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Sie ging, bevor Cindy antworten konnte, aber ihr Gesichtsausdruck verdüsterte sich schlagartig noch einmal um mehrere Grade, kaum dass sie das Zimmer verlassen hatte. Das war die zweite Runde, die ganz eindeutig an Cindy ging, und irgendetwas sagte ihr, dass sich daran auch nichts ändern würde, solange sie nicht zu wirklich drastischen Maßnahmen griff. Nein, es war vollkommen unmöglich, dass das Mädchen bei ihr blieb.

Sie ging nach unten und durchsuchte Mrs Walshs Küche nach etwas Essbarem. Sie selbst war nicht wählerisch und konnte auch von Dingen leben, die andere glatt umgebracht hätten, aber sie wollte Cindy nicht auch noch mehr verschrecken, indem sie sie mit ihrem persönlichen Speiseplan konfrontierte. Sie hatte keine Ahnung, was der landestypische Speiseplan war, fand aber schließlich einige Hühnereier und ein paar Streifen Speck, die sie in einer Pfanne zu einem nicht unbedingt appetitlich aussehenden Etwas zusammenbriet, das zumindest genießbar roch.

Das Mädchen saß an dem mittlerweile erloschenen Kamin, als sie mit der noch brutzelnden Pfanne in der einen und zwei Tellern samt Besteck in der anderen Hand aus der Küche kam. Cindy trug noch immer Mrs Walshs Nachthemd, hatte sich aber zusätzlich in eine Decke gemummelt und die Beine unter den Körper gezogen, und der Anblick machte Bast klar, wie empfindlich kalt es inzwischen hier drinnen geworden war. Cindy musste die Kälte sogar noch mehr fühlen, denn sie hatte getan, was sie ihr aufgetragen hatte, und sich gewaschen. Ihr Haar klebte in nassen Strähnen an ihrem Kopf, was ihr Gesicht noch schmaler und verwundbarer erscheinen ließ.

»Was ist das?« Cindy schnüffelte demonstrativ und reckte den Hals nach der Pfanne. Sie sah nicht begeistert aus.

»Hexenfrühstück«, antwortete Bast. Sie lud ihre Last scheppernd auf dem Tisch ab und bückte sich nach dem Kamin, um das Feuer wieder in Gang zu setzen, gab den Gedanken aber sofort wieder auf. In der Feuerstelle befand sich nur noch kalte, fast weiße Asche, und sie war einfach zu träge, um nach draußen zu gehen und Holz zu holen.

»So riecht es auch«, antwortete Cindy, was sie aber nicht daran hinderte, sich aus ihrer Decke zu schälen und sich über die Mahlzeit herzumachen - über die Pfanne, nicht über einen Teller.

Bast sah ihr eine Weile amüsiert zu. Allzu schlecht schien es um ihre Kochkünste wohl doch nicht bestellt zu sein, oder Cindy war wirklich sehr hungrig gewesen. Sie verputzte den Inhalt der Pfanne bis auf den letzten Krümel, dann fuhr sie sichtbar zusammen und sah Bast fast ein wenig schuldbewusst an. »Jetzt habe ich dir gar nichts übrig gelassen.«

»Das macht nichts«, antwortete Bast ernst. »Du glaubst doch nicht, dass ich das Zeug, das ich zusammenpampe, auch noch selbst esse, oder?«

Cindy blinzelte verwirrt, unschlüssig, ob sie lachen oder diese Bemerkung ernst nehmen sollte. »Bist du denn ... gar nicht hungrig?«, fragte sie zögernd.

»Doch«, antwortete Bast. »Sehr sogar.« Aber nicht auf diese Art von Nahrung. »Ich esse später.«

»Etwas Vernünftiges.«

»Natürlich. Was hast du gedacht? Es heißt nicht Hexenfrühstück, weil Hexen es frühstücken. Wir geben es unseren Opfern, um sie heimlich zu vergiften.«

»Dann hast du was falsch gemacht«, sagte Cindy. »Mit dem heimlich, meine ich.«

Bast verzog das Gesicht, ging aber nicht weiter darauf ein, sondern betrachtete Cindy nachdenklich. Etwas ... hatte sich geändert, nicht nur äußerlich. Anscheinend hatte das Mädchen beschlossen, ihre Taktik zu ändern, aber sie konnte nicht sagen, ob es Einsicht war oder Kalkül. Besser, sie ging von Letzterem aus.

»Ich habe in deinen Koffer geschaut«, sagte Cindy unvermittelt. »Hab was zum Anziehen gesucht, aber nichts gefunden. Warum hast du so viele Waffen mit?«

»Ich habe dir doch gesagt, ich bin eine Kriegerin«, antwortete Bast leicht verärgert. Was fiel dieser Cindy ein, ihr Gepäck zu durchwühlen?

»Blödsinn!«, sagte Cindy. »Das sind mindestens zwei Schwerter und jede Menge Messer, und noch anderer Kram. Ziemlich wertvolles Zeug.«

»Ja, und es ist gezählt«, antwortete Bast. »Komm nicht auf dumme Ideen.«

»Handelst du mit dem Kram?«, wollte Cindy wissen.

Vielleicht war das die bequemste Antwort. »Manchmal«, sagte sie. »Das spielt jetzt keine Rolle. Wir müssen über dich sprechen.«

Cindys Gesicht wurde wieder zu einer abweisenden Maske. »Wozu? Du hast doch sowieso schon alles entschieden, oder?«

»Das stimmt«, antwortete Bast. »Ich wollte dir nur die Chance geben, damit einverstanden zu sein. Ich bin nämlich eine nette Hexe, weißt du?«

»Und was genau hast du beschlossen?«, fragte Cindy.

»Noch nichts Endgültiges«, antwortete Bast. »Nur dass du nicht zu Maude zurückkannst oder auch nur in diese Gegend.«

»Weil es unmoralisch ist.«

Bast überging die Bemerkung. »Ich kenne jemanden, der dir vielleicht helfen kann«, sagte sie. »Ich muss noch mit ihm ... ihr ... reden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden. Aber dazu muss ich dich eine Weile allein lassen. Meinst du, dass wir das hinkriegen? Freiwillig, meine ich?«

Cindy sah sie einen Moment lang durchdringend an, bevor sie nickte. »Ja.«

Es war ehrlich gemeint, das spürte Bast. Sie stand auf. »Dann mache ich mich am besten auf den Weg. Wenn Mrs Walsh zurückkommt, dann richte ihr aus, dass ich unterwegs bin, um unser ... gemeinsames Problem zu lösen.«

Cindy blickte sie fragend an, aber Bast hatte nicht vor, irgendeine weitere Erklärung abzugeben, sondern ging die Treppe hinauf und in ihr Zimmer, um sich einen Mantel zu holen, den letzten, den sie mitgebracht hatte. Noch ein weiteres Abenteuer wie gestern Abend konnte sie sich nicht leisten, es sei denn, sie wollte die Heimreise nackt antreten - oder in London auf Einkaufstour gehen.

Ihr Koffer stand offen, und es war nicht zu übersehen, dass Cindy den Inhalt durchwühlt hatte. Ein flüchtiges Gefühl von Zorn blitzte in ihr auf und erlosch wieder, als sie sich über den Koffer beugte, um wenigstens den Anschein von Ordnung wiederherzustellen. Alles war noch da, durcheinander, aber da. Cindy war anscheinend tatsächlich nur neugierig gewesen oder auf der Suche nach einem Kleidungsstück, das etwas kleidsamer war als Mrs Walshs Nachthemd.

Sie schlang den Mantel um die Schultern, wählte ein etwas längeres - und vor allem weniger kostbares - Schwert als gestern und schob es unter ihren Gürtel. Gerade wollte sie den Koffer schließen, als ihr ein Gegenstand auffiel, der nicht hineingehörte. Ein dünnes, in braunes Ölpapier eingeschlagenes Päckchen, das ganz unten unter ihren Kleidern lag.

Überrascht und verwirrt zog sie es hervor, und aus ihrem Erstaunen wurde ein leises Gefühl von Beunruhigung, als sie die dunkelbraun eingetrockneten Flecken sah, die das Papier besudelten. Das war Blut. Menschliches Blut. Und da war ... noch mehr.

Bast tastete mit den Fingerspitzen über das Papier, schloss die Augen und lauschte in sich hinein, und etwas ... regte sich. Es war, als flüstere das Papier zu ihr. Da waren Erinnerungen; vage Erinnerungen und chaotische Bilder, die nicht zu ihr gehörten. Gewalt Sie spürte ... Furcht. Blanke Todesangst und das verzweifelte Flehen, am Leben zu bleiben, und eine kurze, reißende Explosion aus alles hinwegfegender Gier.

Bast öffnete mit einem Ruck die Augen, und die chaotischen Bilder erloschen. Alles in ihr war aufgewühlt; und sie hatte die Kiefer so fest aufeinandergepresst, dass sie ihr eigenes Blut schmecken konnte. Ihre Finger zitterten leicht. Was immer dieses Päckchen enthielt, es war an einem Ort purer Gewalt und unbeschreiblicher Furcht gewesen.