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Er blieb am Fenster stehen und sah hinaus, als am anderen Ende des Salons das Telefon läutete. Er erreichte es mit wenigen Schritten. »Ja?«

Statt der Stimme von Warren Trent, die er zu hören erwartete, kündigte ihm eine Telefonistin ein Ferngespräch an. Hank Lemnitzer war am Apparat.

»Sind Sie das, Mr. O'Keefe?«

»Ja«. Unsinnigerweise wünschte Curtis O'Keefe, sein Repräsentant von der Westküste sollte nicht innerhalb von vierundzwanzig Stunden zweimal anrufen.

»Hab' eine Neuigkeit für Sie.«

»Und die wäre?«

»Dodo hat einen Job.«

»Ich meine, ich hätte gestern deutlich genug darauf hingewiesen, daß ich für Miss Lash etwas Besonderes haben möchte.«

»Spezieller geht's nicht, Mr. O'Keefe. Es ist was ganz Besonderes - eine echte Chance. Dodo ist ein Glückspilz.«

»Erzählen Sie mir mehr.«

»Walt Curzon schießt ein Remake von >You Can't Take It With You<. Erinnern Sie sich? Wir haben uns damals daran beteiligt.«

»Ja, ich erinnere mich.«

»Gestern kriegte ich raus, daß Walt ein Mädchen für die alte Ann-Miller-Rolle braucht. Es ist eine gute Nebenrolle. Paßt für Dodo wie ein strammer Büstenhalter.«

Wieder einmal sagte sich O'Keefe verdrießlich, daß Lemnitzer bei der Wahl seiner Worte taktvoller sein könnte.

»Vermutlich müssen vorher Probeaufnahmen gemacht werden.«

»Sicher.«

»Woher wissen wir dann, ob Curzon ihr die Rolle gibt?«

»Wollen Sie mich foppen? Unterschätzen Sie Ihren Einfluß nicht, Mr. O'Keefe. Dodo hat die Rolle schon. Außerdem hab' ich Sandra Straugham angeheuert, damit sie mit ihr arbeitet. Kennen Sie Sandra?« »Ja.« O'Keefe war über Sandra Straugham durchaus im Bild. Sie galt als eine der besten Schauspiellehrerinnen in Hollywood und besaß außer anderen Vorzügen den bemerkenswerten Ruf, unbekannte Mädchen mit einflußreichen Geldgebern zu akzeptieren und Kassenschlager aus ihnen zu machen.

»Ich freue mich wirklich für Dodo«, sagte Lemnitzer. »Sie ist ein Mädchen, das ich immer gern gehabt habe. Der einzige Haken ist, wir müssen schnell zupacken.«

»Wie schnell?«

»Sie brauchen sie praktisch sofort, Mr. O'Keefe. Zum Glück hab' ich alles übrige schon arrangiert.«

»Alles übrige?«

»Jenny LaMarsh.« Hank Lemnitzers Stimme klang verblüfft. »Oder hatten Sie's vergessen?«

»Nein«. O'Keefe hatte die witzige und schöne Brünette aus Vassar, die ihn vor ein oder zwei Monaten so stark beeindruckt hatte, gewiß nicht vergessen. Nur hatte er sie seit seinem gestrigen Gespräch mit Lemnitzer vorläufig aus seinem Gedächtnis verbannt.

»Es ist alles gedeichselt, Mr. O'Keefe. Jenny fliegt heute abend nach New York; morgen wird sie dort mit Ihnen zusammentreffen. Wir lassen Dodos Reservierung für Neapel auf Jenny umschreiben, dann kann Dodo von New Orleans direkt hierher fliegen. Glatte Sache, eh?«

In der Tat so glatt, daß O'Keefe keinen Fehler in dem Plan finden konnte. Er fragte sich, warum er gern einen gefunden hätte.

»Sie sind ganz sicher, daß Miss Lash die Rolle bekommt?«

»Mr. O'Keefe, ich schwöre es beim Grab meiner Mutter.«

»Ihre Mutter lebt noch.«

»Dann eben meiner Großmutter.« Eine Pause trat ein, und dann sagte Lemnitzer, als sei ihm plötzlich eine Erleuchtung gekommen: »Falls es Ihnen unangenehm ist, mit Dodo darüber zu sprechen, warum überlassen Sie's dann nicht mir? Sie gehen zwei Stunden weg. Ich rufe sie an, bringe alles ins reine. Auf diese Art ersparen Sie sich jedes Theater und den Abschied.«

»Danke, aber ich bin durchaus imstande, die Sache persönlich zu regeln.«

»Ganz wie Sie wollen, Mr. O'Keefe. Ich wollte nur helfen.«

»Miss Lash wird Ihnen ihre Ankunftszeit in Los Angeles telegrafieren. Sie holen sie vom Flugzeug ab?«

»Aber sicher. Ich bin mächtig froh, Dodo wiederzusehen. Also, Mr. O'Keefe, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit in Neapel. Ich beneide Sie um Jenny.«

O'Keefe legte auf, ohne sich zu bedanken.

Dodo kehrte atemlos zurück, mit Paketen beladen und gefolgt von einem grinsenden Boy, der genauso bepackt war.

»Ich muß gleich wieder runter, Curtie. Unten ist noch mehr.«

»Du hättest es dir schicken lassen können«, sagte O'Keefe mürrisch.

»Oh, so ist's aufregender! Wie Weihnachten!« Sie erzählte dem Boy: »Wir fahren nach Neapel. Das liegt in Italien.«

O'Keefe gab dem Boy einen Dollar und wartete, bis er verschwunden war.

Sobald sie sich von ihrer Last befreit hatte, warf Dodo O'Keefe impulsiv beide Anne um den Hals. Sie küßte ihn auf beide Wangen. »Hast du mich vermißt? Herrje, Curtie, ich bin so glücklich!«

Er löste ihre Arme sanft von seinem Hals. »Setzen wir uns. Es gibt ein paar Änderungen in unserem Plan. Außerdem habe ich gute Neuigkeiten.«

»Wir reisen früher ab?«

Der Hotelmagnat schüttelte den Kopf. »Es betrifft dich mehr als mich. Tatsache ist, meine Liebe, du bekommst eine Rolle in einem Film. Ich habe mich lange darum bemüht und bekam heute morgen Bescheid - alles ist schon vereinbart.«

Dodos unschuldige blaue Augen hingen an seinem Gesicht.

»Man hat mir versichert, daß es eine sehr gute Rolle ist; darauf hatte ich vorher bestanden. Falls alles gut geht, und davon bin ich überzeugt, kann es für dich der Beginn zu etwas ganz Großem sein.« Curtis O'Keefe verstummte, weil er sich bewußt war, daß seine Worte hohl klangen.

»Ich schätze, das bedeutet..., daß ich weggehen muß.«

»So ist es, mein Liebes - leider.«

»Bald?«

»Morgen früh, fürchte ich. Du fliegst direkt nach Los Angeles. Hank Lemnitzer holt dich dort ab.«

Dodo nickte langsam. Sie hob geistesabwesend die Hand und strich sich eine aschblonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Es war eine schlichte Geste, erregte jedoch wie alle ihre Bewegungen die Sinne. Wider jeder Vernunft empfand O'Keefe beim Gedanken an Hank Lemnitzer Eifersucht. Lemnitzer, der bisher nahezu alle Liaisons seines Arbeitgebers eingefädelt hatte, hätte nie gewagt, sich vorher bei einer erwählten Favoritin schadlos zu halten. Aber danach... danach war das wieder etwas anderes. Resolut schob er den Gedanken beiseite.

»Du kannst mir glauben, mein Liebes, die Trennung von dir ist ein schwerer Schlag für mich. Aber wir müssen an deine Zukunft denken.«

»Curtie, das ist okay.« Dodos Augen waren noch immer auf ihn gerichtet. Trotz ihres unschuldigen Ausdrucks hatte er das absurde Gefühl, daß sie die Wahrheit durchschaut hatte. »Das ist okay. Mach dir meinetwegen keine Sorgen.«

»Ich hatte gehofft, daß du dich über die Filmrolle mehr freuen würdest.«

»Aber das tu ich doch, Curtie! Herrje, ich bin doch schrecklich froh! Ich finde es einfach fabelhaft, daß du dir immer so nette Dinge ausdenkst.«

Ihre Worte befeuerten seine Zuversicht. »Es ist wirklich eine phantastische Chance für dich. Ich bin sicher, daß du Erfolg hast, und natürlich werde ich deine Karriere aufmerksam verfolgen.« Er beschloß, seine Gedanken auf Jenny LaMarsh zu konzentrieren.

»Ich schätze...«, ihre Stimme stockte beinahe unmerklich, »ich schätze, du reist schon heute abend ab. Vor mir.«

In Sekundenschnelle seine Pläne ändernd, erwiderte er: »Nein, ich mache die Reservierung rückgängig und fliege statt dessen morgen früh. Heute abend feiern wir.«

Als Dodo dankbar aufblickte, läutete das Telefon. Erleichtert über die Ablenkung, stand er auf und griff nach dem Hörer.