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Caro lacht.

»Na ja. Es ist nicht wirklich ein Profi, sondern meine angehende Schwiegermutter. Sie meint es vermutlich gut. Aber das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint.«

»Oh, oh«, Frau Hohwenser seufzt, »das kenn ich – allerdings von meiner eigenen Mutter. Die mischte sich auch in bester Absicht immer in alles ein.«

»Na ja, eigentlich wollten wir ganz klein und beschaulich in einem alten Kloster in Uetersen heiraten – nur wir, unsere Kinder und Eltern und die Trauzeugen. Mit zehn Leuten ist man natürlich viel beweglicher bei der Planung. Aber kaum hatte Hedwig ihre Finger im Spiel, schon hat sich die Gästezahl mehr als verdoppelt, und nun passt es mit dem Termin nicht mehr, und wir brauchen plötzlich eine neue Location. Und ein neues Standesamt. Also habe ich gestern alle Hamburger Standesämter angerufen, ob sie am 15. Juni noch einen Termin frei haben. Ich habe aber selbst nicht geglaubt, dass das noch klappt.«

Auch Daniel scheint sich mittlerweile für das Hochzeitsdrama zu interessieren, jedenfalls hat er seinen Stuhl zu Caros Bank gezogen.

»Normalerweise trauen die Standesämter samstags nicht, oder wie ?«

»Doch, schon. Aber so kurz vorher sind natürlich meistens alle Termine weg. Als sich der Standesbeamte in Altona gestern meine Nummer notiert hat – nur für den Fall der Fälle, wie er sagte –, dachte ich, das macht der nur, um mich zu trösten. Ich war nämlich schon ganz schön verzweifelt. Tja, und jetzt, tataa, ist wohl ein Termin geplatzt. Eine Außentrauung im Gartensaal vom Goßlerhaus in Blankenese. Ein ganz toller Ort !«

»Außentrauung ?«

Daniel ist genauso unwissend wie ich.

»Ja, außen im Sinne von nicht in den Amtsräumen des Standesamtes.«

»Das Goßlerhaus ist wirklich schön«, bestätigt Frau Hohwenser, »liegt mitten in einem traumhaften Park. Ist gar nicht weit von uns, ich gehe da ab und zu mit Biene spazieren.«

»Ja, so ein Glück !«, freut sich Caro. »Und ich dachte schon, wir müssten nur für die Trauung nach Uetersen fahren. Dreiviertelstunde hin, Dreiviertelstunde zurück und dann feiern in Hamburg.« Sie atmet tief durch. »Jetzt brauchen wir nur noch ein nettes Restaurant an der Elbe. Feiern können wir im Goßlerhaus selbst nicht, nach uns findet noch eine Trauung statt. Da gibt’s nur ein Glas Sekt, und dann müssen wir das Feld räumen. Aber das Problem löse ich auch noch.«

»Nun, ich will jetzt nicht Ihrer Schwiegermutter Konkurrenz machen, aber ich hätte da eine Idee.« Bienes Frauchen lächelt. »Sie könnten doch bei uns feiern. Wir haben unser Haus schon öfter an Filmteams vermietet – ich würde denken, mehr Chaos können Sie mit Ihrer Hochzeit auch nicht anrichten. Früher haben wir oft richtig große Feste bei uns gefeiert. Als unsere Familienstiftung ihr fünfzigjähriges Bestehen beging, hatten wir fast fünfhundert Gäste ! Aber seit mein Mann tot ist und meine Tochter in den USA studiert, ist es ziemlich ruhig bei uns geworden. Eigentlich viel zu ruhig.«

Caro reißt erstaunt die Augen auf.

»Meinen Sie wirklich ? Ist das nicht viel zu viel Aufwand für Sie ?«

Frau Hohwenser schüttelt den Kopf.

»Nein. Wie ich schon sagte: Es ist viel zu ruhig bei uns. Zeit, das zu ändern ! Alles, was Sie brauchen, ist ein guter Caterer. Vielleicht darf sich Ihre Schwiegermutter ja um den kümmern, dann hat sie etwas zu tun.«

Daniel lacht und knufft Caro in die Seite.

»Das trifft den Nagel auf den Kopf: Hedwig sollte man gut beschäftigt halten. Dann kommt sie nicht so schnell auf dumme Gedanken. Und wenn es noch etwas anderes zu organisieren gibt, helfe ich auch gern. Bin ja schließlich Trauzeuge.«

Caro räuspert sich.

»Ich würde gern mit meinem Mann vorbeikommen und ihm Ihr Haus zeigen. Wenn er die Idee genauso toll findet, nehme ich Ihr großzügiges Angebot gern an.«

Frau Hohwenser nickt.

»Machen Sie das. Eine Bedingung habe ich aber doch noch. Sozusagen anstelle der Miete.«

Sie macht eine kleine Kunstpause.

»Nämlich ?«, fragt Caro.

»Sie müssten zwei weitere Gäste einplanen. Biene und mich. Wir würden gern mitfeiern. Ich war schon so lange bei keinem schönen Fest mehr.«

Caro lächelt und reicht Frau Hohwenser die Hand.

»Abgemacht.«

Ich kann sehen, wie Cherie ihre Schnauze unter ihren Vorderläufen vergräbt. Der Gedanke an eine gemeinsame Feier mit Biene scheint ihr überhaupt nicht zu gefallen.

EINUNDZWANZIG

Und stell dir vor, der Sascha kann sogar das Ave Maria. Was meinst du, wie bewegend das wird !«

Hedwig ist allein bei der Vorstellung so gerührt, dass sie in ein Taschentuch schnäuzt. Caro verdreht die Augen, Marc hüstelt.

»Mutter, ich weiß jetzt nicht – Ave Maria ? Wir heiraten doch gar nicht kirchlich.«

»Na gut, er kann aber auch wunderschön Amazing Grace singen.«

»Ja, ganz wunderschön. Das allerdings passt eher zu einer Beerdigung«, ätzt Caro.

Hedwig schnaubt empört.

»Euch kann man es aber auch nicht recht machen ! Und wenn ihr es schon nicht schätzt: Denkt doch mal an eure Gäste ! Stellt euch vor, ihr kommt nach der Trauung auf diese wunderschöne Terrasse in diesem großartigen Park, und dann steht da der Chor und begrüßt euch. Das ist doch ein Traum !«

Wieder ein lautes Schnäuzen.

»Ja, ein Alptraum«, flüstert Caro Marc schnell ins Ohr. Der muss sich alle Mühe geben, nicht zu kichern.

»Ich finde es wirklich toll, dass du uns eine Freude machen willst, Mutter, aber meinst du nicht, es ist ein bisschen übertrieben, wenn für eine Hochzeitsgesellschaft mit fünfundzwanzig Leuten ein Chor kommt, der doppelt so viele Mitglieder hat ?«

»Nein, das finde ich überhaupt nicht.« Hedwig guckt ihren Sohn über den Küchentisch hinweg sehr böse an. »Der Orff-Chor ist normalerweise das ganze Jahr über ausgebucht. Hochklassige Konzerte bestreiten die. Private Veranstaltungen nur ganz ausnahmsweise. Du weißt gar nicht, wie viel Überredungskunst es mich gekostet hat, Jean noch einen Termin aus den Rippen zu leiern.«

Marc seufzt, und Caro sagt dazu gar nichts, sondern schnappt sich ihre Tasse und verschwindet aus der Küche.

»Wer ist denn nun gleich wieder Jean ? Ich dachte, der Typ heißt Sascha«, will Marc wissen.

»Nein. Sascha ist nur einer der Solisten. Jean leitet den Chor. Und er ist Dirigent. Ein ganz hervorragender. Außerdem der Lebensgefährte von Stefan.«

»Aha. Und wer ist Stefan ?«

»MEIN Chorleiter ! Junge, das habe ich dir nun aber wirklich schon dreimal erzählt. Der mit den Verbindungen zu St. Michaelis. Ohne Stefan wäre ich an einen so besonderen Künstler gar nicht herangekommen.«

»Ach so, stimmt, dein Chorleiter. Dabei fällt mir ein – eigentlich wolltest du doch mit deinem Damenchor singen. Was ist denn aus diesem hübschen Plan geworden ?«

Hedwig schüttelt den Kopf.

»Ihr habt nun endlich so einen schönen Rahmen für euer Fest. Da muss der Chor etwas ganz Besonderes sein. Und das ist der Orff-Chor. Ihr werdet gar nicht merken, dass er so viele Mitglieder hat. Er singt achtstimmig. Und zwar exakt. Einfach großartig. Der beste, den ich kriegen konnte.«

Marc fährt sich mit der Hand durch die Haare.

»Dann kann ich wohl froh sein, dass du nicht die Fischer-Chöre engagiert hast.«

Hedwig runzelt die Stirn.

»Hm, die Fischer-Chöre. Auch eine gute Idee. Meinst du, Gotthilf Fischer hätte so kurzfristig noch Zeit ?«

»Mutter ! Das war ein Scherz !«

»Mit einer Hochzeit scherzt man nicht. Mit der Ehe noch viel weniger. Ich will diesmal eben alles von Anfang an richtig machen.«

Nun lächelt Marc und greift nach der Hand seiner Mutter.

»Ich weiß das wirklich zu schätzen, aber ich glaube nicht, dass es mit Sabine schiefgegangen ist, weil nicht der richtige Chor gesungen hat. Wenn du dich um etwas kümmern willst, habe ich aber eine andere Idee.«

Bei dem Wort kümmern geht ein Strahlen über Hedwigs Gesicht.