Выбрать главу

Steif sagte Charles: »Damit das klar ist. Ich bin nicht in den Krieg gezogen, um für die Erhaltung der Sklaverei oder der Konföderation einzutreten. Ich habe für mein Heim in South Carolina gekämpft.«

»Oh ja, Sir«, sagte Williams. »Mein Bruder und dessen Verwandtschaft in North Carolina, die hatten nur ein Heim, für das sie kämpfen konnten, und das waren die Sklavenhütten, in denen sie lebten.« Er drehte sich um. »Also los, Jungs. Packen wir zusammen, und tun wir, was der weiße Mann uns befiehlt.«

Ike Barnes, bereits schlecht gelaunt, weil er gerade an Hämorrhoiden litt, ging in die Luft, als Charles ihm von dem Vorfall berichtete. Grierson ging zu Hoffman. Der General weigerte sich, den Befehl rückgängig zu machen. Von dem Campieren auf dem feuchten Boden bekamen zwei Rekruten Lungenentzündung. Sie wurden ins Hospital geschickt, was drei weiße Patienten veranlaßte, das Krankenhaus unter Protest zu verlassen.

In der nächsten Woche machte eine bunte Reisetruppe auf ihrem Weg nach Fort Riley Station. Die Truppe bestand aus zwei weißen Frauen, einem ehemaligen Sklaven, der kochte, einem kleinen schwarzen Jockey aus Texas, vier Pferden, einschließlich eines Paßgängers und einer Rennstute, und einigen Hunden: einem Greyhound, einem weißen Bullterrier und mehreren Jagdhunden.

»Ist das hier ein Zirkus oder eine Armee?« grollte Barnes. »Was immer es ist, es ist jedenfalls eine verdammte Schande.«

»Einverstanden«, sagte Grierson.

Die beiden standen zusammen mit Charles und einem Dutzend weiterer Neugieriger da und beobachteten den eleganten jungen Soldaten, der den Trupp führte. Während George Custer die Verladung seines Hengstes Phil Sheridan in einen Spezialwaggon der Bahn überwachte, schrie er prahlerisch herum und machte seine Witzchen.

Aus Kriegszeiten erinnerte sich Charles noch sehr lebhaft an Custer. Er war immer noch geschniegelt: lange, fließende Haare, Walroßschnurrbart, leuchtend rotes Halstuch, goldene Sporen. Charles sagte zu Barnes: »Ich habe bei Brandy Station gegen ihn gekämpft. Ich weiß, er kämpft, um zu siegen, aber für meinen Geschmack ist er zu tollkühn. Ich bin dankbar, daß ich nie unter ihm dienen muß.«

Im Herbst kam es zu einem Erdrutschsieg der Republikaner bei den nationalen und staatlichen Wahlen. Johnsons katastrophale >Tournee< hatte sich gegen ihn und für die Radikalen ausgewirkt. Wenn sich der Kongreß wieder versammelte, würde der Verlauf des Wiederaufbaus sicherer denn je in republikanischer Hand sein.

In Fort Leavenworth begann Charles allmählich das Armeeleben zu genießen, trotz gelegentlichen Ärgers mit weißen Männern wegen deren Vorurteile und trotz Ärgers mit schwarzen Männern wegen seiner Herkunft. Er mochte die Einteilung der Tage durch Horn und Trompete, Trommel und Pfeife. Seit West Point war ihm das in Fleisch und Blut übergegangen. In seiner Mönchsklause im Junggesellenquartier der Offiziere weckte ihn eine innere Uhr jeden Morgen um 4 Uhr 30, fünfzehn Minuten vor dem Trompetensignal.

Jede Kompanie des Zehnten Regiments sollte neunundneunzig Männer umfassen. Doch die Rekruten trafen so schleppend ein, daß Charles sich fragte, ob Grierson je ein Regiment in voller Sollstärke haben würde. Es half dem Ruf des Zehnten Regiments nicht sonderlich, als ein Rekrut davonrannte und in Lea-venworth die Nachricht verbreitet wurde, daß es mit der nur aus Schwarzen bestehenden Neunten Kavallerie unten in San Antonio viel Ärger gegeben hatte. Rekruten der Neunten hatten einen Zusammenstoß mit der lokalen Polizei gehabt und einen Aufruhr in Gang gebracht. Viele von ihnen landeten im Gefängnis. »Wunderbar«, schnaubte Grierson, als er davon hörte. »Genau das hat Hoffman noch gefehlt, um seine Meinung bestätigt zu sehen.«

Charles nahm freiwillig die Verantwortung für die Desertion auf sich. Der mürrische Rekrut hatte eines der Pferde mißhandelt. Charles hatte ihn daran gehindert und ihm einen zusätzlichen Arbeitsdienst aufgebrummt. »Sicher, die Haut von so einer Schindmähre geht dir über die Haut von 'nem Nigger, du Stück Südstaatenscheiße«, hatte der Rekrut gesagt und ihm einen Schlag versetzt.

Charles mußte von dem Schwarzen weggezerrt werden; um ein Haar hätte er den Rekruten mit seinen Fäusten umgebracht, hieß es später.

Zwei Nächte danach rannte der Rekrut davon. In Kansas City wurde er erkannt, wieder eingefangen und unehrenhaft aus der Armee ausgestoßen, was ihm lebenslänglich anhängen würde.

Die C-Kompanie wurde gebildet. Ike Barnes wurde Kommandeur, und Floyd Hook, ein jungenhaftes Unschuldslamm, First Lieutenant. Charles kam an dritter Stelle. Floyd oder Charles bekamen gelegentlich von Barnes die Aufgabe übertragen, neue Männer willkommen zu heißen. Charles bastelte sich eine kleine Ansprache zurecht.

»Willkommen in eurem neuen Heim, manchmal auch Arbeitshaus der Regierung genannt. Ihr werdet nicht nur lernen, hervorragende Kavalleristen zu werden, sondern könnt euch auch darauf freuen, Backsteine zu schleppen, Wände zu malen und Holz zu hacken. Ab und zu wird man dabei auch als Brevet-Architekt bezeichnet.«

Die schwarzen Rekruten zeigten nie ein Lächeln. Es lag nicht an dem Wort Brevet, das wußte Charles. Es war sein Akzent.

Geduldig brachte er jedem Neuling bei, wie man ein Paar Socken zusammenrollte und sie sich unters Hemd stopfte, um Schulterabschürfungen bei den Schießübungen zu vermeiden. Er überwachte die ersten Versuche, ein Pferd zu satteln und zu besteigen. Sobald die Rekruten nicht mehr herunterfielen, begann er mit dem Drill für Revolver und Gewehr. Er brüllte den Männern zu, sich Zeit zu lassen und ihre Waffen ruhig zu halten, während sie auf Zwiebackkisten schossen; anfangs gingen ihre Pferde im Schritt, dann im Trab und schließlich im Galopp.

»Ruhig - ruhig«, pflegte er zu brüllen. »Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß ihr in eurem ganzen Armeeleben nur eine Schlacht mitbekommt. Aber an diesem Tag kann dieser Drill hier über Leben und Tod entscheiden.«

Die Offiziere wurden so was wie Ersatzväter, die die Neuen vor den Schikanen der Alten zu schützen hatten - die Alten, das waren die, die vor einer Woche angekommen waren. Ein junger Neuankömmling brach zusammen und heulte.

»Sie sagten mir, ich solle mir meine Butterzuteilung aus der Messe holen. Der Koch wird versuchen, sie für sich selber zu behalten, sagten sie. Also paß auf. Ich gehe zu ihm und sagte: Gib mir meine Butter, und keine verdammte Widerrede.« Er schlug sich auf die Oberschenkel. »Es gibt keine Butterzuteilung.«

»Nein. Das ist ein alter Trick. Hör mal, jeder neue Mann wird auf den Arm genommen. Du bist jetzt durch. Du hast's überstanden.«

»Aber die anderen nennen mich jetzt Butterkopf.«

»Wenn sie dir einen Spitznamen geben, dann zeigt das, daß sie dich mögen.«

Der Rekrut wischte sich die Augen. »Ist das die Wahrheit?«

Charles lächelte. »Die Wahrheit.« Angehörige der kleinen Offiziersgruppe des Zehnten Regiments wurden >Eisenarsch< und >Der freundliche Floyd< genannt.

»Was ist Ihr Spitzname, Cap'n?«

Das Lächeln wurde steif. »Lieutenant. Ich habe keinen.«

Der Dienst in der Zehnten hatte den Vorteil, daß er den kleinen Gus häufig sehen konnte. Charles schaffte es, ihn fast jeden Tag für ein paar Minuten zu besuchen. Der Junge fühlte sich nun von seinem Vater nicht mehr so eingeschüchtert, da Charles' Haltung längst nicht mehr so schroff war.

Weihnachten näherte sich. Charles weigerte sich, irgendwelche Handarbeiten der Fort-Indianer zu kaufen, obwohl die mit Stachelschweinborsten und Perlen verzierten Artikel attraktiv und billig waren. Statt dessen kaufte er in Leavenworth ein. Er kaufte einen Satz Bürsten für Duncan, Parfüm für Maureen und Willa und ein Holzpferd für seinen Sohn.

Am 21. Dezember 1866, vier Tage vor Weihnachten, erhielt dann die Armee ein unerwünschtes Präsent.

Fort Phil Kearny bewachte den Bozeman Trail, der zu den Goldfeldern von Montana führte. Die bloße Existenz des Forts stellte eine Provokation für die Sioux und die Cheyenne im Norden dar, die dieses Land für sich beanspruchten. Kriegshäuptlinge mit bekannten Namen - Rote Wolke von den Sioux, Römernase von den Cheyenne - griffen Kearny mit zweitausend Kriegern an.