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»Ich habe hier die Aussage von Colonel Grierson vorliegen. Darin heißt es, Sie hätten vier Jahre bei der konföderierten Armee gedient. Bitte nennen Sie uns Ihre Einheit und Ihren Rang.«

»Scout Corps, Wade-Hampton-Legion. Sie ging später nach einigen Armeeumgestaltungen in größeren Kavalleriedivisionen auf. Doch die Scouts blieben Irreguläre, ohne Rang.« Die Lüge kam ihm glatt über die Lippen.

»Gibt es Aufzeichnungen, die das belegen können?« erkundigte sich Barnes.

»Ja. Ich nehme an, in Richmond.«

»Um Himmels willen«, sagte Krug. »Richmond! Jedermann weiß, daß die Rebs kein einziges Blatt Papier in Richmond zurückgelassen haben. Sie haben alles niedergebrannt. Wir wissen nicht einmal, wie viele Verräter sich unter falschem Namen eingeschlichen haben.«

Hancock sagte scharf: »Captain!«

»Tut mir leid, Sir. Ich bin dagegen. Absolut und vollständig dagegen.«

Hoffman hob die Hand, und Hancock erteilte ihm das Wort. Beißend sagte Hoffman zu dem Ausschuß: »Wenn wir die Akten dieses Gentleman nicht begutachten können, dann wird er uns die nötigen Informationen liefern müssen. Ich würde gern seine politische Zugehörigkeit wissen.«

Darauf war Charles nicht vorbereitet. Grierson und Duncan beobachteten ihn besorgt. »Nun - Demokrat, Sir.«

»Demokrat.« Hoffman lächelte. »Natürlich. Jeder mißratene Rebell bezeichnet sich als Demokrat. Jeder Mann, der Unionsgefangene ermordet hat, nennt sich Demokrat. Jeder Verräter, der gefährliche Sprengstoffe zusammenmischte, um Städte des Nordens in die Luft zu jagen, oder der höllische Pläne ausheckte, um diese Städte mit Gelbfieber zu verseuchen, ist jetzt nichts weiter als ein >Demokrat<.«

Coulter sagte amüsiert: »Wie ich sehe, ist der General mit der Kampfrhetorik von Gouverneur Morton aus Indiana recht vertraut. Doch diese Wahlkampfrede, aus der Sie gerade zitiert haben, war für Zivilisten gedacht, Sir. Ist das hier für uns wirklich von Bedeutung?«

Hoffman kochte vor Wut. Hancock sagte: »Nein. Ich beispielsweise bin der Meinung, daß Mr. August uns recht offen gegenübertritt. Wir wissen, daß bereits Hunderte von Konföde-rierten unter falschem Namen in der Armee der Vereinigten Staaten dienen.« Duncan fuhr zusammen, was seinen Stuhl zum Quietschen brachte. Griersons Interesse konzentrierte sich auf die Zimmerdecke. »Ich möchte den Kandidaten fragen, ob er über irgendwelche militärischen Erfahrungen vor dem Krieg verfügt. In der Akte steht nichts davon.«

Charles' Kehle wurde eng. Stand ihm der Schweiß auf der Stirn? Brachte die Sonne auf seinem Gesicht die Täuschung ans Licht? Colonel Grierson wandte seine Aufmerksamkeit seinen glänzend polierten Stiefeln zu. Hancock runzelte die Stirn.

»Mr. August, unsere Zeit ist kostbar. Antworten Sie bitte unverzüglich. Waren Sie vor dem Krieg beim Militär?«

Charles wog zwei Morde gegen eine weitere Lüge ab und sagte: »Nein, Sir.«

Eine halbe Stunde ging es so weiter, gelegentlich unterbrochen von einem ärgerlichen Einwand Krugs oder einer Frage von Hoffman, die schnell in eine republikanische Litanei übergingen. Charles war schlaff, müde und schwitzte heftig, als Han-cock ihn entließ. Er, Duncan und Grierson gingen hinaus und schlossen die Tür.

»Sie werden genommen«, sagte Grierson voraus.

»Nein, das werde ich nicht. Ich habe es verpatzt.«

»Ganz im Gegenteil. Sie haben sich gut gehalten. Aber ich muß Ihnen etwas sagen, was ich bereits Jack gesagt habe. Wenn Sie je auffliegen, dann kann ich Ihnen nicht helfen. Das Regiment werde ich auf keinen Fall gefährden. Es kommt an erster Stelle. In allen anderen Dingen können Sie auf mich zählen.«

»Danke, Colonel. Aber ich glaube nicht, daß Sie sich Gedanken zu machen brauchen.«

Die Tür des Sitzungssaales ging auf. Ike Barnes trat heraus.

»Drei gegen zwei Stimmen zu Ihren Gunsten, abhängig von der Zustimmung des Department und einer Begnadigung.« Strahlend streckte Barnes die Hand aus. »Willkommen in der Zehnten, Mr. August.«

Charles überquerte den Missouri mit der Fähre und ritt in bequemen Etappen nach St. Louis; er genoß die herbe, frische Luft und das Rotgold der Blätter. Der Kalender machte es Willa unmöglich, daß sie ihre Wiedervereinigung auch körperlich genießen konnten, doch sie schliefen eng umschlungen in Willas Bett im New Planter's House.

Am Morgen küßten sie sich und murmelten sich liebevolle Worte zu. Bevor er sich anzog, seifte er sein Gesicht ein, um sich die gestrigen Bartstoppeln abzuschaben. Er pfiff vor sich hin, als er das Rasiermesser ansetzte.

»Das ist hübsch!« rief Willa von ihrem Ankleidetisch her. »Was ist das?«

»Das?« Er pfiff fünf Noten. »Ist mir bloß so letztes Jahr eingefallen. Wann immer ich an Mont Royal denke, an all das, was ich vor dem Krieg liebte, dann höre ich diese Melodie.«

»Im Theater steht ein Piano. Würdest du es noch mal summen, wenn wir dort sind, damit ich es für dich niederschreiben kann?«

»Ja, natürlich.«

Und das tat sie dann auch.

»Das ist meine Melodie?« fragte er und starrte die Noten an, die für ihn keinen Sinn ergaben. Sie nickte. »Nun, wenn du es sagst. Ich hebe es als Andenken auf.« Sorgfältig faltete er das Papier. »Vielleicht kann ich aufhören, an die Vergangenheit zu denken. Ich habe statt dessen was Besseres gefunden.«

Er beugte sich hinüber und küßte ihre Stirn. Sie schloß die Augen und hielt seinen Arm fest.

Während sie sich einige Stunden um das Theater kümmerte, schlenderte er durch die geschäftigen Straßen. Heute beunruhigte ihn die Möglichkeit einer stärker werdenden Bindung nicht; er war viel zu aufgeregt wegen seines Offizierspatents. Willa teilte diese Erregung, bis er ihr bei einem späteren Spaziergang den Grund für seinen Wiedereintritt in die Armee nannte. Er beschrieb ihr den Untergang der Jackson Trading Company -wobei er ihr die obszönen Details ersparte - und den Haß, den das bei ihm erzeugt hatte.

Willa reagierte heftig darauf, behielt ihre Meinung jedoch für sich, weil sie ihre Gefühle für ihn über ihr Gewissen stellte. Das hatte sie nie zuvor getan - zumindest konnte sie sich nicht daran erinnern.

An diesem Abend zeigte sie ihm in ihrem Zimmer das große, gerahmte Foto von ihnen beiden, das vor einem Jahr aufgenommen worden war. Willa auf der Samtcouch, Charles mit einer Hand auf ihrer Schulter. Amüsiert meinte er, sie sähen wie Objekte in einem Wachsfigurenkabinett aus. Sie gab ihm einen Klaps und sagte, als Rache würde sie ihm eine Kopie des Fotos aufzwingen. Er sagte, er hätte nur zu gern eins, und meinte es sogar fast ernst.

Beim Frühstück erfuhr er noch etwas über sie. Am 25. Dezember hatte sie Geburtstag. »Leicht zu merken, aber schwer, jemanden zum Feiern zu kriegen. Ich bin eine fürchterliche Köchin, aber einen schlichten Kuchen mit Zuckerguß schaffe ich schon. Meistens muß ich mir sogar die Kerzen selber kaufen.« Er lachte.

Charles blieb drei weitere Tage in St. Louis. Jeden Abend besuchte er eine Vorstellung. Dann rief ihn Brigadier Duncan mit einer telegraphischen Nachricht zurück. Das Begnadigungsgesuch war genehmigt worden.

Willa weinte beim Abschied. Sie versprach, daß sie mit Sam bald auf Tournee gehen und ihn finden würde. Und ihn dann richtig lieben würde, was ihr diesmal nicht möglich gewesen war. Er war bester Laune, als er fortritt.

Ein leichter Nieselregen setzte ein, als Willa vom Hotel zum Theater ging. In Gedanken war sie so mit Charles beschäftigt, daß sie beinahe vergessen hätte, ihren Schirm zu öffnen.

Sie wußte so viel und gleichzeitig doch so wenig über ihn. Sie spürte einen aufgestauten Zorn in ihm, eine ganz anders gelagerte Empfindung als die vom Krieg geprägte Haltung des letzten Jahres. Er hatte nun einen Feind. Deshalb hatte sie ihm auch nichts von der örtlichen Indian Friendship Society erzählt.

Es gab sechs Mitglieder. Ein Quäkerpaar, einen Prediger der Unitarier, eine ältliche Leiterin einer Privatschule, die von Kindern reicher deutscher Kaufleute besucht wurde, der alternde jugendliche Liebhaber des Theaters, Tim Trueblood, und sie selbst. Charles wäre bestimmt nicht begeistert gewesen, wenn er von den Memoranden erfahren hätte, die sie bereits an den Kongreß und ans Innenministerium geschickt hatten.