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»Der Markt ist so groß?«

»Indiana und Iowa noch dazu, dann könnte ich wie ein verdammter Herzog leben. Hochstein will sich aber nicht mit dem Bordellmarkt einlassen. Die Konkurrenz ebenfalls nicht - ahhh! Wohin gehst du?«

»Wir brauchen Licht. Wir müssen uns unterhalten.«

Ein Streichholz kratzte, ein Flämmchen erhellte den Raum. Sie packte die blaue Seidenrobe, ein Geschenk der Senora.

Fenway beschwerte sich, daß ihm kalt sei. Mit besänftigenden Lauten stopfte ihm Ashton die abgeschabte Decke unter das Kinn und setzte sich wieder. »Willard!«

»Will, verdammt noch mal. Ich hasse Willard.«

»Entschuldige, Will. Du hast gerade einen wunderbaren Einfall gehabt und weißt es nicht. Würdest du nicht gern diesem alten Mr. Hochstein einen Tritt ins verlängerte Rückgrat geben? Und dabei noch eine Menge Geld rausschlagen?«

»Darauf kannst du wetten. Ich bin jetzt seit zweiundzwanzig Jahren sein Sklave. Aber .«

»Würdest du dafür ein kleines Risiko eingehen?«

Er dachte darüber nach. »Ich denke schon. Kommt drauf an, wie groß das Risiko und wie groß der Lohn dafür ist.«

»Nun, du hast eben gesagt, du könntest wie ein Herzog leben, wenn du in drei Staaten Pianos an Freudenhäuser verkaufen würdest. Und wenn du sie nun im ganzen Westen verkaufen würdest?«

Fenway konnte nur noch krächzen. »Mein Gott, Mädel. Du sprichst von El Dorado.«

Sie klatschte in die Hände. »Dachte ich mir. Will, wir werden Partner.«

»Partner? Ich bin noch keine zehn Minuten hier.«

»Oh, doch, das bist du, und wir sind Partner«, sagte sie, sehr nachdrücklich mit dem Kopf nickend. »Wir steigen ins Pianogeschäft ein. Du weißt doch, wie Pianos hergestellt werden?«

»Sicher. Für die Arbeit, die ich nicht selbst machen kann, könnte ich mir Leute suchen. Aber wo sollten zwei Pianobauer die vierzig- oder fünfzigtausend Dollar auftreiben, die man für den Anfang braucht? Sag mir das mal.«

»Wir werden es in Virginia City auftreiben. Sobald du mir geholfen hast, von diesem verdammten Ort fortzukommen.«

Ashton beugte sich vor; ihre Brüste preßten sich gegen den Seidenstoff. Zum erstenmal roch sie Fenways Atem. Nicht der übliche Gullygeruch der meisten Kunden. Er hatte eine Gewürznelke gekaut. Der Duft der Gewürznelke vermischte sich angenehm mit dem Pflanzenöl. Der alte Bursche wurde ihr immer sympathischer.

»Verstehst du, Will, mein verstorbener Mann hatte Besitz in Virginia City. Eine Mine. Sie gehört mir. Wir müssen nur hinkommen.«

»Was denn, ah ja, nichts dabei«, sagte er. »Ist ja nur ein kleiner Sprung rüber nach Virginia City. Kann ich eigentlich meinen Ohren noch trauen?«

»Aber sicher kannst du das. Oh, warte. Bist du irgendwie gebunden?«

»Du meinst Frauen? Nichts dergleichen. Ich hab' drei Stück aufgearbeitet oder sie mich, da bin ich mir nicht sicher.« Er grinste. Unten zerbrach jemand ein Möbelstück. Dann hörte Ashton den Übeltäter schreien - Luis. Fenway entging der bösartige Blick, der kurz in ihren Augen aufblitzte. »Du erzählst mir die Wahrheit? Dein Mann besaß eine Mine in Nevada?«

»Die Mexikanische Mine.«

»Ich bin dort gewesen. Ich kenne diese Mine. Eine verdammt große Mine.«

»Ich will dich nicht anlügen, Will. Ich habe keine Urkunde, mit der ich meinen Besitzanspruch nachweisen könnte. Auf der Heiratsurkunde steht zwar, daß ich Mrs. Lamar Powell bin, aber die ist in Richmond zurückgeblieben.«

»Wenn wir Frisco erreichen - ich kenne dort einen Burschen, der uns eine neue Urkunde drucken kann.« Ashton genoß es, wie seine Augen glänzten. Er begann die große Chance zu erfassen. »Aber das reicht vielleicht noch nicht.«

Sie legte eine Hand auf ihre schwellende Brust. »Oh, ich habe gewisse Möglichkeiten, jemanden zu überzeugen, der ein bißchen kleinlich ist.«

Fenway, der langsam rot anlief, war außer sich. »Sprich weiter, sprich weiter. Du magst verrückt sein, aber mir gefällt das.«

»Der schwerste Teil - und das ist jetzt ernst gemeint, Will, kein Witz, der schwerste Teil wird sein, hier wegzukommen, raus aus Santa Fe. Die Senora, die Frau, der du das Geld gegeben hast, ist ein gemeines Stück. Und Luis, ihr Schwager, ist noch schlimmer. Hast du ein Pferd?«

»Nein. Ich fahre mit den Überlandkutschen.«

»Könntest du drüben in Fort Marcy vielleicht zwei Pferde kaufen?«

»Ja. Ich glaube, soviel habe ich noch.«

»Besitzt du eine Waffe?«

Sein Gesicht verlor schnell an Farbe. »Du meinst, bei der Sache kann auch geschossen werden?«

»Ich weiß es nicht. Möglich. Wir brauchen Nerven, wir brauchen Pferde, und wir brauchen eine geladene Waffe, bloß für den Notfall.«

»Nun.« Eine geäderte Hand deutete auf den Musterkoffer. »Wühl mal unter diesen Verkaufsblättchen. Dort liegt ein alter Allen-Revolver, gute fünfundzwanzig Jahre alt, aber bei Reisenden sehr beliebt.« Er räusperte sich. »Ich fürchte, meiner ist nur zum Vorzeigen. Keine Munition.«

»Dann wirst du welche kaufen müssen.«

Während er darüber nachdachte, brach unten der Streit wieder aus. Ein krachendes Geräusch deutete an, daß hier einer einen Stuhl über den Schädel bekommen hatte. Ashtons Mund verzog sich häßlich, als sie Luis bellen hörte: »Vete, hijo de la chingada. Gonsalvo, y donde esta el cuchillo? Te voy a cortar los hue-vos.«

Ein jaulender Schrei und hämmernde Schritte signalisierten den Rückzug des potentiellen Opfers. Fenways Augen quollen hervor.

»War das der Schwager?«

»Kümmere dich nicht drum. Wir werden mit ihm fertig -wenn wir eine geladene Waffe haben.«

»Aber ich bin ein friedlicher Mann. Ich kann mit einer geladenen Waffe gar nicht umgehen.«

Ashtons süßes Lächeln lenkte ihn von ihrem tückischen Blick ab. »Ich schon.« Sie streichelte seine mit weißen Bartstoppeln bedeckte Wange. »Ich schätze, die Entscheidung liegt bei dir, mein Lieber. Möchtest du dich lieber sicher, aber arm durch den Westen schleppen, immer weiter und weiter, oder ein kleines Risiko eingehen und anschließend in Reichtum leben?«

Fenway nagte an seiner Unterlippe. In der Cantina unten erzählte Luis mit polternder, grollender Stimme noch einmal von seinem Triumph über den geflüchteten Mann. Fenway starrte Ashton an und dachte: Das ist vielleicht eine Frau. Eine bemerkenswerte Frau.

Er gab sich keinen Illusionen bezüglich des Mädchens hin, das ihn hier so umschmeichelte. Auch verbarg sie nicht, was sie war. Sie schrieb es groß und deutlich auf ihr Schild, und wem das nicht paßte, der konnte sie gern haben. Er fand immer mehr Gefallen an dieser Wölfin im Schafspelz.

Sie gab ihm einen Kuß auf die Lippen. Ihr feuchter Mund war dem seinen ganz nahe, ihr warmer, erregter Atem strich über sein Gesicht, sie berührte ihn mit ihrer Zungenspitze, während einer ihrer Finger mit seinem Ohr spielte. »Komm. Will, sag's mir. Armut oder Pianos?«

Sein Herz hämmerte beim Gedanken an all die Reichtümer -und beim Gedanken daran, das Leben zu verlieren.

»Zum Teufel damit. Versuchen wir's mit Pianos. Partner.«

Zwei Abende später, während ein verfrühter Wintersturm über Santa Fe fegte, kehrte Will Fenway mit seinem Musterkoffer zurück, gerade so wie beim ersten Mal, als sie ihren Plan gefaßt hatten. Wilde Blicke um sich werfend, schloß er die Tür und lehnte sich dagegen, während der Regen gegen die Fensterläden klatschte. Ashton riß ihm den Koffer aus der Hand und machte ihn auf dem Bett auf. »Hast du für die ganze Nacht gezahlt?«

»Nein. Konnte ich mir nicht mehr leisten.«

»Will«, fing sie an zu jammern, gereizt und nervös.

»Hör zu, ich halte das allmählich für eine verdammt blödsinnige Idee. Ich habe jeden Cent für Munition und für diese beiden Klepper ausgegeben, und jetzt spielen die Senora und ihr übel aussehender Verwandter unten Karten. Wegen des Regens ist sonst niemand da. Sie werden jeden Laut hören.«