Und schuld an all dem waren Main und Hazard. Deren bösartige Charaktere. Ihre geheimen Verleumdungskampagnen hatten ihn ruiniert.
Bevor er im Spital wieder zu sich gekommen war, hatte er irgendwann - an den genauen Zeitpunkt konnte er sich nicht mehr erinnern - in Richmond Nachforschungen über Main angestellt. Ein Veteran hatte ihm sagen können, daß Colonel Orry Main bei Petersburg den Tod gefunden hatte. Sein anderer Feind, Hazard, war höchstwahrscheinlich noch am Leben. Und was genauso wichtig war, jeder der Männer besaß natürlich eine Familie. Er erinnerte sich, daß er sich vor dem Krieg an einem der Mains in Texas zu rächen versucht hatte. Charles - so hatte er geheißen. Sicherlich gab es noch viele andere Verwandte.
Er bemühte sich, jetzt nicht an all das zu denken und sich auf die Gallego-Ruinen zu konzentrieren. Nach einer Suche von einer Stunde hatte er, wie er glaubte, die richtige Stelle gefunden. Er kniete nieder und wühlte sich durch den Schutt, das Geräusch schnell fließenden Wassers im Ohr. Es strömte über ein gewaltiges Mühlrad, das sich nicht mehr drehte. Wie die meisten Dinge im Süden, so war auch das Mühlrad zerbrochen.
Beim Graben verletzte er sich die Finger an den scharfen Ziegelbrocken. Bald schon waren seine Finger mit Staub und Blut bedeckt. Doch er fand, was er vergraben hatte. Sein Gedächtnis hatte ihn nicht vollkommen im Stich gelassen.
Er ging, das zusammengerollte Ölgemälde umklammernd, zu einer Stelle, die in helles Mondlicht getaucht war, und wischte dort den Staub von seinem Schatz. Während er das Bild säuberte, stieß der Schmerz wie eine spitze Ahle durch seine Stirn und begann sich tiefer und tiefer zu wühlen. Winzige, nadelscharfe Blitze zuckten auf.
Er erinnerte sich an seinen Namen.
Er sagte ihn laut. In einem offenen Rechteck aufragender Mauern saßen einige schwarze Siedler am Lagerfeuer; der Lärm erregte ihre Aufmerksamkeit. Einer kam herübergeschlurft. Nach einem Blick auf das Gesicht des Mannes im Mondlicht zog er sich schnell wieder zurück.
Voller Inbrunst wiederholte der Mann den Namen.
»Elkanah Bent.«
Entlang der gespenstischen Wände trieb dünner, bitterer Rauch, der ihn zu würgen begann. Er hustete, während er die Erinnerung an das Gesicht auf dem Gemälde heraufzubeschwören versuchte . versuchte .
Ja. Eine Terzeronenhure.
Woher hatte er ihr Porträt?
Ja. Ein Bordell in New Orleans.
Das lieferte ihm den Hinweis auf eine noch bedeutsamere Erinnerung - seinen Lebenszweck. Vor Wochen hatte er sich dieser Sache verschrieben und sie dann während der schlimmen Zeit im Spital vergessen.
Sein Lebenszweck war der Krieg.
Der andere Krieg zur Befreiung des hinterhältigen Niggers, der damit auf die Ebene des überlegenen weißen Mannes gehoben werden sollte, war vorüber und verloren. Sein Krieg war noch nicht vorbei. Bis jetzt hatte er seine Kräfte, seinen strategischen Scharfsinn, seine überlegene Intelligenz noch gar nicht eingesetzt, um den Krieg zu eröffnen gegen die Familien der ...
Der ...
Main.
Hazard.
Sie zu bekriegen, sie leiden zu lassen, indem er die tötete, die sie liebten - alte, junge -, einen nach dem anderen. Eine süße, langsame Vernichtungskampagne, ausgeführt von dem amerikanischen Bonaparte.
»Bonaparte«, kreischte er dem Mond entgegen. »Bonapartes Meisterwerk!«
Die Siedler verließen ihr Feuer und zogen sich in die Finsternis zurück.
Er drückte sich den Zylinder fest auf den Kopf und straffte seine hängenden Schultern, so gut es ging. Der Frack, den sie ihm gegeben hatten, sah im Mondschein alt und schmierig aus. Er machte eine exakte militärische Kehrtwendung und marschierte los, wie ein Mann, der nie auch nur einen Moment krank gewesen war.
17
Die Jackson Trading Company ritt, umzingelt von Narbengesicht und dessen Kriegern, auf das Dorf von Schwarzer Kessel zu. Die Indianer hatten den Weißen die Waffen abgenommen. Charles hatte sich anfangs geweigert, dann aber nachgegeben, als Holzfuß darauf beharrte, daß es nur zu ihrem Besten wäre. »Liefere ihnen keinen Vorwand, uns zu töten, Charlie.«
Es wurde allmählich dunkel. Mit schneidender Schärfe trieb der Wind den Schnee in Charles' Gesicht. Plötzlich wurde ihm klar, was es mit dem strähnigen Saum an Narbengesichts Mantel auf sich hatte.
»Ich hätte es gleich erkennen müssen. In Texas hab' ich Skalpe gesehen. Das sind Haare«, sagte er zu Holzfuß.
»Richtig. Ein Mann der Hundegemeinschaft darf diese Art von Zierde tragen, wenn er sich oft genug ausgezeichnet und genügend Feinde getötet hat.«
»Einige Haare sind blond. Es gibt keine blonden Indianer.«
»Ich sagte dir doch schon, Charlie, diesmal haben wir uns eine Menge Kummer aufgeladen.«
Die Aufmerksamkeit des Händlers pendelte zwischen Charles und Fen. Der Collie zerrte an seiner Stangenbahre und bellte und bellte. Zwei Krieger ritten vor, hoben ihre Lanzen zum Wurf.
»Tut das nicht«, brüllte Holzfuß mit rotem Gesicht. Die Krieger lachten und drehten ab, zufrieden mit der Reaktion.
Die Cheyenne spielten weiter mit ihren Gefangenen: Sie ritten dicht heran, berührten sie mit Händen und Stöcken. Narbengesicht galoppierte neben ein Packmuli und riß mit seiner Lanze einen weiteren Leinensack auf. In einer Kaskade stürzten Glasperlen auf den schneebedeckten Boden.
Charles hob die Hand. Holzfuß hielt ihn zurück.
»Unsere Haare sind mehr wert als die Waren. Wir müssen uns damit abfinden, bis wir eine Möglichkeit entdeckt haben, uns herauszuwinden.«
Zuerst trafen sie auf acht Jungen in Fellen, die mit stumpfen Pfeilen nach Wild pirschten. Hinter dem nächsten Hügelkamm entdeckten sie die Pferdeherde, ungefähr hundert Ponys, von weiteren Jungen bewacht. Der Wind trug den Geruch von Holzrauch heran.
Holzfuß sagte ruhig: »Ganz gleich, was sie tun, werde nicht wütend. Behalt die Nerven, und wenn ich dir plötzlich einen Hinweis gebe, befolg ihn sofort.« Charles nickte, obwohl ihm die Bedeutung der Worte des Händlers nicht ganz klar war.
Ihr Auftauchen im Dorf verursachte einen Aufruhr. Alte Männer, Mütter mit Babys auf dem Rücken, Mädchen, Kinder, Hunde strömten aus den Tipis und drängten sich schnatternd um sie, in nicht gerade feindlicher Manier, dachte Charles. Feindselig war nur Narbengesicht. Er sprang vom Pferd und bedeutete ihnen, das gleiche zu tun.
Charles stieg ab. Er bemerkte am Boden festgepflockte Büffelhäute, während andere über senkrechte Rahmen gespannt waren, doch ansonsten war die Freiluftarbeit im Dorf wegen des schlechten Wetters eingestellt worden.
Während er sich umschaute, begegnete er dem Blick eines Mädchens mit großen, ungemein neugierigen Augen. Sie hatte gleichmäßige, sogar zarte Gesichtszüge und glänzend schwarzes Haar. Sie schenkte ihm ein schnelles Lächeln, um zu zeigen, daß er im Dorf nicht nur Feinde hatte.
Narbengesichts Krieger drängten sich um sie. Mit wirbelnden Zeichen und Geschrei ging Holzfuß zur Offensive über. »Moke-tavato! Ich will mit ihm sprechen.«
»Ich sagte dir, Schwarzer Kessel ist nicht hier«, erklärte Narbengesicht. »Es sind keine Friedenshäuptlinge da, die euch helfen könnten; nur Kriegshäuptlinge.« Er wendete sich an seine Männer. »Nehmt ihre Güter.«
Der Indianer in der Kavalleriearbeitsjacke begann Charles' Satteltaschen aufzufetzen. Charles stürzte sich auf ihn. Holzfuß schrie eine Warnung, und jemand hinter ihm schlug ihm einen Gewehrkolben über den Schädel. Ein zweiter Schlag zwang ihn in die Knie. Die Menge brüllte. Fen knurrte. Narbengesicht versetzte dem Collie einen Tritt, der ihn aufjaulen ließ.
Die Krieger der Hundegemeinschaft drängten sich um die Packtiere und rissen die Säcke auf, in denen sich die Eisenschaber, die Hacken und die Blechtöpfe befanden. Die Menge schob sich näher heran. Um sie auf seine Seite zu ziehen, befahl Narbengesicht seinen Männern, die Handelswaren zu verteilen.