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Als sie später die Kantine verließen, sagte er: „Es war dumm von mir, den Größenfaktor bei meinen Überlegungen nicht mit berücksichtigt zu haben. Aber da wir jetzt.“

„Es war dumm von uns, mein Freund“, korrigierte ihn Arretapec. „Die meisten Ihrer Ideen haben ja funktioniert, und das mit großem Erfolg. Sie haben mir derart unschätzbare Dienste geleistet, daß ich mich manchmal wirklich frage, ob Sie nicht ahnen, was ich vorhabe.

Und ich hoffe, daß auch Ihre neue Idee funktionieren wird.“

„Mit etwas Glück und wenn wir die Daumen drücken, wird’s schon klappen.“

Im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten stellte Arretapec bei dieser Gelegenheit ausnahmsweise einmal nicht fest, daß er erstens nicht an Glück glaube und zweitens keine Daumen besitze — sein Verständnis für menschliche Verhaltensweisen nahm eindeutig zu. Conway seinerseits wünschte sich nichts mehr, als daß der hyperintelligente VUXG seine Gedanken lesen könnte, dann würde Arretapec nämlich wissen, wie sehr er mit ihm fühlte und wie sehr er dem am heutigen Nachmittag stattfindenden Experiment Erfolg wünschte.

Während des ganzen Weges zum Schiff spürte Conway, wie die Spannung in ihm unaufhörlich anstieg. Als er den Ingenieuren, Technikern und sonstigen Helfern die letzten Anweisungen gab und sich vergewisserte, daß ein jeder wußte, was bei einem Notfall zu tun war, fiel ihm selbst auf, daß er dabei etwas zu viel herumalberte und ein wenig zu übertrieben lachte. Aber auch andere vermochten ihre Nervosität kaum zu verbergen.

Als er kurz darauf knapp fünfzig Meter entfernt vom Patienten stand, wobei er wie ein Weihnachtsbaum mit leuchtenden Apparaturen behangen war — einen G-Gürtel um die Hüfte, einen 3-D-Projektor vor dem Brustkorb und auf den Schultern ein schweres Funkgerät geschnallt —, war er vor innerer Anspannung fast wie gelähmt und strahlte die äußere Ruhe eines Druckkochtopfs aus.

„Projektorgruppe einsatzbereit“, sagte eine Stimme.

„Futter ist am Platz“, rief eine andere.

„Alle Traktor— und Pressorstrahlentechniker startbereit“, meldete eine dritte.

„Alles klar, Doktor“, sagte Conway zu dem vor ihm schwebenden Arretapec, dann fuhr er sich mit der trockenen Zunge über die noch trockeneren Lippen. „Jetzt sind Sie dran.“ Er drückte auf einen Knopf des 3-D-Pro-jektors vor seiner Brust, und im selben Augenblick erschien rings um ihn die unstoffliche dreidimensionale Darstellung seines fast zwanzig Meter großen Ebenbilds. Er sah, wie der Patient den Kopf hob, hörte die tiefen, jaulenden Laute, die das Wesen von sich gab, sobald es erregt war oder Angst hatte, und die in einem so merkwürdigen Kontrast zu seinem gewaltigen Körper standen, und er sah, wie es sich schwerfällig zum See zurückbewegte. Aber Arretapec konzentrierte sich mit ganzer Kraft auf die beiden kleinen, fast rudimentären 1i52hirne des Brontosauriers, wobei er Wellen der Ruhe und Beschwichtigung aussandte, und das Riesenreptil beruhigte sich zusehends. Ganz langsam, um Emily nicht zu erschrecken, griff Conway hinter sich, nahm etwas in die Hand und legte es vor sich auf den Boden. Sein zwanzig Meter großes Ebenbild machte parallel dieselben Bewegungen.

Aber dort, wo die große Hand der 3-D-Projektion niederging, lag ein echtes Bündel grüner Pflanzen, und als sich die stofflich wirkende und doch imaginäre Hand hob, folgte ihr das Bündel, wobei es am Scheitelpunkt von drei präzise bedienten Pressorstrahlen in der Luft gehalten wurde. Dann wurde das feuchte Bündel frischer Pflanzen und Palmenblätter dicht vor dem noch immer unruhigen Dinosaurier plaziert, und zwar scheinbar von der Hand, die sich jetzt langsam zurückzog.

Nach einer Zeit, die Conway wie eine Ewigkeit vorkam, bog sich der kräftige, schlangenartige Hals nach unten, und das Reptil begann mit dem Kopf in dem Futter herumzuwühlen und daran zu knabbern.

Conway wiederholte den gleichen Bewegungsablauf immer wieder, wobei er und sein zwanzig Meter großes Ebenbild sich Emily allmählich näherten.

Wie er wußte, hätte der Brontosaurier zur Not auch die um ihn herum wachsenden Pflanzen essen können, aber seit Dr. Hardin auf Conways Geheiß die chemische Keule eingesetzt hatte, waren sie alles andere als schmackhaft. Dagegen waren diese Ballen hier regelrechte Leckerbissen — es war das frische, saftige, süßlich riechende Futter, das der Brontosaurier von früher her kannte und das es für ihn unerklärlicherweise seit einiger Zeit nicht mehr gab. Und was eben noch ein Knabbern war, wurde jetzt zu einem gierigen Schlingen.

„Alles klar“, sagte Conway hocherfreut. „Stufe zwei.“

Mit Hilfe des winzigen Bildschirms, auf dem er die Bewegungen seines Ebenbilds im Verhältnis zu denen des Dinosauriers genau überwachen konnte, streckte Conway erneut die Hand vor. Hoch oben auf der gegenüberliegenden Seite des Schiffskörpers Wurde, dem Auge entzogen, ein anderer Pressorstrahl aktiviert, der die Bewegungen der Hand nachahmte, die jetzt scheinbar den kräftigen Hals des Patienten streichelte, wobei der Strahl einen festen, wenn auch sanften Druck ausübte. Zunächst zuckte der Brontosaurier ängstlich zusammen, dann aber beruhigte er sich. Schließlich fraß er weiter und räkelte sich sogar gelegentlich behaglich. Arretapec berichtete, daß dem Patienten das Streicheln gefiel.

„Gut“, sagte Conway, „dann packen wir mal etwas kräftiger zu.“

Zwei große, imaginäre Hände drückten gegen den Leib des Sauriers, und massierte Pressorstrahlen warfen ihn krachend auf den Rücken, daß der Boden bebte. Voller Angst strampelte er wie wild in der Luft und versuchte vergeblich, seinen schweren und ungelenken Körper auf die Seite zu rollen, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber anstatt schlimmen Schaden anzurichten, streichelten und tätschelten ihn die Hände nur. Emily beruhigte sich daraufhin allmählich, und es war ihr anzusehen, daß sie sich wieder wohl fühlte.

Dann nahmen die imaginären Hände eine neue Stellung ein. Traktor— und Pressorstrahlen faßten den liegenden Körper gleichzeitig, zogen ihn in die Höhe und rissen ihn herum.

Um mobiler zu sein, bediente sich Conway des G-Gürtels und hüpfte nun zusammen mit Arretapec über und um den Brontosaurier herum. Der VUXG, der mit dem Patienten in Verbindung stand, berichtete fortwährend über die Auswirkungen der verschiedenen Reize. Conway streichelte, tätschelte, kraulte und knuffte das Riesenreptil mit seinen imaginären Händen und Füßen, zog ihm am Schwanz und klopfte ihm gegen den Hals, wobei die Traktor— und Pressorstrahlenmannschaft hervorragende Arbeit leistete und die Bewegungen seines5gesigen dreidimensionalen Ebenbilds synchron nachahmte.

Etwas Ähnliches war zwar schon zuvor geschehen — gar nicht zu reden von einigen Ereignissen, wegen der ein Ingenieur zum Trinker geworden war und vier andere aus dem Projekt ausgestiegen waren —, aber erst als man den Größenfaktor in die Überlegungen mit einbezogen hatte, wie heute mit der 3-D-Projektion, waren solch vielversprechenden Resultate erzielt worden. Während der letzten Woche hatte es noch so ausgesehen, als mißhandle eine Maus einen Elefanten — kein Wunder, daß der Brontosaurier damals panikartig reagierte, wenn mit ihm alle möglichen unerklärlichen Dinge geschahen und er als einzige Verursacher dafür zwei winzige Kreaturen sah, die er kaum erkennen konnte.

Die Spezies, der der Brontosaurier angehörte, streifte schon seit hundert Millionen Jahren über ihren Heimatplaneten, und der Patient selbst hatte eine sehr lange Lebenserwartung. Obwohl seine beiden Gehirne relativ klein waren, war er weit gescheiter als ein Hund, so daß Conway ihn schon bald soweit hatte, Platz zu nehmen und um Futter zu betteln. Zwei Stunden später ging Emily in die Luft.

Es war ein unbeschreiblicher Anblick: Der mächtige, unförmige Körper hob schnell vom Boden ab, wobei sich seine kräftigen Beine unwillkürlich wie beim Gehen bewegten und der kräftige Hals und Schwanz, langsam hin— und herbaumelnd, nach unten hingen. Als sich das Riesenreptil dem verführerischen Bündel aus frischen Palmenblättern näherte, das fast hundert Meter über seinem Kopf balanciert wurde, vermutete Conway, daß dieser freie Schwebezustand höchstwahrscheinlich über das Gehirn in der Kreuzbeingegend und nicht über das im Schädel gesteuert wurde. Aber das war jetzt nebensächlich, die Hauptsache war, daß es tatsächlich schwebte. Es sei denn.