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Mannon musterte ihn von oben bis unten mit fast ehrfurchtsvollem Blick, dann sagte er spöttisch: „Ach, psychologischer Natur, wie? Erstaunlich! Aber was sonst sollte ein Wesen, das gegen Verletzungen und bakterielle Infektionen immun ist, in einen solchen körperlichen Zustand versetzen, wenn nicht ein kleiner Dachschaden? Aber wollen Sie sich nicht vielleicht etwas näher dazu äußern?“

Conway lief rot an und sagte lieber nichts.

Mannon knurrte kurz, dann fuhr er fort: „Die Flüssigkeit, die es absondert, besteht nur aus Wasser und ein paar darin enthaltenen unwichtigen Organismen. Wir haben es mit sämtlichen denkbaren physiologischen und psychologischen Behandlungsmethoden probiert, aber alles ohne Erfolg. Eben hat jemand vorgeschlagen, daß wir den Patienten einfrieren, um so einerseits den 20?hmelzungsprozeß zum Stoppen zu bringen und andererseits Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Aber der Vorschlag wurde abgelehnt, weil ein solches Vorgehen den SRTT in seinem gegenwärtigen Zustand sofort töten könnte. Ein Pärchen unserer telepathisehen Lebensformen hat versucht, sich in sein Gehirn einzuschleusen, um seinen Verstand auf diese Weise wieder geradezubiegen, und O’Mara hat einen Ausflug ins finsterste Mittelalter unternommen und es mit dieser grausamen Elektroschocktherapie probiert, aber nichts hat funktioniert. Insgesamt gesehen haben wir, in Einzel— oder in Gruppenarbeit, praktisch die Gesichtspunkte und Ratschläge sämtlicher Spezies der Galaxis berücksichtigt, und trotzdem können wir uns keinen Reim darauf machen, was ihm fehlt.“

„Würde es sich doch um ein psychologisches Problem handeln“, warf Conway ein, „hätte ich allerdings erwartet, daß die Telepathen.“

„Nein“, sagte Mannon. „Bei dieser Lebensform ist das Gehirn gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt und befindet sich nicht in einer Gehirnschale oder dergleichen, sonst könnte es seine physikalische Struktur nicht so dramatisch verändern. Im Augenblick zieht sich sein Verstand zurück, schwindet praktisch dahin, und löst sich in immer kleinere Bestandteile auf, die so klein sind, daß die Telepathen keinen Zugang zu ihnen haben.

Diese SRTTs sind schon wirklich verrückte Kreaturen“, fuhr Mannon nachdenklich fort. „Sie haben sich natürlich aus dem Meer entwickelt, aber später gab es auf ihrem Heimatplaneten schwere Vulkanausbrüche und Erdbeben — die Oberfläche wurde mit Schwefel und was sonst noch überzogen —, und schließlich verwandelte eine kleine Instabilität ihrer Sonne den Planeten zu dem, was er heute ist — eine Wüste. Sie mußten sehr anpassungsfähig sein, um all das zu überleben. Auch ihre Fortpflanzungsmethode — die mit der Abstoßung eines Teils des Körpers vollendet wird, wodurch das Elternteil erheblich an Masse verliert — ist sehr interessant. Das bedeutet nämlich, daß das Junge mit Teilen der Körper— und Gehirnzellenstruktur des Elternteils geboren wird. Dabei wird auf das Neugeborene zwar kein bewußtes, aber unbewußtes Wissen übertragen, wodurch es befähigt wird.“

„Aber wenn das Elternteil seinem Nachwuchs einen Teil seines Körpers und Verstandes sozusagen überträgt, heißt das doch, daß das Unterbewußtsein jedes Individuums letztendlich auf ein einziges Wesen zurückzuführen ist, das.“

„Und im Unterbewußtsein stecken sämtliche Psychosen“, mischte sich O’Mara ein, der plötzlich hinter ihnen stand. „Sagen Sie am besten nichts mehr, ich hab deswegen schon Alpträume gehabt. Allein die Vorstellung, einen Patienten therapieren zu müssen, dessen Unterbewußtsein vor über fünfzigtausend Jahren geprägt wurde.“

Danach war das Gespräch schnell zu Ende, und Conway, der sich noch immer um die Aktivitäten des jungen SRTT sorgte, eilte mit Prilicla in die Neugeborenenabteilung zurück. Im ganzen Abschnitt wimmelte es von Wartungsleuten und grünuniformierten Monitoren, aber der Ausreißer war bisher noch nicht wieder aufgetaucht. Conway schickte eine DBDG-Schwester — und zwar die, wegen der Mannon ihn aufgezogen hatte — in die AUGL-Station, die dort im Taucheranzug Wache schieben sollte, weil sich bei den drei kleinen Patienten jeden Augenblick etwas tun konnte, und bereitete sich zusammen mit Prilicla für eine Visite auf der Methanstation vor.

Die Arbeit mit den starrblütigen Wesen auf dieser Station war reine Routinesache, und Conway bedrängte Prilicla pausenlos mit Fragen über den emotionalen Zustand des älteren SRTT, von dem sie gerade gekommen waren. Aber der GLNO konnte ihm nicht viel weiterhelfen. Alles, was er sagte, war, er habe zwar bei dem Wesen ein starkes Verlangen nach Auflösung festgestellt, das er ihm aber nicht eingehender beschreiben könne, da ein solches Gefühl auf Grundlage seiner eigenen bisher gemachten Erfahrungen für ihn nicht nachvollziehbar sei.

Kaum hatten sie die Station verlassen, konnten sie feststellen, daß Colinson in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen war. Aus den Lautsprechern war das knisternde Geräusch atmosphärischer Störungen zu vernehmen, durch das ein schwach zu vernehmendes Alienkauderwelsch hindurchdrang, das mit Sicherheit von dem überspielten SRTT-Band stammte. Wäre Conway in der Lage des jungen SRTT gewesen, und eine Stimme würde durch diesen unglaublichen Lärm hindurch auf ihn einzureden versuchen, hätte ihn das als kleinen Jungen alles andere als beruhigt. Und sollte die Dichte der Atmosphäre auf dem SRTT-Heimatplaneten höher sein als die im Hospital, was ziemlich sicher war, würde das die Verzerrungen in der Stimme noch unerträglicher gestalten. Er sagte Prilicla zwar nichts zu diesem Thema, glaubte aber, daß es schon an ein Wunder grenzen müßte, wenn diese Kakophonie zu dem Ergebnis führen würde, das sich O’Mara davon erhofft hatte.

Plötzlich brach der Lärm ab und wurde durch eine dröhnende, terrestrische Stimme ersetzt. „Doktor Conway, bitte sofort in der AUGL-Neugeborenenstation melden!“ Gleich darauf setzte wieder das knatternde Gejaule ein.

Conway eilte zum nächsten Kommunikator und ließ sich mit der AUGL-Station verbinden.

„Hier spricht Murchison in der AUGL-Schleuse, Doktor“, sagte eine beunruhigte Frauenstimme. „Jemand — ich meine, etwas — ist gerade an mir vorbei in die AUGL-Station gehuscht. Ich dachte zuerst, Sie wären das gewesen, aber als es die Innenluke öffnete, ohne einen Taucheranzug anzulegen, wußte ich, daß es sich um den flüchtigen SRTT gehandelt haben mußte.“ Zögernd fuhr sie fort: „Bei dem Zustand der Patienten im Tank wollte ich die Geschichte erst mit Ihnen klären, bevor ich Alarm schlage, aber ich kann natürlich auch sofort.“

„Nein, nein, das war schon ganz richtig so, Schwester!“ unterbrach Conway sie aufgeregt. „Wir kommen gleich.“

Als er und Prilicla fünf Minuten später die Schleuse betraten, hielt die Schwester bereits Conways Anzug bereit. Die physiologischen Merkmale der Schwester, die es den männlichen Mitarbeitern des terrestrischen Personals anscheinend unmöglich machten, sie aus neutraler, medizinischer Distanz zu betrachten, wirkten auch unter ihrem Taucheranzug kaum weniger ablenkend als sonst. Aber im Moment hatte Conway nur Augen für das Beobachtungsfenster und das Wesen, das dahinter schwamm.

Und dieses Wesen sah ihm tatsächlich sehr ähnlich. Die Haarfarbe stimmte, auch die Hautfarbe, und es trug einen weißen Kittel. Aber die Gesichtszüge waren völlig verschroben: Nase, Mund und Augen verliefen unförmig ineinander, und es war einfach ein schrecklicher Anblick. Hände und Hals paßten nicht in den Arztkittel und waren zu Ärmel und Kragen geworden. Conway fühlte sich an eine Bleifigur erinnert, die schäbig gegossen und nachlässig angemalt worden war.

Im Augenblick schien der SRTT keine Bedrohung für die kleinen Patienten darzustellen, aber er verwandelte sich schon wieder. Arme und Beine wuchsen langsam zusammen, und aus dem sich ausdehnenden Rumpf traten lange und schmale Auswüchse hervor, die sich eindeutig zu Flossen entwickeln sollten. Einem Menschen mochte es zwar schwerfallen, einen AUGL-Patienten zu fangen, aber ein SRTT, der sich dem Wasser anpaßte, würde sicherlich auch dazu die notwendige Schnelligkeit besitzen.