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Es funktionierte, allerdings nicht sehr gut, und sie wagte auch nicht zu prophezeien, wie oft noch. Der Schmerz zog sich fauchend und spuckend wie eine wütende Katze zurück, und ihre Gedanken klärten sich, aber es war nicht nur der körperliche Schmerz, gegen den sie kämpfte. Da war noch etwas, tief in ihr, etwas, das ungleich schlimmer und älter war, und das erwachen wollte. Wenn das geschah, dann würde keine Macht der Welt Roy und seine Männer noch retten können. Und Mrs Walsh, Jacob und Cindy auch nicht.

Ben war mit dem, was immer er auch mit ihren Händen tat, fertig, und trat mit einem fast hastigen Schritt zurück und - in sicherem Abstand - neben sie und zielte sofort wieder auf ihre Brust, und Bast spannte probehalber die Arme. Ebenso gut hätte sie versuchen können, die großen Statuen von Abu Simbel mit bloßen Händen einzureißen. Ben hatte ihr Handschellen angelegt, woher auch immer er sie haben mochte.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen - wahrscheinlich hatte er schlichtweg ihre Anstrengungen bemerkt -, griente Roy noch breiter. »Versuch es erst gar nicht, Schätzchen«, sagte er. »Bester englischer Stahl. Nicht einmal du kannst sie zerreißen. Eine freundliche Leihgabe von Konstabler Stowe. Ich glaube, du kennst ihn.«

Bast funkelte ihn an. Sie vermied es absichtlich, Cindy oder Mrs Walsh anzusehen, aber der Druck auf die unsichtbaren Ketten in ihrem Inneren wurde immer stärker. Sie fragte sich, wie lange sie das Ungeheuer noch bändigen konnte.

»Lass die anderen gehen, Roy«, sagte sie. »Das hier geht nur uns etwas an. Mrs Walsh und Kapitän Maistowe haben nichts damit zu tun. Und das Mädchen auch nicht.«

»Wie edel.« Roy lachte böse. »Sonst opfern sich doch immer nur die Männer für die Frauen, oder?« Er winkte ab. »Spielt aber keine Rolle. Eine normale Frau bist du ja sowieso nicht.«

Seine Waffe zielte immer noch auf ihre Brust, und auf einer tiefen, beinahe unbewussten Ebene wog Bast ganz analytisch ihre Chancen ab, lebend aus dieser Situation heraus zu kommen. Sie standen nicht besonders schlecht. Weder ihre gefesselten Hände noch ihre Verletzung konnten sie wirklich davon abhalten, Roy und alle seine Leute umzubringen. Aber dazu musste sie das Ungeheuer in sich von der Kette lassen. Sie musste zu Sachmet werden - vielleicht endgültig, und das würden auch Mrs Walsh und die beiden anderen nicht überleben.

»Überlegen Sie sich genau, was Sie tun«, sagte Maistowe. »Ich schwöre Ihnen, wenn den Frauen etwas passiert, dann ...«

Roy gab dem Burschen hinter ihm einen Wink mit den Augen, und Maistowe brach mit einem Wimmern zusammen, als der Mann ihm den Gewehrlaut gegen die Schläfe hämmerte. Cindy begann zu weinen.

»Das ist nicht nötig«, sagte Bast ruhig. »Lass sie da raus. Wenn du meinetwegen hier bist, dann mach das mit mir aus. Oder bist du zu feige dazu?«

Roy schüttelte langsam den Kopf. »Man muss kein Feigling sein, um Angst vor dir zu haben, Schlampe«, sagte er. »Und ich würd dir deinen Wunsch ja gern erfüllen, aber damit wäre Maude wohl nicht einverstanden.«

»Maude?« Bast starrte einen halben Atemzug lang ihn und deutlich länger Ben an. Roy grinste triumphierend weiter, aber Ben wich ihrem Blick aus.

»Wozu hat man Freunde?«, griente Roy. »Maude will ihr Eigentum zurück, und wir zwei haben noch eine Rechnung offen, erinnerst du dich?« Sein Lächeln erlosch, und seine Augen wurden plötzlich so hart wie Stein. »Hast du wirklich geglaubt, die Sache wäre damit erledigt? Weißt du, du hattest recht, Püppchen: Du hättest mich umbringen sollen, als du die Gelegenheit dazu gehabt hast. Jetzt bin ich dran. Maude will die Kleine zurück. Was mit dir passiert, ist ihr egal.«

»Übertreib es nicht«, sagte Ben. Schon seine Stimme verriet ihr, wie wenig wohl er sich in seiner Haut fühlte.

»Halt's Maul«, sagte Roy. »Und wenn wir schon mal dabei sind, dann tritt doch mal einen Schritt zur Seite.«

»Warum?«, fragte Ben.

»Weil ich kein besonders guter Schütze bin«, sagte Roy und drückte ab.

Es kam zu überraschend, als dass sie der Kugel noch hätte ausweichen können. Sie warf sich im letzten Augenblick herum und zur Seite, sodass die Kugel nicht ihr Herz traf. Aber es war wie ein Schlag in den Magen; ein brutaler Hieb mit einem Vorschlaghämmer, der ihren Leib in zwei Hälften aus purer Agonie zu zerreißen schien und sie mit einem gellenden Schrei auf die Knie fallen ließ.

Etwas in ihr zerriss, und es waren nicht nur Muskeln und Sehnen und empfindliches Fleisch. Blut schoss aus ihrem Magen und die Kehle hinauf und über ihre Lippen. Sie fiel nach vorne, brachte es irgendwie fertig, ihren Sturz halbwegs abzufangen und nicht aufs Gesicht zu fallen und krümmte sich im nächsten Moment vor Schmerz so sehr, dass ihre Stirn trotzdem auf den Boden knallte. Alles in ihr war Qual.

»Bist du verrückt geworden?!«, keuchte Ben. Mrs Walsh wimmerte vor Angst.

»Nur keine Sorge«, sagte Roy. »Das hält sie aus. Die Schlampe ist zäh.«

Bast kippte stöhnend und verzweifelt nach Luft ringend auf die Seite. Das Ungeheuer in ihr schrie, aber nicht einmal Sachmets Kräfte reichten, die stählernen Fesseln zu zerreißen, die ihre Hände hielten. Flammen verzehrten ihren Körper. Etwas in ihr ... tobte.

Aber da war nichts, was sie tun konnte.

»Das war ich dir noch schuldig, Schätzchen«, sagte Roy. »Aber wir sind trotzdem noch nicht quitt.« Er stieß sich - mühsam - von der Tür ab und hatte sichtliche Mühe, aufrecht zu gehen. »Also gut. Ben, Jack - ihr passt auf unsere Gäste auf. Matt und Frankie, ihr nehmt euch die Schlampe vor. Aber passt auf, dass sie mit euch nicht dasselbe macht wie mit mir. Ihr seht ja, was sie mir angetan hat.«

Bast versuchte sich hochzustemmen, aber ihre Kraft reichte nicht. Alles drehte sich um sie, und sie hatte das Gefühl, immer schneller in einem Ozean aus reiner Agonie zu versinken, an dessen Grund eine unvorstellbar tiefe Schwärze lauerte. Roy sagte noch etwas, das sie nicht mehr verstand, weil das Hämmern ihres eigenen Herzschlages in ihren Ohren mittlerweile jeden anderen Laut verschluckte.

Jemand zerrte sie brutal auf die Füße und schlug ihr ins Gesicht, was absolut überflüssig war; sie hatte nicht einmal mehr die Kraft, zu stehen und wäre sofort wieder zusammengebrochen, hätte der gleiche Kerl sie nicht auch aufgefangen.

»Vielleicht gehst du besser auch noch mit, Stan«, sagte Roy. »Sollst auch deinen Spaß haben.«

»Spaß? Mit der? Die ist doch halb tot!«

»Dann solltet ihr euch besser beeilen, wenn ihr noch was von der Schlampe haben wollt«, kicherte Roy. »Ben und ich amüsieren uns inzwischen ein bisschen mit der kleinen Cindy und ihrer neuen Familie - nicht wahr, meine Süße?«

»Du rührst die Kleine nicht an«, sagte Ren. »Maude will sie unversehrt zurück.«

Roy schnaubte irgendetwas, das Bast aber schon nicht mehr verstand. Ihre Arme wurden brutal auf den Rücken gedreht, und eine dritte Hand krallte sich in ihr Haar und zwang ihren Kopf in den Nacken, während sie von zwei der Kerle die Treppe hinaufgestoßen wurde. Der dritte war bereits die Stufen hinaufgeeilt und stieß die erstbeste Tür auf, die er fand.

Bast versuchte sich gegen den erbarmungslosen Griff zu stemmen, aber sie fühlte sich so schwach und hilflos wie ein neugeborenes Kind. Sie blutete stark. Ihr Kleid war bereits nass und schwer, und sie hinterließ eine dunkelrote, breite Spur auf dem Teppich und den Stufen, die die beiden Schläger sie hinaufzerrten. Aber viel schlimmer noch blutete sie nach innen. Nie zuvor im Leben hatte sie solche Schmerzen gehabt, und sie spürte, dass sie auch nur selten dem Tod so nahe gewesen war. Ihr Körper kämpfte mit all seiner unglaublichen Kraft gegen die schrecklichen Verletzungen an, die sie erlitten hatte, und wäre die Situation nur ein klein wenig anders gewesen, so hätte er diesen Kampf auch zweifellos gewonnen. Sie brauchte nur wenige Minuten, um wieder so weit zu Kräften zu kommen, dass sie sich wenigstens bewegen konnte. Aber vielleicht würde sie diese wenigen Minuten nicht mehr haben.