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»Hilfe ... wobei?«

»Was eben in einem großen Haus alles so anfällt«, antwortete Bast schulterzuckend. »Es war nur eine Idee.« Sie lächelte verlegen, ließ sich - wohlweislich in großem Abstand - auf die Bettkante sinken und zuckte mit den Achseln. »Also, um ganz ehrlich zu sein, weiß ich im Moment nicht so genau, was ich mit dir anfangen soll.«

Sie blinzelte Cleopatra zu, und die Katze sprang mit einem leichtfüßigen Satz auf ihren Schoß und begann laut zu schnurren. Cindy zögerte spürbar, aber dann streckte sie die Hand aus und streichelte sie scheu. Cleopatras Schnurren wurde lauter.

»Ich verstehe«, murmelte Cindy. »Du hast mich gekauft, und jetzt bin ich dir lästig. Ich kann gehen, wenn du willst. Ich will dir bestimmt nicht zur Last fallen. Du musst es nur sagen.«

»Netter Versuch«, antwortete Bast. »Aber daraus wird nichts. Du hast völlig recht: Ich habe dich gekauft, und du warst nicht einmal billig.« Zugleich war sie erstaunt, dass sich Cindy an dieses unwichtige Detail erinnerte. Das Mädchen überraschte sie jeden Moment mehr. Nebst etlichem anderen verfügte es ganz offensichtlich über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe.

»Lass mich einfach gehen, und wir sind quitt«, fuhr Cindy fort.

»Quitt?« Bast blinzelte überrascht. »Also ich glaube nicht, dass ...«

»Du bist nicht für mich verantwortlich, wenn du das meinst«, fuhr Cindy fort. »Und du musst auch keine Angst um mich haben. Ich komme schon durch.«

»Das glaube ich dir sogar«, antwortete Bast. »Aber du hast vollkommen recht, weißt du? Ich habe dich gekauft, und damit habe ich auch die Verantwortung für dich. So ist das nun einmal, da, wo ich herkomme.«

»Und deshalb willst du mich mitnehmen?«

Unten im Haus fiel eine Tür ins Schloss, und gedämpfte Stimmen drangen an Basts Ohr. Sie machte sich nicht die Mühe, auf die Worte zu achten, aber eine der Stimmen gehörte ganz eindeutig Abberline. »Nicht unbedingt«, erwiderte sie. »Um ehrlich zu sein, wäre mir eine andere Lösung lieber. Aber ich kann dich nicht zu Maude zurückgehen lassen.«

»Und warum nicht?«

»Weil ich es nicht kann, basta!«, antwortete Bast ärgerlich. »In ein paar Jahren wirst du verstehen, warum. Vielleicht denkst du einfach darüber nach, wie es mit uns weitergehen könnte.« Sie stand auf und kam sich selbst immer hilfloser vor. Aber was hatte sie erwartet? »Heute Nacht bleiben wir noch hier, aber morgen müssen wir uns sowieso eine andere Unterkunft suchen.«

»Ich wüsste da eine«, antwortete Cindy böse. »Für dich würde Maude bestimmt noch sehr viel mehr bezahlen als für mich.«

Bast musste sich plötzlich beherrschen, um sie nicht schlichtweg zu ohrfeigen. Sie stand mit einem Ruck auf. Cleopatra sprang erschrocken von ihrem Schoß und stieß ein vorwurfsvolles Maunzen aus.

»Also gut«, sagte sie kühl. »Du wirst jetzt schlafen, und morgen früh reden wir noch einmal über alles. Aber dann erwarte ich eine Entscheidung von dir. Wenn du wie eine Erwachsene behandelt werden willst, dann wirst du dich gefälligst auch so benehmen.«

Cindy sah sie einfach nur perplex an - was daran liegen mochte, dass ihre Reaktion nicht nur völlig überzogen, sondern schlichtweg blödsinnig war -, aber Bast war auch schon zu weit vorgeprescht, um jetzt noch nachgeben zu können. »Schlaf jetzt«, sagte sie.

»Ich denke ja gar nicht daran«, antwortete Cindy trotzig, ließ sich zurücksinken und schlief ein, noch bevor ihr Hinterkopf das Kissen berührt hatte.

Viel mehr ärgerlich auf sich selbst als auf sie, blieb Bast noch etliche Sekunden lang reglos stehen und blickte auf das schlafende Mädchen hinab. Das Gespräch war vollkommen anders verlaufen, als sie erwartet hatte, aber sie durfte Cindy nicht die Schuld daran geben. Letztendlich hatte Cindy sie nicht darum gebeten, von ihr mitgenommen zu werden.

Als sie sich umdrehte, wollte Cleopatra ihr folgen, aber Bast schüttelte rasch den Kopf und ließ sich vor der Katze in die Hocke sinken. »Du bleibst hier und passt auf sie auf«, sagte sie. »Gib auf ihre Träume acht, hast du verstanden? Und wenn irgendetwas nicht stimmt, dann rufst du mich. Ich lehne die Tür nur an.«

Cleopatra maunzte zwar enttäuscht, sprang aber gehorsam auf das Bett zurück und rollte sich neben dem schlafenden Mädchen zusammen.

Bast verließ das Zimmer und wäre um ein Haar gegen Maistowe geprallt, der direkt auf der anderen Seite stand und sie ziemlich verblüfft ansah. Bast musste seine Gedanken nicht lesen, um zu wissen, ob er sich gerade fragte, sie tatsächlich mit einer Katze reden gehört zu haben.

»Ich ... ähm ... entschuldigen Sie«, stotterte er. »Ich wollte nicht lauschen, aber Frederick - Inspektor Abberline - ist gekommen, um mit Ihnen zu reden.«

Bast antwortete mit einem wortlosen Nicken und zog die Tür hinter sich zu, ließ sie aber einen Spalt breit offen stehen, bevor sie so schnell losging, dass Maistowe sich sputen musste, um mit ihr Schritt zu halten. »Wie geht es dem Mädchen?«, fragte er.

»Sie schläft«, antwortete Bast. Maistowe schien das allerdings nicht zu reichen, denn er holte mit einem raschen Schritt zu ihr auf und hielt sie am Arm fest.

»Auf ein Wort«, sagte er, schrak dann sichtbar zusammen und zog die Hand fast schuldbewusst zurück. »Bitte.«

Bast hörte Abberline und Mrs Walsh unten im Erdgeschoss miteinander reden, und irgendetwas sagte ihr, dass es gar nicht gut war, die beiden zu lange allein zu lassen. Trotzdem nickte sie widerwillig.

Maistowe druckste einen Moment herum. »Bitte glauben Sie jetzt nicht, dass ich Ihnen nachspioniere oder Sie belausche«, sagte er schließlich. »Aber ich habe zufällig gehört, was Gloria vorhin zu Ihnen gesagt hat.«

»Und sie hat recht damit«, sagte Bast. »Nichts von alledem, was seit meiner Ankunft hier passiert ist, ist Mrs Walshs Problem - oder Ihres.«

»Das mag sein«, antwortete Maistowe, noch immer, ohne sie direkt anzusehen. »Dennoch ist das nicht die Gloria, die ich kenne. Ich weiß wirklich nicht, was in sie gefahren ist, aber ich verspreche Ihnen, mit ihr zu reden. Sie können sicher noch ein paar Tage hier bleiben, und das Mädchen auch.«

»Das ist nett gemeint von Ihnen, Jacob«, begann Bast, »aber ...«

»Die Lady sticht in einer Woche wieder in See«, fuhr Maistowe fort. »Wenn Sie sich entschließen sollten, mit mir zurückzufahren, dann bin ich sicher, dass Gloria es sich noch einmal überlegt und Ihnen und dem Mädchen gestattet, so lange hier zu bleiben.«

Bast hätte ihm erklären können, warum das keine gute Idee war, aber sie hatte keine Lust auf eine weitere sinnlose Diskussion, und sie wollte Maistowe, der es nur gut meinte, nicht vor den Kopf stoßen. »Cindy schläft jetzt«, sagte sie. »Lassen Sie uns später darüber reden, vielleicht zusammen mit ihr. Ich denke, wir sollten Inspektor Abberline nicht zu lange warten lassen. Oder sind Sie nicht begierig darauf, zu erfahren, was passiert ist?«

Maistowe wechselte zwar wunschgemäß das Thema, aber er wirkte nicht begeistert. »Er hat mich schon in groben Zügen informiert«, sagte er. »Aber natürlich haben Sie recht ... und ich hatte umgekehrt den Eindruck, dass ihm daran gelegen ist, möglichst rasch mit ihnen zu reden.«

Bast drehte sich rasch herum und ging - bevor Maistowe Gelegenheit fand, eine weitere überflüssige Frage zu stellen und sie in ein Gespräch zu verwickeln, das sie nicht führen wollte. Offensichtlich sorgte er sich mehr um das Mädchen als Mrs Walsh - oder sie.

Abberline und Mrs Walsh saßen am Kamin, als Maistowe und sie die Treppe herunterkamen. Mrs Walsh stand wortlos auf und verschwand in der Küche, vermutlich, um den avisierten Tee zu holen, während Abberline aufstand und ihr zwar nur stumm und mit steinernem Gesicht zunickte, trotz allem aber Gentleman genug war, erst dann wieder Platz zu nehmen, nachdem sie und Maistowe sich gesetzt hatten.