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Albert Wells verstummte und winkte einen Gruß quer durch den Raum. Christine sah auf und erblickte Peter McDermott, der auf ihren Tisch zukam. Sie hatte sich schon gefragt, ob Peter an ihren Vorschlag, sich nach dem Dinner zu ihnen zu setzen, denken würde. Sein Anblick befeuerte alle ihre Sinne. Dann spürte sie, daß er niedergedrückt war.

Der kleine Mann begrüßte Peter herzlich, und ein Kellner brachte schleunigst noch einen Stuhl.

Peter sank dankbar hinein. »Ich fürchte, ich bin ein bißchen spät dran. Es ist einiges passiert.« Das war eine monumentale Untertreibung, dachte er im stillen.

In der Hoffnung, daß sich später die Gelegenheit ergeben würde, allein mit Peter zu sprechen, sagte Christine: »Mr. Wells erzählt gerade eine ungeheuer spannende Geschichte. Ich muß unbedingt das Ende hören.«

»Erzählen Sie weiter, Mr. Wells.« Peter nippte an dem Kaffee, den der Kellner vor ihn hingestellt hatte. »Ich komme mir vor wie jemand, der mitten in einen Film hineinplatzt. Den Anfang hole ich später nach.«

Der kleine Mann betrachtete lächelnd seine knorrigen, verarbeiteten Hände. »Es ist gar nicht mehr so viel, nur hat das Ende so 'ne Art Dreh. Ich kam nach dem Norden und fand Hymie in Yellowknife in einem Hotel. Es war bloß eine Bruchbude, aber sie lief unter der Bezeichnung. Ich warf ihm alle Schimpfnamen an den Kopf, die mir einfielen. Und die ganze Zeit grinste er mich an, und das machte mich immer wütender, bis ich ihn auf der Stelle hätte umbringen können. Aber natürlich hätte ich's nicht getan. Das wußte er genausogut wie ich.«

Christine sagte: »Er muß ein abscheulicher Mensch gewesen sein.«

»Das dachte ich damals auch. Aber als ich ein bißchen ruhiger geworden war, sagte Hymie, ich sollte mitkommen. Wir gingen zu einem Anwalt, und da lagen die Papiere fertig ausgestellt auf meinen Namen, über den Anteil, der mir zustand. Hymie hatte nicht mal 'etwas für die Arbeit berechnet, die er während meiner Abwesenheit geleistet hatte.«

»Ich verstehe nicht.« Christine schüttelte verwirrt den Kopf. »Warum hat er...?«

»Hymie erklärte es mir. Er hatte von Anfang an gewußt, daß es einen Haufen juristischen Schreibkram geben würde, vor allem, wenn wir nicht verkauften, sondern den Claim selber ausbeuteten, und er wußte, daß ich nicht verkaufen wollte. Da waren die Bankanleihen für die Maschinen, die Lohnzahlungen und alles übrige. Solange ich im Krankenhaus lag und die meiste Zeit nicht wußte, wo oben und unten war, hätte er nichts tun können, weil ich Mitbesitzer war. Folglich benutzte Hymie meinen Verkaufsvertrag und machte sich an die Arbeit. Er hatte immer vorgehabt, mir meinen Anteil wiederzugeben. Der Haken dabei war bloß, daß er kein großer Briefschreiber war und mir nie auch nur ein Wort darüber zukommen ließ. Aber er hatte gleich zu Anfang alle Dinge rechtsgültig festgelegt. Wenn er gestorben wäre, hätte ich außer meinem Anteil auch seinen bekommen.«

Peter McDermott und Christine starrten ihn über den Tisch hinweg an.

»Später tat ich dasselbe mit meiner Hälfte«, sagte Albert Wells, »machte ein Testament und setzte ihn als Erben ein. Und so blieb's bis zu dem Tag, an dem Hymie starb; das war vor fünf Jahren. Ich schätze, ich lernte was dabei: Wenn man an jemanden glaubt, soll man nicht auf einen bloßen Verdacht hin seine Meinung ändern.«

»Und was wurde aus der Mine?« fragte Peter McDermott.

»Also, wir wiesen alle Kaufangebote zurück, und es stellte sich heraus, daß wir recht daran getan hatten. Hymie verwaltete sie viele Jahre lang. Sie ist noch immer in Betrieb und eine der ergiebigsten im Norden. Dann und wann fliege ich rüber und seh' sie mir an, um der alten Zeiten willen.«

Sprachlos, mit offenem Mund, starrte Christine den alten Mann an. »Sie..., Sie... besitzen eine Goldmine?«

Albert Wells nickte fröhlich. »Ganz recht. Und eine Reihe andere Dinge.«

»Entschuldigen Sie meine Neugier«, sagte Peter McDermott, »aber was für andere Dinge?«

»Das weiß ich selbst nicht genau.« Der kleine Mann rutschte schüchtern auf seinem Stuhl herum. »Zwei Zeitungen, ein paar Schiffe, eine Versicherungsgesellschaft, Häuser und alles mögliche andere. Letztes Jahr hab' ich eine Reihe von Lebensmittelgeschäften gekauft. Ich mag neue Dinge. Sie halten mich in Trab.«

»Ja«, sagte Peter, »das kann ich mir vorstellen.«

Der kleine Mann lächelte mutwillig. »Tatsächlich ist da noch eine Sache, von der ich Ihnen eigentlich erst morgen erzählen wollte, aber ich kann's ebensogut gleich tun. Ich habe gerade das Hotel hier gekauft.«

18

»Da sind die Herren, Mr. McDermott.«

Max, der Oberkellner, wies quer durch die Halle auf zwei Männer - einer war Captain Yolles von der Kriminalpolizei -, die geduldig neben dem Zeitungsstand warteten.

Ein oder zwei Minuten vorher hatte er Peter McDermott von dem Tisch im Speisesaal weggeholt, wo Christine und er in betäubtem Schweigen dasaßen und Mr. Wells' Eröffnung zu verdauen versuchten. Peter wußte, daß sie beide zu erstaunt waren, um die Neuigkeit richtig zu begreifen oder die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu übersehen. Es war eine Erleichterung für ihn, als er hörte, daß jemand ihn dringend zu sprechen wünschte. Mit einer hastigen Entschuldigung und der Zusage, sich später, wenn möglich, wieder einzufinden, war er hinausgeeilt.

Captain Yolles ging ihm entgegen. Er stellte seinen Gefährten als Detektiv-Sergeant Bennett vor. »Mr. McDermott, gibt es hier irgendeinen Raum, wo wir reden können?«

»Hier entlang.« Peter führte die zwei Männer am Portierschalter vorbei ins Büro des Kreditmanagers, das nachts nicht benutzt wurde. Während sie hineingingen, überreichte Captain Yolles Peter eine zusammengefaltete Zeitung. Es war eine frühe Ausgabe der morgigen »Times-Picayune«. Die über drei Spalten laufende Schlagzeile lautete:

Croydons Ernennung zum britischen Botschafter bestätigt.

Die Neuigkeit erreichte ihn in New Orleans.

Captain Yolles machte die Bürotür zu. »Mr. McDermott, Ogilvie ist verhaftet worden. Er wurde vor etwa einer Stunde in der Nähe von Nashville in dem Wagen angehalten. Die Polizei von Tennessee hält ihn fest, und wir haben jemanden hingeschickt, um ihn abzuholen. Der Jaguar wird unauffällig auf einem Lastwagen herübergebracht. Aber auf Grund einer Untersuchung an Ort und Stelle besteht kaum noch ein Zweifel, daß es sich um den Unfallwagen handelt.«

Peter nickte. Er merkte, daß die zwei Beamten ihn neugierig musterten.

»Sie müssen entschuldigen, wenn ich ein bißchen schwer von Begriff bin«, sagte er. »Aber ich habe gerade eben einen ziemlichen Schock erlebt.«

»Wegen dieser Angelegenheit?«

»Nein, wegen des Hotels.«

Es gab eine kurze Pause, dann sagte Yolles: »Vielleicht interessiert es Sie, daß Ogilvie eine Aussage gemacht hat. Er behauptet, er hätte keine Ahnung gehabt, daß der Wagen in einen Unfall verwickelt war. Der Herzog und die Herzogin von Croydon hätten ihm zweihundert Dollar dafür gezahlt, daß er ihn nach dem Norden fährt. Er hatte den Geldbetrag bei sich.«

»Nehmen Sie ihm das ab?«

»Vielleicht stimmt es, vielleicht aber auch nicht. Wir werden mehr wissen, sobald wir ihn verhört haben.«

Morgen würden sich viele Dinge klären, dachte Peter. Der heutige Abend hatte etwas Unwirkliches. Er fragte: »Was geschieht als nächstes?«

»Wir möchten dem Herzog und der Herzogin von Croydon einen Besuch abstatten. Wir hätten Sie gern dabei, falls Sie nichts dagegen haben.«

»Nun ja..., wenn Sie es für notwendig halten.«

»Danke.«

»Da ist noch ein Punkt«, sagte der andere Kriminalbeamte. »Die Herzogin soll eine Art Vollmacht ausgestellt haben, daß ihr Wagen aus der Hotelgarage geholt werden darf.«

»Ganz recht.«

»Das könnte wichtig sein. Glauben Sie, daß das Schreiben noch vorhanden ist?«