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Willa glättete das Papier. »Am neunzehnten. Mein Gott, fast tausend Kleidungsstücke zerstört, die Kochgeräte, all die Sachen, die sie zurückgelassen haben. Wie herzlos. Wie empörend!«

Charles sagte: »Hancock ist ausgerückt, um den Häuptlingen vor Augen zu führen, daß sie in diesem Sommer besser Frieden halten.«

»Und jetzt kann er sicher sein, daß sie das nicht tun werden.« Sie hielt ihm die Zeitung vor die Nase. »Lies selber. Es bestand absolut keine Verbindung zwischen dem Dorf, das Hancock zerstörte, und der niedergebrannten Station.«

»Keine Verbindung, außer daß alles Teil des gleichen Problems ist. Die Häuptlinge hätten zum Palaver kommen sollen.«

»Wo General Hancock von Anfang an so anmaßend war? Ich habe gelesen, was er so alles von sich gegeben hat, Charles. Bombastisch. Herausfordernd.«

»Schau, ich hab's satt, mir das anzuhören. Du weißt, wie ich meinen Partner im Kampf gegen die Cheyenne verloren habe. Ein feiner Mann, der ihr Freund war, der nie jemandem ein Leid zugefügt hatte, wenn man ihn in Ruhe ließ.«

»Und deshalb soll sich die Armee genauso brutal aufführen? Brutalität bringt nur weitere Brutalitäten hervor, Charles. Es drückt die Armee auf das Niveau der wenigen Indianer herab, die gewalttätig reagieren.«

»Es sind mehr als nur einige wenige«, fing er an.

»Nun, über diese Sache wird Washington von der Gesellschaft einiges zu hören bekommen«, erklärte Trueblood. Er schnappte sich die Zeitung und schnaubte auf, als er nochmals den Bericht las.

Charles sagte: »Jeder Indianer ist ein potentieller Mörder, Willa. Das ist ihr Lebensstil. Genauso, wie sie ihre Opfer hinterher aufschneiden.«

Ätzend sagte sie: »Bitte.« Sie schob ihren Teller beiseite. Im Licht der Papierlaternen des Biergartens blitzten ihre Augen auf. Der Aprilwind spielte mit einer ihrer Haarsträhnen. Sie starrte Charles voller Abneigung an, stand dann ruckartig auf. »Ich bin fertig.«

Sie ließen Finley und Trueblood in verlegenem Schweigen zurück. Charles nahm ihren Arm. Sie zog ihn weg. Auf dem Weg zum Hotel versuchte er mehrmals, ein Gespräch in Gang zu bringen. Jedesmal schüttelte sie stumm den Kopf; einmal sagte sie: »Bitte nicht. Dein blutdürstiges Gerede hängt mir zum Hals heraus.«

Im Bett schliefen sie weder miteinander, noch berührten sie sich nach einem oberflächlichen Gutenachtkuß. Charles schlief schlecht. Am Morgen entschuldigten sich beide für ihre schlechte Laune, jedoch für nichts anderes. Er sah nicht ein, weshalb er sich überhaupt entschuldigen sollte.

Sein Flußboot legte um fünf ab. Nach einer Probe am späten Morgen schützte Willa Kopfschmerzen vor und wollte ins Hotel zurückkehren. Charles zog sie in eine ruhige Ecke hinter der Bühne. »Das ist vielleicht für längere Zeit das letzte Mal, daß wir uns sehen. Grierson schickt die C-Kompanie ins Feld.«

Tränen des Zorns traten ihr in die Augen, als sie sagte: »Ich hoffe, du findest jeden Tropfen Blut, auf den du so scharf bist - obwohl Gott allein wissen mag, weshalb du nach vier Jahren Krieg immer noch so scharf darauf bist.«

»Willa, ich habe es dir erklärt.«

»Ist auch egal. Ist völlig egal, Charles. Wahrscheinlich ist es ganz gut, daß du für eine Weile von deinem kleinen Jungen wegkommst. Er ist zu jung, um zu lernen, wie man haßt.«

Charles packte ihr Handgelenk. »Ich habe einen sehr guten Grund für meinen ...«

»Für Barbarei gibt es nie einen guten Grund.« Sie machte sich steif, versuchte sich zu befreien, bis er sie losließ. »Nicht für die Barbarei der Männer, die deine Freunde umgebracht haben, aber auch nicht für deine. Auf Wiedersehen, Charles.«

Erstarrt sah er zu, wie sie herumwirbelte und ging. Er hörte das laute Knallen der Tür zur Olive Street.

Brodelnder Zorn mischte sich mit Reue. Er riß gerade ein Streichholz an seiner Stiefelsohle an, als Trump aus der Dunkelheit angewatschelt kam, ein fleckiges Handtuch über der nackten, blassen Schulter.

»Mir war so, als hätte ich so was wie einen Streit gehört. Wieder mal die Indianerfrage.«

»Sie versteht einfach nicht ...«

»Sie versteht ihre eigene Position, und es ist ihr ernst damit. Das weißt du seit vielen Monaten. Du hast sie zu weit getrieben und eine Entscheidung erzwungen. Mit der hattest du nicht gerechnet, he?« Der alte Schauspieler wischte sich etwas Puder von der Wange. »Wenigstens kann ich es mir sparen, dich niederschlagen zu müssen. Du hast ihr weh getan, aber du hast deine Strafe auch weg.«

»Red doch nicht wie ein verdammter Narr, Sam. Ich liebe sie.«

»Wirklich? Warum treibst du sie dann von dir?«

Er warf Charles einen forschenden Blick zu und entfernte sich.

Charles lehnte an der Bootsreling und beobachtete, wie die Lichter von St. Louis allmählich in der Dämmerung versanken.

Wasserkaskaden stürzten rauschend über die Schaufelräder am Heck.

Er hatte das getan, was Trump ihm vorgeworfen hatte, nicht wahr? Er hatte sie absichtlich vertrieben.

Warum? Weil er vor einem größeren Schmerz Angst hatte, wenn die Beziehung andauerte? Oder lag es wirklich daran, daß sie seine Besessenheit in bezug auf die Cheyenne haßte? Zum Teufel, er wußte es nicht.

Er dachte an ihre Augen und ihr Haar. An ihre Leidenschaft und ihre Zärtlichkeit. An ihren Esprit und ihren Idealismus, so voller Energie und von Zeit und Realität noch unbeschadet. Sie war auf ihre Art so wunderbar wie Augusta Barclay, die er ebenfalls von sich getrieben hatte. Er sah sich selbst das Muster wiederholen, versuchte dann seine Schuldgefühle durch Erinnerungen an Holzfuß, Boy und Fen auszulöschen.

Ich hab' recht, verdammt noch mal. Sie ist nicht realistisch. Wird es auch niemals sein.

Und doch spürte er, während er die fernen Sterne hoch über sich betrachtete, tief in seinem Inneren einen Kummer.

Hancock ließ das Dorf bewachen. Kurz nach neun Uhr ... wurde entdeckt, daß die Indianer das Dorf verließen . Cu-ster erhielt den Befehl, mit seinem Kommando - ungefähr sechshundert Männer der Siebten Kavallerie - das Dorf zu umzingeln, es aber weder zu betreten noch die Indianer anzugreifen. Das Umzingelungsmanöver wurde mit großer Geschwindigkeit durchgeführt; nähere Untersuchungen enthüllten..., daß Indianer das Dorf verlassen und sich Richtung Norden auf die Smoky Hills zurückgezogen hatten ... Custer erhielt den Befehl, sein Kommando auf den Aufbruch bei Tagesanbruch vorzubereiten, um die Indianer zu überholen und sie zur Rückkehr zu zwingen. Er führte dieses Manöver in größtem Tempo durch und erreichte Lookout Station auf Smoky Hill, als die Station noch brannte. Unter Aschehaufen entdeckte er dort die halb verbrannten Leichen der Stationsmänner. Er schickte sofort einen Boten zu Hancock ... Nach Erhalt dieser Nachricht bekam Smith von Hancock den Befehl, das Indianerdorf niederzubrennen .

Theodore davis: >Präriesommer<

Harper's Magazine, 1868

29

»Hundesohn«, sagte Ike Barnes im Hereinstürmen.

»Ich?« erkundigte sich Charles und ließ die Februarausgabe von >Harper's Monthly< in die Schreibtischschublade gleiten. Das Heft war in ganz Leavenworth wegen eines G.-W.-Nichols-Artikels über Hickok herumgegangen. Nichols hatte Hickoks Heldentaten aufgezählt, die er als Scout für General Sam Curtis im Südwesten, als Soldat der Union bei Wilson's Creek und Pea Ridge und als Revolverschütze, der seinesgleichen suchte, vollbracht hatte. Er berichtete, daß >Wild Bill<, wie er ihn nannte, mindestens zehn Männer erschossen hatte. Obwohl niemand zu wissen schien, woher Hickok seinen Spitznamen hatte, hegte Charles keinen Zweifel, daß nach diesem Artikel der Name bald in ganz Amerika bekannt sein würde.

»Nein, nicht du. Versuch bloß keine Witze zu machen«, sagte Barnes. »Der Hundesohn, den ich meine, ist dieser Hundesohn Hoffman. Wenn wir morgen nach Riley aufbrechen, dürfen wir unsere Wäscherinnen nicht mitnehmen.«