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Plötzlich hielten die Croydons, Marsha, O'Keefe und Warren Trent inne und horchten. Auch der Sperling Albert Wells spitzte die Ohren. Desgleichen Ogilvie, Yolles und Christine. Sie lauschten - worauf?

Dann hörte es Peter auch: Eine Kakophonie, als läuteten sämtliche Telefone auf Erden gleichzeitig. Das Schrillen kam näher, schwoll an, bis es schien, als wolle es alle unter sich begraben. Peter hielt die Ohren zu und schloß gepeinigt die Augen. Dann machte er sie auf.

Er war in seinem Appartement. Auf seinem Wecker war es halb sieben Uhr morgens.

Er blieb noch einige Minuten liegen, um die letzten Reste des wirren Traums aus seinem Kopf zu vertreiben. Dann tappte er ins Bad unter die Dusche und zwang sich am Schluß, wenigstens eine Minute unter dem kalten Wasserstrahl zu bleiben. Danach fühlte er sich erfrischt und ganz wach. Er zog einen Bademantel über, stellte in der Küchennische Kaffee auf, ging zum Telefon und wählte die Nummer des Hotels.

Der Nachtmanager versicherte ihm, daß keine Nachricht aus dem Verbrennungsraum vorliege. Nein, sagte er mit einem Anflug von Müdigkeit in der Stimme, er habe sich nicht persönlich darum gekümmert, aber wenn Mr. McDermott es wünsche, würde er sofort hinuntergehen und ihm das Ergebnis mitteilen. Man merkte ihm eine leichte Gereiztheit an über den so ungewöhnlichen Auftrag am Ende einer langen, anstrengenden Nachtschicht. Der Verbrennungsofen befand sich irgendwo unten im Souterrain, nicht wahr?

Peter war beim Rasieren, als der Nachtmanager zurückrief und berichtete, daß er mit dem Angestellten, der den Verbrennungsofen bediente, gesprochen habe. Es tue Graham leid, aber das Papier, auf das Mr. McDermott so großen Wert lege, sei nicht aufgetaucht. Der Manager fügte von sich aus hinzu, daß Grahams Schicht - ebenso wie seine eigene -beinahe zu Ende sei.

Später, sagte sich Peter, werde er Captain Yolles informieren. Seiner Meinung nach galt auch heute noch, was er bereits gestern nacht gedacht hatte, daß das Hotel seine Schuldigkeit der Öffentlichkeit gegenüber erfüllt habe und daß alles Weitere

Sache der Polizei sei.

Beim Kaffeetrinken und Anziehen beschäftigte sich Peter mit den beiden Problemen, die ihm am meisten am Herzen lagen. Das eine war Christine; das andere seine eigene Zukunft - falls er eine hatte - im St.-Gregory-Hotel.

In der letzten Nacht hatte er erkannt, daß er sich mehr als alles andere wünschte, Christine möchte sein Leben mit ihm teilen. Die Überzeugung war allmählich in ihm gewachsen und stand nun unverrückbar fest. Vermutlich hätte man sagen können, daß er sie liebte, aber er hütete sich, seine tieferen Gefühle, sogar sich selbst gegenüber, genau zu definieren. Schon einmal hatte sich etwas, das er für Liebe gehalten hatte, in Asche verwandelt. Vielleicht war es besser, bescheiden mit Hoffnung zu beginnen und sich vorsichtig auf ein unbekanntes Ziel hinzutasten.

Es klang unromantisch, aber er fühlte sich bei Christine behaglich. In gewisser Hinsicht hatte der Gedanke etwas sehr Tröstliches, denn er bestärkte ihn in seiner Überzeugung, daß das Band zwischen ihnen nicht schwächer, sondern mit der Zeit immer enger würde. Er glaubte, daß Christine ihm gegenüber ähnlich empfand.

Sein Instinkt sagte ihm, daß das, was vor ihm lag, ausgekostet und nicht gierig hinuntergeschlungen werden sollte.

Was das Hotel betraf, so war sogar jetzt noch schwer zu begreifen, daß Albert Wells, den sie für einen freundlichen, unbedeutenden kleinen Mann gehalten hatten, ein Krösus und der künftige Besitzer des St. Gregory war.

Oberflächlich betrachtet, erschien es möglich, daß sich Peters Position durch den unerwarteten Wechsel verstärkte. Er hatte sich mit dem kleinen Mann angefreundet, und er hatte den Eindruck, daß der kleine Mann ihn auch gern mochte. Aber Sympathie und eine geschäftliche Entscheidung waren zwei verschiedene Dinge. Die nettesten Leute konnten realistisch und rücksichtslos sein, wenn sie wollten. Außerdem würde Albert Wells das Hotel wohl kaum selbst leiten, und sein Vertreter, wer immer das sein mochte, hatte vielleicht über das Vorleben des Personals seine eigene Meinung.

Wie zuvor beschloß Peter, die Dinge an sich herankommen zu lassen und sich erst später den Kopf zu zerbrechen.

Von den Kirchtürmen in New Orleans schlug es halb acht, als Peter McDermott im Taxi vor der Preyscott-Villa in der Prytania Street anlangte.

Hinter anmutig hochstrebenden Säulen schimmerte das große weiße Haus in der Morgensonne. Die Luft war frisch und kühl und von der Nacht her noch etwas dunstig. Die Magnolien dufteten betäubend; auf dem Gras lag Tau.

Auf der Straße und im Haus war es still, aber von der St. Charles Avenue schallte der ferne Lärm der erwachenden Stadt herüber.

Peter ging über den gewundenen Backsteinpfad auf das Haus zu, stieg die Terrassenstufen hinauf und klopfte an die Tür.

Ben, der Diener, der am Mittwochabend das Dinner serviert hatte, öffnete und begrüßte Peter herzlich. »Guten Morgen, Sir. Kommen Sie bitte herein.« In der Halle fügte er hinzu: »Miss Marsha bat mich, Sie in die Galerie zu führen. Sie ist in ein paar Minuten bei Ihnen.«

Sie gingen - Ben voran, Peter hinterher - die breite geschwungene Treppe hinauf und den breiten Korridor mit den in Fresko bemalten Wänden entlang, denselben Weg, den Peter Mittwoch nacht im Halbdunkel mit Marsha gegangen war. Er fragte sich verwundert: War es wirklich erst so kurze Zeit her?

Die Galerie sah auch im Tageslicht ordentlich und einladend aus. Tiefe gepolsterte Sessel und blühende Pflanzen standen herum. Ganz vorn, mit Blick auf den Garten, stand ein Tisch mit zwei Gedecken.

»Sind Sie alle nur meinetwegen so zeitig aufgestanden?« fragte Peter.

»Nein, Sir«, sagte Ben. »Wir sind hier Frühaufsteher. Mr. Preyscott mag das lange Herumliegen am Morgen nicht, wenn er zu Hause ist. Er sagt immer, der Tag ist so kurz, daß man keine Minute unnütz vertrödeln sollte.«

»Sehen Sie! Ich sagte Ihnen doch, daß mein Vater Ihnen sehr ähnlich ist.«

Beim Klang von Marshas Stimme wandte Peter sich um. Sie war ihnen leise gefolgt. Auf Peter machte sie einen Eindruck wie von Tau und Rosen und Sonnenschein.«

»Guten Morgen!« Marsha lächelte. »Ben, bitte gib Mr. McDermott einen Absinth Suissesse.« Sie nahm Peters Arm.

»Aber nur einen kleinen, Ben«, sagte Peter. »Ich weiß, Absinth Suissesse gehört zu einem New-Orleans-Frühstück, aber ich habe einen neuen Boß. Ich möchte ihm nüchtern gegenübertreten.«

Der Diener grinste. »Yessir!«

Als sie am Tisch saßen, fragte Marsha: »War das der Grund, warum Sie...?«

»Warum ich so plötzlich von der Bildfläche verschwand? Nein. Das hatte einen anderen Grund.«

Ihre Augen weiteten sich, als er ihr, ohne den Namen der Croydons zu erwähnen, so viel von den Ermittlungen in der Unfallsache erzählte, als er durfte.

Er ließ sich auch durch Fragen nicht mehr entlocken, sondern sagte nur: »Sie werden die Neuigkeit bestimmt noch heute in der Zeitung lesen.«

Bei sich selbst dachte er, daß Ogilvie inzwischen vermutlich in New Orleans angelangt war und verhört wurde. Falls er in Haft blieb, mußte er unter Anklage gestellt werden, und sein Erscheinen vor Gericht würde die Presse alarmieren. Ein Hinweis auf den Jaguar war dabei unvermeidlich, und der wiederum würde die Croydons ins Spiel bringen.

Peter kostete den flaumigen Absinth Suissesse, an dessen Zutaten er sich aus seinen Barmixertagen her erinnerte - Eiweiß, Sahne, Anis-Sirup, Absinth und ein Spritzer Anisette. Er hatte ihn selten besser gemixt getrunken. Marsha ihm gegenüber nippte an einem Glas Orangensaft.

Konnten der Herzog und die Herzogin von Croydon trotz Ogilvies Aussagen ihre unschuldige Pose auch weiterhin aufrechterhalten? Auch das war eine Frage, dachte Peter, die vielleicht heute noch entschieden werden würde.