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Conway verabschiedete sich von dem Nidianer mit einer kurzen Handbewegung. Er war froh, daß der Translator den ironischen Unterton seiner letzten Bemerkung nicht vermitteln konnte, so daß Prilicla nicht bewußt war, wie sehr er von ihm an der Nase herumgeführt worden war. Aber plötzlich traf es ihn wie ein Schlag: Zu seinem Verdruß fiel ihm nämlich ein, daß Prilicla ein Empath war. Seit sie sich vor kurzem kennengelernt hatten, hatte das Wesen zwar noch nicht viel gesagt, aber die wenigen bislang von ihm geäußerten Bemerkungen hatten sich allesamt auf Conways Gefühle zu dem jeweils zur Diskussion stehenden Thema gestützt. Der neue Assistent war kein Telepath — konnte also nicht Gedanken lesen —, war aber für Gefühle und Emotionen empfänglich und müßte folglich Conways unbändige Neugierde registriert haben.

Er hätte sich am liebsten selbst in den Hintern getreten, daß er diese empathische Fähigkeit seines Assistenten schlichtweg vergessen hatte, und fragte sich peinlich verlegen, wer hier eigentlich wen an der Nase herumgeführt hatte.

Schließlich tröstete er sich mit dem Gedanken, daß Prilicla im Gegensatz zu einigen anderen Leuten, mit denen er es in der Vergangenheit zu tun gehabt hatte — er dachte dabei insbesondere an Dr. Arretapec —, wenigstens ein relativ leicht umgängliches Wesen war.

Schleuse sechs, wo der SRTT erwartet wurde, wäre binnen weniger Minuten zu erreichen gewesen, wenn Conway die Abkürzung durch den wassergefüllten Korridor, der zum AUGL-Operationssaal führte, gewählt hätte und anschließend durch die chirurgische Station der chloratmenden PVSJs gegangen wäre. Das aber hätte bedeutet, sich Schützanzüge anziehen zu müssen; denn während er sich im Nü einen Anzug überstreifen und wieder ausziehen konnte, zweifelte er doch sehr daran, ob dies dem mehrbeinigen Prilicla genauso leicht gelungen wäre. Deshalb mußten sie einen Umweg machen und sich entsprechend beeilen.

An einer Stelle wurden sie von einem Tralthaner, der die goldumrandete Armbinde eines Diagnostikers trug, und einem terrestrischen Ingenieur überholt, wobei der FGLI wie ein außer Kontrolle geratener Panzer heranstürmte und der Mensch schon im Trab laufen mußte, um einigermaßen Schritt halten zu können. Conway und Prilicla wichen respektvoll beiseite, um den Diagnostiker und dessen Begleiter vorbeizulassen — und um nicht niedergetrampelt zu werden —, dann gingen sie weiter. Den Gesprächsfetzen, die Conway mitbekommen hatte, war zu entnehmen, daß die beiden zum Empfangskomitee des SRTT gehörten, und aus einigen bissigen Randbemerkungen des Terrestriers war klar geworden, daß der Besucher sehr viel früher als erwartet eintraf.

Als sie kurz darauf um eine Ecke bogen und die große Einlaßschleuse bereits in Sichtweite lag, konnte sich Conway bei dem ihm sich bietenden Anblick ein Grinsen nicht verkneifen. Auf dieser Ebene mündeten drei Gänge in die Vorkammer der Einlaßschleuse, vom darunter und darüber befindlichen Stockwerk gelangte man jeweils über eine schräge Rampe hierher, und das Empfangskomitee eilte von allen Seiten herbei. Neben dem Tralthaner und dem Terrestrier, von denen sie gerade überholt worden waren, handelte es sich dabei um einen weiteren Tralthaner, zwei DBLF-Raupen und einen spinnen— und membranartigen Illensaner in einem durchsichtigen Schutzanzug, der gerade aus dem angrenzenden chlorgefüllten Verbindungskorridor zur PVSJ-Station kam. Alle steuerten auf die innere Dichtungsluke der großen Einlaßschleuse zu, die sich bereits für den angemeldeten Besucher öffnete. Conway empfand die Situation als ausgesprochen komisch, und er malte sich plötzlich aus, was passieren würde, wenn die ganze verrückte Menagerie gleichzeitig vor der Schleuse zusammenstoßen würde.

Während er sich über diesen Gedanken noch immer amüsierte, verwandelte sich diese Komödie — ohne fließenden Übergang und ohne jede Vorwarnung — zu einer Tragödie.

Als der Besucher die Vorkammer betrat und sich hinter ihm die Luke schloß, erkannte Conway etwas, das zwar ein wenig einem Krokodil mit spitz zulaufenden, hornigen Tentakeln ähnelte, ansonsten aber noch verschiedene andere äußere Merkmale besaß, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Er sah auch, wie der Besucher zurückschreckte, als das Empfangskomitee auf ihn zustürmte, und dann plötzlich auf den PVSJ zuschoß, der, wie Conway sich erst später erinnern sollte, ihm am nächsten stand und der kleinste war. Und dann schienen alle gleichzeitig loszuschreien, so daß Conways Translator, wie vermutlich die der anderen auch, wegen der totalen Überlastung nur noch ein ohrenbetäubendes, pfeifendes Rückkopplungsgeräusch von sich gab.

Der PVSJ, der sich jetzt den scharfen Zähnen und harten Tentakel spitzen des heranstürmenden Besuchers gegenübersah, dachte zweifellos an seinen empfindlichen Schützanzug, in dem sich das für ihn lebenswichtige Chlor befand, als er sofort in die Schleuse floh, die in die Sicherheit der für seine Spezies vorgesehenen Station führte. Der Besucher, dem sich ein Tralthaner in den Weg gestellt hatte, der ihn vergeblich zu beruhigen versuchte, machte plötzlich kehrt und hoppelte auf dieselbe Schleuse zu.

Sämtliche dieser Schleusen waren für den Katastrophenfall mit Notschaltern versehen, durch deren Betätigung die eine Luke sofort geöffnet und die andere gleichzeitig geschlossen wurde, anstatt solange warten zu müssen, bis die Kammer völlig entleert und wieder mit der gewünschten Atmosphäre angefüllt war. Der wild gewordene Besucher hatte den PVSJ bereits eingeholt und dessen Anzug mit den Zähnen aufgerissen, so daß für den Illensaner unmittelbare Gefahr drohte, an einer Sauerstoffvergiftung zu sterben. In Anbetracht der bevorstehenden Katastrophe bediente das gefährdete Wesen den Notschalter, wobei es wahrscheinlich vor Angst gar nicht bemerkt hatte, daß der SRTT noch nicht ganz in der Schleuse war und ihn die äußere Luke in zwei Teile zerquetscht hätte, sobald sich die innere schloß.

Bei dem allgemein entstandenen Gebrüll und Durcheinander vor der Schleuse bekam Conway nicht mit, durch wessen geistesgegenwärtige Reaktion das Leben des Besuchers schließlich gerettet wurde. Jedenfalls hatte irgend jemand einen anderen Notschalter bedient, durch den beide Luken gleichzeitig geöffnet wurden. Diese Aktion bewahrte zwar den SRTT davor, in zwei Stücke zerquetscht zu werden, aber es gab jetzt einen direkten Zugang zur PVSJ-Station, aus der dichte, gelbe Chlorgaswolken hervorquollen. Bevor Conway reagieren konnte, hatten die Kontaminationsdetektoren bereits die Alarmsirenen ausgelöst und gleichzeitig die luftdichten Türen und Schotts in unmittelbarer Umgebung automatisch geschlossen und verriegelt.

Jetzt saßen sie alle in der Falle.

Im ersten Augenblick der Panik kämpfte Conway gegen das Verlangen an, auf eine der luftdichten Türen zuzurennen und mit den Fäusten dagegen zu hämmern. Dann kam ihm der Gedanke, sich durch den giftigen Nebel hindurch zu einer anderen Verbindungsschleuse auf der gegenüberliegenden Seite durchzukämpfen, und er konnte sehen, daß in ihr bereits ein terrestrischer Mechaniker und eine DBLF-Raupe waren. Conway bezweifelte allerdings, ob die beiden, die von den Chlorgasen bereits völlig benommen waren, noch genug Kraft besaßen, sich rechtzeitig Schützanzüge anzulegen. Aber würde er es bis dorthin überhaupt schaffen? In dieser Schleusenkammer gab es auch Schützhelme, die für etwa zehn Minuten Sauerstoff enthielten, das jedenfalls verlangten die Sicherheitsauflagen. Um dorthin zu gelangen, müßte er seinen Atem wenigstens drei Minuten lang anhalten und seine Augen fest geschlossen halten, denn schon geringste Spuren dieses dort konzentrierten Gases in der Lunge oder in den Augen würden ihn völlig außer Gefecht setzen. Wie aber sollte er sich an der überall auf dem Boden verteilten und nach allen Seiten ausschlagenden Masse aus tralthanischen Beinen und Tentakeln mit geschlossenen Augen vorbeitasten.?

Seine angsterfüllten, chaotischen Gedanken wurden von Prilicla unterbrochen, der plötzlich sagte: „Chlor ist für meine Spezies tödlich. Entschuldigen Sie mich bitte.“