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»Mr. O'Keefe?« fragte eine angenehme weibliche Stimme.

»Ja.«

»Hier ist Christine Francis - Mr. Warren Trents Privatsekretärin. Mr. Trent läßt fragen, ob es Ihnen paßt, wenn er Sie jetzt aufsucht.«

O'Keefe sah auf seine Uhr. Es war einige Minuten vor zwölf.

»Ja«, antwortete er. »Er kann kommen. Sagen Sie ihm, daß ich ihn erwarte.«

Den Hörer auflegend, lächelte er Dodo zu. »Anscheinend haben wir beide Grund zum Feiern - meine Liebe -, du eine glänzende Zukunft und ich ein neues Hotel.«

8

Ungefähr eine Stunde früher saß Warren Trent vor sich hin brütend hinter den verschlossenen Türen seines Büros. Schon ein paarmal im Laufe des Vormittags hatte er die Hand nach dem Telefon ausgestreckt, um Curtis O'Keefe anzurufen und seine Kapitulation offiziell zu besiegeln. Für sein Zögern gab es eigentlich keinen Grund mehr. Die Journeymen's Union war seine letzte Hoffnung gewesen. Die schroffe Absage des Gewerkschaftsvorsitzenden hatte Trents Widerstand gegen den alles verschlingenden Koloß O'Keefe zermalmt. Dennoch hatte er die Hand jedesmal wieder zurückgezogen. Er war wie ein Gefangener, dachte er, an dem zu einer bestimmten Stunde das Todesurteil vollstreckt wird, der aber die Wahl hat, vorher Selbstmord zu begehen. Er akzeptierte das Unvermeidliche. Er würde auf seinen Besitz verzichten, weil ihm nichts anderes übrigblieb. Dennoch klammerte er sich instinktiv an jede verstreichende Minute, bis die Gnadenfrist abgelaufen war und eine Entscheidung sich erübrigte.

Als er sich fast zur Kapitualiton durchgerungen hatte, war Peter McDermott dazwischengekommen. McDermott hatte ihn über den Beschluß des Kongresses amerikanischer Zahnärzte informiert, die Tagung fortzusetzen, eine Tatsache, die Warren Trent nicht überraschte, da er sie einen Tag früher vorausgesagt hatte. Aber nun erschien ihm die ganze Affäre entrückt und belanglos. Er war froh, als McDermott ging.

Hinterher gab er sich für eine Weile Träumen von vergangenen Triumphen hin und der Befriedigung, die sie ihm gewährt hatten. Früher einmal - und es war gar nicht so lange her - war sein Haus ein Treffpunkt der Großen und beinahe Großen gewesen - Präsidenten, gekrönte Häupter, Adel, strahlende Frauen, distinguierte Männer, die Nabobs der Macht und des Reichtums, berühmt und berüchtigt - aber einen Zug hatten alle gemeinsam: Sie verlangten Aufmerksamkeit, und sie wurde ihnen zuteil. Diese Elite zog andere nach sich, bis das St. Gregory zugleich ein Mekka und eine Goldgrube war.

Wenn Erinnerungen alles waren, was man noch besaß - oder zu besitzen schien -, mußte man sie auskosten. Warren Trent hoffte, daß er in der einen Stunde oder so, die ihm noch blieb, nicht gestört werden würde.

Die Hoffnung erwies sich als trügerisch.

Christine Francis kam leise herein. »Mr. Emile Dumaire möchte Sie sprechen. Ich hätte Sie nicht gestört, aber er besteht darauf, daß es dringend ist.«

Warren Trent grunzte. Die Aasgeier versammeln sich, dachte er. Aber bei näheren Überlegungen war der Vergleich wohl nicht ganz fair. Die Industrie- und Handelsbank, deren Präsident Emile Dumaire war, hatte eine Menge Geld im St.-Gregory-Hotel investiert. Sie war es auch, die ihm vor Monaten eine Kreditverlängerung und eine neue größere Anleihe verweigert hatte. Nun, Dumaire und seine Geschäftskollegen brauchten sich keine Sorgen mehr zu machen. Durch den nahe bevorstehenden Verkauf würden sie ihr Geld zurückbekommen. Warren Trent meinte, daß er ihnen diese Versicherung eigentlich geben müsse.

Er griff nach dem Telefonhörer.

»Nein«, sagte Christine. >Mr. Dumaire ist hier. Er wartet draußen.«

Überrascht ließ Warren Trent die Hand sinken. Es war höchst ungewöhnlich für Emile Dumaire, die festen Mauern seiner Bank zu verlassen und jemandem seine persönliche Aufwartung zu machen.

Einen Moment später führte Christine den Besucher herein und schloß die Tür hinter ihm.

Emile Dumaire, untersetzt, behäbig, mit einem gelockerten Haarkranz, blickte auf eine ungebrochene Linie kreolischer Abstammung zurück. Dennoch war er der leibhaftige »Mr. Pickwick«. Auch seine pompöse Geschäftigkeit paßte dazu.

»Ich möchte mich für mein unangemeldetes Eindringen entschuldigen, Warren. Aber die Natur meines Geschäfts ließ mir keine Zeit für Förmlichkeiten.«

Sie schüttelten einander flüchtig die Hand. Der Hotelbesitzer wies auf einen Stuhl.

»Was für ein Geschäft?«

»Wenn Sie nichts dagegen haben, möchte ich die Dinge in der richtigen Reihenfolge abwickeln. Als erstes gestatten Sie mir, Ihnen mein Bedauern darüber auszusprechen, daß wir auf Ihren Darlehensantrag nicht eingehen konnten. Leider waren die Summe und die Bedingungen unvereinbar mit unseren Mitteln und unserer Geschäftspolitik.«

Warren Trent nickte unverbindlich. Er mochte den Bankier nicht besonders, obwohl er nie den Fehler gemacht hatte, ihn zu unterschätzen. Hinter der affektierten Wichtigtuerei, von der manche sich einlullen und täuschen ließen, verbarg sich ein fähiger durchdringender Verstand.

»Ich hoffe jedoch, daß mein heutiger Besuch gewisse trübe Aspekte früherer Begegnungen wettmacht.«

»Das ist höchst unwahrscheinlich«, entgegnete Warren Trent.

»Wir werden sehen.« Aus einer dünnen Aktenmappe zog der Bankier mehrere Blätter linierten Papiers, die mit Bleistiftnotizen bedeckt waren. »Wenn ich recht unterrichtet bin, haben Sie ein Angebot der O'Keefe Corporation erhalten.«

»Das dürfte mittlerweile ein öffentliches Geheimnis sein.«

Der Bankier lächelte. »Über die Bedingungen wollen Sie mich nicht informieren?«

»Warum sollte ich?«

»Weil ich hier bin, um Ihnen ein Gegenangebot zu machen«, sagte Emile Dumaire bedächtig.

»Wenn das der Fall ist, habe ich noch weniger Grund, frei heraus zu sprechen. Eins kann ich Ihnen ja sagen: Ich habe mit den O'Keefe-Leuten vereinbart, daß sie heute mittag um zwölf meine endgültige Antwort bekommen.«

»Ganz recht. Das entspricht meinen Informationen und veranlaßte mich, Sie so plötzlich zu überfallen. Übrigens bitte ich Sie, zu verzeihen, daß ich nicht früher gekommen bin. Ich mußte mir erst die erforderlichen Informationen und Anweisungen beschaffen.«

Die Neuigkeit von einem Angebot so kurz vor Torschluß -zumal aus dieser Quelle - ließ Warren Trent kalt. Er nahm an, daß eine Gruppe lokaler Geldleute, deren Sprecher Dumaire war, sich zusammengetan hatte, um jetzt billig einzukaufen und später mit Gewinn weiterzuverkaufen. Was immer für Bedingungen sie bieten mochten, mit O'Keefes Bedingungen würden sie sich kaum messen können. Auch Warren Trents eigene Lage würde sich dadurch sicher nicht verbessern.

Der Bankier konsultierte seine Notizen. »Soviel ich weiß, hat Ihnen die O' Keefe Corporation einen Kaufpreis von vier Millionen geboten. Davon entfallen zwei Millionen auf die Hypothek; eine Million wird bar ausgezahlt und eine Million in neuaufgelegten O'Keefe-Aktien. Außerdem geht das Gerücht, daß man Ihnen einen Besitzanspruch auf Lebensdauer für Ihre Wohnung hier im Hotel zugesagt hat.«

Warren Trent wurde rot vor Zorn. Er schlug mit der Faust auf die Schreibtischplatte. »Gottverdammt noch mal, Emile! Spielen Sie nicht Katz und Maus mit mir!«

»Wenn ich diesen Anschein erweckt habe, tut mir das leid.«

»Um Himmels willen! Wenn Sie die Einzelheiten kennen, warum fragen Sie dann danach?«

»Offen gestanden erhoffte ich mir davon die Bestätigung, die Sie mir eben gegeben haben. Übrigens ist das Angebot, das ich Ihnen machen kann, etwas besser.«

Warren Trent begriff, daß er auf einen uralten simplen Trick hereingefallen war. Aber es empörte ihn, daß Dumaire sich nicht entblödet hatte, gerade ihm damit zu kommen. Es war auch ersichtlich, daß Curtis O'Keefe in seinen eigenen Reihen einen Verräter hatte, möglicherweise jemand in O'Keefes Hauptquartier, der in interne Geheimnisse eingeweiht war. In gewisser Beziehung lag eine poetische Gerechtigkeit darin, daß Curtis O'Keefe, der sich bei seinen Geschäften der Spionage bediente, nun selbst bespitzelt wurde.