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Die Schleusenvorkammer des Kreuzers war klein und wirkte im Moment noch enger, als sie eh schon war, da sich in ihr einige grünuniformierte Monitore aufhielten. Sie begutachteten heftig diskutierend ein seltsam aussehendes mechanisches Gerät auf dem Boden, das offenbar aus dem Wrack geborgen worden war. Die kleine Halle war erfüllt von technischen Fachausdrucken, mit denen sich diese Spezialisten gegenseitig bewarfen, und niemand schien den Arzt und die Schwester zu beachten. Erst als sich Conway zweimal laut vernehmlich räusperte, löste sich ein Offficer mit den Insignien eines Majors aus der Gruppe — ein schmalgesichtiger Mann mit grau werdendem Haar — und ging auf die beiden zu.

„Captain Summerfield“, sagte er knapp, wobei er einen letzten sehnsüchtigen Blick auf das Ding hinter sich auf dem Boden warf. „Ich nehme an, Sie sind also diese Wunderheiler aus dem Hospital, richtig?“

Conway fühlte sich gereizt. Natürlich hatte er Verständnis für diese Leute — ein verunglücktes Schiff, das zu einer unbekannten, fremden Zivilisation gehörte, war ein äußerst seltener Fund; eine technologische Schatzkammer von unermeßlichem Wert —, aber er selbst dachte anders. Für ihn rangierte die Erforschung von Schöpfungen fremder Spezies in ihrer Bedeutung weit hinter dem Studium, der Untersuchung und der letztendlichen Wiederherstellung fremden Lebens. Und deshalb kam er auch gleich zur Sache.

„Captain Summerfield, wir müssen so schnell wie möglich die Umweltbedingungen des Überlebenden ermitteln und sie dann reproduzieren“, sagte er in einem ungewöhnlich barschen Ton, „und zwar sowohl im Hospital als auch in der Fähre, die ihn dorthin bringen wird. Könnten Sie uns jemanden zur Verfügung stellen, der uns das Wrack genauer zeigt? Möglichst einen kompetenten Fachmann, der weiß, wie man.“

„Sicherlich“, unterbrach ihn der Captain. Es schien, als wollte er noch etwas sagen, aber dann zuckte er nur die Achseln, drehte sich um und schrie: „Hendricks!“ Ein Lieutenant, der nur die untere Hälfte eines Raumanzugs trug und einen ziemlich abgespannten Eindruck machte, kam zu ihnen herüber. Der Captain stellte ihn kurz vor, dann begab er sich wieder zu dem rätselhaften Ding auf dem Boden zurück.

„Wir werden schwere Raumanzüge benötigen“, sagte Hendricks. „Für Sie, Doktor Conway, hab ich einen. Aber bei Ihnen, Doktor Kursedd, sehe ich schwarz. Sie sind ein DBLF und.“

„Kein Problem“, warf Kursedd schnell ein. „Ich hab einen Anzug in der Fähre. Lassen Sie mir nur ein paar Minuten Zeit.“

Die DBLF-Raupe kroch auf die Luftschleuse zu. Ihr Pelz hob und senkte sich dabei in langsamen Wellen, die beim relativ dünnbehaarten Halsansatz begannen und sich bis zum buschigen Schwanzende fortsetzten. Conway hatte Hendricks schon korrigieren wollen, als er Schwester Kursedd mit „Doktor“ angeredet hatte. Ihm war aber plötzlich klargeworden, daß diese falsche Titulierung bei der DBLF-Raupe eine starke emotionale Reaktion hervorgerufen hatte — das sich plötzlich kräuselnde Fell mußte jedenfalls der Ausdruck für irgendein Gefühl gewesen sein. Da er selbst kein DBLF war,

konnte er allerdings nicht sagen, ob die Schwester damit Freude oder Stolz ausdrückte, versehentlich für eine Ärztin gehalten worden zu sein, oder ob sie sich am liebsten vor Lachen über diesen Irrtum eins ihrer vierunddreißig Beine ausgerissen hätte. Da diese Angelegenheit sowieso nicht von Belang war, entschied sich Conway, einfach nichts dazu zu sagen.

Die nächste Gelegenheit, bei der Hendricks die Schwester mit „Doktor Kursedd“ anredete, war, als sie das Wrack bestiegen. Dieses Mal blieb ihre emotionale Reaktion allerdings unter der Schützhülle ihres Raumanzugs verborgen.

„Und was ist hier passiert?“ fragte Conway, während er sich neugierig umsah. „Ein Unfall, eine Kollision oder so etwas?“

„Unsere Theorie ist, daß eins der beiden Generatorenpaare, durch die das Schiff während der Überlichtgeschwindigkeit im Hyperraum gehalten wird, aus irgendeinem Grund ausgefallen ist“, antwortete Lieutenant Hendricks. „Eine Hälfte des Schiffs kehrte plötzlich in den Normalraum zurück, was automatisch bedeutet, daß sie weit unter Lichtgeschwindigkeit abgebremst wurde. Dadurch wurde das Schiff in zwei Teile zerrissen. Der Abschnitt mit den schadhaften Generatoren wurde zurückgelassen, weil nach dem Unfall das verbleibende Generatorenpaar für etwa eine Sekunde weiterarbeitete. Dabei scheinen noch verschiedene Sicherheitsmechanismen ausgelöst worden zu sein, die das Leck abdichten sollten. Das war natürlich sinnlos, da bei dem Zwischenfall praktisch das ganze Schiff zerfetzt wurde. Aber es wurde noch ein automatisches Notrufsignal abgesetzt, das wir glücklicherweise aufgefangen haben. Und offenbar herrscht in einem Teil des Wracks irgendwo noch Druck, da wir Bewegungsgeräusche eines Überlebenden feststellen konnten.

Was mir allerdings nicht aus dem Kopf gehen will, ist, in welchen Zustand sich die andere Hälfte befindet“, schloß er nachdenklich. „Ein Notrufsignal ist von dort jedenfalls nicht ausgesandt worden, sonst hätten wir das mitbekommen. Aber auch dort könnte es Überlebende geben.“

„Denen wird leider niemand mehr helfen können“, sagte Conway nachdenklich, dann führ er mit fester Stimme fort: „Aber den Überlebenden hier werden wir retten. Wie kann ich an ihn herankommen?“

Hendricks überprüfte den Sitz der G-Gürtel und der Sauerstoffbehälter ihrer Anzüge, dann sagte er: „Vorläufig wird das leider nicht gehen. Folgen Sie mir, und ich werde Ihnen zeigen, warum.“

Wie sich Conway erinnerte, hatte O’Mara zuvor bereits erwähnt, man habe Probleme, an den Alien heranzukommen, allerdings hatte der Chefpsychologe angenommen, daß der Grund dafür wie üblich lose Wrackteile waren, die den Weg versperrten. Aber aufgrund des sachkundigen Blicks des Lieutenant im besonderen und der bekannten Leistungsfähigkeit des Monitorkorps im allgemeinen war Conway sicher, daß es sich nicht um ein gewöhnliches Problem handeln konnte.

Als sie tiefer in das Wrack vordrangen, war das Innere des Schiffs allerdings bemerkenswert frei. Ein paar lose Teile schwebten herum, aber nichts versperrte ihnen den Weg. Erst als Conway sich genauer umsah, erkannte er den vollen Umfang des Schadens. Es gab praktisch keine Rohre, Träger oder Trennwände, die nicht zerstört oder aus ihren Verankerungen gerissen worden waren.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Kabine, die sie gerade betreten hatten, sah er eine schwere Stahltür, die aufgeschweißt worden war, wobei rings um sie überall Spuren von schnell trocknender Dichtungsmasse zu erkennen waren, die man normalerweise für provisorische Luftschleusen verwandte.

„Genau das ist unser Problem“, erklärte Hendricks, als Conway ihn fragend anblickte. „Durch die Katastrophe ist das Schiff praktisch in seine Bestandteile zerlegt worden. Hätten wir hier keine Schwerelosigkeit, würde es um uns herum einfach auseinanderfallen.“

Er brach ab, um Kursedd zu helfen, die Schwierigkeiten hatte, durch das Loch in der Tür zu schlüpfen, dann fuhr er fort: „Alle luftdichten Türen müssen sich automatisch geschlossen haben, aber bei dem Zustand des Schiffs bedeutet allein die Tatsache einer geschlossenen luftdichten Tür noch lange nicht, daß dahinter auch noch Druck herrscht. Und obwohl wir glauben, den manuellen Öffnungsmechanismus herausgefunden zu haben, können wir nicht absolut sicher sein, ob wir bei Anwendung dieser Methode nicht nur eine, sondern gleich sämtliche Türen öffnen, was für den Überlebenden tödliche Folgen hätte.“