Was auch für die herrliche Altstadt zutrifft, wie ich entdeckt habe. Überall fensterlose, mit Brettern vernagelte Gebäude. Zerlumpte Neger faulenzen überall herum, und Weiße, die sich vor der Hibernion Hall herumtreiben, spucken Kautabak in der Gegend herum und pöbeln Frauen an. Ich habe einen ins Gesicht geschlagen. Hätte er von meinem >Rassenstatus< gewußt, dann hätte ich ernsthafte Schwierigkeiten bekommen.
Die Tradd Street bleibt eine Insel der Sauberkeit und der Ruhe, obwohl der faulige Gestank der Viehfutter transportierenden Nachtzüge auch schon in Judiths Küche dringt. Wir sprachen über Sickles, was Judith zu der Bemerkung veranlaßte, daß sie nun vollkommen an Coopers politischem Starrsinn verzweifelt .
Die Glocke schepperte. Die Luft war schwer und feucht unter den dunkelgrauen Wolken. Cooper half Marie-Louise die zerbeulten Metallstufen zu dem einzigen Passagierwagen hoch.
Er haßte es, zurück in den Waggon zu müssen. Die Hinfahrt war schon schlimm genug gewesen. Die Hälfte der Sitze und sämtliche Glasscheiben fehlten. Der Wagen war auf seiner langsamen, ruckenden Fahrt nach Süden zur Coosawhatchie Station fast leer gewesen, aber Cooper stellte vom Wagenende aus fest, daß jeder Sitz von militärischen oder zivilen Fahrgästen belegt war. Unter mehreren großen Löchern im Dach stand ganz vorne im Wagen eine riesige schwarze Frau mit einem Bündel in der Hand und betrachtete schüchtern die Sitze. Dieser verfluchte Sickles hatte es möglich gemacht, daß sie zusammen mit weißen Passagieren in einen Wagen durfte. Keiner der Männer erhob sich, um ihr seinen Platz anzubieten.
Donnergrollen kündigte an, daß es bald regnen würde. Rostige Eisenräder quietschten und kreischten, als die Lokomotive anruckte.
»Hier, lehn dich gegen diesen Teil der Wand«, sagte Cooper zu seiner Tochter. »Der ist sauberer als der Rest.«
Marie-Louise dankte ihm mit ihren dunklen Augen und wollte gerade ihre Position wechseln, als ein junger Zivilist mit blassem Gesicht, Schnurrbart und den lebhaften blauen Augen und hellen Haaren eines Deutschen oder Skandinaviers von seinem Sitz aufstand. Mit einer Geste bedeutete er der Schwarzen, sich zu setzen.
Über das Quietschen der Räder hinweg hörte Cooper das Ge-murre der anderen Fahrgäste. Die Negerin schüttelte den Kopf. Der junge Mann lächelte und machte eine deutlichere, dringendere Geste. Ihr Bündel umklammernd, näherte sich die Frau zögernd dem Platz. Der Mann, der am Fenster saß, gab sofort seinen Platz auf. Die schüchterne Schwarze setzte sich.
Der Mann, der aufgestanden war, warf dem Jüngling einen zornigen Blick zu. Ein anderer Fahrgast auf der gegenüberliegenden Gangseite griff nach seinem Messer im Gürtel. Seine hagere Frau hielt seine Hand fest. Der junge Zivilist grüßte das Paar, indem er voller Ironie gegen seinen Hut tippte, und ging dann zum vorderen Ende des Wagens; dort lehnte er sich mit gekreuzten Armen an, ohne ein Anzeichen des Bedauerns über seinen Akt der Höflichkeit zu zeigen.
Während der junge Mann sich bequem hinstellte, bemerkte er Marie-Louise am anderen Ende des Wagens. Cooper sah, wie seiner Tochter die Röte in die Wangen schoß. Dann bemerkte er, wie sich auf dem Gesicht des jungen Zivilisten deutliches Interesse abzeichnete.
Ein Donnergrollen. Durch die Löcher im Dach begann es kräftig zu regnen. »Rück näher«, sagte Cooper und öffnete den Regenschirm, den er für einen solchen Notfall mitgenommen hatte.
Die meisten Passagiere wurden durchnäßt, während der Zug der Charleston & Savannah-Linie gen Norden ratterte. Cooper starrte auf den Hinterkopf der Schwarzen. Er war empört. Was würde als nächstes kommen? Mischehen? Sickles und die Radikalen hatten die Absicht, die Südstaatenzivilisation zu zerstören.
Den jungen Zivilisten vergaß er nicht - genausowenig wie Marie-Louise, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen.
Sickles wird abgelöst. Vielleicht ist es gut so. Wir haben bereits genügend Vorwände für Gewalt.
... Seit dem Vertrag von '65 haben die Cheyenne gegen das Volk der Vereinigten Staaten Krieg geführt; die mit ihnen verbündeten Apachen und Arapahoe sind zum Teil ebenfalls in die aus diesem eingeschlagenen Kurs entstandenen Probleme verwickelt.
Ihre Jahreszahlungen sind zurückgehalten worden; sie versanken allmählich wieder in ihre wilden, barbarischen Sitten und Gebräuche, als sie erfuhren, daß eine gewaltige Friedenskommission auf dem Weg in ihr Land ist, um all diese Schwierigkeiten zu bereinigen und die allgemeine Harmonie wiederherzustellen ...
Von unserem eigenen Korrespondenten The New York Times Freitag, 25. Oktober 1867
33
Es war die Zeit des Wandels. Das Präriegras färbte sich gelb, und die Blätter der Ulmen und Dattelpflaumenbäume begannen in ihrer Farbenpracht aufzuflammen.
Es gab auch Änderungen im Kommando. Über General Grant befahl Johnson den Generälen Hancock und Sheridan, ihre Positionen zu tauschen. Hancock sollte wegen seines Abenteuers an der Pawnee-Gabelung diszipliniert werden, Sheridan wegen seiner zu strikten Durchsetzung des Wiederaufbaus im Fünften Militärbezirk in New Orleans; die Radikalen favorisierten ihn, aber ansonsten hatte er kaum Anhänger in Washington.
Sheridan stattete den Prärien eine schnelle Inspektionstour ab, obwohl für ihn eigentlich ein verlängerter Urlaub anstand und er das volle Kommando erst spät im Winter übernehmen würde. Charles wußte einiges über den Yankee, Akademiejahrgang '53. Er war klein, von irischer Herkunft und befleißigte sich unermüdlich und sehr erfinderisch einer üblen Ausdrucksweise. Er war es gewohnt, Kriege zu führen und zu gewinnen. Charles fragte sich, wie der Kommandowechsel zu der herbstlichen Friedensinitiative paßte, die von vielen in der Armee hämisch als >Quäkerpolitik< bezeichnet wurde.
Im Schicksal großer Unternehmen gab es Veränderungen. Mittlerweile war klar, daß die Union Pacific in Nebraska als erste den hundertsten Meridian erreichen würde, wahrscheinlich im Oktober. Die U.P.E.D. hatte den Wettkampf verloren, und Charles hörte, daß wahrscheinlich zwölfhundert Leute arbeitslos werden würden. Das schloß allerdings nicht die schießfreudigen Sicherheitskräfte von J.O. Hartree ein, dessen Männer in jedem Personenzug mitfuhren. Außerdem sollte die Linie möglicherweise einen etwas individuelleren Namen bekommen. >Kansas Pacific< wurde erwähnt.
Es gab fundamentale Veränderungen in der stolzen, aber innerlich zerrissenen Siebten Kavallerie. Custer wurde nach Leavenworth beordert, wo ein Kriegsgericht auf ihn wartete aufgrund von Beschuldigungen, die einer seiner verärgerten Cap-tains, Bob West, und sein eigener Kommandeur A.J. Smith gegen ihn erhoben hatten. Die Anklagepunkte waren zahlreich, aber an den Kragen gehen konnte es ihm nur wegen Verlassens seines Kommandos in Fort Wallace, der Blitztour nach Osten, um Libbie zu suchen, und der Exekution der Deserteure. Charles hörte, daß der Boy General dem Ausgang des Verfahrens zuversichtlich entgegensah und viel von seiner tiefen Religiosität sprach. Charles betrachtete das schon zynischer; wenn sie geschnappt wurden, dann hüllten sich die Gauner oft genug in die Flagge oder Proklamierten ihren christlichen Glauben.