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»Zeigen Sie mir einen dieser Niggerfreunde«, sagte Captain Jack Jolly, »dann kann er schnell in meine Revolvermündungen schauen.«

Atemlos eilte Randall Gettys zu Asia LaMottes Kutsche zurück. »Ich muß Des schreiben. Siehst du den Mann dort bei Edward? Ich muß ihn zum Bleiben überreden. Er ist fähig, das zu tun, worüber wir gesprochen haben.«

Die fette, alte Frau starrte Gettys an, als würde er russisch sprechen. Das Horn dröhnte erneut. »Verstehst du nicht?« flüsterte er. »Wir haben den Wunsch, und er hat die nötigen Nerven dazu. Gott hat uns ein Ausführungsinstrument geschickt.«

Eine telegraphische Nachricht von George! Von Charleston überbracht. Nach kurzem Wochenbett erblickte Billys und Bretts Kind am 2. Dez. in San Francisco das Licht der Welt. Ein Sohn mit Namen George William. Welch segensreiches Geschenk.

Eine weitere Gabe ist der anhaltende Friede im Bezirk. Wir bleiben unbelästigt, sogar unbemerkt. Prudence unterrichtet nun zwei erwachsene Frauen und einen Mann, zusammen mit sechs Kindern. Denjenigen, die unsere Schule hassen, muß bekannt sein, daß wir jederzeit vom Büro Soldaten anfordern können.

Ich spüre, daß wir außer Gefahr sind. Ich bin dankbar dafür: Ich bin müde und möchte in Ruhe meinen Traum verfolgen können ...

_DAS    GEHALT    DES    PRÄSIDENTEN_

Der Finanzminister unterzeichnete heute eine Anweisung zugunsten von Mrs. lincoln über die Summe von 25.000 Dollar, weniger als der Betrag, den Mr. lincoln im letzten März als Gehalt bekommen hat ...

Zeitungsbericht, acht Monate nach der Ermordung

18

Jasper Dills, Esquire, wurde am Freitag, dem 22. Dezember, vierundsiebzig, vier Tage nachdem der Außenminister die Ratifizierung des 13. Nachtrags zur Verfassung verkündet hatte. Dills, kinderlos und seit fünfzehn Jahren Witwer, besaß keine Verwandten, mit denen er den Geburtstag oder Weihnachten hätte feiern können. Ihn störte das nicht. In seinem Leben spielten nur noch sehr wenige Dinge eine Rolle, mit Ausnahme seiner Anwaltspraxis, seiner Position als Washingtoner Repräsentant gewisser großer New Yorker Finanzinteressen und dem endlosen, ewig faszinierenden Kampf um die Macht in der politischen Kommandozentrale der Nation.

In dem Herbst nach Appomattox mußte er jedoch feststellen, daß seine Praxis schrumpfte. Einige seiner New Yorker Klienten wandten sich an jüngere Männer; andere Fälle, die den Weg in sein mit Büchern gefülltes Büro in der Seventh Street fanden, schienen immer trivialer zu werden. Glücklicherweise erhielt er weiterhin die Zahlungen für Bent. Das half ihm, die Mitgliederbeiträge für seine Clubs und die gelegentliche Flasche Mumm's bei seinen Hotelmahlzeiten zu bestreiten.

Schon vor langer Zeit hatte Dills sein Gewissen wegen der Zahlungen beruhigt. Zwei- oder dreimal jährlich schrieb er El-kanah Bents Mutter einen Brief, in dem er ihr versicherte, daß ihr illegitimer Sohn am Leben war. Nach Dills' letzter Erfindung verdiente Bent gut mit Baumwollanbau in Texas.

Die Frau verlangte von Dills nie Beweise für derartige Aussagen. Er besaß ihr Vertrauen, seit er sie vor Jahren das letztemal gesehen hatte, und darauf griff er nun zurück, weil er schlicht und einfach nicht wußte, was aus Bent geworden war, seit ihn Colonel Lafayette Baker, Leiter der Geheimpolizei der Regierung, wegen übertriebener Brutalität anläßlich einer Verhaftung rausgeworfen hatte. Bent war nach Virginia verschwunden, hatte sich wahrscheinlich als Deserteur auf die Seite der Südstaaten geschlagen.

Sollte Bents Mutter das entdecken, dann würden die Unterstützungszahlungen eingestellt werden. Der jährliche Betrag bildete einen wesentlichen Teil seines Einkommens, deshalb erschreckte den Anwalt schon der bloße Gedanke an diesen Verlust. Auf der anderen Seite bekümmerte es ihn kein bißchen, daß er mit Elkanah Bent persönlich nichts mehr zu tun hatte. Ein fettleibiger, unzufriedener Nörgler mit Verfolgungswahn. Stets gab Bent anderen die Schuld an seinem Versagen. Das überraschte kaum: Bents verstorbener Vater, ein Washingtoner Lobbyist namens Starkwether, hatte sich als Mutter für seinen Sohn eine wenig gefestigte Frau ausgesucht. Sie stammte aus einer großen Grenzerfamilie, in der es bereits einige Fälle von Geistesgestörtheit gegeben hatte.

Bents Mutter hatte ihren Sohn niemals anerkannt. Ein Farmerpärchen, das ihn in Ohio aufgezogen hatte, hatte ihm seinen Namen gegeben. Von Ohio war er nach West Point gegangen, danach war Fehlschlag auf Fehlschlag gefolgt. Die Mutter war mittlerweile uralt, doch das spielte keine Rolle. Nichts spielte eine Rolle, solange sie nur Dills' Lügen akzeptierte und regelmäßig Bankanweisungen ausschrieb.

Um seinen hohen Lebensstandard halten zu können, hatte Dills in letzter Zeit gewisse andere Arbeiten übernommen. Er bildete den Kanal, durch den fünfhundert oder tausend Dollar zu diesem oder jenem Senator fließen konnten, der bereit war, seinen Einfluß geltend zu machen, damit der jeweilige Bewerber eine Armeekommission erhielt. Dills kassierte Prozente dafür, daß ein Politiker nicht persönlich in Erscheinung treten mußte und vielleicht noch zusammen mit einem ehemaligen BrevetOberst oder Brigadier, verzweifelt auf der Suche nach Wiedereinstellung, gesehen wurde.

Dills war außerdem noch Makler für Begnadigungen. Alle möglichen Washingtoner hatten sich auf diesen Bereich gestürzt, Frauen eingeschlossen, die außer sexuellen Gefälligkeiten nichts zu bieten hatten. Die juristische Ausbildung hatte Dills in die vorderste Front der Makler gebracht. Zusätzlich halfen ihm seine Beziehungen zu angesehenen Demokraten und mächtigen Republikanern. Im Augenblick lagen neununddreißig Begnadigungsgesuche auf seinem Schreibtisch.

Zu Beginn des Jahres hatte der Präsident ein Gesuch aus Charleston mit einem interessanten Namen vorgelegt: Main. Das war der Nachname eines der Männer, die Bent für seine zahlreichen Fehlschläge verantwortlich machte. Obwohl der Vorname des Antragstellers Cooper und jener von Bents Feind Orry lautete, vermutete Dills eine Verbindung, da beide aus South Carolina stammten. Er war nie über Richmond hinaus nach Süden gekommen, sah aber den unteren Teil der Südstaaten als ein gewaltiges Meer aus Cousins vor sich, alle durch Inzucht und Einheirat miteinander verwandt.

Die Natur schenkte Dills zu seinem Geburtstag einen Tag mit nassem Schneefall, eine weitere Garantie für ein leeres Büro. Er sperrte zu und wanderte die drei Blocks zu den gedämpften Räumen seines Lieblingsclubs, des >Concourse<. Er schlenderte durch den Club, bis er jemanden fand, den er recht gut kannte, einen republikanischen Abgeordneten.

»Wadsworth. Guten Morgen. Leisten Sie mir bei einem Whisky Gesellschaft?«

»Für mich noch ein bißchen früh, Jasper. Aber setzen Sie sich doch.«

Der Abgeordnete Wadsworth aus Kansas legte ein Exemplar des >Star< beiseite und bat den Kellner um einen Stuhl. Dills war ein winziger Mann, mit winzigen Händen und Füßen. In dem riesigen Stuhl glich er einem Kind.

Der Whisky wurde gebracht. Dills prostete seinem Clubfreund zu, bevor er einen Schluck nahm. »Was glauben Sie, wie die Sitzung wird?« Seine Frage bezog sich auf den 39. Kongreß, der zu Beginn des Monats zusammengerufen worden war.

»Stürmisch«, sagte Wadsworth. »Angelegenheiten, die bis auf Wade-Davis zurückgehen, sind immer noch nicht gelöst, und unsere Parteiführung ist entschlossen, das zu regeln.« Wade-Davis, ein Gesetzesantrag, der als Reaktion auf Lincolns gemäßigten Wiederaufbauplan eingebracht worden war, stellte viel schärfere Forderungen an die Wiederzulassung der konföderier-ten Staaten.