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William Fetterman, ein Captain, bei dem die Tollkühnheit über die Vernunft siegte, meinte, er könne mit achtzig Mann die Linien der Angreifer durchbrechen. Er behauptete, er könnte sich durch die gesamte Sioux-Nation schlagen. So sammelte er seine Männer, die einige Holzfuhren zurück zum Fort bewachen sollten, und die Armee hatte zu Weihnachten ihr Fetter-man-Massaker. Keiner der achtzig Männer überlebte.

Ein unbarmherziger Zug in Charles nahm die schlechten Nachrichten mit Befriedigung auf. Nach dem Massaker und dem sich anschließend erhebenden Rachegeschrei glaubte er, die Armee würde nun vielleicht gegen die südlichen Stämme vorgehen. Wenn es soweit war, würde er bereit sein.

Zu Weihnachten schickte ihm Willa ihr Foto in einer kleinen, gerahmten Fassung und eine goldbeschriftete Lederausgabe von >Macbeth< mit einer romantischen Inschrift, in der es hieß, daß ihr >Pechstück< zu einem Glücksbringer für sie geworden sei, da sie sich dadurch gefunden hatten. Den Geschenken lag ein Brief voller Zärtlichkeiten bei.

Mein liebster Charles,

ich werde mir Mühe geben, daran zu denken, daß Dein neuer Nachname August lautet, und ich lege einen heiligen Eid ab, daß ich Deinen wirklichen Namen niemals laut aussprechen werde, obwohl er mir sehr am Herzen liegt...

So ging es einige Absätze weiter; die Worte freuten und erwärmten ihn trotz seiner unveränderten Bedenken bezüglich irgendwelcher Bindungen. Kurz darauf bekam er handfest vorgeführt, daß er durchaus Gründe hatte, auf der Hut zu sein.

Es wird viel über die Fetterman-Tragödie geredet. Ich bete, daß es deswegen nicht zu einem Vergeltungsschlag auf der ganzen Linie kommt. Ich kann nicht länger vor Dir verbergen, daß ich mich der örtlichen Niederlassung der Indian Friendship Society angeschlossen habe, die Gerechtigkeit für jene durchzusetzen sucht, die so lange der Gier und den Täuschungsmanövern der Weißen ausgesetzt waren. Ich lege Dir ein kleines Flugblatt der Gesellschaft bei, in der Hoffnung, Du findest es ...

An der Stelle warf er den Brief in Duncans Eisenofen, ohne ihn zu Ende zu lesen.

Am Weihnachtstag merkte er, daß er Willas einundzwanzigsten Geburtstag vergessen hatte.

27

Um seinen Schnitzer wiedergutzumachen, wandte sich Charles an Ike Barnes' winzige Frau Lovetta, deren Stimme, falls nötig, so laut werden konnte wie eine Dampfpfeife. Lovet-ta nahm etwas von Charles' Sold und versprach, etwas zu suchen, was einer jungen Frau gefallen würde. Zwei Tage später kam sie mit einer reich mit Perlen verzierten indianischen Tasche mit Schulterriemen an. Der Anblick ärgerte ihn, doch er bedankte sich bei ihr und schickte das Geschenk mit einigen entschuldigenden Zeilen nach St. Louis.

Kurz nach Neujahr begannen alle in Leavenworth darüber zu reden, daß General Hancock im Frühjahr ins Feld ziehen würde, um den Indianern gegenüber Stärke zu demonstrieren, vielleicht sogar, um jene zu bestrafen, die für das Fetterman-Massa-ker verantwortlich waren. Inzwischen gab Grierson allmählich die Hoffnung auf, sein Regiment jemals auf Sollstärke zu bringen. Bis jetzt hatten sie nicht mehr als achtzig Männer.

Fast alle mußten sie an Kaplan Grimes' Spezialunterricht teilnehmen. Das niedrige Niveau der Rekruten bürdete den Offizieren zusätzliche Lasten auf. Sie mußten sich um all den Papierkram kümmern, den normalerweise die Unteroffiziere erledigten.

Trotzdem mußte Charles widerstrebend zugeben, daß die Stadtjungs ihren Bildungsmangel durch ihre Begeisterung und ihren Eifer mehr als wettmachten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, benahmen sie sich ordentlich. Befehlsverweigerung, Trunkenheit und kleine Diebstähle kamen weit weniger häufig vor als bei weißen Soldaten. Charles vermutete, daß die Motivation dabei eine große Rolle spielte. Die Männer wollten Erfolg haben, sie hatten sich die Armee ausgesucht, anstatt sie als Zufluchtsstätte zu betrachten.

Motivation und allgemeines Auftreten beeindruckten allerdings weder General Hoffman noch seinen Stab. Hoffman ordnete Überraschungsinspektionen der Baracken der Zehnten an und bestrafte dann die Soldaten wegen Schmutzes auf dem Boden oder Flecken an den Wänden. Durch die undichten Türen und Fenster blies der Wind Schmutz herein. Die Flecken wurden durch undichte Dächer verursacht. Hoffman ignorierte alle Erklärungen und verweigerte jegliches Reparaturmaterial.

Der Kommandeur führte einen erbarmungslosen Kampf gegen den >Niggerabschaum<. Wenn einer von Griersons Offizieren einem schreibkundigen Rekruten etwas Verantwortung übertrug, dann schickte das Hauptquartier die Berichte des Mannes mit dem Vermerk Schlampig oder Nicht korrekt zurück. Auf Anordnung von Hoffman mußte das Zehnte Regiment bei Inspektionsformationen mindestens fünfzehn Meter von weißen Einheiten entfernt antreten.

Bei den Pferden, die dem Zehnten Regiment zur Verfügung gestellt wurden, handelte es sich um abgehalfterte Wracks aus dem Krieg, einige davon gute zwölf Jahre alt. Als Grierson protestierte, meinte Hoffman achselzuckend: »Das Armeebudget ist angespannt, Colonel. Man verlangt von uns, die Waffen, Munition und Pferde zu nehmen, die bereits vorhanden sind. Ich würde sagen, diese Klepper sind gut genug für Nigger.«

»General, bei allem Respekt, ich verlange, daß meine Männer nicht als ...«

»Ihre Männer wären nicht mal hier, wenn der verdammte Kongreß nicht die Schwarzen verhätscheln würde. Ich muß niemanden verhätscheln. Abtreten.«

In der Messe sagte Grierson zu seinen Offizieren: »Wir müssen dieses Regiment auf die Beine stellen und von diesem Posten hier verschwinden. Wenn nicht, dann wird etwas Furchtbares passieren. Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Ich bin kein gottloser Mensch. Aber wenn wir hier noch länger bleiben, dann ist Hoffman tot. Ich bringe diesen bigotten Scheißkerl persönlich um.«

Charles lachte und schloß sich dem allgemeinen Applaus an.

Grierson fügte hinzu: »Wenn Alice wüßte, wie sich Hoffman auf meinen Charakter und meine Ausdrucksweise auswirkt, sie würde sich glatt scheiden lassen.«

Barnes - oder >der Alte<, wie er allgemein genannt wurde - unterrichtete die C-Kompanie häufig in praktischen Dingen, die nicht zum offiziellen Armeerepertoire gehörten.

»Männer«, sagte er eines Tages und schritt, seinen Bauch voraus, die Reihen ab, »ihr sollt stolz auf eure Uniform sein. Das ist in Ordnung, solange wir hier im Fort sind.« Sein Blick huschte über die ernsten, aufmerksamen Gesichter, braun und bernsteinfarben, Mahagoni und Ebenholz. »Ich möchte jedoch, daß sich jeder von euch eine neue Ausrüstung fürs Feld besorgt. Es ist mir egal, wie's aussieht, solange es nur warm ist, locker sitzt und sich Stück um Stück ausziehen läßt, wenn die Sonne euch im eigenen Saft brutzeln läßt. Für die Art von Kämpfen, in die wir verwickelt werden, belastet ihr euch besser nicht mit zusätzlicher schwerer Ausrüstung. Also stellt euch eine neue Uniform zusammen - Hemd, Hose, Mantel, Hut. Kauft es euch. Feilscht darum. Wenn ihr es klaut, laßt euch nicht erwischen.«

Als wollte er die ganze Sache abschließen, strich er sich mit dem Zeigefinger über den Schnurrbart, fügte dann jedoch noch hinzu: »Je weniger Regierungsblau ich bei dieser Truppe sehe, desto glücklicher bin ich.«

Wenn Charles gelegentlich mal eine freie Stunde hatte, ritt er nach Leavenworth City. Im Prairie Dog Saloon in der Main Street wurde ein wesentlich höherprozentiger Whisky ausgeschenkt als das verwässerte Zeug, das es an der Offiziersbar beim Kantinenwirt gab.