Dann verwandelte sich sein Geist in ein Flammenmeer, und er erinnerte sich an nichts mehr.
Col. Munro war hier, inspizierte die Schule und beklagte sich darüber, daß er Berichte in zwei- und dreifacher Ausführung wegen Ausschreitungen erstellen mußte. Er ließ zwei junge Corporals, nette Jungs aus Maine, zurück, die die Schule für ein paar Tage bewachen sollen. Einer von ihnen meint, er würde sich gern in Carolina niederlassen; Klima und Leute seien so angenehm.
Bevor Munro in die Stadt zurückkehrte, gab er eine düstere Warnung von sich, die ich hier zitiere: »Ich bin jetzt lange genug im Palmetto-Staat, um ein bißchen was von den Gefühlen der Süd-staatler zu verstehen. Soweit ich beobachtet habe, bringen die Weißen dem Neger als Neger keine Feindschaft entgegen. In vielen Punkten mögen sie ihn sogar. Doch wenn er sie als möglicher Beamter, Geschworener, Wähler, politisch und sozial Gleichgestellter bedroht, dann geht das zu weit. Freiheit ist nicht der entscheidende Punkt, sondern Gleichberechtigung. Jede Person oder Institution, die das fordert, ist der Feind.«
»Vielleicht«, entgegnete ich. »Doch Prudence und ich werden die Schule weiterführen.«
»Dann kann ich Ihnen voraussagen, daß Sie weiterhin Arger haben werden«, sagte er. »Eines Tages wird das Ausmaße annehmen, denen weder mit Glück noch mit Mut beizukommen ist.«
... Cooper schreibt, daß D. LaMotte im Gefängnis sitzt. Am Samstag griff er anscheinend ohne jede Provokation einen Farbigen der freiwilligen Feuerwehr an, worauf ihn die Behörden einsperrten. C. meinte, in letzter Zeit habe er so seine Zweifel über LaMottes Bereitschaft gehabt, seinen Drohungen Taten folgen zu lassen. Diese Zweifel seien nun zerstreut. Für eine Weile haben wir nun jedoch, um C.s Ausdruck zu gebrauchen, >einen Aufschub gewonnen.
23
Der Schuß aus dem Cheyenne-Gewehr zerfetzte das linke Auge von Holzfuß' Pferd. Unter einer Blutfontäne stürzte der Händler in das windgepeitschte Gras. Charles war bereits aus dem Sattel. Er schnappte sich seine Spencer und schickte Satan mit einem Klaps davon. Boy, von dem plötzlichen Angriff erregt, versuchte vergeblich vom Pferd aus die Packmulis unter Kontrolle zu halten.
»Runter, runter von deinem Pferd«, brüllte Charles. Die Cheyenne trieben ihre Ponys den Hügel hoch. Eine Kugel zupfte an Charles' Hutkrempe; der Hut segelte davon. Wieder schrie er Boy an, doch das Geheul der Indianer und der Lärm von den Mulis löschten seine Worte aus. Nach ein paar Sekunden verstand Boy den Ausdruck auf Charles' Gesicht und rutschte ungeschickt zu Boden.
Holzfuß kniete nieder und schoß auf die Cheyenne, die sich dem Hügelkamm näherten. Er verfehlte. Charles feuerte, als der Krieger neben Narbengesicht eine gefiederte Lanze schleuderte. Charles duckte sich. Seine Kugel fegte den Indianer aus dem Sattel.
Überall herrschte Lärm und Verwirrung. Ein paar Meilen weiter im Westen schlugen Blitze aus den sich nähernden Sturmwolken in die trockene Prärie.
Boy schrie auf. Charles sah, wie er taumelte, seinen rechten, sich rot verfärbenden Ärmel umklammerte. Eine Lanze hatte ihn geritzt. Schmerz und Verwirrung ließen ihm die Tränen übers Gesicht laufen.
Holzfuß brüllte: »Hinter dir, Charlie!« und feuerte fast gleichzeitig sein langes Gewehr ab. Charles wirbelte herum und sah einen berittenen Cheyenne vor sich, der ihn gerade mit einer Kriegskeule niederschlagen wollte. Charles schoß auf das rotgemalte Gesicht, war aber nicht schnell genug, um den Schlag zu stoppen. Die Keule hämmerte auf seine Schulter mit einer Wucht, die ihn zur Seite warf. Der Cheyenne sackte vom Pferd, sein Gesicht eine einzige blutige Masse.
Die Sturmwolken schoben sich über sie, als würde sich ein Augenlid über der Welt schließen. Donner grollte. Blitze zuckten. Der Westwind trug den Geruch von Rauch heran. Er sah, wie Narbengesicht vom Pferd aus mit seiner Lanze nach Holzfuß stach.
Die Cheyenne drängten ihre Ponys dicht heran, allerdings schon mit etwas weniger Begeisterung, da einige von ihnen bereits gefallen waren. Holzfuß wich zurück; Narbengesichts Stoß ging daneben. Wieder stieß er zu. Der Händler packte sein Gewehr mit beiden Händen und wehrte damit die Lanze ab. Sein Gesicht war heftig gerötet.
Charles lud die Spencer durch, zielte auf Narbengesicht und drückte ab. Das Gewehr hatte Ladehemmung.
Ein anderer Cheyenne ritt heran und rammte seine Lanze in Charles' rechten Arm. Er ließ die Spencer fallen, riß sein Bowiemesser heraus und stieß dem Indianer die Klinge in die Seite. Der Indianer kreischte auf und fiel nach vorn über den Hals seines Ponys. Das Pferd raste mitsamt dem Indianer und dem herausragenden Messer davon.
Narbengesicht, wild entschlossen, Holzfuß endgültig den Garaus zu machen, trieb sein Pony wieder heran. Geschickt blockte Holzfuß seine Stöße mit dem Gewehr ab, doch er mußte dem Kampf allmählich Tribut zollen. Seine Wangen waren so dunkel wie Pflaumen.
Vorübergehend sah Charles keinen Gegner vor sich. Gleich darauf erkannte er den Grund. Drei Cheyenne stürzten sich auf die Maultiere und Boy. Weinend schlug der Junge nach ihnen, so als würde er Fliegen klatschen. Ein Krieger sprang vom Pferd und packte Boy. Wie von der Feder geschnellt sprang Fen aus seinem Versteck im Gras. Die Kiefer des Collies schlossen sich um den Unterarm des Cheyenne. Ein anderer Indianer schlug mit seinem Gewehrkolben auf den Hund ein.
Inmitten des Sturms und des Aufflammens der weißen Blitze stieß Holzfuß einen merkwürdig erstickten Schrei aus. Charles, der seinen Colt zog und sich duckte, als ein Cheyenne auf ihn schoß, sah seinen Partner taumeln und in das hohe Gras sinken. Holzfuß keuchte, als bekäme er nicht genügend Luft. Er zerrte an seinem perlengeschmückten Hemd, als wollte er etwas herausreißen.
Charles erinnerte sich, daß er das Gesicht von Holzfuß schon ähnlich verfärbt gesehen hatte. »Es ist nichts.« Doch es war was: ein Herzanfall, ausgelöst durch die gewaltige Belastung des Angriffs.
Narbengesicht hielt sein Beil in der hoch erhobenen Hand. Charles feuerte, gerade als Narbengesichts Pony wegtänzelte. Die Kugel verfehlte ihr Ziel und traf das Beil. Charles sprang vor Holzfuß, um erneut zu schießen. Tief geduckt jagte Narbengesicht sein Pony den Hang hinunter.
Blut sickerte aus Charles' Wunde. Er brüllte vor Frustration auf, ein wortloser, rauher Wutschrei, weil er von zwei Dingen gleichzeitig in Anspruch genommen wurde: Holzfuß, der mit beiden Händen an seinem Hemd zerrte und Luft in die Lungen zu bekommen versuchte, und drei Cheyenne zu Fuß, die Boy hinter den nächsten Hügelkamm schleppten. Fen jagte hinter ihnen her; Schaumflocken flogen von seinem Maul. Holzfuß' Finger rissen Perlen von seinem Hemd; sie glänzten und funkelten unter den aufflammenden Blitzen.
Beiden konnte Charles nicht helfen. Er entschied sich für Holzfuß, der ihm näher und zudem unmittelbar vom Tode bedroht war.
Holzfuß schwankte nach hinten. Charles fing ihn mit der linken Hand auf, während er mit der Rechten auf den nächsten Cheyenne feuerte. Wegen der Wunde zitterte und pochte sein Revolverarm. Die Kugel verfehlte ihr Ziel um einige Meter.
Die Cheyenne würden sie fertigmachen, also konnte Charles nichts weiter tun, als kämpfend unterzugehen. Er kniete nieder und schob sein Knie unter den durchsackenden Rücken seines Partners. Der Händler stemmte sich dagegen; seine Augen waren weit geöffnet, seine Hände fielen schlaff herab. Hilflos mußte Charles zusehen, wie alle Farbe aus seinem Gesicht wich.
Holzfuß erkannte seinen Partner. Er versuchte Charles zu berühren, bekam aber die Hand nicht mehr hoch. Hinter dem Hügelkamm hörte Fen plötzlich auf zu bellen, jaulte dann noch einmal auf.
Charles brachte sein Ohr nahe an Holzfuß' Mund. Er glaubte ein »Danke für alles« zu verstehen. Ein blendender Blitz löschte alles andere aus. Als er wieder etwas erkennen konnte, wären ihm beinahe die Tränen gekommen. Holzfuß' Augen standen noch offen, aber kein Leben war mehr in ihnen.