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„Ich verstehe, was Sie meinen“, entgegnete Hendricks betroffen und meldete sich ab.

Conway wandte sich wieder an Kursedd. „Sie haben sicherlich mitbekommen, was der Lieutenant gesagt hat. Probieren Sie Kombinationen unter hohen Druckverhältnissen aus. Und vergessen Sie nicht, wir wollen eine klare Atmosphäre!“

Nach einer längeren Bedenkpause sagte Kursedd: „In Ordnung. Aber ich muß hinzufügen, daß ich eigentlich nur ungern Zeit verplempere, selbst wenn man mir dazu den Befehl erteilt.“

Einige Augenblicke lang übte sich Conway in Selbstbeherrschung der grausamsten Art, bis ihm ein Klicken im Kopfhörer verriet, daß die DBLF-Schwester die Verbindung unterbrochen hatte. Dann stieß er ein paar Worte aus, die, selbst wenn sie dem Gefühlsausflterungsprozeß eines Translators ausgesetzt gewesen wären, zweifellos jedem ET zu verstehen gegeben hätten, daß er, gelinde gesagt, wütend war.

Aber langsam ließ seine Wut auf diese dumme, eingebildete und ausgesprochen impertinente Schwester nach. Egal, was sie sonst noch alles sein mochte, aber vielleicht war Kursedd gar nicht so dumm. Angenommen, sie hatte recht mit ihrer Vermutung, die Atmosphäre sei undurchsichtig — aber wo würde das hinführen? Die Antwort darauf war nur ein weiteres Indiz in einer Kette widersprüchlicher Beweise.

Im ganzen Wrack wimmelte es nur so von Widersprüchen, dachte Conway grimmig. Gestaltung und Konstruktion des Schiffs ließen nicht gerade auf eine Spezies mit hohen Gravitationserfordernissen schließen, und trotzdem konnten die Schwerkraftgitter laut Hendricks bis zu fünf Ge produzieren. Und die Farbzusammenstellung im Innern des Wracks wiesen auf eine Spezies hin, die ähnliche visuelle Vorstellung wie Menschen haben mußten. Aber wenn die Atmosphäre so war, wie Kursedd behauptete, würde man schon Radar benötigen, um überhaupt etwas sehen zu können. Dabei hatte er noch gar nicht das unsinnig komplizierte Luftzuführsystem bedacht und den hellorangefarbenen Schiffskörper.

Conway versuchte zum x-tenmal, sich aus den ihm zur Verfügung stehenden Fakten ein sinnvolles Bild zu machen, aber vergeblich. Und was wäre, wenn er sich dem Problem von einer ganz anderen Seite nähern würde.?

Plötzlich drückte er die Sprechtaste seines Funkgeräts und sagte: „Lieutenant Hendricks, würden Sie mich bitte mit dem Hospital verbinden? Ich will O’Mara sprechen. Und ich will, daß Captain Summerfeld, Sie selbst und Kursedd mithören. Kriegen Sie das hin?“

Hendricks gab so etwas wie einen bejahenden Laut von sich und murmelte: „Warten Sie einen Augenblick.“

Neben etlichen klickenden, surrenden und piependen Geräuschen vernahm Conway die abgehackte Stimme von Hendricks und dem Funker auf der Sheldon, der zunächst mit dem Hospital Verbindung aufnahm und dann Captain Summerfeld in den Funkraum bat; außerdem war noch die Translatorstimme eines ET im Hospital zu hören. Kurz darauf flaute das allgemeine Palaver ab, und eine feste, wohlvertraute Stimme brüllte ungehalten: „Hier O’Mara! Was ist los?“

So knapp wie möglich schilderte Conway die Situation auf dem Wrack, daß sie kaum Fortschritte erzielten und wie sehr sich die bisher entdeckten Fakten widersprachen. Dann fuhr er fort: „Der Bergungstrupp arbeitet sich zum Mittelpunkt des Wracks vor, weil sich der Überlebende dort noch am ehesten aufhält. Er könnte allerdings auch irgendwo in einem seitlichen Einschluß sein, und wir müssen möglicherweise jeden Winkel des Schiffs durchsuchen. Das kann Tage dauern. Wenn der Alien nicht bereits tot ist, muß er sich in einem fürchtbaren Zustand befinden. Viel Zeit bleibt uns also nicht mehr.“

„Gut, Sie haben also ein Problem, Doktor. Und was gedenken Sie dagegen zu tun?“ fragte O’Mara schnippisch.

„Nun, ein besseres Gesamtbild von der Situation wäre mir schon sehr hilfreich. Captain Summerfield könnte mir etwas mehr über die Bergung des Wracks erzählen — über die Position des Schiffs, den Kurs oder irgendwelche persönlichen Eindrücke, an die er sich erinnern kann. Wenn wir zum Beispiel die Flügrichtung Stück für Stück zurückverfolgen, ließe sich dann nicht der Herkunftsplanet des Wracks bestimmen? Das würde nämlich.“

„Leider nein, Doktor“, unt24brach ihn Summerfield. „Durch Rückverfolgung haben wir bereits festgestellt, daß sein Kurs durch ein nicht allzuweit entferntes Sternsystem geführt haben müßte. Aber dieses System ist schon vor über einem Jahrhundert kartographisch erfaßt worden und als eine zukünftige Kolonisationsmöglichkeit aufgeführt worden. Wie Sie wissen, bedeutet das, daß es dort kein intelligentes Leben gab. Keine Spezies kann aber innerhalb von hundert Jahren vom Steineschmeißen bis zur Raumfahrttechnik vorstoßen, also kann das Wrack auch nicht von diesem Sternsystem stammen. Wenn man den Kurs nach vorne weiterverfolgt, führt er ins Nichts — genauer gesagt, in den intergalaktischen Raum. Meiner Meinung nach muß der Unfall eine gewaltige Kursänderung verursacht haben, so daß Ihnen die Position und der Kurs des Wracks nicht weiterhilft.“

„Es war ja nur eine Idee“, merkte Conway kleinlaut an, dann führ er mit entschlossenerer Stimme fort: „Aber die andere Hälfte des Wracks ist irgendwo da draußen. Wenn wir die finden könnten, erst recht, weil sich in ihr eine oder mehrere Leichen anderer Crewmitglieder befinden könnten, wäre das Problem gelöst! Ich gestehe ein, daß dieser Weg ein wenig umständlich ist, aber bei dem derzeitigen Stand der Dinge ist das vielleicht noch die schnellste Möglichkeit, um überhaupt irgendwie voranzukommen. Ich will also, daß umgehend eine Suche nach der anderen Hälfte des Wracks in Gang gesetzt wird“, schloß Conway und wartete gespannt auf den Sturm der Entrüstung, der jeden Augenblick über ihn hereinzubrechen drohte.

Der erste Donnerschlag kam von Captain Summerfield, der damit bewies, daß er am reaktionsschnellsten von allen am Gespräch Beteiligten war.

„Unmöglich! Sie wissen ja gar nicht, was Sie da verlangen! Wenn wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit überhaupt etwas erreichen wollen, brauchten wir zweihundert Einheiten oder noch mehr, um das Gebiet abzusuchen — das heißt, eine ganze Sektorenflotte! Und all das nur, um einen toten Angehörigen dieser Spezies zu finden, damit Sie ihn analysieren können, um dadurch möglicherweise einem anderen Angehörigen derselben Spezies zu helfen, der seinerseits bis dahin wahrscheinlich sowieso schon tot ist. Ich weiß, daß nach Ihrem Berufsethos ein Leben mehr wert ist als alle materiellen Überlegungen“, fuhr Summerfield mit etwas ruhigerer Stimme fort, „aber was Sie da vorschlagen, grenzt ans Lächerliche. Nebenbei hab ich gar nicht die Befugnis, eine solche Operation anzuordnen oder auch nur vorzuschlagen.“

„Das Hospital aber schon“, mischte sich O’Mara ein, und an Conway gewandt sagte er: „Sie riskieren dabei Kopf und Kragen, Doktor. Falls das Leben des Aliens aufgrund einer solchen Suche tatsächlich gerettet werden sollte, dann wird man Ihnen nach meinem Dafürhalten keine großen Vorhaltungen wegen des ganzen Theaters und der entstandenen Kosten machen. Das Monitorkorps wird Sie unter Umständen sogar dafür belobigen, daß es Kontakt zu einer neuen intelligenten Spezies aufnehmen konnte. Aber falls dieser Alien stirbt oder sich herausstellen sollte, daß er bereits tot war, bevor die eigentliche Suche begonnen hatte, dann, lieber Doktor, sind Sie dran.“

Wenn Conway die Situation ehrlich betrachtete, konnte er nicht von sich behaupten, für diesen einen Patienten mehr Besorgnis zu empfinden als für irgend einen anderen — und ganz bestimmt nicht so viel mehr, als daß er für die schwache Hoffnung, ihn zu retten, seine Karriere aufs Spiel setzen wollte. Es war eher eine wütende Neugier, die ihn dazu trieb, und eine vage Ahnung, daß die sich einander widersprechenden Tatsachen, die sie hatten, lediglich der Bruchteil eines großen Ganzen waren, das weit mehr als nur ein Wrack und dessen einsamen Überlebenden umfaßte. Aliens bauten keine Raumschiffe, nur um terrestrische Ärzte in die Irre zu führen, also mußten die scheinbar widersprüchlichen Hinweise etwas zu bedeuten haben.