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Die Versammlung, die sich den ganzen Tag hingezogen hatte, war fast vorbei, und Träumender Stein hörte bereits das aufgeregte Gerede über die Geschenke. Plötzlich sprang der weiße Häuptling Terry auf und deutete.

Eine Staubfahne im Westen kündigte einen Reiter an, der auf das Lager neben dem Fluß zusprengte. Das Herz von Träumender Stein sank. Er erkannte Mann-bereit-für-den-Krieg.

Er kam in voller Kriegstracht, in einer Hand seine acht Fuß lange Lanze mit der blitzenden Stahlspitze, in der anderen seine Schlangenrassel mit den klickenden Afterklauen der Antilope. Er hatte sein Gesicht mit roter Farbe, vermischt mit Büffelfett, bemalt; nur die lange, gekrümmte Narbe hatte er ungefärbt gelassen.

Während die Soldaten um das Hauptzelt herum nach ihren Waffen griffen, sprang Narbengesicht von seinem Pony und marschierte zum Vertragstisch. Träumender Stein faltete die Hände. Der Wind, plötzlich kalt wie im tiefen Winter, wehte ihm das Haar wie einen grauen Vorhang über die besorgten Augen.

Narbengesicht starrte die anderen Männer seiner Gemeinschaft voller Verachtung an, die sich mit beschämten Gesichtern zusammendrängten. Dann schleuderte er den sitzenden Cheyenne-Häuptlingen einen flammenden Blick entgegen. Es war klar, was er von ihnen dachte.

Er betrachtete kurz die ausgebreiteten Dokumente, die feinen Federn und silbernen Tintenbehälter. Er sprach, assistiert vom Dolmetscher, schnell und voller Leidenschaft:

»Dieses Papier ist das Werk von Teufeln, die das Volk verraten. Was taugt das Versprechen des weißen Mannes? Das einzige Versprechen, das er hält, ist das Versprechen, unser Land zu stehlen. Und was taugen die Zeichen zahnloser alter Schwächlinge, wie sie dort sitzen? Wie können sie Land weggeben, das der Große Geist dem ganzen Volk gegeben hat? Sie können das nicht, und wir Männer der Hundegemeinschaft werden das nicht zulassen. Wir werden den Krieg fortführen, bis alle weißen Teufel und weißen Frauen und weißen Kinder tot sind.«

Die Regierungskommissare sprangen mit lauten Rufen auf. Narbengesicht lachte, entzückt von der Reaktion. Bevor ihn jemand aufhalten konnte, stieß er die Spitze seiner Lanze unter den Vertragstisch und kippte ihn um.

Dokumente flatterten. Federn fielen zu Boden. Tinte spritzte durch die Gegend. Irgend jemand feuerte einen Schuß ab, und ein älterer Arapahoe krümmte sich. Höhnisch lachend ging Mann-bereit-für-den-Krieg mit langsamem, hochmütigem Schritt zu seinem Pony zurück. Er schwang sich in den Sattel, warf den Kommissaren einen weiteren verächtlichen Blick zu, weil es ihnen an Mut fehlte, zurückzuschlagen, und ritt davon, auf das letzte Licht in den westlichen Hügeln zu.

Voller Scham und Zorn schlug Schwarzer Kessel beide Hände vors Gesicht. Träumender Stein spürte Tränen, die zu verbergen er sich nicht die Mühe machte. Die anderen Häuptlinge schauten unglücklich und besorgt drein. Taylor, einer der weißen Häuptlinge, schnarrte die Männer an, die alles mitgeschrieben hatten.

»Streicht diese Rede aus euren Notizen«, sagte er ihnen. »Wessen Zeitung das druckt, wird keine Zulassung mehr westlich des Missouri bekommen. Dies ist eine erfolgreiche Konferenz. Berichtet auch dementsprechend.«

Es war eine Zeit des Wandels. Die südlichen Cheyenne zogen sich in ihre Dörfer am Cimarron zurück, um dort friedlich zu überwintern, während sie auf ihren Umzug in das neue Reservat warteten. Charles hörte von Narbengesichts flammender Rede, als das Kontingent des Siebten Regiments nach Fort Harker zurückkehrte. Außerdem vernahm er, daß lediglich vier- oder fünfhundert Cheyenne die dreitausend Mitglieder des Stammes repräsentiert hatten. »Gut«, sagte er, während seine Augen wie die Spitze eines polierten Messers glitzerten. Seine Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.

Auf den Handzetteln für den bevorstehenden Besuch von Trumps Schauspielertruppe zeigte sich eine Änderung. Die Vorstellung in Fort Harker war gestrichen worden.

»Ich habe gehört, daß dafür deine Freundin verantwortlich ist«, sagte Barnes zu Charles. »Sie hat entdeckt, daß die Führungsspitze keine Farbigen in die für Weiße bestimmte Halle lassen wollte. Deine Freundin schrieb einen Brief, daß sie die Angelegenheit mit Trump besprochen habe und die Armee in Fort Harker könne sich zum Teufel scheren. Wenn du sie sehen willst, dann wirst du schon rüber nach Ellsworth müssen.«

Typisch Willa, dachte er. Diese Kreuzzugsmentalität war ein untrennbarer Teil ihrer Persönlichkeit. Das war zwar nicht der Hauptgrund, aber immerhin einer der Gründe, weshalb er ihr fernbleiben wollte. Dann wieder erinnerte er sich an das silbriggoldige Glänzen ihres Haares, an ihre lebhaften fröhlichen Augen und wie sie sich in seinen Armen anfühlte.

Er wußte, daß er nach Ellsworth gehen würde - und zum Teufel mit den Konsequenzen.

St. Louis, Freitag, 1. November

hon. o.h. browning, Minister des Inneren:

Bitte gratulieren Sie dem Präsidenten und dem Land zu dem umfassenden Erfolg der indianischen Friedenskommission. Dieser Erfolg gipfelte in einem am 28. Okt. abgeschlossenen

Vertrag mit den südlichen Cheyenne, dem einzigen Stamm, der in dieser Gegend auf dem Kriegspfad war. Mehr als 2.000 Cheyenne waren anwesend ...

(gezeichnet) n.g. taylor Regierungskommissar für Indianische Angelegenheiten und Präsident der Friedenskommission

34

Trumps Schauspieler traten in Frank's Hall, Kansas City, auf, setzten dann mit der Fähre über den Fluß und wiederholten ihre Darbietung am folgenden Abend in der Halle des Militärpostens Leavenworth. Die Truppe bestand aus Sam, Willa, Tim Trueblood und einer stämmigen Charakterdarstellerin namens Miss Suplee. In einem großen Koffer waren ihre wenigen schlichten Requisiten und Kostüme untergebracht.

Brigadier Duncan besuchte die Shakespeare-Aufführung. Er hatte Willa eingeladen, bei Maureen zu bleiben, bis ihr Zug nach Fort Riley am nächsten Nachmittag um fünf Uhr abfuhr. »Ich denke, Sie möchten gern meinen Großneffen sehen«, sagte er.

»Er ist ja wahnsinnig gewachsen«, sagte sie am nächsten Tag. Duncan war gerade zum Mittagessen gekommen, das er hier statt in der Offiziersmesse zu sich nahm. Der kleine Gus kletterte ständig von seinem Stuhl. Freundlich, aber bestimmt wies Duncan ihn zurück.

»Gegen Ende des Jahres wird er drei.« Der Brigadier nahm einen Löffel von der heißen Schildkrötensuppe, die Maureen gekocht hatte. Der Junge hüpfte wieder von seinem Stuhl und packte Willa bei der Hand. »Spazieren, Tante Willa?«

Sie bemerkte Duncans scharfen Blick, und ihr Gesicht rötete sich. »Nach deinem Mittagsschläfchen, nicht vorher.«

Maureen hob ihn hoch und trug ihn zu Bett. In uneingeschränktem Frohsinn schlug er mit Armen und Beinen um sich. Er krähte vergnügt, als sich die Tür hinter ihm schloß.

Duncan sagte: »Tante Willa.« Mit einem zustimmenden Lächeln neigte er den Kopf.

»Ich habe ihn nicht dazu veranlaßt. Es war seine Idee.« Den Krach einer Truppe Berittener auf dem Exerzierplatz übertönend, sagte Duncan: »Sie wären gern mehr als nur seine Tante. Für ihn wäre das gut. Und für seinen Vater auch.«

»Nun«, leicht nervös zuckte sie mit den Schultern, »das stimmt. Aber ich bin mir nicht sicher, was Charles darüber denkt. Er ist ein wunderbarer Mann, doch in ihm steckt ein seltsamer, fremder Zug.«

»Der Krieg.« Willa schaute den Brigadier mit ihren hellen Augen fragend an. »Der Krieg hat das einer Menge Soldaten angetan. Charles hat zusätzlich noch das Massaker an einem Mann miterleben müssen, der sein Freund war.«

»Das verstehe ich. Ich weiß nur nicht, wie lange jemand die Vergangenheit als Entschuldigung für sein gegenwärtiges Benehmen benutzen kann.«