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Sie wiederholte die Meldung von AP. »Man ließ die Nachricht wahrscheinlich absichtlich durchsickern, um die Reaktion zu testen. Sie war günstig.«

»Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß dein Bruder -«

»Sein Einfluß war von Nutzen. Aber es gab zweifellos noch andere Gründe. Der Zeitpunkt. Man brauchte einen Mann mit deiner Erfahrung. Die Politik fordert es. Vergiß auch nicht, daß die Möglichkeit in der Luft lag. Vermutlich wäre es früher oder später ohnehin dazu gekommen.« »Nun, wo es soweit ist, frage ich mich...« Er hielt unschlüssig inne.

»Fragst du dich was?«

»Ob ich durchhalten kann.«

»Du kannst und du wirst. Gemeinsam schaffen wir es.«

Er bewegte zweifelnd den Kopf. »Es gab eine Zeit... «

»Denk nicht an früher, denk an die Gegenwart.« Ihre Stimme klang scharf und gebieterisch. »In einigen Stunden mußt du die Presse empfangen. Andere Pflichten kommen auf dich zu. Es ist unbedingt erforderlich, daß du deine fünf Sinne zusammenhältst.«

»Werde mein Bestes tun...« Er nickte feierlich und hob sein Glas.

»Nein!« Die Herzogin erhob sich. Sie nahm ihrem Mann das Glas aus der Hand und ging ins Bad. Er hörte, wie sie den Inhalt ins Waschbecken schüttete. Als sie zurückkam, verkündete sie: »Damit ist Schluß. Verstanden? Endgültig Schluß.«

Zuerst wollte er protestieren, gab aber dann nach. »Gut... ich sehe ein... es geht nicht anders...«

»Möchtest du, daß ich die Flaschen wegschließe, die angebrochene hier ausgieße...?«

Er schüttelte den Kopf. »Ich schaffe es schon.« Mit sichtlicher Anstrengung nahm er seine Gedanken zusammen. Wie am Vortage ging eine plötzlich chamäleonhafte Veränderung mit ihm vor, die seinen Zügen Kraft und seiner Stimme Festigkeit verlieh. »Es ist eine sehr gute Neuigkeit.«

»Ja«, sagte die Herzogin. »Sie kann ein neuer Anfang für uns sein.«

Ihr Mann machte einen Schritt auf sie zu und überlegte es sich dann anders. Es war ihr Ernst, aber er wußte, an ihre persönlichen Beziehungen hatte sie dabei nicht gedacht.

Die Herzogin hielt sich mit müßigen Spekulationen auf. »Wir müssen unsere Pläne in bezug auf Chikago ändern. Von jetzt an werden all unsere Schritte genau beobachtet. Falls wir zusammen abreisen, berichten die Zeitungen hier und in Chikago darüber. Es würde Neugier erregen, wenn wir unseren Wagen in Reparatur geben.«

»Einer von uns muß nach Chikago fahren.«

»Ich fahre allein«, sagte die Herzogin entschieden. »Ich kann mein Äußeres etwas verändern, eine Brille tragen. Wenn ich es richtig anstelle, schlüpfe ich unerkannt durch.« Sie blickte zu einer schmalen Aktenmappe neben dem Sekretär hinüber. »Ich nehme den Rest des Geldes mit und veranlasse alles, was sonst nötig ist.«

»Du nimmst also an..., daß der Mann unangefochten bis Chikago gelangt. Noch hat er's nicht geschafft.«

Ihre Augen weiteten sich, als erinnere sie sich eines vergessenen Alptraums. »O Gott! Jetzt..., wo sich alles andere so gut anläßt..., muß er's schaffen! Er muß!«

12

Kurz nach dem Lunch gelang es Peter McDermott, in sein Appartement zu entwischen, wo er sich seines formellen dunklen Anzugs, den er im Hotel meistens trug, entledigte und statt dessen eine Leinenhose und eine leichte Jacke anzog. Er kehrte für einen Moment ins Büro zurück, um Briefe zu unterschreiben, die er auf dem Weg nach draußen auf Floras Schreibtisch legte.

»Am Spätnachmittag bin ich wieder hier«, sagte er und fügte nachträglich hinzu: »Haben Sie irgend etwas über Ogilvie ausfindig gemacht?«

Seine Sekretärin schüttelte den Kopf. »Nichts Definitives. Sie sagten mir, ich solle mich erkundigen, ob er mit jemandem über seine Reise gesprochen hätte. Also, er hat's nicht getan.«

Peter grunzte. »Ich habe eigentlich auch nicht damit gerechnet.«

»Da ist nur eins...«, Flora zögerte. »Vermutlich ist es unwichtig, aber es kam mir komisch vor.«

»Was?«

»Der Wagen, den Mr. Ogilvie fuhr... Sie sagten, es wäre ein Jaguar gewesen, stimmt's?«

»Ja.«

»Er gehört dem Herzog und der Herzogin von Croydon.«

»Sind Sie sicher, daß das kein Irrtum ist?«

»Das hab' ich mich auch gefragt und deshalb die Garage gebeten, es nachzuprüfen. Man sagte mir, ich sollte mich bei einem Mann namens Kulgmer erkundigen. Er ist der Nachtkontrolleur.«

»Ich weiß. Ich kenne ihn.«

»Er hatte gestern nacht Dienst, und ich rief bei ihm zu Hause an. Er sagte, Ogilvie hätte eine schriftliche Vollmacht der Herzogin von Croydon gehabt, den Wagen zu nehmen.«

Peter zuckte mit den Schultern. »Dann ist vermutlich alles in Ordnung.« Dennoch war es seltsam, daß Ogilvie den Wagen der Croydons benutzte; und noch seltsamer war die Vorstellung, daß zwischen dem Herzog und der Herzogin und dem ungehobelten Hausdetektiv irgendeine Verbindung bestand. Flora hatte sich offenbar auch darüber gewundert.

»Ist der Wagen wieder da?« fragte er.

»Nein. Ich hab' mich gefragt, ob ich mich bei der Herzogin erkundigen sollte. Aber dann hielt ich es für besser, zuerst mit ihnen darüber zu sprechen.«

»Ich bin froh, daß Sie gewartet haben.« Es war vermutlich nichts dabei, die Croydons nach Ogilvies Reiseziel zu fragen. Da er ihren Wagen genommen hatte, war anzunehmen, daß sie es kannten. Dennoch zögerte er. Nach seinem Zusammenstoß mit der Herzogin am Montagabend war Peter nicht scharf darauf, eine neue Verstimmung zu riskieren, schon deshalb, weil man ihm seine Nachforschungen als unberufene Einmischung ankreiden konnte. Außerdem war das Eingeständnis peinlich, daß die Hotelleitung keine Ahnung hatte, wo sich der Hausdetektiv aufhielt.

»Unternehmen Sie zunächst nichts«, sagte er zu Flora.

Peter dachte daran, daß noch ein anderes unerledigtes Problem seiner harrte - Herbie Chandler. Heute morgen hatte er Warren Trent die von Dixon, Dumaire und den zwei anderen niedergeschriebenen Erklärungen zeigen wollen, aus denen klar hervorging, daß der Chefportier an den Vorfällen, die zu dem Vergewaltigungsversuch führten, beteiligt gewesen war. Aber die offenkundige Zerstreutheit des Hotelbesitzers brachte ihn davon ab. Nun mußte sich Peter selbst mit der Angelegenheit befassen.

»Stellen Sie fest, ob Herbie Chandler heute abend Dienst hat«, instruierte er Flora. »Wenn er da ist, sagen Sie ihm, daß ich ihn um sechs Uhr sprechen möchte. Anderenfalls erwarte ich ihn morgen früh.«

Peter verließ den Verwaltungstrakt und ging in die Halle hinunter. Einige Minuten später trat er aus dem Dämmerlicht des Hotels in den strahlenden Sonnenschein des frühen Nachmittags hinaus.

»Hier bin ich, Peter!«

Marsha winkte ihm vom Führersitz eines weißen Kabrioletts aus zu; der Wagen stand eingeklemmt in einer Reihe wartender Taxis. Ein diensteifriger Türsteher lief herzu und hielt Peter die Wagentür auf. Als Peter auf den Sitz neben Marsha glitt, grinste ein Trio von Taxifahrern, und einer stieß einen anerkennenden Pfiff aus.

»Hallo«, sagte Marsha. »Wenn Sie nicht gekommen wären, hätte ich einen anderen Fahrgast aufgabeln müssen.« In dem leichten Sommerkleid war sie ein erfreulicher Anblick, aber er spürte hinter der heiteren Begrüßung die Befangenheit, vielleicht, weil sie an ihr Zusammensein von gestern abend dachte. Impulsiv nahm er ihre Hand und drückte sie.

»Das mag ich«, sagte sie, »obwohl ich meinem Vater versprochen habe, beim Fahren beide Hände zu benutzen.« Mit Hilfe der Taxifahrer, die ihr Platz machten, scherte sie aus der Reihe aus und fädelte sich in den Verkehrsstrom auf der St. Charles Street ein.

Es hatte den Anschein, dachte Peter, als sie an der Canal Street auf grünes Licht warteten, als werde er andauernd von hübschen Frauen durch New Orleans kutschiert. War es wirklich erst drei Tage her, daß er mit Christine in ihrem Volkswagen zu ihrem Appartement hinausgefahren war? In derselben Nacht war er Marsha zum erstenmal begegnet. Es kam ihm länger vor als drei Tage vielleicht weil Marsha ihm inzwischen einen Heiratsantrag gemacht hatte. Er fragte sich, ob sie die Dinge am Morgen nicht in einem vernünftigeren Licht gesehen hatte, war jedoch nach wie vor entschlossen, nichts zu sagen, sofern sie das Thema nicht selbst anschnitt.