

Holzfuß schien zuversichtlich, doch vor ihnen lag ein weites, leeres Land. Und es gab keinen Zweifel, daß die Stämme aufgebracht waren über die Präsenz der Armee und den ständigen Zustrom der Einwanderer nach Westen.

Fenimore Cooper wedelte mit dem Schwanz und rannte vor den Reitern hin und her; einmal schoß er nach links, dann nach rechts, aber stets kehrte er fröhlich bellend wieder zurück. Charles fragte sich, ob der Hund sich darüber freute, daß er jetzt noch keine Stangenbahre ziehen mußte.

Boy entdeckte in einem Gebüsch einen blauen Häher und klatschte vor Vergnügen in die Hände. Charles paffte seine Zigarre und tätschelte Satan. Die Jackson Trading Company wurde in der gewaltigen Waldlandschaft kleiner und kleiner und verlor sich schließlich in der Dunkelheit.

12

Ein Gewitter grollte über Richmond. Regen stürzte aus den Dachrinnen des Spitals und klatschte gegen die Grabsteine des unmittelbar südlich davon gelegenen Shockoe-Friedhofs. Das Toben des Unwetters hielt die Patienten in dieser düsteren Septembernacht wach.