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Captain Jolly war gerade auf dem Weg dorthin; er trat beiseite und tippte an seinen alten Schlapphut, als eine gutaussehende Frau mit großen Brüsten in einem Wagen Richtung Charleston vorbeifuhr. Jolly, von dem engen Kleid der Frau beeindruckt, verbeugte sich und rief hinter dem Wagen her, sie solle anhalten und sich von ihm ein bißchen verwöhnen lassen. Die Frau warf ihm einen verächtlichen Blick zu und fuhr weiter. Ihr Temperament amüsierte Jolly, ihre Zurückweisung brachte ihn in Wut.

In Gettys' Laden fand er, was er suchte, eine glänzende neue Öllampe. »Die gefällt mir«, sagte er und schlenderte hinaus.

»Jolly, du machst mich noch bankrott«, rief Randall Gettys. »Die kostet vier Dollar.«

»Nicht für mich.« Er zog einen seiner Leech-&-Rigdon-Revol-ver. »Stimmt's nicht?«

Gettys huschte hinter den Tresen. Er war ein Narr gewesen, Jolly mitsamt seiner schäbigen Verwandtschaft einzuladen, sich am Ashley niederzulassen. Der Mann war so gefährlich wie ein tollwütiger Hund und ungefähr genauso sensibel. Er und seine Familie überlebten dank Diebstahl und Maisrationen am Verlosungstag in Charleston. Eine der Frauen sagte die Zukunft voraus, und die Dame aus Böhmen verkaufte sich selbst, hatte er gehört.

»In Ordnung«, sagte Gettys; der Schweiß ließ seine Brillengläser beschlagen. »Aber ich führe ein Konto, denn mein Freund Des und ich wollen, daß du uns einen kleinen Dienst erweist. Wir haben ja schon darüber gesprochen.«

Jolly zeigte grinsend seine braunen Zahnstümpfe. »Ich wollte, du würdest endlich sagen, wann. Ich werde langsam ungeduldig. Teufel auch, ich weiß noch nicht mal, wen ich um die Ecke bringen soll.«

»Sie war gerade eben hier. Müßte eigentlich in ihrem Wagen auf der Straße an dir vorbeigekommen sein.«

»Die tolle schwarzhaarige Frau? Meine Güte, Gettys, die erledige ich umsonst, da erwarte ich keine Bezahlung. Vorausgesetzt, ich kann sie eine Stunde für mich haben, bevor ich ihr die Lebenslichter ausblase.«

Gettys wischte sich das feuchte Gesicht mit dem unvermeidlichen Taschentuch ab. »Des besteht darauf, daß wir auf einen geeigneten Vorwand warten. Wir wollen nicht, daß wieder diese verfluchten Soldaten vom Büro überall rumschnüffeln und alles nach Washington melden, so wie sie es bei dem Mord an Tom getan haben.«

»Ich weiß, verdammt noch mal, nichts von einem Mord«, sagte Jolly; jetzt lächelte er nicht mehr. »Wenn du das Thema noch einmal auf den Tisch bringst, dann gehen deine Lampen auch aus.«

Er kratzte sich zwischen den Beinen. »Was die andere Sache betrifft, gib mir einfach Bescheid. Ich erledige das glatt und sauber, ohne eine Spur zu hinterlassen. Und werde mich dabei auch noch großartig amüsieren.«

Andrew J. nutzte sein Vetorecht, um den vom Kongreß so bezeichne-ten >Bürgerrechtserlaß< zurückzuweisen. Soweit ich weiß, gesteht die Resolution den freien Negern ungehindert Zugang zu den Gerichten zu und erlaubt es den Bundesgerichten, Fälle an sich zu ziehen. In einem Courier habe ich einige der Einwände des Präsidenten gelesen. Er steht mit einer derart wilden Entschlossenheit hinter der Unantastbarkeit der >Staatsrechte<, genau wie James Huntoon vor der Rebellion ...

Die Straßen sind immer noch überfüllt. Männer und Frauen, vor Jahren durch Verkauf von ihren Lebenspartnern getrennt, durchstreifen den Staat in der Hoffnung, einen geliebten Menschen wiederzufinden. Der schwarze Strom fließt Tag und Nacht.

Auch M.R. ist davon auf tragische Weise betroffen. Gestern tauchte ein Mann namens Foote auf. Er und nicht Nemo ist Cassandras Ehemann. Foote wurde '58 an Squire Revelle von Greenville verkauft, und Cassandra hatte die Hoffnung aufgegeben, ihn je wiederzusehen.

Doch Nemo ist der Vater ihres kleinen Jungen. Als Foote das entdeckte, zog er ein Messer und versuchte sie niederzustechen. Andy überwältigte ihn und holte mich. Ich sagte ihnen, sie sollten die Sache friedlich regeln. Heute morgen war Nemo verschwunden. Foote hat sich hier niedergelassen, und Cassandra ist vollkommen durcheinander. Nimmt das Elend denn kein Ende?

April 1866. In Washington wird Geschichte geschrieben, steht in den Zeitungen. Präsident J.s Veto gegen die Bürgerrechtsresolution wurde im Kongreß überstimmt. Nie zuvor war ein wichtiges Gesetz auf diese Weise durchgebracht worden, noch war ein amtierender Präsident dermaßen gedemütigt worden.

... Wir bringen die Ernte des Kampfes Weiß gegen Schwarz ein. Die Stadt Memphis wurde durch einen dreitägigen Aufruhr verwüstet; den Höhepunkt bildeten Konfrontationen zwischen Bundestruppen - Farbige - und wütenden weißen Polizisten. Mindestens 40 Tote, viele Verletzte, und der Aufstand ist immer noch nicht unter Kontrolle .

... Der Aufruhr ist endlich vorbei. Ich bin sicher, das Komitee der Fünfzehn wird die Sache untersuchen. Col. Munro ist mit einem ansässigen Schwarzen nach Washington gefahren, um vor dem Komitee Zeugnis abzulegen ...

»Ich weiß, das ist sehr schwierig für Sie«, sagte Thaddeus Stevens. »Bitte sammeln Sie sich, und fahren Sie erst dann fort, wenn Sie wirklich bereit sind.«

Bei Stevens emotionsgeladenem Tonfall stöhnte der Abgeordnete Elihu Washburne aus Illinois auf. Der Kongreßmann aus Pennsylvania konnte ein Hearing so weit manipulieren, bis es einem tränenüberströmten Melodram zu ähneln begann; genau das tat er jetzt gerade mit dem ärmlich gekleideten Schwarzen, der an einem Tisch den Komiteemitgliedern gegenübersaß. In einem Besucherstuhl hinter dem Komitee machte sich Senator Sam Stout eine Notiz über Washburnes ungebührliches Benehmen; darüber mußte er mit der Führung einmal sprechen.

Der Zeuge wischte sich mit den Handflächen über die Backen und fuhr mühsam mit seiner Aussage fort:

»Gibt nicht mehr viel zu sagen, Sirs. Mein kleiner Bruder Tom, er sagte nein zu Mr. Woodvilles Kontrakt. Danach hatte er mächtig Angst, aber Colonel Munro unten in Charleston hat ihm gesagt, es wär' schlechter Kontrakt. Der Kontrakt sagt, Tom darf nicht von der Farm weg, ohne vorher den alten Woodville zu fragen. Und er muß die ganze Zeit respektvoll und höflich sein, sonst kriegt er keinen Lohn. Und er darf keine Hunde halten - Tom hat gern gejagt. Hatte zwei mächtig feine Hunde.«

Der Zeuge schaute Stevens an. »Nur zu, Sir, wenn Sie dazu in der Lage sind«, forderte ihn Stevens sanft auf.

»Nun, wie ich schon sagte, der Colonel, er sagt Tom, er soll den Kontrakt nicht unterschreiben. Am nächsten Tag geht Tom zurück und sagt's dem alten Woodville. An dem Abend kam Tom zum Abendessen rüber, da hab' ich ihn das letzte Mal geseh'n. Er sagte, Woodville sei sehr wütend auf ihn gewesen. Zwei Tage später haben sie Tom«, die Stimme des Zeugen brach, »haben sie Tom tot gefunden.«

Vom Nebenstuhl aus legte Orpha Munro dem weinenden Schwarzen einen Arm um die Schultern. Zum Schriftführer sagte Stevens: »Sorgen Sie dafür, daß im Protokoll klar zum Ausdruck kommt, daß der Mord eine Folge der Weigerung Toms war, unter derartigen Sklavenbedingungen zu arbeiten.«

»Ich muß meinen Kollegen um Nachsicht bitten.« Senator Reverdy Johnson von Maryland wedelte mit seiner Feder. »Ich habe volles Mitgefühl für den Verlust dieses Gentleman. Aber er hat keinen Beweis geliefert, daß ein Zusammenhang besteht zwischen dem unseligen Mord und den vorangegangenen Ereignissen.«

Stout funkelte den Demokraten an, einen Politiker von vornehmer Herkunft, der sich langsam zu einem Hemmschuh im Komitee entwickelte. Auch Stevens schaute drein, als stünde er kurz vor einem cholerischen Anfall. »Wünschen Sie, daß dies ins Protokoll aufgenommen wird, Senator?«

»Das wünsche ich, Sir.«

»Also gut«, sagte Stevens.

»Ich danke dem Gentleman aus Pennsylvania«, sagte Johnson zufrieden, jedoch ohne eine Spur von Dankbarkeit.