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Das schreckte Floyd Hook aus seinem Dösen hoch; er kleidete sich stets äußerst penibel. »Warum zum Teufel nicht, Captain?«

»Weil Hoffman es so will, deshalb nicht. Die Frauen haben Befehl, den Posten nicht in den Wagen der C-Kompanie zu verlassen.«

Charles kratzte sich nachdenklich am Kinn. »Nun, wenn das ein Befehl ist, dann befolgen wir ihn auch. Bitten wir die Damen doch, daß sie vor dem Tor auf uns warten.«

Der Alte blinzelte. »Verdammt, Charlie, seit du aus St. Louis zurück bist, hast du dich aufgeführt wie ein tollwütiger Hund, aber jetzt bin ich froh, daß ich dich hier behalten habe.«

Charles verbrachte den Abend mit Brigadier Duncan und dem kleinen Gus. Er tobte mit seinem Sohn herum, der vor Vergnügen gurgelte; bevor er ins Bett ging, umarmte er seinen Vater lange.

Duncan erkundigte sich nach Willa. »Du hast sie kein einziges Mal erwähnt.«

»Ihr geht es gut. Ist mit einem neuen Kreuzzug beschäftigt.« Ohne weitere Erklärungen ließ er es dabei bewenden.

Der nächste Tag dämmerte herauf; der Himmel war klar und hell. Zweiundsiebzig Männer, drei Offiziere und zwei Frauen der C-Kompanie machten sich bereit, Fort Leavenworth zu verlassen. Grierson schüttelte jedem Offizier die Hand. »Ich bin stolz auf diese Kompanie und dieses Regiment. Ich möchte nur lange genug durchhalten, um euch Männer im Feld zu führen. Wenn ich bis zum Herbst nicht von Hoffman wegkomme, dann begehe ich selber Fahnenflucht.«

»Tun Sie das nicht, Sir«, sagte Hook. »Wir schicken Lieutenant August, damit er Hoffman für Sie erschießt. Er ist begierig darauf, jemanden zu erschießen. Irgend jemanden.«

Charles, so bösartig gelaunt wie ein hungriger Wolf, sagte nichts darauf.

Die Kompanie setzte sich in Bewegung. Charles stand neben Satan und tätschelte ihn, während er zusah, wie die Kavalleristen auf ihren Pferden in Viererreihen vorbeizogen. Sie hatten sich den Vortrag des Alten über Felduniformen zu Herzen genommen. Charles entdeckte eine Vielzahl von Hemden - verblaßte graue Baumwolle, gelber Kersey, grüne Seide. Er sah Kavalleriehosen, Jeans, indianische Leggings. Er sah Kappen, Pelzmützen, Strohhüte, sogar einen mexikanischen Sombrero. Und er sah viele neue Bowiemesser und Handfeuerwaffen.

Charles selbst trug bequeme, gelbschwarz gestreifte Hosen und ein weiches Hirschlederhemd. Sein blaues Armeezeug hatte er in seinen Reisekoffer gestopft, zusammen mit seinem Zigeunermantel und einem neuen, mit Schaffell besetzten Wintermantel.

Magic Magee ritt vorbei, auf dem Kopf eine schwarze Melone mit einer Truthahnfeder. Er sah Charles und salutierte flott. In dem Moment, in dem seine Hand die Stirn berührte, tauchte die Karodame zwischen seinem Zeigefinger und seinem Mittelfinger auf. Er schob die Karte unter seinen linken Arm, wo sie spurlos verschwand. Er ließ sein wunderbares Lächeln aufblitzen und ritt weiter.

Ein Reiter tauchte in dem aufgewirbelten Staub hinter dem Wagen auf, in dem Lovetta Barnes, Floyd Hooks verhärmte junge Frau Dolores und deren kleine Tochter saßen. Charles' Muskeln spannten sich, seine Hand glitt zu der Spencer im Sattelhalfter.

Waldo Krug hielt sein Pferd an. »Wo ist Barnes?«

»An der Spitze der Kolonne, Sir.«

»Nun, richten Sie ihm aus, daß ich seine Gaunerei durch schaut habe. General Hoffman wird das in die Regimentsakte eintragen.«

Charles tat unschuldig. »Gaunerei, Sir?«

»Reden Sie nicht in diesem gottverdammten falschen Ton mit mir. Sie wissen genau, daß die Wäscherinnen eindeutigen Befehl hatten, den Posten nicht zusammen mit der C-Kompanie zu verlassen.«

»Das haben sie auch nicht. Soviel ich weiß, verließen sie den Posten vor einer Stunde. Wollen Sie etwa sagen, die Armee hätte etwas dagegen, wenn wir sie höflicherweise mitnehmen, falls wir sie zufällig auf der Straße treffen sollten?«

»Den ganzen Weg bis zum verfluchten Fort Riley?« Krugs Wangen verfärbten sich. »Geben Sie mir eine Antwort, Sie Bastard.«

»Hören Sie, Krug. Ich bin Soldat, genau wie ...«

»Scheiße. Sie sind ein Verräter. Sie sind eine Schande für die Uniform, die Sie sich weigern zu tragen. Wenn Grierson Sie nicht verhätscheln würde, dann würde ich Sie deswegen zur Meldung bringen. Sie und diese Nigger. Schauen Sie doch hin -bunt zusammengewürfelt wie ein Haufen sizilianische Banditti.«

Charles schwang sich in den Sattel. »Auf Wiedersehen. General!«

In Leavenworth City lud die C-Kompanie die Wäscherinnen in einen Wagen. Jenseits der Stadt kamen sie durch einen Gürtel von Farmen, in deren fetter schwarzer Erde sich bereits grüne Schößlinge zeigten. Die weißgetünchten Häuser und Schuppen wirkten alt und dauerhaft, obwohl sie wahrscheinlich noch keine zehn Jahre alt waren.

Die Kompanie schwenkte von der Eisenbahn und der parallel laufenden Linie der Telegraphenpfosten ab. Wind kam auf und ließ die Äste der Bäume rauschen. Über sanfte, unter Tausenden von Sonnenblumen verborgene Hügel, durch glitzernde Bäche, an denen wilde Erdbeeren wuchsen, ritt die C-Kompanie durch ein Meer von Gras nach Westen.

Charles trug eine Reihe von Erinnerungen an Willa mit sich -und einen tiefen Schmerz. Er summte die kleine Melodie, die sie für ihn niedergeschrieben hatte. Er hatte die Noten sorgfältig in den Falten seines Zigeunermantels verpackt. An diesem Morgen stimmte ihn die Melodie unerklärlich traurig, also hörte er auf zu summen und ritt schweigend weiter.

Die belebende Luft und das sonnenhelle Land milderten nach und nach seine Melancholie. Mit Baritonstimme sang er eines der süßtraurigen Lieder, die er erstmals von der Sklavenkapelle gehört hatte, als er noch klein und sorglos gewesen war und nichts von der Welt und dem Leid, das in diesem Lied zum Ausdruck kam, verstanden hatte.

I'm rollin', I'm rollin',

I'm a-rollin' through this unfriendly world...

Hook trieb sein Pferd neben das seine.

»Wo hast du solche Trappersongs gelernt, Charlie?«

»Das ist kein Trappersong, das ist eine Hymne. Eine Sklavenhymne.«

»Du gibst ihr wirklich einen fröhlichen Schwung. Freut mich, daß du zur Abwechslung mal gut gelaunt bist.«

Charles lächelte und behielt seine Gedanken für sich.

Der Stiefel der Militärdiktatur zertritt unseren entkräfteten Staat. Ihre Bajonette zwingen uns das neue Evangelium der Lust und der Rassenvermischung auf. Zu uns kommen die blaugekleideten Missionare des Zorns, ausgestattet mit neuer, ungeheurer Macht, um Haß zu schüren und die Saat der Verdammung zu säen . Sie winken mit ihrer von Sünden befleckten Bibel und ihrer Verfassung, befleckt mit Verbrechen und politischen Schikanen, und predigen nur einen Sermon: Radikalismus ... Wir sollten lieber den Antichrist persönlich willkommen heißen als diese Sendboten der Hölle.

Leitartikel in The Ashley Thunderbolt Frühjahr 1867

MADELINES JOURNAL

April 1867. Der Kongreß hat das Ruder übernommen. Das Wiederaufbaugesetz vom vergangenen Monat verwandelte die zehn unbußfertigen Staaten in fünf Militärbezirke. Die beiden Carolinas bilden den zweiten Bezirk. Stanton ernennt die Militärgouverneure. Wir haben den alten, kränkelnden Gen. Sickles. Wir werden erst dann wieder Teil der Union sein, wenn es einen neuen Konvent schwarzer ebenso wie weißer Wähler gibt, eine neue Staatsregierung, die den Schwarzen das Stimmrecht sichert und die Anerkennung des 14. Verfassungszusatzes. Der >Thunderbolt< und selbst die besseren demokratischen Zeitungen klingen schrill, um nicht zu sagen gewalttätig, und weisen das alles zurück.

Solche Ereignisse scheinen vom Tagesablauf auf Mont Royal sehr weit entfernt zu sein. Im letzten Jahr haben zwei ordentliche Reisernten einen kleinen Gewinn eingebracht, den ich fast ausschließlich dazu verwendete, unsere Schulden bei Dawkins Bank zu senken. Die Bank zeigt sich jetzt absolut unnachgiebig, was verspätete Zahlungen anbelangt. So was wird nicht mehr geduldet.