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„Ihre Schlußfolgerungen sind korrekt“, bestätigte ihm Arretapec endlich, „und auch Ihre Informationen sind sehr interessant. Ich hatte es nie für möglich gehalten, daß ein Wesen zwei Gehirne besitzen kann. Das würde jedoch die ungewöhnlichen Kommunikationsschwierigkeiten erklären, die ich mit der Kreatur hab. Ich werde d untersuchen.“

Conway verspürte schon wieder diesen Juckreiz, aber da er jetzt die Ursache dafür kannte, konnte er ihn ohne „herumzuzappeln“ ertragen. Das Jucken ließ wieder etwas nach, und Arretapec sagte: „Ich erhalte eine Reaktion. Zum erstenmal erhalte ich eine Reaktion!“

Der Juckreiz begann erneut. dieses Mal wurde der ganze Schädel von ihm erfaßt, und er wurde immer unerträglicher.

Es war nicht nur ein Gefühl, als ob Ameisen mit rotglühenden Beißzangen an seinen Gehirnzellen nagten, sondern als ob jemand gleichzeitig mit rostigen Nägeln Löcher in sein armes, geplagtes Gehirn schlüge. Conway litt Höllenqualen und kämpfte unter entsetzlichen Anstrengungen dagegen an, sich zu bewegen und Arretapec gerade jetzt abzulenken, wo der VUXG einen entscheidenden Schritt vorangekommen zu sein schien.

Und dann veränderte sich plötzlich die Empfindung unterschwellig. Sie ließ zwar nicht nach, aber es kam etwas hinzu. Kurz stachen ihm die Augen, und er bekam einen flüchtigen Eindruck von etwas Undefinierbarem — es war wie eine Phrase meisterhafter Musik, die auf einem kaputten Gerät abgespielt wurde, oder wie die kraftvolle Schönheit eines Gemäldes, das bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden war. Er wußte, daß er für einen kurzen Augenblick durch die verzerrt darstellende Schmerzwelle hindurch tatsächlich in Arretapecs Gehirn gesehen hatte.

Jetzt wußte er alles…

Der VUXG erhielt noch den ganzen Tag über Reaktionen des Patienten, aber sie waren unberechenbar, heftig und unkontrollierbar. Nachdem eine besonders dramatische Reaktion den in Panik geratenen Dinosaurier dazu veranlaßt hatte, einige Morgen Baumbestand dem Boden gleichzumachen und sich anschließend ängstlich im See zu verkriechen, gab Arretapec auf.

„Es ist sinnlos“, sagte der Arzt. „Das Wesen will einfach nicht freiwillig anwenden, was ich ihm beizubringen versuche, und sobald ich diesen Vorgang erzwinge, bekommt es Angst.“

Seine gleichtönige Translatorstimme verriet keinerlei Regung, aber Conway, der Arretapecs Gedanken gelesen hatte, wußte, wie bitter enttäuscht der Arzt war. Verzweifelt wünschte er, ihm behilflich sein zu können, aber ihm war klar, daß er nicht direkt eingreifen konnte — Arretapec war derjenige, der in diesem Fall die eigentliche Arbeit verrichten mußte, wohingegen er selbst nur hin und wieder einen Denkanstoß geben konnte.

Als er sich abends ins Bett legte und sich noch immer den Kopf zerbrach, glaubte er kurz vor dem Einschlafen die Antwort auf das Problem gefunden zu haben.

Am nächsten Morgen begab er sich mit Arretapec auf die Suche nach Dr. Mannon. Sie trafen ihn schließlich vor dem DBLF-Operationssaal an, den er gerade betreten wollte.

„Sir, könnten wir uns bitte Ihren Hund ausleihen?“ fragte Conway.

„Aus beruflichen Gründen oder zum Vergnügen?“ erkundigte sich Mannon etwas argwöhnisch. Er hing so sehr an seinem Hund, daß einige extraterrestrische Angehörige des Personals glaubten, die beiden lebten in Symbiose.

„Glauben Sie mir, wir werden ihm kein einziges Haar krümmen“, versicherte ihm Conway, und nach kurzem Zögern übergab ihm Dr. Mannon die Leine. Conway bedankte sich und an Arretapec gewandt sagte er: „Und jetzt gehen wir wieder in mein Zimmer.“

Zehn Minuten darauf fegte der Hund aufgeregt bellend durch das Zimmer, während Conway mit Kissen nach ihm warf. Plötzlich erzielte er einen Volltreffer und der Hund überschlug sich. Er schlitterte mit den Pfoten über den Kunststofffußboden und jaulte und winselte in höchsten Tonlagen.

Conway wurde plötzlich in die Höhe gerissen und schwebte direkt unter Decke.

„Ich hatte nicht gewußt, daß Sie vorhatten, mir eine Demonstration von menschlichem Sadismus vorzuführen“, dröhnte Arretapecs Stimme vom Schreibtisch herüber. „Ich bin schockiert und entsetzt zugleich. Sie werden dieses arme Tier sofort wieder zurückgeben!“

„Lassen Sie mich bitte runter, dann werde ich Ihnen alles erklären“, stammelte Conway.

Am achten Tag gaben sie Dr. Mannon den Hund zurück und nahmen wieder ihre Arbeit mit dem Dinosaurier auf. Am Ende der zweiten Woche waren sie noch immer mit Emily beschäftigt, und im ganzen Hospital wurde über die beiden bereits in sämtlichen gängigen Sprachen gesprochen, gepfiffen, gezirpt oder gegrunzt.

Als sie eines Tages in der Kantine saßen, hörte Conway, daß über die Lautsprecher, über die im Hintergrund die ganze Zeit Durchsagen liefen, plötzlich sein Name ausgerufen wurde.

„…rufen Sie so schnell wie möglich Major O’Mara an. Doktor Conway, bitte rufen Sie so schnell wie möglich Major O’Mara an.“

„Entschuldigen Sie mich bitte“, sagte Conway zu Arretapec, der es sich auf einem Plastikklotz gemütlich gemacht hatte, den der Kantinenchef mit einer abfälligen Geste auf den Tisch gestellt hatte, und begab sich zum nächsten Kommunikator.

„Es geht zwar nicht um Leben oder Tod“, sagte O’Mara, nachdem Conway ihn gefragt hatte, warum er sich bei ihm melden sollte, „aber ich bekomme langsam das Gefühl, daß Sie mir einige Erklärungen schulden. Zum Beispieclass="underline" Doktor Hardin schäumt praktisch vor Wut, weil er auf Ihre Anweisung hin die von ihm mit Bedacht ergänzten und gesetzten Futterpflanzen seit neuestem mit Chemikalien besprühen muß, die den Geschmack negativ beeinflussen. Und warum wurde eine bestimmte Menge der Pflanzen gelagert, als diese gerade ihr volles Aroma entfaltet hatten? Außerdem, wozu benötigen Sie überhaupt einen 3-D-Projektor? Und welche Rolle spielt Mannons Hund bei dieser ganzen Geschichte?“ O’Mara hielt schweren Herzens inne, da er Luft holen mußte, dann aber fuhr er ungehalten fort: „Und Colonel Skempton sagt, seine Ingenieure und Techniker hätten es langsam satt, für Sie und Arretapec andauernd die Traktor— und Pressorstrahlen bedienen zu müssen — ihn selbst schert das zwar nur wenig, aber er sagt, wenn diese gesamte Apparatur nach außen anstatt nach innen gerichtet wäre, könnte es der alte Transporter, an dem Sie herumfuhrwerken, nicht nur mit einem Schlachtkreuzer der Föderation aufnehmen, er würde ihm sogar den Marsch blasen. Und was seine Leute betrifft.“ — O’Mara versuchte jetzt zwar, im Plauderten weiterzureden, aber man hörte ihm an, daß er Schwierigkeiten damit hatte — „…nun, eine ganze Menge von denen bittet mich mittlerweile um meinen fachlichen Rat als Psychologe. Einige von ihnen, die wohl etwas besser damit klarkommen, trauen einfach ihren Augen nicht. Die anderen sind schon soweit, daß sie lieber weiße Mäuse sehen würden.“

Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Außerdem hat mir Mannon gesagt, Sie säßen jetzt — wahrscheinlich um Ihre moralischen Werte noch höher halten zu können — auf dem hohen Roß, und würden ihm rein gar nichts mehr erzählen, selbst wenn er Sie darum bittet. Ich hab mir gedacht, daß Sie mir.“

„Es tut mir wirklich leid, Sir“, unterbrach ihn Conway betreten.

„Aber was, zum Teufel, treiben Sie da eigentlich?“ polterte O’Mara los, dann fügte er überraschend leise hinzu: „Nun, viel Glück jedenfalls dabei. Ende.“

Conway eilte zu Arretapec zurück, um das Gespräch mit ihm an der Stelle wiederaufzunehmen, an dem es unterbrochen worden war.