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»Den werden Sie auch verlieren!« O'Keefes Gesicht lief vor Wut rot an. Schon seit vielen Jahren war ihm nichts mehr verweigert worden, das er kaufen wollte. Selbst jetzt konnte er in seiner Enttäuschung und Verbitterung nicht glauben, daß die Absage ernst gemeint war. »Bei Gott! Ich richte Sie zugrunde, das schwöre ich!«

Dodo streckte die Hand aus und legte sie beschwichtigend auf O'Keefes Arm. »Curtie!«

Er riß sich los. »Halt die Klappe!« An seinen Schläfen pulste eine Vene. Seine Hände waren geballt.

»Du bist erregt, Curtie, du solltest nicht...«

»Verdammt noch mal! Halt dich hier raus!«

Sie sah Warren Trent flehend an. Ihr Blick bewirkte, daß er seinem eigenen Unmut, der sich gerade entladen wollte, Zügel anlegte.

»Tun Sie, was Ihnen beliebt«, sagte er zu O'Keefe. »Ich möchte Sie nur daran erinnern, daß Sie kein göttliches Kaufrecht haben. Außerdem sind Sie aus eigenem Antrieb hergekommen und nicht auf Einladung von mir.«

»Diesen Tag werden Sie bereuen! Sie und die anderen, wer immer es sein mag. Ich werde bauen! Ich werde dies Hotel ruinieren! Alle meine künftigen Pläne werden darauf abzielen, dies Haus kaputtzumachen und Sie mit ihm!«

»Falls wir beide so lange leben.« Warren Trent, der seine Selbstbeherrschung bisher bewahrt hatte, spürte, daß er immer ruhiger wurde, je mehr O'Keefe die Haltung verlor. »Aber wir werden es wohl kaum noch erleben, denn das, was Sie vorhaben, braucht natürlich Zeit. Im übrigen erweisen sich die neuen Leute vielleicht als gefährliche Konkurrenz, so daß am Ende Sie draufzahlen.« Es war nur eine Vermutung, aber er hoffte, daß sie sich als wahr herausstellen würde.

»Hinaus!« raste O'Keefe.

»Das Hotel gehört noch immer mir. Solange Sie mein Gast sind, genießen Sie in Ihren eigenen Räumen gewisse Vorrechte. Ich rate Ihnen jedoch, sie nicht zu mißbrauchen.« Mit einer leichten höflichen Verbeugung vor Dodo ging er hinaus.

»Curtie«, sagte Dodo.

O'Keefe schien sie nicht zu hören. Er atmete schwer.

»Curtie, ist dir nicht wohl?«

»Blöde Frage! Mir geht's blendend!« Er stürmte durch den Salon und wieder zurück.

»Es ist bloß ein Hotel, Curtie. Du hast so viele andere.«

»Ich will aber gerade das haben!«

»Denk an den alten Mann - er hat bloß das eine...«

»Natürlich! Du verteidigst ihn! Dumm und treulos! Wie die ganze Bande!« Seine Stimme klang schrill und hysterisch. Dodo hatte Angst. Sie hatte ihn noch nie so außer sich gesehen.

»Bitte, Curtie!«

»Ich bin von Idioten umgeben! Idioten! Du bist auch einer!

Deshalb schicke ich dich weg. Einen Ersatz für dich habe ich schon.«

Er bereute die Worte, sowie sie heraus waren. Sie versetzten sogar ihm einen Schock und erstickten seine Wut gänzlich. Nach einem kurzen, betroffenen Schweigen murmelte er: »Entschuldige, ich hätte das nicht sagen dürfen.«

Dodos Augen waren feucht. Sie strich sich mit derselben Bewegung wie am Morgen das Haar zurück.

»Das wußte ich, Curtie. Du hättest es mir nicht zu sagen brauchen.«

Sie ging in die angrenzende Suite und machte die Tür hinter sich zu.

10

Ein unerwarteter Glückstreffer hatte Keycase Milne neuen Auftrieb gegeben.

Am Morgen hatte Keycase seine strategischen Einkäufe ins Warenhaus Maison Blanche zurückgebracht. Die Rückzahlung ging prompt und glatt vonstatten. Dies befreite ihn nicht nur von einer hinderlichen Last, sondern vertrieb ihm auch die Zeit. Dennoch blieben ihm noch immer mehrere Stunden des Wartens, bis er den Schlüssel, den er am Vortag in Auftrag gegeben hatte, bei dem Schlosser am Irish Channel abholen konnte.

Er war im Begriff, das Warenhaus zu verlassen, als er seine Chance erspähte.

An einem Ladentisch im Erdgeschoß ließ eine gutgekleidete Kundin, als sie in ihrer Handtasche nach der Kreditkarte kramte, ein Schlüsselbund fallen. Weder sie noch sonst jemand, außer Keycase, schien den Verlust zu bemerken. Keycase blieb in der Nähe und besah sich Krawatten, bis die Frau weiterging.

Er strich am Tisch entlang, und dann, als habe er die Schlüssel eben erst erspäht, stoppte er, um sie aufzuheben. Auf den ersten Blick stellte er fest, daß an dem Ring außer Wagenschlüsseln auch mehrere andere hingen, die ganz danach aussahen, als paßten sie in Haustürschlösser. Aber seine erfahrenen Augen entdeckten noch etwas Bedeutsameres - einen Anhänger in Form eines winzigen Nummernschildes. Diese Anhänger wurden Autobesitzern von Kriegsversehrten zugeschickt; damit verbunden war ein Dienst für die Rücksendung verlorengegangener Schlüssel. Auf dem Anhänger stand eine Zulassungsnummer von Louisiana.

Den Schlüsselbund deutlich sichtbar vor sich hertragend, lief Keycase hinter der Frau her, die dem Ausgang zustrebte. Jeder zufällige Beobachter mußte daraus entnehmen, daß Keycase nichts anderes im Sinn hatte, als der rechtmäßigen Eigentümerin die Schlüssel zurückzugeben.

Aber im Gedränge der Passanten auf der Canal Street ließ er sie unauffällig in seiner Tasche verschwinden.

Die Frau war noch immer in Sicht. Keycase folgte ihr in vorsichtiger Entfernung. Nach zwei Blocks überquerte sie die Canal Street und betrat einen Kosmetiksalon. Von draußen sah Keycase, wie sie mit einer Empfangsdame sprach; letztere schlug in einem Terminkalender nach, woraufhin die Frau Platz nahm und sich zum Warten anschickte. Frohlockend eilte Keycase in die nächste Telefonzelle.

Mit Hilfe eines Ortsgesprächs stellte er fest, daß er die Information, auf die er aus war, in Baton Rouge, der Hauptstadt des Staates, erhalten würde. Keycase leistete sich ein Ferngespräch und verlangte die Kraftfahrzeugzulassungsstelle. Die Telefonistin, die sich dort meldete, wußte auf Anhieb, mit welchem Nebenanschluß sie ihn verbinden mußte.

Keycase holte den Schlüsselbund hervor und las die Zulassungsnummer laut von dem winzigen Anhänger ab. Ein gelangweilter Angestellter informierte ihn, daß der Wagen auf einen gewissen F. R. Drummond eingetragen war, mit einer Adresse im Lakeview-Distrikt von New Orleans.

In Louisiana wie auch in anderen Staaten von Nordamerika sind Name und Adresse eines Kraftfahrzeugbesitzers eine öffentliche Angelegenheit und meist schon durch einen Telefonanruf zu bekommen. Keycase hatte von dieser Möglichkeit bereits des öfteren zu seinem Vorteil Gebrauch gemacht.

Bevor er die Telefonzelle verließ, wählte er noch rasch die Nummer von F. R. Drummond. Wie er gehofft hatte, meldete sich niemand.

Größte Eile war geboten. Keycase schätzte, daß er eine Stunde Spielraum hatte. Er winkte einem Taxi, das ihn zu seinem geparkten Wagen beförderte. Von dort aus fuhr er mit Hilfe eines Stadtplans zum Lakeview-Distrikt und machte ohne Schwierigkeiten die angegebene Adresse ausfindig.

Aus einem halben Block Entfernung nahm er das Haus in Augenschein. Es war eine gepflegte zweistöckige Villa mit einer Doppelgarage und einem großen Garten. Die Einfahrt war von einer Zypresse geschützt und somit von den Nachbarhäusern her nicht einzusehen.

Keycase parkte seinen Wagen kühn unter dem Baum und schritt zur Haustür. Sie ließ sich mit dem ersten Schlüssel, den er ausprobierte, leicht öffnen.

Im Inneren war es still. Er rief laut: »Jemand zu Haus?« Für den Fall, daß sich jemand meldete, hatte er die Entschuldigung parat, daß die Tür offengestanden und daß er sich in der Adresse geirrt habe. Aber es kam keine Antwort.

Er sah sich rasch in den unteren Zimmern um und ging dann die Treppe hinauf. Oben waren vier Schlafzimmer. In einem Wandschrank fand er zwei Pelzmäntel. Er nahm sie heraus und legte sie aufs Bett. In einem anderen Wandschrank entdeckte er mehrere Koffer. Er wählte den größten und stopfte die Mäntel hinein. In der Schublade eines Toilettentisches kam eine Schmuckschatulle zutage. Er leerte den Inhalt in den Koffer, fügte eine Kamera, einen Feldstecher, ein tragbares Radio hinzu, schloß den Koffer und trug ihn hinunter. Unten stopfte er noch eine Silberschale und ein silbernes Tablett hinein. Ein Tonbandgerät, das er erst im letzten Moment bemerkte, trug er in der einen Hand und den Koffer in der anderen, als er zum Wagen zurückkehrte.