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Oh, sie hatte eine Menge für Will Fenway und ihre gemeinsamen Pläne getan; daß sie von dem fetten, schwitzenden Bankier fast zu Tode gequetscht wurde, war nur ein Teil davon. Zuerst hatte sie einen Notar in San Francisco verführt. Er war gar nicht so übel, zwar reichlich hausbacken, aber potent. Sie brauchte lediglich eine Woche, um ihm eine gefälschte Heiratsurkunde zu entlocken, die besagte, daß sie Mr. Lamar Powell am 1. Februar 1864 geheiratet hatte.

Obwohl sie aus reiner Bequemlichkeit den Namen Mrs. Willard P. Fenway angenommen hatte, war sie in Wirklichkeit mit einem Mann verheiratet, der ihres Wissens nach immer noch in Virginia City, Nevada, lebte. Ezra Leaming war ein rotgesichti-ger weißhaariger Witwer mit traurigen Augen ohne Familie. Er war schüchtern und ein Tölpel, was Frauen anbelangte. Ashton mußte ein scheinbar zufälliges Zusammentreffen arrangieren -eine kleine Ohnmacht auf der Straße - und so tun, als wäre sie selbst sehr schüchtern und wegen des Todes von Mr. Powell bitterer Armut preisgegeben. Ihr blieb es überlassen, dafür zu sorgen, daß er ihr den Hof machte; sie füllte Mr. Leaming mit einer ganzen Flasche Mumm's ab und brachte ihn so dazu, ihr einen Heiratsantrag zu machen.

Im Bett erwies sich Leaming als recht lebhafter Ehemann. Wesentlich lebhafter als der gute alte Will, der es nur einmal in San Francisco probiert und nach einer halben Stunde geseufzt hatte: »Das reicht. Ich schlafe gern mit dir, um mich zu wärmen, wenn du nichts dagegen hast, aber für das andere, schätze ich, bin ich zu alt. Bleiben wir Partner. Was meinst du dazu?«

Ezra Leaming stahl sie einen Hosenknopf. Während der acht Monate ihrer Ehe genoß er ihre Vorzüge in reichem Maße. Er war der Chef des örtlichen Schürfbüros; natürlich war er nur zu glücklich, seiner lieben Frau dabei behilflich zu sein, ihren eindeutigen Besitzanspruch auf die Mexikanische Mine, Eigentum ihres verstorbenen Mannes, durchzusetzen. Schließlich konnte sie ihre Heiratsurkunde vorweisen, nicht wahr?

Ashton heuerte Männer an, um die Mine wiederaufzumachen, die anfangs auch sehr vielversprechend aussah. Aus dem silberhaltigen Erz ließen sich 103.000 Dollar herausholen, bevor die Ader erschöpft war. Still und heimlich hob sie das Geld von ihrem Bankkonto ab, und spät nachts, als Ezra Leaming schnarchte, setzte sie sich mit Will Fenway, der sich während der Zeit in einem billigen Zimmer aufgehalten und ungeduldig Pianos gezeichnet hatte, in die nächste Kutsche.

O ja, der Weg nach Chicago hatte durch ein wahres Labyrinth geführt. Mit vielen Verwirrungen und Irritationen. Sie gab sich als Mrs. Fenway aus, war aber immer noch Mrs. Leaming. Als Will am Tag nach ihrer Ankunft in der Stadt sagte, sie dürfe nicht zum Fotografen, warf sie einen Schuh nach ihm. Um ihm eins auszuwischen, marschierte sie am nächsten Tag zu Field, Leitner und Co., einem vornehmen Bekleidungsgeschäft in der State Street. Dort kaufte sie mit Geld von ihrem Bankkonto -Geld, das für die Pianofirma reserviert war - die scharlachroten Sachen, einschließlich der Tournüre.

Will war wütend. Er beschimpfte sie, wie sie ihn nie zuvor hatte schimpfen hören. Ashton erkannte, daß sie einem Mann begegnet war, dessen Stärke der ihren gleichkam. All die Sorgen und die Nachtarbeit hatten ihn alt und müde werden lassen, aber weder ihre Schönheit noch ihr hoheitsvolles Benehmen schüchterten ihn ein; auch daß sie auf seine Flüche mit Schreien reagierte und sagte, sie werde ihn verlasen, brachte ihr nichts ein.

Er schlug sie. Nur einmal, aber so fest, daß sie auf das zerwühlte Bett taumelte. Dann zeigte er ihr seine Faust. »Du machst weiter. Ich habe meine ganze Seele und dein ganzes Geld in diesen Plan gesteckt. Wenn dir all das egal ist, wenn du nicht mehr in dem Stil nach South Carolina zurück willst, von dem du immer gesprochen hast, dann geh einfach zur Tür raus. Ich behalte all das Geld, das wir verdienen, und dann suche ich mir eine andere Frau.«

Ashton stand wie vom Donner gerührt da. Sie bat und bettelte, weinte und erniedrigte sich, bis er sie wieder als Partnerin aufnahm. Seitdem hatte sie ihn weder verärgert noch herausgefordert.

Das war der Grund für ihre Eile, als sie von der Van Buren nach Westen auf die Holzbrücke über den Südarm des Chicago River abbog. Wenn Fremde sie aufdringlich anstarrten, dann warf sie nur verächtlich den Kopf zurück. Ihr Herz gehörte Will und dem, was er heute enthüllen würde.

Westlich des Flusses war Chicago fast schon ein Slum, mit seinen dicht gedrängten Kneipen, Holzlagerplätzen, Sägemühlen, den Bootsmolen am Wasser und den trostlosen, billigen Wohnungen der vielen Iren und Schweden und Böhmen. Hier in der Canal Street führte eine dunkle Treppe nach oben, vorbei an einem grob mit der Hand geschriebenen Schild, das auf fen-way's piano Company hinwies.

Atemlos hetzte sie nach oben auf den Speicher, wo sich Eisenrahmen türmten, Spulen unterschiedlich starken Klavierdrahtes, noch nicht zusammengebaute Gehäuse von Schoenbaum aus New Jersey, Tasten von Seaverns in Massachusetts. Mit Ausnahme des Gesamtentwurfs war nichts an dem Piano Will Fenways Eigenschöpfung.

»Will, verzeih mir.« Zerknirscht eilte sie auf ihn zu. Die vier jungen Männer in Lederschürzen und der stattliche Norvil Wat-less, der Verkäufer, lächelten und grüßten sie, als sie die Arme um Wills Nacken schlang und ihn küßte. »Auf der Brücke war so viel Verkehr. Ich mußte zehn Minuten warten, bis ich hinüber konnte.«

»Schon gut, ich habe gewartet«, sagte er nervös, während er mit den Fingern auf das unter einem Laken verborgene Objekt trommelte, das im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. »Schätze, wir sind alle da. Werfen wir mal einen Blick darauf.«

Sie bemerkte, wie seine Hand zitterte, als er das Tuch packte. Außerdem bemerkte sie die roten Ränder tief in seinen Augen; er brauchte eine Brille, wollte sich aber keine kaufen. Doch seine Schultern strafften sich, als er eine auf Wirkung bedachte Pause einlegte, ehe er das Laken wegriß.

Die Arbeiter klatschten. »Allmächtiger, was für eine Schönheit«, keuchte Norvil Watless. Selbst Ashton blieb der Atem weg.

Bei dem Piano handelte es sich um ein Klavier, das in Frankreich populär geworden war, da es sich gut in diese kleinen, im neuen Stil gehaltenen Pariser Wohnungen, appartements genannt, einfügte. Das Gehäuse bestand aus glänzendem, schwärzlichem Holz mit breiter, rostfarbener Maserung. In alter englischer Schrift tauchte über der Tastatur in einer Goldblattgirlande der Name Fenway auf.

»Das ist ein wunderbares Rosenholzgehäuse«, begann Watless.

»Brasilianische Jacaranda«, unterbrach ihn Will. »Ist billiger. Aber Sie können trotzdem Rosenholz dazu sagen.«

Er strich über die glatte Oberfläche; die Müdigkeit schien von ihm abzufallen, als er Ashton erklärte: »Für das Geld kann ich kein besseres bauen. Es hat einen vollen Eisenrahmen, kreuzsai-tige Skala.«

»Französische Mechanik«, rief Watless. Ashton hatte gelernt, daß eine in Paris hergestellte Klaviermechanik gleichbedeutend mit guter Qualität war.

»Nein. Ich habe die Mechanik in den Vereinigten Staaten gekauft«, sagte Will. »Doch im Verkaufsprospekt steht, es sei im französischen Stil gehalten, also sorgen Sie dafür, daß man glaubt, es komme aus Paris. Schließlich zählt unsere Kundschaft ja auch nicht gerade zu den ehrlichsten Leuten der Welt.«

Ashton wollte etwas sagen, was ihn freute. »Du kannst stolz sein, Will.«

»Ich kann stolz, aber auch bankrott sein, wenn sie sich nicht verkauft. Es ist übrigens eine Sie - ich habe dieses Modell >Ash-ton< getauft.«