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Die Antwort darauf war ein schwerer Schüttelkrampf des SRTT, und plötzlich war aus dem Wesen eine geschmeidige, schleimige Masse geworden, die zwischen den Greifzähnen hindurchglitt und auf den Boden klatschte. Die FROBs tröteten aufgeregt und machten sich erneut darüber her.

Dieses Mal konnte der SRTT unmöglich überleben, dachte Conway, und er empfand eine Mischung aus Furcht, Mitleid und Verärgerung — was sollte er mit einem Alien machen, dem gleich bei seiner Ankunft der Schrecken in die Glieder gefahren war, der seither dauernd auf der Flucht gewesen und jetzt noch immer viel zu verängstigt war, als daß er sich helfen lassen würde? Der Kran war in dieser Situation nutzlos, aber es gab noch eine andere Möglichkeit. Wahrscheinlich würde ihm O’Mara später dafür lebendig die Haut vom Leib ziehen, aber wenigstens könnte er so dem SRTT das Leben retten — er mußte ihm eine Fluchtmöglichkeit bieten.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Eingangsschleuse, die Prilicla und er zuvor benutzt hatten, lag die Tür, durch die die jungen FROB-Patienten auf ihre Station gebracht wurden. Es war eine einfache Tür, weil der Korridor davor in den FROB-Operationssaal führte und dort dieselben Gravitations— und Druckverhältnisse wie auf der Station selbst herrschten. Conway legte die gesamte Strecke dorthin mit einem gewaltigen Hechtsprung zurück. Dann löste er den Öffnungsmechanismus der Tür aus und sah zu seiner Erleichterung, wie der SRTT — der anscheinend vor Angst doch nicht genug gelähmt war, um diese Fluchtmöglichkeit nicht zu erkennen — sofort hindurchglitt. Conway konnte die Tür gerade noch rechtzeitig schließen, bevor auch noch einige Patienten hindurchschlüpfen wollten. Gleich darauf schwebte er wieder in die Kuppel zurück, um O’Mara von dem furchtbaren Schlamassel zu berichten, denn die Situation war jetzt noch viel schlimmer, als sie alle gedacht hatten.

Als er am anderen Ende der Station gewesen war, hatte er nämlich etwas gesehen, wodurch das Einfangen und Bändigen des Ausreißers um ein Vielfaches erschwert werden würde, und das auch erklärte, warum der Besucher während des Hochhievens mit dem Kran nicht auf ihn reagierte hatte — es waren die zertrampelten und somit nicht mehr zu verwendenden Überreste des SRTT-Translators gewesen.

Conways Hand lag bereits auf der Taste des Kommunikators, als Prilicla sagte: „Entschuldigen Sie, Sir, aber verursacht meine Fähigkeit, Ihre Emotionen zu erkennen, bei Ihnen Unbehagen? Oder würde es Sie ärgern, wenn ich laut erwähne, was ich möglicherweise herausgefunden hab?“

„Ehm. wie bitte? Was ist?“ stammelte Conway, und er glaubte, daß er just in diesem Moment Ungeduld im höchsten Grade ausstrahlen mußte, zumal sich sein Assistent einen wirklich sehr günstigen Zeitpunkt ausgesucht hatte, ihm ausgerechnet jetzt solche Fragen zu stellen! Erst wollte er auf Priliclas Fragen einfach nicht eingehen, aber dann kam er zu dem Schluß, daß es nichts ausmachen würde, wenn sich sein Bericht an O’Mara um ein paar Minuten verzögerte, zumal sein Assistent das Thema möglicherweise wichtig fand. Aliens konnten schon sehr komisch sein.

„Ich kann auf beide Fragen nur mit einem klaren Nein antworten“, entgegnete er schließlich. „Obwohl ich im zweiten Fall unter gewissen Umständen durch Sie in Verlegenheit gebracht werden könnte, falls Sie das, was Sie über mich herausgefunden haben, einem Dritten gegenüber erwähnen. Aber warum fragen Sie mich das überhaupt?“

„Weil mir nicht verborgen geblieben ist, welche fürchtbare Angst Sie vor den möglichen Verwüstungen haben, die der SRTT unter Ihren Patienten anrichten könnte“, entgegnete Prilicla, „und ich diese Angst nur ungern noch weiter schüren möchte, indem ich Ihnen von der Intensität und der Art der Gefühle erzähle, die ich gerade eben bei dem SRTT festgestellt hab.“

Conway seufzte. „Jetzt spucken Sie’s schon aus. Viel schlimmer als jetzt kann es doch eh nicht mehr kommen.“

Aber in diesem Punkt irrte sich Conway gewaltig.

Als Prilicla zu Ende erzählt hatte, fuhr Conway plötzlich mit der Hand von der Taste des Kommunikators zurück, als würde sie ihn beißen oder stechen. „Das kann ich ihm nicht über das normale Kommunikationsnetz sagen! Das würde bestimmt bis zu den Patienten durchsickern, und selbst wenn nur ein paar Leute in der Zentrale davon erfahren, könnte das eine Panik auslösen.“ Er zauderte kurz, dann sagte er: „Kommen Sie, wir müssen sofort zu O’Mara gehen!“

Allerdings war der Chefpsychologe weder in seinem Büro noch in dem in der Nähe befindlichen Schulungsraum aufzufinden. Einer seiner Assistenten informierte sie aber, wo er sich gerade aufhielt, und sie eilten umgehend zur siebenundvierzigsten Ebene, der Beobachtungsstation drei.

Hierbei handelte es sich um einen riesigen Raum mit einer hohen Decke, dessen Druck— und Temperaturbedingungen warmblütigen Sauerstoffatmern angepaßt waren. DBDG-, DBLF-, und FGLI-Ärzte nahmen hier Voruntersuchungen an exotischen oder komplizierten Fällen vor. Falls diese atmosphärischen Bedingungen für die Patienten nicht geeignet waren, wurden sie in großen durchsichtigen Rollcontainern untergebracht, die sich in regelmäßigen Abständen in Wandnischen oder in Bodenvertiefungen befanden. Dieser Raum wurde auch etwas abfällig als Denk— und Verschiebestation bezeichnet.

Um einen Tank mit Glaswänden sah Conway in der Mitte des Raums eine Gruppe Ärzte stehen, die sich aus Angehörigen der verschiedensten Spezies zusammensetzte. Darin mußte sich der sterbende, ältere SRTT befinden, von dem er gehört hatte. Aber bevor er nicht mit O’Mara gesprochen hatte, hatte er keine Zeit, genauer hinzusehen.

Schließlich erblickte er den Chefpsychologen vor einem Kommunikator an der Wand und eilte zu ihm hinübe/9 7

Während er O’Mara Bericht erstattete, hörte der Monitor anfangs noch relativ gleichmütig zu, dann öffnete er mehrmals den Mund, als wollte er Conway unterbrechen, wobei er die Lippen mit zunehmender Dauer immer grimmiger und fester wieder zusammenpreßte. Aber als Conway an dem Punkt angelangt war, wo er den zerstörten Translator entdeckt hatte, da unterbrach er Conways Redefluß mit einer energischen Handbewegung und schlug mit derselben Wucht auf die Sprechtaste des Kommunikators.

„Geben Sie mir sofort die Ingenieursdivision, Colonel Skempton“, brüllte er ins Mikrofon und dann: „Colonel, unser Ausreißer hält sich in der Gegend der FROB-Kinderstation auf. Aber es gibt leider ein Problem — er hat seinen Translator verloren.“ Es gab eine kurze Pause, dann führ O’Mara fort: „Ich weiß auch nicht, wie Sie ihn bändigen sollen, wenn Sie nicht mit ihm kommunizieren können, aber tun Sie trotzdem Ihr möglichstes — ich werde mich inzwischen um das Kommunikationsproblem kümmern.“

Er unterbrach die Verbindung und stellte sofort eine neue her. „Geben Sie mir Colinson, in der Funkzentrale. Hallo, Major. Ich will eine Verbindung zwischen hier und der Monitor-Beobachtungscrew auf dem SRTT-Heimatplaneten — ja, dieselbe, die Sie mir schon vor ein paar Stunden hergestellt haben. Kriegen Sie das hin? Und die sollen ein Band in der Müttersprache des SRTT aufnehmen und hierher überspielen. Den Text gebe ich Ihnen jetzt sofort. Er soll von einem erwachsenen SRTT gesprochen werden und ungefähr folgenden Inhalt haben.“

Er verstummte, als Major Colinsons Stimme aus dem Lautsprecher dröhnte. Der Funkspezialist machte Conway darauf aufmerksam, daß dieser — als ein an den Schreibtisch gebundener Seelenmasseur — möglicherweise nicht bedachte, daß der SRTT-Planet die halbe Länge der Galaxis entfernt lag und Sübraumfünk genauso auf Interferenzen ansprach wie jede andere interstellare Kommunikationsform. Da zusätzlich zur kosmischen Hintergrundstrahlung jede in der dazwischenliegenden Distanz befindliche Sonne eigene Radiowellen ausstrahlte und so die übertragenen Signale störte, wäre der Inhalt des Bands kaum noch verständlich.

„Dann muß die Übertragung eben mehrmals wiederholt werden“, reagierte O’Mara etwas ungehalten. „Einzelne Worte und Phrasen werden wir bestimmt verwenden können. Die setzen wir dann stückweise zusammen, um daraus den Originaltext zu rekonstruieren. Wir brauchen das Band dringend, und ich sage Ihnen auch, warum.“