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»Inwiefern sind die Bedingungen besser? Und von wem geht das Angebot aus?«

»Um die zweite Frage zuerst zu beantworten - im Moment bin ich noch nicht befugt, darüber zu sprechen.«

»Ich verhandle nur mit Leuten, die ich sehen kann, nicht mit Geistern«, schnaubte Warren Trent.

»Ich bin kein Geist«, sagte Dumaire. »Außerdem bürgt die Bank dafür, daß das Angebot bona fide ist und daß der Interessent, den die Bank vertritt, über tadellose Empfehlungen verfügt.«

Noch immer verärgert über die Kriegslist, deren Opfer er vor einigen Minuten geworden war, sagte der Hotelbesitzer kurz: »Kommen wir zur Sache.«

»Ganz recht.« Der Bankier blätterte in seinen Aufzeichnungen. »Der Preis, den meine Auftraggeber zu zahlen bereit sind, ist im wesentlichen identisch mit dem der O'Keefe Corporation.«

»Kein Wunder, da Sie die Zahlen der O'Keefe-Leute kannten.«

»Ansonsten jedoch gibt es einige bedeutsame Unterschiede.«

Zum erstenmal seit Beginn der Unterredung verspürte Warren Trent einen Anflug von Neugier auf das, was ihm der Bankier zu sagen hatte.

Warren Trent umklammerte die Armlehne seines Sessels. Er warf einen Blick auf die Wanduhr zu seiner Rechten. Es war Viertel vor zwölf.

»Erstens, meine Auftraggeber wünschen nicht, daß Sie Ihre persönlichen und finanziellen Bindungen zum Hotel völlig lösen. Zweitens beabsichtigen sie - soweit es kommerziell ist -, die Unabhängigkeit und den derzeitigen Charakter des Hotels zu erhalten.«

»Sie bestehen jedoch auf dem Erwerb der Stammaktienmehrheit - unter den Umständen eine durchaus berechtigte Forderung -, um sich eine wirksame Kontrolle zu sichern. Sie wären dann nur noch der größte Kleinaktionär. Außerdem müßten Sie von Ihrem Posten als Präsident und Direktor zurücktreten. Dürfte ich Sie um ein Glas Wasser bitten?«

Warren Trent goß ein Glas aus der Thermosflasche auf seinem Schreibtisch ein. »Wie stellen Sie sich das vor? Soll ich mich vielleicht als Pikkolo betätigen oder als Türsteher?«

»Kaum.« Emile Dumaire trank einen Schluck und betrachtete dann das Glas. »Ich habe es von jeher bemerkenswert gefunden, daß unser schmutziger Mississippi uns so schmackhaftes Wasser liefert.«

»Machen Sie weiter!«

Der Bankier lächelte. »Meine Auftraggeber beabsichtigen, Sie sofort nach Ihrem Rücktritt zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu ernennen, und zwar zunächst für zwei Jahre.«

»Als bloßer Strohmann, nehme ich an!«

»Vielleicht. Aber ich finde, es gibt schlimmere Dinge. Oder ziehen Sie es vor der Strohmann eines Mr. Curtis O'Keefe zu sein?«

Der Hotelbesitzer schwieg.

»Außerdem soll ich Ihnen mitteilen, daß meine Auftraggeber Ihnen, in bezug auf Ihre Unterbringung hier im Hotel, das gleiche Entgegenkommen beweisen würden wie die O'Keefe Corporation. Was die Übertragung der Aktien und die Neufinanzierung betrifft, so möchte ich auf diese beiden Fragen etwas ausführlicher eingehen.«

Während der Bankier weitersprach und immer wieder seine Notizen zu Rate zog, wurde Warren Trent von einem Gefühl der Ermattung und Unwirklichkeit erfaßt. Er erinnerte sich eines Vorfalls, der sich vor langer Zeit ereignet hatte. Einmal, als kleiner Junge, hatte er einen ländlichen Jahrmarkt besucht, in der geballten Hand ein paar Spargroschen, mit denen er Karussell fahren wollte. Er entschied sich schließlich für den Cake walk, eine Form der Belustigung, die inzwischen vermutlich längst in Vergessenheit geraten war. Soweit er sich erinnerte, handelte es sich um eine aus zahllosen Brettern zusammengesetzte Plattform, die einem windgepeitschten See glich - sie rollte ihre Opfer hinauf, hinunter, vor und zurück, so daß man für zehn Cent die Chance erkaufte, ebensooft hinzufallen, bevor man das andere Ende erreichte. Vorher hatte er es aufregend gefunden, aber schon auf der Hälfte des Weges hatte er sich nur noch gewünscht, möglichst bald wieder unten zu sein.

Die letzten Wochen hatten auch etwas von einem Cake walk gehabt. Anfangs war er zuversichtlich gewesen, dann hatte der Boden unter ihm plötzlich nachgegeben. Er fand Halt und faßte Hoffnung, nur um plötzlich wieder ins Leere zu tappen. Die Journeymen's Union schien am Schluß noch einmal Standfestigkeit zu verbürgen, aber auch diese Stütze brach zusammen.

Nun hatte sich der Cake walk ganz überraschend beruhigt, und er wünschte sich nichts sehnlicher als auszusteigen.

Er wußte, daß er später anders darüber denken, daß sein persönliches Interesse am Hotel wie immer zurückkehren würde. Aber im Augenblick empfand er nur eine ungeheure Erleichterung darüber, daß die Last der Verantwortung auf andere Schultern überging. Und zugleich mit der Erleichterung meldete sich Neugier.

Wer von den führenden Geschäftsleuten der Stadt stand hinter Emile Dumaire? Wer war bereit, das finanzielle Risiko auf sich zu nehmen und dem St. Gregory seinen traditionellen Status als unabhängiges Haus zu belassen? Suchte der Warenhausboß seinen ohnehin weit ausgedehnten Einflußbereich zu vergrößern? Warren Trent fiel ein, daß er von jemandem gehört hatte, Mark Preyscott wäre in Rom. Das würde die indirekte Annäherungsmethode erklären. Nun, wer immer auch dahinter stecken mochte, er würde es vermutlich bald genug erfahren.

Die Aktientransaktion, die der Bankier erörterte, war fair. Im Vergleich zu O'Keefes Angebot war die Abfindung in bar niedriger, dafür behielt er jedoch einen Anspruch am Hotel. Curtis O'Keefes Bedingungen hätten ihn gezwungen, sich völlig von den Angelegenheiten des St. Gregory loszureißen.

Was die Ernennung zum Aufsichtsratsvorsitzenden betraf, so würde er sich, auch wenn es sich nur um ein Ehrenamt ohne jede Machtbefugnis handeln mochte, doch wenigstens als privilegierter Zuschauer im Mittelpunkt der Ereignisse befinden. Außerdem durfte man das damit verbundene Prestige nicht gering einschätzen.

»Das also wäre das Angebot«, schloß Emile Dumaire. »Für seine Vertrauenswürdigkeit bürgt, wie gesagt, die Bank. Im übrigen könnte ich Ihnen schon heute nachmittag eine diesbezügliche notariell beglaubigte Erklärung übergeben.«

»Auch den Vertrag, falls ich einwillige?«

Der Bankier schürzte nachdenklich die Lippen. »Ich sehe keinen Grund, warum wir den Vertrag nicht so bald wie möglich anfertigen sollten, zumal ihm auch das Fälligwerden der Hypothek eine gewisse Dringlichkeit verleiht. Ich würde sagen, Vertragsunterzeichnung morgen um diese Zeit.« »Zweifellos würde ich dann auch den Namen des Käufers erfahren.«

»Das wäre für die Transaktion unbedingt erforderlich«, räumte Emile Dumaire ein.«

»Wenn ich ihn morgen ohnehin erfahre, warum nicht gleich?«

Der Bankier schüttelte den Kopf. »Ich muß mich an meine Instruktionen halten.«

Ganz kurz flackerte Warren Trents alte Gereiztheit wieder auf. Er war versucht, seine Zustimmung von der Bekanntgabe des Vertragspartners abhängig zu machen. Dann sagte ihm seine Vernunft: was verschlug's, solange die zugesicherten Bedingungen eingehalten wurden? Außerdem erforderte ein Disput einen Kraftaufwand, dem er sich nicht gewachsen fühlte.

Er seufzte und sagte einfach: »Ich akzeptiere.«

9

Ungläubig, ingrimmig starrte Curtis O'Keefe Warren Trent an.

»Sie haben die Dreistigkeit, hierherzukommen und mir zu sagen, Sie hätten an jemand anderen verkauft!«

Sie standen im Salon von O'Keefes Suite. Unmittelbar nach Emile Dumaires Weggang hatte Christine Francis eine Verabredung getroffen, derzufolge Warren Trent nun hier war. Dodo hielt sich mit bestürzter Miene dicht hinter O'Keefe.

»Nennen Sie es meinetwegen Dreistigkeit«, erwiderte Warren Trent. »In meinen Augen ist es eine Information, die ich Ihnen schuldig war. Es wird Sie vielleicht auch interessieren, daß ich nicht ganz verkauft, sondern einen beträchtlichen Anteil am Hotel zurückbehalten habe.«