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Unterzeichneter wird sich am kommenden Montag zum Dienst zurückmelden.

Hochachtungsvoll T. I. Ogilvie Chefdetektiv«

Peter erinnerte sich empört daran, daß Ogilvie vor nicht einmal vierundzwanzig Stunden die Anwesenheit eines professionellen Hoteldiebs für höchstwahrscheinlich gehalten hatte. Seinen Vorschlag, für ein paar Tage in das St. Gregory zu ziehen, hatte der fette Mann zurückgewiesen. Sogar zu diesem Zeitpunkt mußte Ogilvie bereits gewußt haben, daß er wenige Stunden später in Urlaub gehen würde, hatte jedoch seine Absicht mit keiner Silbe erwähnt. Warum? Offenbar, weil ihm klar war, daß Peter heftig protestieren würde, und er eine Auseinandersetzung und eine mögliche Verzögerung vermeiden wollte.

In dem Memorandum hieß es »aus dringenden persönlichen Gründen«. Wenigstens das traf vermutlich zu, sagte sich Peter. Denn sogar Ogilvie würde, trotz seiner vielgerühmten Beziehungen zu Warren Trent, begreifen, daß sein unangekündigtes Verschwinden zu diesem Zeitpunkt bei seiner Rückkehr einen Sturm heraufbeschwören würde.

Aber um was für persönliche Gründe mochte es sich handeln? Anscheinend um nichts Rechtschaffenes, das man offen zur Sprache bringen konnte. Sonst hätte Ogilvie sich anders verhalten. Im St. Gregory ließ man Angestellten, die echte private Sorgen hatten, Mitgefühl und Hilfe zuteil werden. So war es von jeher gewesen.

Folglich handelte es sich um etwas, das Ogilvie nicht offenbaren konnte. Selbst das ging ihn so lange nichts an, dachte Peter, als es den reibungslosen Ablauf des Hotelbetriebes nicht störte. Da dies aber der Fall war, war seine Neugier berechtigt. Er würde versuchen herauszufinden, wohin der Hausdetektiv gegangen war und warum.

Er rief Flora mit einem Summzeichen herein und hielt das Memorandum hoch.

Sie machte ein bekümmertes Gesicht. »Ich hab' es gelesen und dachte mir gleich, daß Sie wütend sein würden.«

»Versuchen Sie doch, wenn irgend möglich, herauszubekommen, wo er steckt«, sagte Peter. »Rufen Sie bei ihm zu Haus an und auch sonst in allen seinen Schlupfwinkeln, die wir kennen. Stellen Sie fest, ob er heute von jemandem gesehen wurde oder erwartet wird. Hinterlassen Sie Nachricht. Falls Sie Ogilvie aufstöbern, möchte ich selbst mit ihm sprechen.«

Flora schrieb auf ihrem Notizblock mit.

»Noch eins - rufen Sie die Garage an. Heute nacht kam ich zufällig am Hotel vorbei. Unser Freund fuhr gegen ein Uhr heraus - in einem Jaguar. Vielleicht hat er jemand gesagt, wohin er fährt.«

Als Flora verschwunden war, schickte er nach Ogilvies Stellvertreter Finnegan, einem sehnigen, bedächtigen Neuengländer, der jedesmal gründlich überlegte, bevor er Peters ungeduldige Fragen beantwortete.

Nein, er hatte keine Ahnung, wo Mr. Ogilvie hingefahren war. Erst spät gestern nacht hatte ihm sein Vorgesetzter mitgeteilt, daß er, Finnegan, in den nächsten paar Tagen den Befehl übernehmen müßte. Ja, seine Leute wären in der Nacht durch die Korridore patrouilliert, hätten jedoch nichts Verdächtiges bemerkt. Auch sei heute morgen kein neuer Diebstahl gemeldet worden. Nein, von der Polizei habe er nichts mehr gehört. Ja, Finnegan würde persönlich bei der Polizei rückfragen, wenn er, Mr. McDermott das wünschte. Selbstverständlich würde er Mr. McDermott sofort informieren, falls Ogilvie von sich hören ließ.

Peter schickte Finnegan fort. Im Augenblick konnte er nichts weiter tun, obwohl seine Wut auf Ogilvie noch keineswegs verraucht war.

Einige Minuten danach sagte Flora durch die Sprechanlage: »Miss Marsha Preyscott ist auf Leitung zwei.«

»Sagen Sie ihr, ich hätte zu tun und würde sie später anrufen.« Peter nahm sich zusammen. »Schon gut, ich spreche mit ihr.«

Er griff nach dem Telefonhörer. Marshas Stimme sagte munter: »Ich hab' alles gehört.«

»Tut mir leid«, antwortete er und beschloß erbost, Flora daran zu erinnern, daß sie das Telefon abschalten mußte, solange die Sprechanlage offen war. »Es ist ein lausiger Morgen im Gegensatz zu dem sehr schönen Abend gestern.«

»Ich wette, sich so geschickt aus der Klemme ziehen ist das erste, was Hotelmanager lernen.«

»Für manche mag das zutreffen, für mich nicht.«

Sie zögerte spürbar. Dann sagte sie: »War an dem Abend -alles schön?«

»Ja, alles.«

»Fein! Dann will ich auch mein Versprechen einlösen.«

»Mein Eindruck war, daß Sie das schon getan haben?«

»Nein, ich hatte Ihnen ein bißchen Lokalgeschichte versprochen. Wir könnten heute nachmittag damit anfangen.«

Er war im Begriff, nein zu sagen; einzuwenden, daß er das Hotel unmöglich verlassen könne, merkte dann aber, daß er gern mitgehen würde. Warum auch nicht? Er nahm die zwei freien Tage in der Woche, die ihm zustanden, selten wahr und hatte letzthin sehr viele Überstunden gemacht. Es würde nicht schwer sein, sich für kurze Zeit loszueisen.

»Gern«, sagte er. »Mal sehen, wie viele Jahrhunderte wir zwischen zwei und vier Uhr durchnehmen können.«

7

Zweimal während des zwanzigminütigen Gebets in seiner Suite vor dem Frühstück ertappte sich Curtis O'Keefe dabei, daß seine Gedanken wanderten. Es war ein vertrautes Symptom für innere Rastlosigkeit, deretwegen er Gott um Verzeihung bat, ohne sich jedoch lange bei diesem Punkt aufzuhalten, denn Rastlosigkeit lag in seiner Natur und war daher mutmaßlich gottgewollt.

Es war jedoch eine Erleichterung, daß dies sein letzter Tag in New Orleans war. Am Abend würde er nach New York fliegen und morgen nach Italien. Sein dortiges Ziel war, für ihn selbst und Dodo, das Neapel-O'Keefe-Hotel. Abgesehen von dem Szenenwechsel gewährte ihm der Gedanke Befriedigung, wieder einmal in einem seiner eigenen Häuser zu sein. Curtis O'Keefe hatte den Vorwurf seiner Kritiker nie verstanden, daß man, wenn man um die ganze Welt reiste und dabei nur in O'Keefe-Hotels abstieg, aus den Vereinigten Staaten nicht herauskam. Obwohl er gern ins Ausland reiste, hatte er auch gern vertraute Dinge um sich - amerikanisches Dekor mit ganz wenig Zugeständnissen an das Lokalkolorit; amerikanische Installationsanlagen; amerikanisches Essen und zumeist auch amerikanische Gäste. All das fand man in den O'Keefe-Hotels.

Daß er in einer Woche mit derselben Ungeduld seine Abreise aus Italien betreiben würde wie jetzt aus New Orleans, hatte weiter nichts zu sagen. Sein Imperium war groß - das Tadsch Mahal O'Keefe, das O'Keefe Lissabon, das Adelaide O'Keefe, das O'Keefe Kopenhagen und andere - und der Besuch des großen Bosses würde, auch wenn das heutzutage bei dem gut funktionierenden Betrieb nicht mehr nötig war, das Geschäft beleben, so wie es einer Kathedrale Auftrieb gab, wenn ein Papst kurz in ihr verweilte.

Später würde er natürlich nach New Orleans zurückkehren, in ein oder zwei Monaten wahrscheinlich, sobald das St. Gregory -bis dahin das O'Keefe St. Gregory - gründlich überholt und dem Schema eines O'Keefe-Hotels angepaßt worden war. Sein Eintreffen zu den Eröffnungsfeierlichkeiten würde ein Triumph sein mit viel Trara, einem Empfang durch die Stadt und Teilnahme von Presse, Rundfunk und Fernsehen. Wie gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten würde er ein Gefolge von prominenten Persönlichkeiten mitbringen, einige Stars aus Hollywood mit eingeschlossen, die gegen eine Vergnügungsreise auf anderer Leute Kosten nichts einzuwenden hatten.

Je länger er sich in Gedanken damit beschäftigte, desto heftiger wünschte er, es möchte bald soweit sein. Er war auch etwas enttäuscht darüber, daß er bisher nichts von Warren Trent gehört hatte. Es war jetzt Donnerstag vormittag. Die Bedenkzeit, auf die sie sich geeinigt hatten, lief in neunzig Minuten ab. Offenbar beabsichtigte der Besitzer des St. Gregory aus irgendwelchen Gründen bis zum letztmöglichen Moment zu warten, bevor er O'Keefes Bedingungen offiziell akzeptierte.

O'Keefe streifte ruhelos durch die Suite. Vor einer halben Stunde war Dodo zu einem Einkaufsbummel aufgebrochen, für den er sie mit mehreren hundert Dollar in großen Scheinen ausgerüstet hatte. Er hatte ihr geraten, sich auch mit einigen leichten Sachen einzudecken, da es in Neapel sogar noch heißer war als in New Orleans und für Einkäufe in New York keine Zeit sein würde. Sie hatte sich überschwenglich bedankt, wie immer, aber nicht mit der glühenden Begeisterung wie gestern bei ihrer Hafenrundfahrt, die nur sechs Dollar gekostet hatte. Frauen sind komische Geschöpfe, dachte er.