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»Kansa«, sagte Holzfuß, und deutete auf die Feldarbeiter. »Werden auch Kaw genannt.« Er führte seine Gefährten aus dem seichten Wasser in wogendes, fußhohes Bartgras. »Sie kommen fast mit jedermann aus. Schätze, das hat vor langer Zeit mal für alle Stämme gegolten. Selbst für die Cheyenne, als sie noch in Minnesota oder wo auch immer lebten. Jetzt trifft das nicht mehr zu. Die Gründe dafür wirst du bald sehen.«

Auf ihrem weiteren Weg nach Westen sahen sie die Gründe:

Westwärts ziehende Auswandererwagen, deren weiße Planen im Herbstwind flatterten.

Eine Kutsche der Butterfield-Overland-Express-Linie, die in einer Staubwolke auf der Smoky-Hill-Route dahindonnerte.

Ein Arbeitslager der Eisenbahn, mit aufgereihten Waggons auf Schienen, die mitten in einem Feld voller Disteln und Klee endeten.

»Das hier ist Stammesland, Charlie. Die Indianer sind daran gewöhnt, überall herumzustreifen, so wie diese Araber auf der anderen Seite der Welt. Solange man zurückdenken kann, haben sie von der Freigebigkeit des Landes gelebt. Vor allem von der Jagd und den Büffeln. Die Kansa zum Beispiel haben sich gewandelt, haben sich fest niedergelassen. Die Cheyenne nicht. Sie leben noch so wie früher. Also kann man ihnen nicht einfach ihr Land stehlen oder sie auf eine Farm abschieben und erwarten, daß sie einem dafür die Füße küssen. Deshalb töten einige von ihnen Menschen. Hast du nicht dasselbe getan, als die Jungs von der Union über dein Land marschierten?«

»Jawohl, Sir«, sagte Charles; er verstand durchaus, was der Händler meinte.

In Topeka kaufte Holzfuß eine Ladung Blechtöpfe. »Die mögen die Frauen lieber als grobe Lederbeutel oder zusammengenähte Büffelmägen. Da können sie Wasser kochen, ohne das Theater, heiße Steine reinwerfen zu müssen.«

Die neuen Güter erforderten, daß nun Fen einen Teil der Last schleppte. Der Collie zog die Stangenbahre, auf der ihre Zeltstangen und die Abdeckung lagen. Stundenlang trabte er so dahin; nur an seiner heraushängenden Zunge konnte man sehen, wie er sich anstrengte.

Von einem Kavallerietrupp erfuhren sie, daß die große Friedenskonferenz, von der Willa gesprochen hatte, unten am Little Arkansas begonnen hatte. Der Captain, der das Kommando führte, sagte: »Ihr Jungs könntet ausnahmsweise mal einen friedlichen Winter erleben.«

»Verdammter Narr«, sagte Holzfuß, nachdem der Trupp weitergeritten war. In der frostigen Herbstluft schwitzte sein gerötetes Gesicht überraschend stark. »Der Captain ist auch einer von denen, die keine Ahnung haben, wie die Stämme funktionieren. Er denkt, wenn ein Friedenshäuptling wie Schwarzer Kessel, mit dem wir verhandeln werden, sein Zeichen unter einen Vertrag setzt, dann legen alle anderen die Füße hoch und packen ihre Waffen weg. Verflucht wenige kapieren, daß kein Indianer für alle Indianer spricht. War noch nie so und wird nie so sein.«

»Ich glaube, du hast eine ganz schön hohe Meinung von den südlichen Cheyenne.«

»Das habe ich, Charlie. Sie sind die besten Reiter der Welt. Außerdem bin ich lange genug hier draußen, um sie auch von einer anderen Seite zu kennen, nicht bloß als einen Haufen kupferfarbiger Wilder. Wenn ein Mann aus der Hundegemeinschaft die Frau eines Farmers vergewaltigt, dann kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit die Kavallerie an und erschießt irgendeinen friedlichen alten Häuptling, weil ihnen der Unterschied nicht klar ist. Ich hatte Glück; Papa hat mir beigebracht, jeden von ihnen als Einzelperson zu sehen. Es gibt Gute und Schlechte, wie bei allen anderen Menschen auch. Vor ein paar Jahren habe ich eine Indianerin so geliebt, daß ich sie zur Frau nehmen wollte. Sie starb, als sie einem kleinen Mädchen das Leben schenkte. Eine Woche später starb das Baby.«

Plötzlich hustete er; den Kopf vorgebeugt, die Kiefer zusammengebissen, so krallte er eine Hand in sein Hemd. Charles zü-gelte Satan, lehnte sich nach links und griff nach Holzfuß' Arm. »Was ist? Tut dir was weh?«

»Nichts .« Der alte Händler schnaufte tief durch. »Nicht der Rede wert.« Er keuchte mit tränenden Augen. »Mein Papa hatte ein schwaches Herz. Hat er mir vererbt. Mach dir deswegen keine Sorgen. Los, weiter geht's.«

Die niedrigen Hügel begannen auszulaufen, die Weiden und Pappeln wurden spärlicher. Sie ritten durch kurzes Büffelgras; das einzige Anzeichen von Leben waren die Erdhügel der schwarzschwänzigen Präriehunde. Das Herbstlicht überflutete alles, schuf eine neue Schönheit. Charles hätte nicht direkt sagen können, daß er glücklich war, doch mit jedem Tag dachte er etwas weniger an Augusta Barclay.

»Okay, Charlie«, sagte Holzfuß, als sie die Smoky Hills durchquert hatten. »Zeit für dich, in die Schule zu gehen.«

»Du weißt nie, wann du schnell sein mußt, Charlie. Boy und ich, wir haben so lange geübt, bis wir das Tipi in zehn Minuten auf und in der halben Zeit abbauen konnten. Schätze, mit deiner Hilfe schaffen wir das noch schneller. Hast du bemerkt, daß der runde Eingang immer nach Osten schaut? Auf die Weise entgeht man den meisten der großen Stürme und Regengüsse aus dem Westen, und du kriegst die Morgensonne ab. Außerdem lassen sich die Stämme so gern daran erinnern, daß es der Große Geist ist, der ihnen Licht und Nahrung schickt. Los, beeilen wir uns, Charlie. Wenn du dein Abendessen willst - in acht Minuten ist die Sonne weg.«

Der Schein des Feuers flackerte über die Rolle Messingdraht. Holzfuß' Haar, von Anfang an schon lang, war nun so gewachsen, daß man es flechten konnte. Er legte eine Windung Draht nach der anderen um den Zopf über seiner linken Schulter.

Charles kaute auf einem Stück Pemmikan herum, einem Brocken gepökeltes Büffelfleisch, nach Zugabe von Fett und Beeren gehärtet. »Wenn du dich damit nicht rumärgern willst, kannst du deine Haare mit meinem Messer schneiden.«

»Oh nein. Schneidest du einem Mann das Haar ab, dann nimmst du ihm sein Leben im Jenseits. Wenn ein Cheyenne je einen Haarschnitt verpaßt kriegt, dann verbrennt seine Frau die abgeschnittenen Haare, so daß niemand ein Unheil damit anrichten kann.«

Boy sprang aufgeregt in die Höhe. »Straße! Straße!«

Charles' Blick folgte dem ausgestreckten Finger des Jungen zu dem Schleier der Sterne, der sich am Himmel ausbreitete. »Das ist die Milchstraße, Boy.«

»Das ist die hängende Straße, Charlie«, sagte Holzfuß. »Der Trail, auf dem die Cheyenne in die geistige Welt reisen. Die Straße zum Ort der Toten.«

Der Händler streichelte seinen Neffen, um ihn zu beruhigen, öffnete dann seine mit Stachelschweinborsten und bemalten Mustern verzierte Büffelhauttasche. Er holte eine Rolle sauberer, weicher Tierhaut hervor, die er neben dem Feuer ausbreitete. Dann öffnete er kleine Töpfchen mit roter und schwarzer Farbe, die er mit Spucke anfeuchtete. Zu Charles' Überraschung förderte er einen kleinen Malerpinsel zutage. Mit schwarzen Strichen begann er die obere linke Ecke der Haut zu bemalen. Eine Linie von drei Pferden und Reitern, durch Striche gekennzeichnet. Er beendete das Werk mit einer kleineren, vierbeinigen Figur im Vordergrund.

»Was um alles in der Welt soll das sein?« fragte Charles.

»Der Beginn unserer Winterbilanz. Eine Art Bildgeschichte über einen Winter im Leben eines Mannes. Häuptlinge und Krieger machen das.« Er grinste. »Ich schätze, die Jackson Trading Company ist wichtig genug, um sich dieses Jahr so was auch leisten zu können.«

Sie sahen eine Büffelherde auf ihrer jahreszeitlich bedingten Wanderung nach Süden. An einem bis auf ein kleines Rinnsal ausgetrockneten Fluß warteten sie stundenlang, bis die Herde vorübergezogen war. Von Anfang bis Ende maß sie ungefähr sechs bis sieben Meilen, bei einer Breite von gut einer Meile. Holzfuß deutete auf die alten Leitbullen.

»Ein Name, den die Stämme für den Büffel haben, lautet Onkel. Da er ihnen so ziemlich alles bietet, was sie essen oder irgendwie verwenden können, meinen sie, daß er fast schon ein Verwandter ist.«