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„Ich denke, der Raum hier ist bereits voll genug, und ich werde die Sache lieber selbst in die Hand nehmen“, sagte der Colonel und begab sich an den Kommunikator, um sich die benötigte Ausrüstung kommen zu lassen.

Conway wandte sich O’Mara zu.

„Sagen Sie nichts, und lassen Sie mich raten“, begann der Chefpsychologe, bevor Conway überhaupt etwas sagen konnte. „Mir fällt natürlich die leichteste Aufgabe zu. Sobald wir uns mit dem Patienten unterhalten können, soll ich ihn beruhigen und ihn davon überzeugen, daß Sie und Doktor Mannon keine Schlachter sind, obwohl das manchmal durchaus den Anschein hat, sondern ihm nur helfen wollen, stimmt’s?“

„Genau das“, antwortete Conway 4"nit einem Grinsen. Dann wandte er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Patienten zu.

Nach Priliclas Auffassung nahm der Überlebende seine Umwelt nicht wahr, zudem sei seine emotionale Ausstrahlung so schwach, daß er wahrscheinlich bewußtlos war und bereits kurz vor dem Exitus stand.

Trotzdem warnte Conway alle davor, den Patienten zu berühren. Während seiner Zeit als Arzt hatte er schon viele bösartige Wucherungen gesehen, und zwar sowohl bei Menschen als auch bei Extraterrestriern, aber diese mußten im wahrsten Sinne des Wortes nach allen Regeln der ärztlichen Kunst geschlagen werden.

Die Verbindungsstelle zwischen Mund und Schwanz des Patienten war völlig wie von einer zähen, faserigen Baumrinde überwuchert. Und als hätten sie nicht schon genug Probleme, war die Knochenstruktur der Kiefer, mit der sie es während der Operation hauptsächlich zu tun haben würden, durch den Scanner kaum zu erkennen, da die Wucherungen selbst für Röntgenstrahlen fast undurchdringlich waren. Ein weiterer Grund, äußerst vorsichtig vorzugehen, war, daß sich irgendwo unter diesem dichten, undurchsichtigen Panzer auch die Augen befinden mußten.

Mannon deutete auf die verschwommene Darstellung auf dem Bildschirm und sagte hitzig: „Unser Patient hat sich jedenfalls nicht nur gekratzt, weil er einen Juckreiz verspürt hat. Die Zähne haben sich nämlich regelrecht verfangen — er hat sich praktisch den Schwanz abgebissen. Eindeutig ein epileptischer Anfall, würde ich sagen. Andererseits könnte ein solcher Akt der Selbstverstümmelung auch auf einen geistigen Defekt schließen lassen.“

„Na prima, eine ganz hervorragende psychiatrische Analyse!“ bemerkte O’Mara giftig aus dem Hintergrund.

In diesem Augenblick trafen Skemptons Geräte ein, und Prilicla und der Colonel begannen damit, auf den Patienten einen Translator abzustimmen. Da der Patient praktisch bewußtlos war, mußten die Testgeräusche von ohrenbetäubender Lautstärke sein, um bis zu ihm vorzudringen, und Conway und Mannon wurden nach draußen vertrieben, wo sie ihre Diskussion weiterführten.

Ein halbe Stunde später kam Prilicla heraus und teilte ihnen mit, sie könnten jetzt zwar zu dem Patienten sprechen, das Gehirn sei aber nur teilweise bei Bewußtsein.

Als sie sich daraufhin umgehend in den Behandlungsraum begaben, sagte O’Mara gerade dem Patienten, daß alle im Raum Freunde seien und ihm Mitgefühl entgegenbrächten und alles in ihrer Macht Stehende tun würden, um ihm zu helfen. Er sprach mit leiser Stimme in seinen eigenen Translator und aus dem, der neben den Patienten aufgestellt worden war, dröhnte eine Reihe Schnalz— und Kollerlaute. In den Pausen zwischen den Sätzen berichtete Prilicla über den psychischen Zustand des Patienten.

„Verwirrung, Zorn und große Angst“, meldete der GLNO, und minutenlang blieben Aussage und Intensität der emotionalen Ausstrahlung konstant. Conway entschied sich, den nächsten Schritt einzuleiten.

„Sagen Sie ihm, daß ich ihn jetzt berühren werde“, sagte er zu O’Mara, „und mich entschuldige, falls ich ihm dabei irgendwelche Schmerzen verursache, ich aber nicht vorhabe, ihm Verletzungen zuzufügen.“

Er nahm eine lange Sonde mit einer scharfen Spitze und berührte vorsichtig die Gegend, wo die Wucherungen am dicksten waren. Prilicla berichtete keine Reaktion. Anscheinend waren nur die unbefallenen Stellen des Patienten derart empfindlich, daß schon deren geringste Berührung den Alien zur Raserei bringen konnte. Conway bekam allmählich das Gefühl, allein durch diese Erkenntnis wenigstens ein Stück vorangekommen zu sein.

Er schaltete den Translator aus und sagte: „Das hab ich gehofft. Wenn die befallenen Stellen schmerzunempfndlich sind, sollten wir mit Unterstützung des Patienten in der Lage sein, den Mund auch ohne Anästhesie freizubekommen. Bislang wissen wir noch nicht genug über seinen Metabolismus, als daß wir ihn anästhesieren könnten, ohne sein Leben aufs Spiel zu setzen. Sind Sie sich auch wirklich sicher, daß er alles hört und versteht, was wir sagen?“ vergewisserte er sich schließlich bei Prilicla.

„Ja, Doktor“, antwortete der GLNO, „solange Sie langsam und ohne Zweideutigkeiten reden.“256

Conway schaltete den Translator wieder ein und sagte leise: „Wir werden Ihnen helfen. Als erstes werden wir dafür sorgen, daß Sie wieder Ihre natürliche Körperhaltung einnehmen können, indem wir Ihren Mund freilegen. Dann werden wir die Wucherungen entfernen.“

Plötzlich spannte sich das Netz, und die fünf Tentakelpaare schlugen wild auf und ab. Conway wich fluchend zurück — er war wütend auf den Patienten und noch wütender auf sich selbst, überstürzt vorgegangen zu sein.

„Angst und Zorn“, meldete Prilicla und fügte hinzu: „Der Patient. scheint sogar Gründe für seine Emotionen zu haben.“

„Aber warum? Ich versuche doch nur, ihm zu helfen.!“

Der Alien wehrte sich mit unvorstellbarer Gewalt, und Priliclas zerbrechlicher Körper zitterte unter der Wucht des emotionalen Trommelfeuers, das der Überlebende von sich gab. Einer der Tentakel des Patienten, der aus einer der überwucherten Stellen hervorragte, verfing sich dabei im Netz und wurde abgerissen.

So eine blinde und sinnlose Panik! dachte Conway erbost und enttäuscht zugleich. Aber Prilicla hatte gesagt, es gäbe Gründe für diese Reaktion seitens des Patienten. Selbst der Verstand dieses Aliens schien widersprüchlich zu funktionieren, flüchte Conway im stillen.

„Na endlich!“ stöhnte O’Mara erleichtert auf, als der Patient sich wieder beruhigt hatte.

„Furcht, Zorn und Haß“, meldete sich der GLNO zu Wort. „Ich würde mit ziemlicher Bestimmtheit behaupten, daß er Ihre Hilfe ablehnt.“

„Dann haben wir’s hier wirklich mit einer sehr kranken Kreatur zu tun“, warf O’Mara grimmig ein.

Die zuletzt geäußerten Worte des Chefpsychologen schienen in Conways Kopf regelrecht hin und her zu schwirren und dabei immer lauter und nachdrücklicher zu werden. Sie hatten irgendeine Bedeutung. Natürlich hatte O’Mara nur auf den psychischen Zustand des Patienten angespielt,

aber das war egal. Eine sehr kranke Kreatur — das war das zentrale Teil des Puzzles, um das sich das Bild herum allmählich vervollständigte. Bis jetzt war es noch nicht komplett, aber es war genug davon vorhanden, um Conway so furchtbare Angst einzujagen, wie er sie noch nie im Leben empfunden hatte.

Als er schließlich zu den anderen sprach, konnte er kaum seine eigene Stimme erkennen. „Danke, meine Herren. Ich werde mir etwas anderes überlegen müssen, mich dem Patienten zu nähern. Sobald ich soweit bin, werde ich Sie unterrichten.“

Conway wollte unbedingt allein gelassen werden, um seinen Gedanken zu Ende führen zu können. Am liebsten wäre er weggelaufen und hätte sich irgendwo versteckt. Das Problem war nur, daß es wahrscheinlich keinen Ort in der Galaxis gab, wo er sich vor dem verstecken konnte, wovor er Angst hatte.