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Mann-bereit-für-den-Krieg und andere junge Männer wie er sprachen überzeugender und eindringlicher als alte Männer wie Träumender Stein. Und so hielten sich die Cheyenne abseits im Medicine Lodge Valley, während andere große Indianerhäuptlinge - der zerbrechliche Satank, der stolz eine Medaille mit dem eingravierten Kopf von James Buchanan trug; der bärenhafte Santana, ein weiterer gefürchteter Kiowa, der sich gern mit einem Offiziersmantel der US-Artillerie schmückte - ihre Abordnungen zum Konferenzort führten, wo sie den besänftigenden Worten der weißen Häuptlinge lauschten, ihr Zeichen unter ein Vertragspapier setzten, in dem ihnen noch mehr von ihrem Stammesland abverlangt wurde, worauf sie schließlich mit Waren aller Art und Waffen belohnt wurden.

Doch die Cheyenne blieben fern, obwohl es wegen der Geschenke sehr unterschiedliche Meinungen gab. Mann-bereit-für-den-Krieg spottete über die Vorstellung, sein Geburtsrecht für ein paar Ballen billigen Stoffes oder, wie er gehört hatte, defekte Revolver zu verkaufen. Träumender Stein gelangte zu dem traurigen Schluß, daß sein Wunsch, seine letzten Winter in Frieden zu verbringen, wohl nicht in Erfüllung gehen würde.

Der Oktober warf längere und kühlere Schatten. Kurz bevor die weißen Häuptlinge ihre großen Zelte abbrechen wollten, ritt zum letztenmal ein Bote in das Lager der Cheyenne und bat sie zum Konferenzort. Träumender Stein sprach sich fast die ganze Nacht dafür aus. Schließlich waren ungefähr vierhundert Mann bereit, der Einladung Folge zu leisten und der Verachtung der anderen zu trotzen, da ungefähr fünfzehnhundert Arapahoe ebenfalls hingingen.

Träumender Stein ritt zusammen mit einem ganzen Trupp zum Konferenzort, sorgfältig darauf bedacht, in der Nähe seines weisen, guten Freundes Schwarzer Kessel zu bleiben und sich von einer Kriegerschar der Hundegemeinschaft fernzuhalten, die sich im letzten Moment entschlossen hatte, mitzukommen. Über den Grund war sich Träumender Stein nicht ganz im klaren; womöglich wollten sie ihre Waffen ergänzen oder, noch wahrscheinlicher, Ärger machen.

Im verblassenden, melancholischen Licht des sterbenden Tages erreichten die Cheyenne den Fluß und sahen auf der anderen Seite die großen Zelte, die Wagen und Pferde und die vielen blauen Uniformen. Die Hundesoldaten begannen sofort ihre Lanzen und Gewehre zu schwenken, zu heulen und zu johlen und zu singen. Einige donnerten in drohender Manier durch den Fluß. Der weißbärtige kommandierende Häuptling der Kommission streckte eine Hand in die Luft, um seine Männer zurückzuhalten. Träumender Stein sah viele Armeegewehre glänzen, als die johlenden Krieger ihre Pferde durch den Fluß trieben. Im letzten Moment zügelten sie durch und schüttelten sich vor Lachen über die besorgten Weißen.

Der weißbärtige General senkte seinen Arm. Dort, unter seinem Zeltdach, hatte er während des Angriffs mit keiner Wimper gezuckt. Ein tapferer Krieger, entschied Träumender Stein.

Nach einem abendlichen Festmahl lagerten die Cheyenne neben dem viel größeren Trupp der Arapahoe. Am Morgen setzten sich die Häuptlinge der Cheyenne und der Arapahoe in weitem Halbkreis vor das Hauptzelt der Kommission, den weißen Häuptlingen gegenüber.

Über einen Dolmetscher verkündeten die weißen Häuptlinge ihre Botschaft; eine sehr vernünftige Botschaft, wie Träumender Stein meinte.

»Wir haben böse Männer unter uns, die aus den Problemen auf beiden Seiten Profit schlagen möchten, und diese bösen Männer suchen ständig den Krieg. Wir glauben jetzt, daß diese bösen Männer General Hancock im letzten Frühjahr hinterhältige Lügen erzählt haben.«

Die glatten Worte der weißen Häuptlinge enthielten bittere Wahrheiten:

»Vielleicht haben einige eurer jungen Krieger mit mehr Blut als Hirn etwas dagegen, daß ihr mit uns Frieden schließt. Solche Männer müssen ausgestoßen werden. Ihr Rat ist der Tod. Ein lange anhaltender Krieg kann nur mit der totalen Vernichtung der Indianer enden, weil ihre Zahl viel kleiner ist.«

Träumender Stein erinnerte sich an das Bild mit dem Dorf der Weißen, das bis heute in seinen Alpträumen auftauchte, und nickte Schwarzer Kessel zu, der zurücknickte.

Es war weise von den weißen Häuptlingen, daß sie den empfindlichsten Punkt ansprachen:

»Solange der Büffel über die Prärie zieht, könnt ihr ihn jagen, vorausgesetzt, ihr haltet die am Little Arkansas abgeschlossenen Verträge ein. Doch die Büffelherden werden jedes Jahr weniger, ihre Zahl nimmt ab ...«

Verärgert unterbrach Träumender Stein: »Ich, frage die weißen Häuptlinge, wessen Schuld das ist? Unsere jungen Männer sagen, der Büffel werde jetzt aus Spaß gejagt, nicht mehr, um Leben zu erhalten. Ihr braucht den Büffel nicht wie wir zum Leben. Was sollen wir tun, wenn ihr uns den Büffel raubt?«

Die weißen Häuptlinge hielten eine traurige Antwort bereit: »Statt des Büffels müßt ihr euch Herden von Ochsen, Schafe, Schweine halten, wie die weißen Männer.«

Büffelhäuptling von den Cheyenne erhob sich und setzte zu einer hitzigen Entgegnung an:

»Wir sind keine Farmer. Wir entstammen der Prärie. Wir leben von ihr. Ihr glaubt, ihr tut sehr viel für uns, indem ihr uns Geschenke macht, doch selbst wenn ihr uns all die Waren geben würdet, die ihr uns geben könnt, dann würden wir trotzdem unser eigenes Leben vorziehen und so leben, wie wir es immer getan haben.«

Und als die weißen Häuptlinge das Thema der Überfälle auf Heimstätten und Eisenbahnlinien anschnitten, war der Kleine Rabe von den Arapahoe darauf vorbereitet.

»Ihr seid es, die eure jungen Männer in den Forts auf ihre Pflichten aufmerksam machen müßt. Sie sind wie Kinder. Ihr müßt sie daran hindern, wild herumzurennen. Das provoziert Krieg.«

Den Blauröcken gefiel diese Rede ganz und gar nicht; einige hoben drohend ihre Waffen. Die weißen Häuptlinge beruhigten sie. Der Tag schritt voran, und die Kampfeslust der Indianer ließ nach, während die Gier nach Geschenken und Waffen wuchs. Um sie in Versuchung zu führen, stellten die weißen Häuptlinge ihre Bedingungen:

Die Arapahoe und die Cheyenne müssen sich aus Kansas zurückziehen und sich mit den drei anderen südlichen Stämmen in einem Spezialreservat von 48.000 Quadratmeilen, das vom Indianerterritorium abgegrenzt wird, niederlassen. Auf diesem Land würden die fünf Stämme mit speziellen Indianeragenten als Vermittler leben. Gebäude würden errichtet werden für ei-nen Arzt, einen Landwirtschaftsexperten, einen Müller, einen Lehrer, einen Schmied und was sonst noch an Weißen benötigt wurde, um aus einer Rasse von Nomaden Farmer zu machen. Außerdem würde noch eine jährliche Gabe von den Weißen Vätern hinzukommen.

Als Gegenleistung mußten die Indianer versprechen, ihre Überfälle auf die Kutschen- und Eisenbahnlinien von Santa Fe, Smoky Hill und Platte River einzustellen. Sie mußten versprechen, sich aus Kansas fernzuhalten, obwohl ihnen erlaubt war, den Büffel auf dem offenen Land unterhalb des Arkansas zu jagen, solange es noch Büffelherden gab. Bei der Jagd durften sie sich einer Straße oder einem Fort nie mehr als zehn Meilen nähern.

Wieder seufzte Träumender Stein. Wie konnten so wenige für so viele derartig umfassende Änderungen beschließen? Viele bedeutende Häuptlinge - Großer Bulle, Medizinpfeil, Römernase - und Hunderte von Angehörigen des Volkes waren nicht da.

Doch letzten Endes wurde es so gemacht. Einige wenige Häuptlinge, in deren Bedauern sich die Erkenntnis der traurigen Realität mischte, stimmten schließlich zu. Sie setzten ihr Zeichen unter ein Dokument, das ihnen niemand vorgelesen oder übersetzt hatte.

Nicht alle Unterzeichner des Vertragspapiers taten es frohen Herzens. Büffelbär tobte: »Nun, wenn ihr es ernst meint, dann meine ich es auch so.« Er drückte die Feder so hart auf das Dokument, daß die Spitze abbrach.