Mittels eines rostigen Schürhakens schichtete sie das Feuerholz um, blies noch einmal in die Flammen, um sie kräftiger anzufachen, und wurde mit einem Funkenschauer und prasselnden roten Flammen belohnt. Als Faye kaum eine Minute später wieder zurückkam, saß sie bereits wieder auf ihrem Schemel, und der winzige Kanonenofen begann bereits wohlige Wärme zu verbreiten.
Wenigstens, wenn man nicht weiter als zehn Zoll entfernt war.
Faye stellte den Teekessel klappernd auf der Herdplatte ab und runzelte erstaunt die Stirn, als sie die Wärme spürte, die die zerschrammte Eisenplatte ausstrahlte, maß Bast mit einem irritierten Blick und tat das Thema dann mit einem Achselzucken ab. »Der Tee dauert nur fünf Minuten«, sagte sie. »Hab den Kessel extra nur halb voll gemacht, aber für zwei Tassen reicht es.« Sie wirkte plötzlich ein bisschen verlegen. »Ich kann dir leider nichts zu Essen anbieten. Hab nichts im Haus, und ehrlich gesagt ... ich bin auch keine besonders gute Köchin.«
»Hat deine Mutter es dir nicht beigebracht?«, erkundigte sich Bast gutmütig.
»Wir durften nicht in die Küche.« Faye ließ sich in die Hocke sinken und öffnete eine eisenbeschlagene Truhe, deren Inneres in verschiedene Quadrate unterteilt war, in denen sie ihre Kleider und eine bescheidene Auswahl an Geschirr und Küchengeräten aufbewahrte; alles säuberlich aufgestapelt und sortiert. Das Zimmer war zu klein für einen Schrank. »Unser Herr hatte eine eigene Köchin, und sie hat wie ein Drache darüber gewacht, dass niemand ihr Heiligtum betritt. Hat wahrscheinlich Angst gehabt, dass ihr jemand eine Erbse stiehlt, oder einen Krumen Brot.« Sie lachte leise. »So fett, wie sie war, hat sie das meiste wahrscheinlich selbst gegessen.«
Sie zog ein silberfarbenes Tee-Ei an einer Kette aus ihrer Schatztruhe, legte es auf den Tisch und bückte sich erneut, um eine Teekanne und zwei zierliche Tassen aus hauchzartem Porzellan auszugraben, die sie sehr behutsam vor Bast auf der Tischplatte ablud. »Ein Geschenk eines Gentlemans«, erklärte sie stolz. »Schön, nicht? So etwas Kostbares hatten wir nicht einmal auf unserem Gutshof zu Hause.«
»Desselben, der dir angeboten hat, ganz zu ihm zu ziehen?«, fragte Bast. Das Porzellan war wirklich kostbar, deutlich teurer als das, das Mrs Walsh wie ihren Augapfel hütete. Sie fragte sich, ob Faye es tatsächlich geschenkt bekommen oder vielleicht gestohlen hatte.
»Er war wirklich großzügig«, antwortete Faye. »Hat mir eine Menge Geschenke gemacht. Auch ein schönes Kleid. Nicht so einen Fetzen wie das da.« Sie wies verächtlich an sich herab. »Sondern ein wirklich schönes Kleid, wie es die vornehmen Damen tragen. Es ist da in der Kiste.«
»Warum ziehst du es nicht an?«
»Um ins Ten Bells zu gehen?« Faye starrte sie an, als zweifele sie an ihrem Verstand. »Nein, das hebe ich mir für eine besondere Gelegenheit auf.«
Bast fragte sich, welche.
»Dieser Gentleman, von dem du immer sprichst - wie war er?«
»Munro?«
»Ist das sein Name?«
»Sein Vorname«, antwortete Faye. »Seinen Nachnamen hat er mir nie genannt, und ich habe auch nicht gefragt. Aber ich weiß, wo er wohnt.«
»Das ist anzunehmen, wenn er dich zu sich geholt hat«, antwortete Bast amüsiert, aber Faye schüttelte heftig den Kopf.
»Sein Fahrer hat mich immer in einer Kutsche mit geschlossenen Fenstern abgeholt«, sagte sie. »Ich glaube, er wollte nicht, dass ich weiß, wo sein Haus ist. Aber ich bin nicht dumm. Das Haus erkenne ich wieder. Ist ein richtiger Palast. Und der Weg dorthin ist ganz einfach. Ich konnte vielleicht nichts sehen, aber ich bin schließlich nicht taub. Wir sind über die Brücke gefahren und dann direkt unter Big Ben vorbei und danach nur noch einmal rechts abgebogen. Wenn ich wollte, würde ich es wiederfinden. Wäre ganz einfach.«
»Willst du das denn?«, fragte Bast.
Faye zögerte, eine Winzigkeit nur, aber spürbar genug. Dann hob sie die Schultern. »Ich weiß nicht«, antwortete sie. »Früher hat er mich oft kommen lassen, mindestens einmal in der Woche. Aber seit ich ihm gesagt habe, dass ich nicht ganz zu ihm ziehen will, ruft er mich nur noch selten. Vielleicht ist er verärgert.«
»Oder enttäuscht?« Bast sah sich demonstrativ in dem winzigen Zimmer um. »Vielleicht hättest du sein Angebot annehmen sollen.« Sie meinte das ernst, allerdings nicht so, wie Faye es ganz offensichtlich verstand, denn für einen ganz kurzen Moment blitzten ihre Augen zornig auf.
»Ich werde nie wieder irgendwem gehören!«, sagte sie scharf. »Ganz egal, wie nett er ist, oder wie reich. Das hier ist vielleicht kein Palast, und dir kommt es wahrscheinlich schäbig vor, aber es ist meins. Ich habe es mir ehrlich erarbeitet.«
Sie hatte es sich erkauft, dachte Bast traurig, mit ihrer Jugend und ihrer kindlichen Frische, aber beides würde nicht ewig vorhalten. Nicht einmal mehr lange. Ihr Körper und ihr Gesicht mochten makellos sein, aber ihre Seele hatte bereits tiefe Wunden davongetragen. Bald würden sie zu Narben werden, die nie wieder verschwanden.
»Hier!« Vielleicht gerade der Umstand, dass sie nichts mehr gesagt hatte, schien Faye dazu zu provozieren, sich noch weiter zu verteidigen. Sie bückte sich wieder nach ihrer Kiste, grub mit ärgerlichen Bewegungen darin herum und förderte einen braunen Briefumschlag zutage, den sie Bast geradezu triumphierend hinhielt. »Das habe ich schon zusammen, in nicht einmal einem Jahr! Ich mache weiter, bis ich einundzwanzig bin, und dann habe ich genug zusammen, um von hier wegzugehen und das anzufangen, was Leute wie du ein anständiges Leben nennen!«
Bast griff zögernd nach dem Umschlag, öffnete ihn und betrachtete stirnrunzelnd die wenigen Banknoten, die er enthielt. Fünfundzwanzig, dreißig ... zweiunddreißig Pfund Sterling. Eine Menge Geld für eine Gegend wie diese, und noch mehr für ein Mädchen wie Faye ... aber auch der Preis für ein Jahr ihres Lebens. Sie gab Faye den Umschlag zurück.
»Und das bewahrst du einfach so hier auf? Hast du keine Angst, dass man es dir stiehlt?«
»Wer rechnet schon damit, dass eine wie ich so viel Geld hat?«, antwortete Faye. »Und irgendwo muss ich es verstecken. Ist immer noch sicherer, als es bei mir zu tragen. Kate ist allein dieses Jahr schon zweimal überfallen worden, und Liz ...«
Sie brach ab, und ein Schatten huschte über ihr Gesicht.
»Entschuldige«, sagte Bast. »Ich wollte nicht ...«
»Schon gut«, wehrte Faye ab. »Ist nicht deine Schuld. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich meine ... Liz war nicht unbedingt meine beste Freundin.« Sie lächelte nervös. »Eigentlich war sie ziemlich mies.«
»Wie langst warst du mit ihr und den anderen zusammen?«, fragte Bast.
»Nicht lange.« Faye bückte sich, um ihren Briefumschlag wieder zu verstecken ... oder es einem Dieb leichter zu machen, der vermutlich die ganze Kiste mitnehmen würde. »Ein paar Wochen erst. Seit das mit Polly und Dark Anny passiert ist. Wir haben gedacht, dass wir ein bisschen gegenseitig auf uns aufpassen könnten, aber ...«
Sie sprach auch jetzt nicht weiter, sondern begann auf ihrer Unterlippe herumzukauen und starrte einen Moment ins Leere, bevor sie sich mit einem Ruck erhob und zum Ofen herumdrehte. Das Feuer darin brannte mittlerweile hoch genug, um zumindest die Illusion von Wärme zu erzeugen. Das Wasser im Kessel kochte noch nicht, aber Faye wich ihrem Blick weiter aus, indem sie das silberne Tee-Ei übertrieben mit Blättern füllte und ein wenig mit dem Geschirr klapperte.
Etwas huschte draußen am Fenster vorbei. Flügel? Ein Schatten von der Farbe schwarzen Eisens, mit Krallen und einem schrecklichen Schnabel und gnadenlosen Augen? Bast starrte mit klopfendem Herzen zum Fenster und lauschte zugleich mit allen Sinnen, aber da war nichts. Was immer es gewesen war, war verschwunden - oder ihre Nerven hatten ihr einen Streich gespielt.