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Die Angaben befanden sich in einer Notiz von Flora, die ihren mündlichen Bericht bestätigte. Peter las sie laut ab, und der Kriminalbeamte notierte sie sich.

»Danke. Zweitens, eine Personenbeschreibung von Ogilvie. Ich kenne ihn, aber ich möchte sie gern von Ihnen hören.«

Peter lächelte. »Das ist leicht.«

Als er mit der Beschreibung fertig war, läutete das Telefon. Diesmal bekam er die Antworten des Captains mit, die sich jedoch zumeist auf »Ja, Sir!« und »Ich verstehe!« beschränkten. Einmal sah der Kriminalbeamte auf und warf Peter einen abschätzenden Blick zu. Er sagte ins Telefon: »Meiner Meinung nach ist er sehr verläßlich.« Sein Gesicht verzog sich zu einem leichten Lächeln. »Und auch ziemlich beunruhigt.«

Er gab die Zulassungsnummer des Wagens und Ogilvies Personenbeschreibung weiter und legte auf.

»Sie haben recht«, sagte Peter, »ich bin beunruhigt. Beabsichtigen Sie, sich noch heute mit dem Herzog und der Herzogin von Croydon in Verbindung zu setzen?«

»Nein. Wir wollen vorher noch ein bißchen mehr Material sammeln.« Captain Yolles betrachtete Peter versonnen. »Haben Sie die Abendzeitungen schon gesehen?«

»Noch nicht.«

»Es geht das Gerücht um - der >States-Item< hat es veröffentlicht -, daß der Herzog von Croydon britischer Botschafter in Washington wird.«

Peter stieß einen gedämpften Pfiff aus.

»Wie mein Chef mir eben sagte, wurde die Ernennung inzwischen offiziell bestätigt. Es kam gerade übers Radio.«

»Würde das nicht bedeuten, daß er unter diplomatischer Immunität steht?«

Der Kriminalbeamte schüttelte den Kopf. »Nicht für etwas, das bereits passiert ist. Falls es passiert ist.«

»Aber eine falsche Anschuldigung...«

»Wäre in jedem Fall eine böse Sache, in diesem natürlich besonders. Deshalb gehen wir auch behutsam vor, Mr. McDermott.«

Peter bedachte, daß es sowohl für das Hotel als auch für ihn sehr unangenehm werden könnte, falls etwas von den Ermittlungen durchsickerte und sich die Unschuld der Croydons herausstellte.

»Damit Sie sich nicht zu große Sorgen machen, will ich Ihnen das eine oder andere verraten«, sagte Captain Yolles. »Unsere Leute haben sich seit meinem Anruf einiges zurechtgelegt. Sie vermuten, daß Ihr Ogilvie den Wagen aus dem Staat zu schaffen versucht, vielleicht in irgendeine Stadt im Norden. Welche Verbindung allerdings zwischen ihm und den Croydons besteht, wissen wir nicht.«

»Der Punkt ist mir auch schleierhaft«, sagte Peter.

»Wahrscheinlich fuhr er gestern nacht, nachdem Sie ihn gesehen hatten, los und ging tagsüber irgendwo in Deckung. Da der Wagen beschädigt ist, wird er sich hüten, bei Tag zu fahren. Falls er heute nacht aus seinem Versteck kommt, sind wir bereit. Wir sind eben dabei, zwölf Staaten zu alarmieren.«

»Dann nehmen Sie die Sache also ernst?«

»Freilich.« Der Kriminalbeamte wies auf das Telefon. »Einer der Gründe für den Anruf eben war, mir mitzuteilen, daß der Bericht vom staatlichen Laboratorium über Glassplitter und einen Blendring, den unsere Leute letzten Montag am Unfallort fanden, endlich vorliegt. Es handelt sich um ein ausländisches Fabrikat, deshalb dauerte es so lange. Aber jetzt wissen wir, daß Splitter und Blendring von einem Jaguar stammen.«

»Kann man das wirklich so genau feststellen?«

»Wir können noch mehr, Mr. McDermott. Falls wir an den Wagen rankommen, mit dem die Frau und das Kind getötet wurden, können wir sogar beweisen, daß es gerade dieser war.«

Captain Yolles stand auf, und Peter geleitete ihn ins äußere Büro. Dort fand er zu seiner Verwunderung Herbie Chandler vor, bis ihm einfiel, daß er den Chefportier selber herbestellt hatte. Nach den Ereignissen des Nachmittags war er versucht, die vermutlich höchst unerfreuliche Unterredung zu verschieben, sagte sich dann jedoch, daß mit dem Aufschub nichts gewonnen war.

Er sah, daß der Kriminalbeamte und Chandler Blicke wechselten.

»Gute Nacht, Captain«, sagte Peter, und es bereitete ihm ein boshaftes Vergnügen, das ängstliche Zucken auf Chandlers Wieselgesicht zu beobachten. Sobald der Kriminalbeamte gegangen war, winkte Peter den Chefportier in das innere Büro.

Er schloß eine Schublade seines Schreibtisches auf, nahm die Mappe mit den schriftlichen Erklärungen der vier Jugendlichen heraus und überreichte sie Chandler.

»Ich glaube, das wird Sie interessieren. Für den Fall, daß Sie auf dumme Gedanken kommen, das sind Fotokopien. Die Originale habe ich sicher verwahrt.«

Chandler machte eine Duldermiene und begann zu lesen. Je weiter er kam, desto fester preßte er die Lippen aufeinander, und einmal schnappte er vernehmlich nach Luft. Gleich darauf murmelte er: »Schufte!«

»Sie meinen, weil die vier Sie als Zuhälter bloßgestellt haben?«

Der Chefportier errötete und legte die Blätter weg. »Was werden Sie tun?«

»Am liebsten würde ich Sie auf der Stelle rausschmeißen. Weil Sie aber schon so lange hier sind, werde ich Mr. Trent informieren und ihm die Entscheidung überlassen.«

Chandler fragte mit winselnder Stimme: »Können wir nicht noch ein bißchen darüber reden, Mr. Mac?«

Als eine Antwort ausblieb, fing er wieder an: »Mr. Mac, in so einem Haus geht eine Menge vor... «

»Falls Sie mir für die Tatsachen des Lebens die Augen öffnen wollen - ich meine Callgirls und all die anderen dunklen Nebengeschäfte -, dann bezweifle ich, ob Sie mir darüber etwas Neues sagen können. Aber ich weiß noch etwas anderes, und Sie dürften's auch wissen: gewisse Dinge kann die Hotelleitung nicht dulden - beispielsweise die Vermittlung von Frauen an Minderjährige.«

»Mr. Mac, könnten Sie nicht, wenigstens die s eine Mal, Mr. Trent aus dem Spiel lassen? Könnten wir die Sache nicht vielleicht unter uns abmachen?«

»Nein.«

Der Blick des Chefportiers huschte unruhig durch den Raum und heftete sich dann wieder abschätzend auf Peter. »Mr. Mac, falls gewisse Leute ein Auge zudrücken würden...« Er verstummte.

»Ja.«

»Also manchmal kann sich das auszahlen.«

Neugier veranlaßte Peter zum Schweigen.

Chandler zögerte und knöpfte dann bedächtig eine Tasche seiner Uniformjacke auf. Er fischte einen zusammengefalteten Umschlag heraus, den er auf den Schreibtisch legte.

»Lassen Sie mich das mal sehen«, sagte Peter.

Der Chefportier schob ihm den Umschlag herüber. Er war offen und enthielt fünf Einhundert-Dollar-Noten. Peter inspizierte sie neugierig.

»Sind sie echt?«

»Und ob die echt sind!« Chandler grinste selbstgefällig.

»Ich wollte nur wissen, wie hoch Sie mich einschätzen.« Peter warf ihm das Geld wieder zu. »Stecken Sie's ein und verschwinden Sie.«

»Mr. Mac, wenn Sie finden, daß es zu wenig -«

»Raus!« Peter sprach leise. Er erhob sich halb aus seinem Sessel. »Verschwinden Sie, bevor ich Ihnen Ihren dreckigen Hals umdrehe.«

Als Chandler das Geld an sich nahm und hinausging, war sein Gesicht eine haßerfüllte Maske.

Sobald er allein war, plumpste Peter in seinen Sitz zurück.

Die Unterredungen mit dem Kriminalbeamten und mit Chandler hatten ihn ermüdet und deprimiert. Die zweite hatte ihn stärker mitgenommen, vermutlich, weil die angebotene Bestechung ein Gefühl der Unsauberkeit in ihm hinterlassen hatte.

Oder nicht? Er dachte: Mach dir nichts vor. Es hatte einen Moment gegeben, als er das Geld in Händen hatte, in dem er nahe daran war, es zu nehmen. Fünfhundert Dollar waren nicht zu verachten. Peter gab sich keinen Illusionen hin über seine eigenen Einkünfte im Vergleich zu denen des Chefportiers, der zweifellos jeden Monat ein kleines Vermögen zusammenscharrte. Falls es sich um einen anderen als Chandler gehandelt hätte, wäre er der Versuchung vielleicht erlegen. Oder nicht? Er wünschte, er könnte sich dessen sicher sein. Auf jeden Fall wäre er nicht der erste Hotelmanager gewesen, der sich von Untergebenen bestechen ließ.