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Ein Kommentar in der New York Times

25

Brigadier Duncan gab das Begnadigungsgesuch telegraphisch an den Anwalt Dills durch und überwies das Geld an eine Washingtoner Bank. Er sandte einen sorgfältig formulierten Brief an General Sherman bei der Division, in dem er Griersons Bedarf an qualifizierten Offizieren und die außerordentlichen Fähigkeiten eines Charles August hervorhob. Charles fragte sich, wie Sherman wohl reagieren würde, wenn er wüßte, daß es sich bei >August< um den ungekämmten Händler handelte, dem er mitten in der Prärie begegnet war.

Charles nahm sich ein Zimmer in Leavenworth City, besuchte aber jeden Tag den Militärposten, um sich mit dem kleinen Gus wieder vertraut zu machen. Im Dezember würde der Junge zwei Jahre alt werden. Er konnte laufen, redete in bruchstückhaften Sätzen, begegnete dem großen, hageren Mann, der ihn auf Spaziergänge mitnahm und der sich selbst Pa nannte, mit einer gewissen Reserve.

Für gewöhnlich war Maureen bei diesen Spaziergängen dabei. Sie billigte es immer noch nicht, daß Charles die Elternrolle übernommen hatte - schließlich war er bloß ein Mann -, doch seit seiner Rückkehr hatte er ihr eine neue, unerfreuliche Seite seiner Persönlichkeit gezeigt. Auch jetzt, als sie am Nachmittag von einem Spaziergang am Fluß zurückkehrten, kam diese Seite wieder zum Vorschein. Charles und der kleine Gus marschierten Hand in Hand wie Soldaten. Der Junge liebte die abendlichen Paraden in Leavenworth und imitierte sie gern. Charles machte mit. Vor Duncans Haushälterin marschierten sie beide flott den Weg entlang.

An Grenzposten versammelte sich stets eine gewisse Anzahl von Indianern, die von Almosen und niederen Dienstleistungen lebten. Sie gaben ihr Geld für Whisky aus und ließen sich von den Weißen lächerliche Namen verpassen, wie Wurstnase, Fauler Mann, Fette Frau.

Fette Frau, ein ungeheuer dicker Sioux in alten Uniformhosen, kam Charles und seinem Sohn entgegen. Fette Frau stoppte, zwinkerte und streckte den Arm aus, um den lächelnden Jungen unter dem Kinn zu kitzeln. Charles ballte die Faust und schlug ihn nieder.

Fette Frau jaulte auf und kroch davon. Gus umklammerte die Hand seines Vaters, warf ihm aber einen vorsichtigen, ängstlichen Blick zu. Maureen konnte nicht schweigen. »Ein armer, harmloser Mann bedeutet keine Gefahr, Mr. Main.«

»Ich will nicht, daß dieser rote Abschaum meinen Jungen berührt.«

»Papa, Papa!« Gus zerrte an seiner Hand. »Marsch!«

»Nein.« Charles zog seine Hand weg, packte dann Gus bei den Schultern und schob ihn den Pfad entlang. »Jetzt wird nicht mehr marschiert.«

Später, als Charles nach Leavenworth zurückgeritten war, vertraute sich die Haushälterin dem in seiner Zinkbadewanne sitzenden Duncan an. »Seine Stimmungen wechseln wie das Wetter. Irgendein Dämon treibt ihn.«

»Er hat. Schreckliches durchgemacht. Könntest du etwas tiefer schrubben, meine Liebe? Ah, ja.«

»Das weiß ich, General.« Selbst im Bett gebrauchte sie die formelle Anrede. »Aber wenn er das nicht überwindet, dann wird sein Sohn ihn verachten. Augustus hat jetzt schon schreckliche Angst vor ihm.«

»Ich habe es bemerkt.« Duncan seufzte. »Ich weiß nicht, was da zu machen ist.«

Von dem Raum im Hauptquartier des Department konnte man nach Westen über den Exerzierplatz schauen. Der Tisch, an dem Charles saß, stand den vorhanglosen Fenstern gegenüber. Kein Zufall, entschied er. Genausowenig wie der Zeitpunkt. Die laut tickende Wanduhr zeigte halb sechs. Blendendes Licht stach ihm in die Augen und machte es ihm fast unmöglich, die fünf Männer zu erkennen, die an ihrem Tisch vor den Fenstern saßen.

General Winfield Scott Hancock, U.S.M.A. 1844 und Kommandeur des Missouri-Department, leitete den Prüfungsausschuß. Er war groß, sah gut aus und machte einen gelassenen Eindruck; an der Tür hatte er Charles herzlich begrüßt und ihm Glück gewünscht. Wie merkwürdig, dachte Charles, einem Mann die Hand zu geben, der wahrscheinlich auch Cousin Orry die Hand geschüttelt hatte.

Links neben Hancock saß General William Hoffman, Kommandant sowohl von der Dritten Infanterie als auch von Fort Leavenworth.

Links von Hoffman saß der Offizier, den Charles fürchtete: Captain Waldo Krug, schmächtig, ernst dreinblickend und kahl, obwohl er kaum älter als Charles war. Krug gehörte zu Hoffmans Stab, trug den Silberstern eines Brevet Brigadier und wurde mit General tituliert. Er musterte Charles mit unverhohlener Feindseligkeit.

Rechts von Hancock saß Captain I.N. Barnes; ein Major namens Coulter, ein schulmeisterlicher Mann mit ovalen Brillengläsern, machte die Runde komplett. Direkt links von Charles hatte man eine Reihe Stühle für Besucher aufgestellt. Bis auf Duncan und Grierson war niemand gekommen.

Hancocks Blicke nach rechts und links forderten Ruhe. »Gentlemen, dies ist eine Anhörung auf Ersuchen des Offizierskandidaten Charles August, der die schriftliche Prüfung erfolgreich bestanden hat. Mit Bestnoten, wie ich hinzufügen möchte.«

Sofort sagte Krug: »General Hancock, ich beantrage, die Sitzung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der Kandidat ist aufgrund seiner früheren Dienste für die Konföderation nicht geeignet.«

Bärbeißig sagte Hoffman: »Schließe mich an.« Er war U.S.M.A. 1829, Lees Klassenjahrgang, ein altes Schlachtroß aus den Kriegen gegen die Seminolen und die Mexikaner.

Hancock wandte ein, der Kandidat habe seine guten Absichten gezeigt, indem er den Eid geleistet und ein Begnadigungsgesuch eingereicht habe, genau wie General Lee. Das ließ Krug explodieren.

»Robert Lee wird niemals begnadigt werden, egal, wie oft er ein Gesuch einreicht. Das sollte auch für jeden Mann gelten, der sein Land verraten hat, und da schließe ich diesen Kandidaten ein.«

Coulter schob seine Brille tief auf die Nase. »Ich hatte den Eindruck, daß die Feindseligkeiten vor über einem Jahr beendet wurden und wir nun alle wieder Amerikaner sind. Ich denke, wir sollten den Krieg vergessen und .«

»Nein, Sir, keinen Augenblick lang werde ich den Hungertod meines Bruders vergessen«, sagte Krug.

Hancock klopfte auf den Tisch, um die Ordnung wiederherzustellen. »Gefängnisdirektor Wirz hat am Galgen für seine Verbrechen bezahlt. Er war der einzige Offizier, der so bestraft wurde, und wird wahrscheinlich auch der einzige bleiben.«

»Ich würde noch eine ganze Menge von ihnen aufhängen«, sagte Krug, den Blick auf Charles gerichtet.

»Captain«, sagte Hancock, »Sie hören entweder damit auf, oder Sie disqualifizieren sich selbst. Bei dieser Anhörung werden wir uns auf die Qualifikationen des Kandidaten konzentrieren.«

Krug murmelte etwas Unverständliches. Hancock räusperte sich und schlug Charles' Akte auf. Obwohl es Herbst war, stach das Licht heiß in Charles' Augen. Er war nervöser, als er es je am Vorabend einer Schlacht gewesen war; bestimmt würde er alles verpatzen.

Er zwang sich, an Holzfuß und die Perlenhäufchen auf seinen Augen zu denken. Sein Puls verlangsamte sich ein bißchen. Er richtete sich so krampfhaft auf, daß sein Rücken schmerzte.

»Nennen Sie uns Ihren Namen«, sagte Hancock.

»Charles August.«