Выбрать главу

»Ich würd' so oder so nicht darauf wetten, daß er was findet«, meinte Bennett.

»Nein«, sagte Yolles, »aber mehr können wir vermutlich nicht tun. Was haben Sie mit ihm vereinbart für den Fall, daß er Erfolg hat?«

»Er ruft sofort oben an. Ich werde Anweisung geben, daß man mich benachrichtigt, ganz gleich, wie spät es ist. Und dann rufe ich Sie an.«

Yolles nickte. Als die drei Männer gingen, wühlte Booker T. Graham in einem Berg von Abfällen auf einem großen Blech.

21

Für Keycase Milne folgte eine Enttäuschung nach der anderen.

Seit dem frühen Abend hatte er die Präsidentensuite überwacht. Kurz vor der Dinnerzeit hatte er sich, in der festen Erwartung, daß der Herzog und die Herzogin von Croydon wie fast alle Gäste das Hotel verlassen würden, in der neunten Etage nahe der Personaltreppe postiert. Von dort aus konnte er den Eingang zur Suite gut sehen und sich selber lästigen Blicken entziehen, indem er rasch durch die Tür zur Treppe auswich. Er tat dies mehrmals, sobald Fahrstühle hielten und Bewohner anderer Zimmer kamen und gingen, jedoch nicht, bevor er sie nicht in Augenschein genommen hatte. Auch hatte er sich ganz richtig ausgerechnet, daß um diese Tageszeit nur wenige Angestellte in den oberen Stockwerken beschäftigt sein würden. Falls sich etwas Unvorhergesehenes ereignete, konnte er sich leicht in die achte Etage und notfalls in sein Zimmer zurückziehen.

Soweit hatte sein Plan funktioniert. Der Haken bei der Sache war, daß der Herzog und die Herzogin von Croydon ihre Suite den ganzen Abend über nicht verlassen hatten.

Einmal war er, von dem Gedanken angetrieben, er habe den Weggang der Croydons möglicherweise verpaßt, schneidig durch den Korridor marschiert und hatte an der Tür gelauscht. Aus dem Inneren drangen Stimmen, darunter auch die einer Frau.

Später hatte das Eintreffen von Besuchern seine Enttäuschung erhöht. Sie kamen allein oder zu zweit, und schließlich ließ man die Tür der Suite offen. Es kamen Kellner mit Tabletts voller Hors d'reuvres, und Geplauder und Klirren von Eiswürfeln und Gläsern war bis auf den Korridor zu vernehmen.

Noch später verwirrte ihn die Ankunft eines breitschultrigen jüngeren Mannes, den Keycase für einen Hotelangestellten hielt. Das Gesicht des Hotelmannes war grimmig entschlossen, desgleichen die Mienen der zwei Männer in seiner Begleitung. Keycase nahm sich vor seinem Verschwinden Zeit, die beiden anderen genau zu betrachten, und hielt sie zunächst für Polizeibeamte. Dann beruhigte er sich mit der Überlegung, daß sein Verdacht absurd und nur ein Produkt seiner allzu lebhaften Phantasie war.

Die drei letzten Ankömmlinge gingen als erste, eine halbe Stunde danach folgten ihnen die übrigen Gäste. Trotz des regen Betriebs am späten Abend war Keycase überzeugt, daß niemand ihn gesehen hatte, außer vielleicht irgendein anderer Hotelbewohner.

Nach dem Weggang des letzten Besuchers kehrte in der neunten Etage Ruhe ein. Es war nun kurz vor elf Uhr, und offenbar war für heute jede günstige Gelegenheit vorüber. Keycase beschloß, noch zehn Minuten zu warten und dann zu gehen.

Seine vorher so optimistische Stimmung war in Trübsinn umgeschlagen.

Er war nicht sicher, ob er es wagen konnte, noch weitere vierundzwanzig Stunden im Hotel zu bleiben. Er hatte schon die Möglichkeit erwogen, in der Nacht oder bei Tagesanbruch in die Suite einzudringen, war aber davon abgekommen. Das Risiko war zu groß. Falls jemand erwachte, gab es für seine Anwesenheit in der Präsidentensuite keine plausible Ausrede. Seit gestern wußte er auch, daß er den Sekretär und die Zofe der Herzogin in seine Pläne einbeziehen mußte. Die Zofe hatte ein eigenes Zimmer irgendwo im Hotel und war heute abend nicht aufgetaucht. Aber der Sekretär schlief in der Suite und war für Keycase ein weiteres Hindernis. Außerdem störten ihn die Hunde, die Keycase neulich mit der Herzogin in der Halle gesehen hatte.

Keycase stand vor der Alternative, ob er noch einen Tag zugeben oder den Versuch, an den Schmuck der Herzogin heranzukommen, abblasen sollte.

Als er eben seinen Beobachtungsposten verlassen wollte, kamen die Bedlington-Terrier aus der Tür und hinter ihnen der Herzog und die Herzogin von Croydon.

Rasch verdrückte sich Keycase auf die Personaltreppe. Sein Herz klopfte schneller. Endlich kam die Gelegenheit, auf die er so lange gewartet hatte.

Aber sie war nicht ohne Tücken. Offenbar würden der Herzog und die Herzogin nicht lange wegbleiben. Und irgendwo in der Suite befand sich der Sekretär. Wo? In seinem Zimmer hinter verschlossener Tür? Schon im Bett? Er sah aus wie einer von diesen Fadians, die zeitig schlafen gehen.

Wie groß auch die Gefahr war, Keycase mußte sie auf sich nehmen. Er wußte, daß seine Nerven noch einen Tag des Wartens nicht aushalten würden.

Er hörte, wie sich die Lifttüren öffneten und schlossen. Vorsichtig kehrte er in den Korridor zurück. Er war still und menschenleer. Er schlich sich zur Präsidentensuite.

Der Nachschlüssel drehte sich so leicht im Schloß wie am Nachmittag. Keycase schob den einen Türflügel einen Spalt breit auf, ließ das Schloß behutsam zurückschnappen und zog den Schlüssel heraus. Weder Schloß noch Tür verursachten das geringste Geräusch.

Direkt vor ihm lag eine Diele, dahinter ein größerer Raum. Rechts und links waren zwei weitere geschlossene Türen. Durch die zu seiner Rechten hörte er so etwas wie ein Radio. Niemand war zu sehen. Die Lampen in der Suite brannten.

Keycase schlüpfte hinein. Er zog sich Handschuhe über und verriegelte die äußere Tür.

Er bewegte sich behutsam, verschwendete aber keine Zeit.

Die Teppiche in Diele und Salon dämpften seine Fußtritte. Er ging quer durch den Salon auf eine halboffene Tür zu. Wie erwartet, führte sie in zwei geräumige Schlafzimmer, jedes mit Bad und Ankleideraum. Wie überall sonst brannten auch hier Lampen. Es war leicht zu erkennen, welches das Zimmer der Herzogin war.

Zum Mobiliar gehörten eine Kommode, zwei Toilettentische und ein riesiger Wandschrank. Keycase begann sie systematisch zu durchsuchen. Einen Schmuckkasten entdeckte er weder in der Kommode noch im ersten Toilettentisch. Es gab eine Anzahl von Gegenständen - goldene Abendtaschen, Zigarettenetuis, teure Puderdosen -, die Keycase unter anderen Umständen nur zu gern eingesteckt hätte. Aber die Zeit drängte, und er war diesmal einzig und allein auf große Beute aus.

Dann zog er die oberste Schublade des zweiten Toilettentisches auf. Sie enthielt nichts Lohnendes. Die nächste ebensowenig. In der dritten lagen obenauf einige Negliges. Darunter kam eine lange rechteckige Lederschatulle zum Vorschein. Sie war verschlossen.

Er ließ sie an ihrem Platz und versuchte mit Messer und Schraubenzieher das Schloß aufzubrechen. Der Kasten war erstklassige Handwerksarbeit und widerstand allen seinen Bemühungen. Mehrere Minuten verstrichen. Keycase, der die Sekunden zählte, begann zu schwitzen.

Endlich gab das Schloß nach, der Deckel klappte auf. Im Inneren funkelten zwei Reihen von Schmuckstücken - Ringe, Broschen, Ketten, Clips, Tiaren; aus Gold und Platin, mit Edelsteinen besetzt. Bei diesem Anblick zog Keycase die Luft ein. So war also ein Teil der berühmten Schmuckkollektion doch nicht im Hoteltresor hinterlegt worden. Wieder einmal hatte sich eine Ahnung, ein Omen, als zutreffend erwiesen. Mit beiden Händen griff Keycase gierig nach seiner Beute. Im gleichen Augenblick wurde ein Schlüssel ins Schloß der äußeren Tür gesteckt.

Er reagierte im Bruchteil von Sekunden. Er klappte den Deckel der Schmuckschatulle zu und schloß die Schublade. Beim Hereinkommen hatte er die Schlafzimmertür nur angelehnt; nun raste er hinüber und spähte durch den Spalt in den Salon. Ein Zimmermädchen erschien in seinem Blickfeld. Sie hatte Handtücher überm Arm und steuerte aufs Schlafzimmer der Herzogin zu. Das Mädchen war ältlich und hatte einen watschelnden Gang. Ihr Schneckentempo bot ihm eine winzige Chance.