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Ich weiß nicht, wen ich verdächtigen soll. Die heruntergekommenen weißen Siedler nahe Summerton? Mr. Gettys? Dieser Tanzlehrer, der sich für einen Aristokraten hält? Unter den möglichen Verdächtigen scheinen alle Klassen der Weißen repräsentiert...

Die meisten der schwarzen Stauer trugen nur ein Faß die Planke hoch zu dem jeweiligen Dampfer, den sie gerade beluden. Des LaMotte, auf ihr Niveau hinabgedrückt, weil es immer noch keine besseren Familien gab, die ihn beschäftigen konnten, schleppte zwei Fässer.

Er arbeitete in den Reithosen eines Gentleman, auch wenn diese dreckig und zerrissen waren. Auf jeder Schulter balancierte er ein Faß. Nach seinen ersten Versuchen hatten die Ränder rote Blasen hinterlassen, die später bluteten. Narbengewebe hatte die Schultern jetzt hart und zäh gemacht.

Er verabscheute die Arbeit und all diese namenlosen, gesichtslosen Niggeranhänger im Norden, die ihn dazu gezwungen hatten. Doch er hegte den verrückten Stolz, mehr zu tun und mehr zu schleppen als der stärkste Nigger. Bald schon war er eine bekannte Figur in den Docks von Charleston, ein gewaltiger weißer Mann mit schwellenden Armmuskeln und dem sauber gestutzten Bart eines reichen Pflanzers. Er weigerte sich, mit einem der schwarzen Schauerleute zu sprechen, falls nicht gerade irgendwelche Arbeitsumstände es unbedingt erforderlich machten. An seinem zweiten Arbeitstag hätte er beinahe einen Schwarzen niedergeschlagen, der ihn wegen Beteiligung an einer

Schutzgemeinschaft der Hafenarbeiter ansprach; gleich zu Beginn machte der Schwarze einige Bemerkungen über einen Beerdigungsfonds, zu dem jeder wöchentlich soviel beitrug, daß notfalls die Beerdigungskosten gedeckt werden konnten.

Als Des das hörte, sah er rot. Er unterdrückte seine mörderischen Impulse, konnte sie aber nicht verscheuchen. Wie konnte dieser unwissende Afrikaner die subtilen Tiefen von Des' Zuneigung für seine Frau Sally Sue oder für seinen Kommandanten Ferris Brixham erfassen? Das waren die einzigen Beerdigungen, die Des etwas bedeuteten, die tief in sein Gedächtnis eingemeißelt waren.

Der Vorfall erschütterte ihn, denn er war nahe daran gewesen, den Stauer umzubringen. Wie lange mochte es dauern, bis er sich wirklich auf einen von ihnen stürzte? Ihm wurde klar, daß er durch seine Arbeit unter den freien Negern ein gefährliches Spiel mit seinem eigenen Leben spielte. Irgendwie kümmerte ihn das nicht.

Unter der heißen Herbstsonne von Carolina, die fast so warm wie im Sommer schien, schwitzte er ganze Salzbäche, als er wieder und wieder über die Planke zum Küstendampfer >Sequoiah< schwankte; die Muskeln unter seiner verbrannten Haut zuckten wie dicke Stricke. Nach außen hin ließ er sich nichts von der schmerzhaften Anstrengung anmerken.

Anderes noch als diese Schmerzen peinigte ihn an diesem Morgen. Er hatte Nachricht von Gettys erhalten, in der es hieß, daß Captain Jolly, den sie mit dem Mord an Madeline Main beauftragen wollten, sich mit gestohlenem Whisky hatte vollau-fen lassen und dann losgezogen war, um die Schule niederzureißen.

Idiot, dachte Des, vor Wut kochend. Er schulterte ein Faß rechts, ein weiteres links. Seine Knie gaben ein bißchen nach, als er dem Gewicht standzuhalten versuchte.

Er war mehr denn je darauf erpicht, die Mains in den Dreck zu treten, angefangen mit Colonel Orry Mains Witwe. Allerdings wollte er für dieses Verbrechen nicht seinen Hals riskieren. Und Mr. Cooper Main aus der Tradd Street besaß zwar keinen direkten Draht zu den Besatzungssoldaten, verfügte jedoch immer noch über genügend Einfluß, um die Soldaten auf Des zu hetzen, falls er mißtrauisch wurde.

So hatte er sich all diese Wochen zurückgehalten und auf eine günstige Gelegenheit gewartet. Er glaubte, daß ein Niggeraufstand unvermeidlich war. In irgendeiner heißen Nacht, angestachelt vom Alkohol und von den Agenten der Yankee-Regierung, würden die befreiten Neger Amok laufen. Es würde zu Brandschatzungen und Plünderungen kommen, und jeder Mann mit weißer Haut könnte sein Heil nur noch in der Flucht suchen. Ein derartiger Ausbruch könnte ihm den Schutzschirm liefern, den er benötigte.

Und nun hatte Jolly die Aufmerksamkeit auf sich und Mont Royal gelenkt. Jolly war es gewohnt, das zu tun, was ihm paßte; im Ashley-Bezirk terrorisierte er sowohl die Weißen als auch die Nigger. Nun, mit der Main würde er nicht nach seinem eigenen Gutdünken umspringen. Des hatte bereits eine Antwort an Gettys abgeschickt, in der er forderte, daß Jolly zurückgehalten werden mußte und erst auf Anweisung loszuschlagen hatte.

Ächzend und schwitzend kämpfte sich Des die Planke hoch, machte einen schmerzhaften Schritt nach dem anderen. Ein Trio eleganter junger Damen mit Sonnenschirmen promenierte auf dem überfüllten Kai; eine von ihnen, Miss Leamington von Leamington Hall, war seine Schülerin gewesen. Die abgetragenen Kleider zeugten von ihrer Armut, doch die lässige Arro-ganz ihrer Klasse - etwas, das Des verstand und sogar mit ihnen gemeinsam hatte - zeigte sich in den amüsierten Blicken, mit denen sie die Stauer musterten, und in ihrem lebhaften Geplauder.

Plötzlich hielt Miss Leamington inne. »Meine Güte. Ist das?« Des duckte sich, verbarg seinen Kopf hinter einem Faß. »Nein, das kann nicht sein.«

»Was denn, Felicity? Was kann nicht sein?«

»Seht ihr den Weißen dort, der Fässer wie ein Nigger schleppt? Einen Moment lang dachte ich, es sei mein alter Tanzlehrer, Mr. LaMotte. Aber Mr. LaMotte ist ein Weißer durch und durch. Er würde sich nie auf diese Weise erniedrigen.«

Die jungen Damen gingen weiter, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Wer verschwendete auch schon einen zweiten Blick auf Dreck und Schweiß?

Das war am Freitag gewesen. Die Erinnerung an Miss Leaming-tons Abscheu hielt Des die ganze Nacht wach. Gegen vier Uhr schlief er auf seiner feuchten Matratze ein und erwachte ein paar Stunden zu spät für die Arbeit. Er zog sich an und eilte, ohne zu essen, zu den Docks; von der Meeting Street hörte er das Geplärr einer kleinen Kapelle.

Eine Parade hinderte ihn daran, die Meeting Street zu überqueren. Er sah Nigger in Formation marschieren, jeder in einem Gehrock aus weißem Flanell mit blauem Besatz und dazu passenden weißen Hosen. Sie waren in festlicher Stimmung, winkten und plauderten mit Leuten aus der Menge, die sich angesammelt hatte. An der Spitze der Parade trugen zwei Mann ein Banner:

CHARLESTOWNE VOL. FIRE CO.

NUMMER 2 >SCHWARZER OPAL<

Des stand in der dritten Reihe der Menge und warf wütende Blicke um sich, als die Feuerwehrmänner vorüberzogen. Hinter den Marschierern zogen mit Blumen geschmückte Pferde zwei Spritzen. Kleine amerikanische Flaggen waren an das polierte Messinggeländer der Spritzen gebunden. Des ballte die Hände zu Fäusten. All diese schwarze Haut, diese Yankee-Flaggen - das war fast mehr, als er ertragen konnte.

Ein kräftiger Nigger mit glänzenden Backen winkte jemandem links von Des zu. »Wie geht's, Miss Sally? Schöner Morgen.«

Des wandte sich um. Der Name Sally hallte in seinem Kopf mit scharfem Echo nach. Er sah ein fettes, heruntergekommenes Mädchen vor sich, das mit einem Taschentuch einem Feuerwehrmann zuwinkte, der sie angrinste, als würde er am liebsten gleich auf der Stelle herüberkommen und ihr die Röcke hochziehen.

Miss Sally war ein weißes Mädchen. Sie winkte und winkte mit ihrem Taschentuch, schenkte dem Nigger ihre Aufmerksamkeit, zog sich und ihre ganze Rasse in den Schmutz. Des hatte das Gefühl, als würde ihm das pochende Blut in den Schläfen jeden Moment den Schädel sprengen.

Eine kleine, zu der Feuerwehr gehörende Kapelle schlug mit den Trommelstöcken den Takt, und die Bläser setzten zu >Hail, Columbia!< an. Die weiße Schlampe strahlte den Feuerwehrmann dermaßen an, daß er ihr einen Kuß zuwarf.

Den sie erwiderte.

Des' gewaltige Hände flogen hoch, krallten sich in die Schultern rechts und links, teilten die Menschenmauer. Jemand schrie vor Schmerz auf, als er auf die Straße stürzte.