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Conway klang zwar nach außen voller Zuversicht, von der er selber allerdings nichts spürte, denn er hatte eine böse Vorahnung.

Kursedd schlängelte sich plötzlich ein Stück vor. Die Schwester holte einen kleinen Schneidbrenner aus ihrer Ausrüstungstasche hervor, stellte die weißglühende Flamme so ein, daß sie nach etwa zehn Zentimetern spitz wie eine Nadel war, und führte sie dann vorsichtig an eins der sieben Zuleitungsrohre heran. Conway kam ein Stück näher und hielt eine offene Flasche bereit, um eine Probe nehmen zu können.

Als plötzlich gelblicher Dampf hervorstieß, fing Conway etwas davon ein. Zwar hatte sich nur wenig von dem Gas in der Flasche verfangen, für Analysezwecke aber reichte die Menge.

Während sich Kursedd an der nächsten Zuleitung zu schaffen machte, sagte sie: „Dem Aussehen nach zu urteilen, würde ich auf Chlor tippen. Und sollte Chlor der Hauptbestandteil der Atmosphäre dieser Spezies sein, dann könnte eine umgerüstete PVSJ-Station den Überlebenden aufnehmen.“

„Ich fürchte, ganz so einfach wird das nicht sein“, bemerkte Conway skeptisch.

Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, als ein weißer Hochdruckdampfstrahl den Raum im Nu mit Nebel füllte. Kursedd zuckte unwillkürlich von dem Rohr zurück und riß dabei den Schweißbrenner samt Flamme mit sich. Der Dampf verwandelte sich in eine klare Flüssigkeit, die nun in Form von Blasen heraussprudelte und wie schrumpfende, stark dampfende Glaskugeln überall um sie herumschwebten. Das Zeug verhält sich wie Wasser, dachte Conway, während er eine weitere Probe nahm.

Als sich die Schweißflamme beim dritten Rohr noch für einen Moment im Strahl des austretenden Gases befand, schwoll sie kurz an und wurde sichtbar heller. Diese chemische Reaktion war eindeutig.

„Sauerstoff oder etwas mit hohem Sauerstoffanteil“, stellte Schwester Kursedd fest, wobei sie Conways Gedanken in Worte gefaßt hatte.

„Diese Wasserblasen scheren mich nicht weiter“, bemerkte Hendricks grimmig. „Aber Chlor und Sauerstoff sind eine höchst lungenunfreundliche Mischung.“

„Da haben Sie allerdings recht“, stimmte Conway ihm zu. „Für jeden Chloratmer ist Sauerstoff binnen weniger Sekunden tödlich, umgekehrt genauso. Aber eins dieser Gase könnte an der gesamten Mischung nur zu einem sehr geringen Prozentsatz beteiligt sein, also in geringsten Mengen vorkommen. Möglich wäre auch, daß beide Gase nur Spurenelemente sind, und der Hauptbestandteil bislang noch gar nicht dabei war.“

Nach ein paar Minuten waren auch den vier übrigen Zuleitungsrohren Proben entnommen worden, wobei Kursedd anscheinend während des Schweißens über Conways letzte Bemerkung nachgedacht hatte. Kurz bevor sie sich zur Fähre begab, um eine Analyse vorzunehmen, zögerte sie und sagte mit ihrer ausdruckslosen Translator stimme: „Wenn diese Gase nur in geringen Mengen vorkommen, warum werden dann nicht sämtliche Spuren— und Gaselemente — wenigstens der Sauerstofffträger oder dessen Entsprechung — vorgemischt und zusammen in die Zufuhranlage gepumpt, so, wie wir und die meisten anderen Spezies das auch machen? Schließlich gelangen sämtliche Bestandteile am Schluß sowieso durch ein einziges Auslaßrohr nach draußen.“

Conway räusperte sich gewichtig. Genau dieselbe Frage quälte auch ihn schon die ganze Zeit, und er wußte keine Antwort darauf. „Jetzt will ich erst mal diese Proben analysiert haben“, reagierte er etwas mürrisch. „Lieutenant Hendricks und ich werden versuchen, etwas über die Körpergröße und die Druckerfordernisse des Aliens herauszubekommen. Und keine Sorge, am Schluß wird sich alles als ganz einfach herausstellen.“

„Hoffentlich finden wir die Antworten auf unsere Fragen noch vor oder von mir aus auch während der Heilbehandlung und nicht erst bei der Autopsie der Leiche“, verabschiedete sich die Schwester. Bei diesem Tiefschlag zuckte Conway zusammen.

Ohne Aufforderung machte sich Hendricks daran, die verbogenen Bodenplatten aufzuklappen, um an die künstlichen Schwerkraftgitter zu gelangen. Conway hatte das Gefühl, daß der Lieutenant jemand war, der genau wußte, was er tat, und auch gut ohne ihn zurechtkam, und er nutzte die Gelegenheit, sich nach ein paar Einrichtungsgegenständen umzusehen.

Die Katastrophe, die sich hier ereignet hatte, war nicht so verlaufen wie auf anderen Schiffen. Gewöhnlich wurden sämtliche beweglichen Teile zusammen mit einer großen Anzahl normalerweise fest verankerter Gegenstände in die Luft gerissen und gegen die Aufprallstelle geschleudert. Auf diesem Schiff aber hatte es eine kurze, heftige Erschütterung gegeben, durch die die Bindungskräfte praktisch jedes Bolzens, jeder Niete und jeder Schweißnaht gesprengt worden waren. Das Mobiliar, das normalerweise auf jedem Schiff am leichtesten Schaden erlitt, war auch hier am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden.

An einem Stuhl oder Bett konnte man mit recht hoher Genauigkeit die Gestalt, die Körperhaltung und die Anzahl der Gliedmaßen eines Wesens erkennen und auch, ob es robust gebaut war oder eine weiche Polsterung benötigte, um es sich bequem zu machen. Zudem ließ eine Untersuchung des Materials und der Konstruktion auf die von dem Benutzer dieses Mobiliars als normal empfundene Anziehungskraft schließen. Aber Conway hatte anscheinend kein Glück.

Einige dieser Einzelstücke, die in jeder Kabine herumschwebten, gehörten mit ziemlicher Sicherheit zum Mobiliar, aber sie waren so hoffnungslos durcheinandergemengt, daß er das Gefühl hatte, er müsse die zusammengeworfenen Teile von einem Dutzend Puzzles auseinanderdividieren und dann wieder zu etwas Sinnvollem zusammenfügen. Kurz war er in Versuchung, O’Mara zu Rate ziehen, entschied sich dann aber eines Besseren — den Major würde es zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht interessieren, wie gut er vorankam.

Er durchsuchte gerade die Überreste von dem, was einmal zu einem Spind gehört haben könnte, und hoffte sehnsüchtig, dabei auf eine Goldader in Form eines Kleidungsstücks oder eines extraterrestrischen Pin-up-Bildes zu stoßen, als Kursedd ihn anfunkte.

„Ich bin mit der Analyse fertig, Doktor“, berichtete die Schwester. „Wenn man die Proben einzeln betreutet, ist daran nichts Ungewöhnliches.

Als Mischung aber wären sie für jede Spezies, die ein Atmungssystem hat, absolut tödlich. Man kann die einzelnen Bestandteile mischen wie man will, es kommt immer schlammiges, giftiges Mistzeug dabei heraus.“

„Drücken Sie sich gefälligst etwas präziser aus“, ermahnte er Kursedd scharf. „Ich will Fakten hören und keine persönlichen Meinungen.“

„Was die bereits identifizierten Gase betrifft“, antwortete die Schwester sachlich, „handelt es sich um Ammoniak, CO2, und zwei reaktionsträge Gase. Zusammen und in allen mir vorstellbaren Kombinationen bilden sie eine dichte, giftige und fast undurchdringliche Atmosphäre.“

„Das ist überhaupt nicht möglich!“ widersprach Conway entschieden. „Sie selbst haben doch die verschiedenen Innenanstriche gesehen — diese Spezies wendet Pastellfarben an. Würden diese Wesen in einer undurchsichtigen Atmosphäre leben, könnten sie solch geringe Farbabstufungen überhaupt nicht wahrnehmen.“

„Entschuldigung, Doktor Conway“, mischte sich Hendricks vorsichtig ein, „aber ich bin mit der Überprüfung der Gitter fertig. Soweit ich feststellen kann, sind sie auf ungefähr fünf Ge eingestellt.“

Eine fünffache Erdanziehungskraft bedeutete einen verhältnismäßig hohen Atmosphäredruck. Das Wesen mußte also eine dicke, giftige Suppe einatmen — aber eine klare Suppe, korrigierte er sich schnell in Gedanken. Und das hatte zusätzlich noch ganz andere direkte Folgen, die sich möglicherweise jeden Augenblick tödlich auswirken konnten.

An Hendricks gewandt sagte er schnelclass="underline" „Unterrichten Sie sofort den Bergungstrupp, er soll sehr vorsichtig vorgehen — wenn möglich, ohne dabei das Arbeitstempo zu drosseln. Eine Spezies, die unter Fünf-Ge-Bedingungen lebt, besitzt wahrscheinlich enorme Körperkräfte. Und ein Wesen, das in einer solchen Lage wie der Überlebende ist, neigt dazu, Amok zu laufen.“