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Und da hat der, der sich Jack genannt hat, gesagt: »Joe, du verstehst nichts von püschologischer Kriegführung! Das macht man ganz anders. Paß mal auf … Lieber Mister Formann, schauen Sie, die Welt ist schon wieder in Aufruhr! Die Kommunisten, nicht wahr? Bitte, Korea! Da steht doch ein neuer Krieg unmittelbar bevor – oder vielleicht nicht?«

»Das ist wohl nicht zu bestreiten, Jack.«

»Sehen Sie, Mister Formann! Unsere tapferen Jungs sind dort. Schützen die Freiheit. Geben ihr Leben für Freiheit und Demokratie. Da müssen wir ihnen doch wenigstens anständige Unterkünfte bieten, erstklassige – oder? Und wer hat die erstklassigsten? Sie, Mister Formann, nicht wahr?«

»Stimmt«, habe ich gesagt und gedacht: Mensch, Korea! Da unten ein Krieg! Steht unmittelbar bevor, hat dieser Jack gesagt! Ob ich das überhaupt schaffe, so viele Truppenunterkünfte – und so schnell? Und dann wird’s gleich auch anderswo losgehen. So wie es fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aussieht. Und jetzt wird der todsicher von Krisengebieten sprechen …

»Und dann all die Krisengebiete, Mister Formann!« (Na bitte, habe ich richtig gedacht?) »Da haben die Kommunisten ihre größte Chance, klar?«

»Klar«, habe ich gesagt und gedacht: Seid ihr also auch schon draufgekommen!

»Na«, hat der, der sich Jack genannt hat, väterlich zu mir gesagt, »wer nichts zu fressen hat und kein Dach über dem Kopf, der wird natürlich Kommunist!« (Natürlich. Das habe ich aber schon ein Jahr früher gehört.) »Besonders schnell würde er natürlich Kommunist, wenn ihm die Russen was zu fressen und ein Dach über den Kopf geben würden.« (Also, ich muß aufpassen, daß ich nicht loslache. Die wollen genau denselben Dreh wie die Sowjets … mit einjähriger Verspätung!) »Klar?«

»Klar, Jack.«

»Deshalb müssen wir amerikanische Hilfslieferungen in die Krisengebiete schicken! Fertighäuser zum Beispiel! Dann werden die armen Leute dort sagen: Amerika ist unser Freund, nicht Rußland!« (Sie werden sagen: Amerika und Rußland sind nicht unsere Freunde, die interessieren sich für uns nur, weil sie uns als Einflußsphäre haben wollen! Nehmen tun wir natürlich von beiden, dann sehen wir weiter.) »Und auf diese Weise werden alle Krisengebiete für Amerika sein und nicht für Rußland, wenn es zur großen Auseinandersetzung kommt!«

(Dasselbe haben mir Blaschenko und Assimow im Garten hinter der Datscha vor Moskau erklärt vor einem Jahr. West oder Ost – sie wollen beide wirklich nur das Beste für die Menschen!)

»Lebensmittel werden wir natürlich auch in alle Krisengebiete liefern«, hat der gesagt, der gesagt hat, er heißt Joe. »Und Fertighäuser! Ihre Fertighäuser, Mister Formann! Weil es die besten sind!« (Ja, ja, das haben die Russen auch gesagt.) »Amerika ist voller russischer Agenten! Wenn die melden, daß wir von Amerika aus Fertighäuser in Krisengebiete schicken, tun die Russen das auch, und alles ist umsonst. Klar, wie?«

»Klar, Joe«, habe ich gesagt.

»Wenn wir aber«, hat der, der sich Jim genannt hat, gesagt, »die Häuser nehmen, die Sie in Deutschland bauen – natürlich bezahlt das Pentagon alles! –, und sie verschiffen über Hamburg oder Bremerhaven, ist jede Gefahr gebannt. Das sehen Sie doch ein – wie?«

»Das sehe ich ein«, habe ich gesagt.

»Wenn Sie uns jetzt helfen, werden wir auch Ihnen helfen, wo immer wir nur können«, hat der Senator gesagt. »Wann immer Sie was brauchen. Sie kriegen alles, wenn Sie uns jetzt diesen Dienst erweisen. Mein Büro ist die Anlaufstelle. Sie telefonieren mit mir, wo immer in der Welt Sie sind – und schon kriegen Sie Hilfe von uns, wenn Sie uns jetzt helfen. Denn das ist unsere Idee mit der Hilfe für Krisengebiete! Auf so was kommen die Russen nie!«

Ogottogottogott, habe ich gedacht, und gesagt habe ich: »Nein, Senator, auf so was kommen die Russen nie, da haben Sie ganz recht!«

»Natürlich habe ich ganz recht. Also?«

Also:

»Aber das ist doch selbstverständlich, meine Herren«, habe ich gesagt. »Die Häuser kommen aus Westdeutschland. Aber ich bin Österreicher. Und Österreich ist neutral. Okay, meine Herren, ich liefere, was Sie brauchen!«

22

Ja, und da stehe ich nun im Büro des Flughafenchefs von Orly und führe ein Staatsgespräch mit dem lieben alten Senator Connelly, und er sagt atemlos: »Ich tue, was ich nur kann, Jake!«

»Sie können blitzschnell die NATO hier bei Paris anrufen und sagen, daß ich dringend eine amerikanische Jagdmaschine brauche, denn ich muß um siebzehn Uhr präzise in Hamburg sein, und meine Linienmaschine ist mir vor der Nase davongeflogen, Senator!«

»Wenn’s weiter nichts ist, lieber Jake. Ist doch eine Freude für mich! Sofort rufe ich das NATO-Hauptquartier an, und in einer Viertelstunde spätestens ist ein ›Trainer‹, den die gerade startbereit haben, in Orly. Ich bin ja so froh, Ihnen auch mal einen Dienst erweisen zu dürfen …«

Na ja, elf Minuten später ist dann so eine T-33 auf dem großen Flughafen Orly gelandet. Ich nix wie rein und dem Piloten gesagt: Fuhlsbüttel-Hamburg – und los ging’s! Aber wie! Das fliegt sich vielleicht. Also jetzt habe ich aber die Schnauze voll von Linienmaschinen! Ein Mann wie ich braucht seine eigene Maschine! Der wird ja dauernd hin und her gejagt! Wieder eine Sturmfront. Ach, ist das hübsch, dieses Fallen und Steigen, das macht mir richtig Spaß. Ich muß eine Privatmaschine kaufen, damit ich absolut unabhängig bin. Zunächst mal eine. Dann wird man weitersehen …

Was? Wie? Ist doch nicht möglich! Wir gehen schon zur Landung runter? Wir sind schon da? Noch vor der Maschine, die mir davongeflogen ist? Phantastisch! Händeschütteln. Danke sagen. Der Ami reißt die Hand an die Mütze, tja, ich bin ein großer Mann, denkt Jakob, während er durch die Flughafenhalle rast, sich in ein Taxi fallen läßt, die Adresse der Außenstelle Seefahrt angibt.

In Hamburg scheint die Sonne. Der Chauffeur legt eine Zeitung beiseite. Jakob kann gerade noch die Schlagzeile erkennen.

DEUTSCHE WIDERSETZEN SICH DER REDUZIERUNG BRITISCHER STREITKRÄFTE!

Also ernst nehmen kann man diese Welt wirklich nicht mehr! Wenn das nicht die Schlagzeile ist, auf die die Engländer ihr Leben lang gewartet haben!

23

»Jakob Formann mein Name, Fräulein. Ich bin Punkt siebzehn Uhr mit dem Herrn Staatssekretär Bredendorff verabredet. Es ist Punkt siebzehn Uhr.«

»Tut mir leid, Herr Formann, der Herr S-taatssekretär Bredendorff mußte schon fort! Seine Maschine ging früher!«

»Hören Sie, er hat mich eigens für heute herbestellt! Das ist doch eine Sauerei, das kann man mit mir nicht machen, das …«

»Beruhigen Sie sich, Herr Formann, ich bitte, beruhigen Sie sich. Der Herr S-taatssekretär hat einen Persönlichen Referenten. Der ist über alles informiert. Der erwartet Sie. Der wird mit Ihnen reden.«

»Na schön, wo ist er?«

»Im Moment hat er gerade Besuch. Bitte gedulden Sie sich ein wenig, Herr Formann.«

»Hören Sie, ich war um Punkt siebzehn Uhr …«

»Ja, ja, gewiß, Herr Formann. Aber Sie können sich bes-timmt vors-tellen, daß der Herr Persönliche Referent vor Arbeit kaum aus den Augen zu schauen vermag, jetzt, da der Herr S-taatssekretär nach Amerika geflogen ist.«

»Also schön, liebes Fräulein, ich warte …«

Jakob wartete eine halbe Stunde in einem eleganten Vorraum. Er blätterte in einer Gazette. In dieser ersten halben Stunde bildete er sich. Er las eine Würdigung des Dichters Bertolt Brecht, der im August dieses Jahres gestorben war, sowie Kritiken der Bücher ›Die Wurzeln des Himmels‹ von Romain Gary (da geht es um einen Mann, der will die Ausrottung der Elefanten in Afrika verhindern, ich muß unbedingt auf eine Safari, meinen Elefanten schießen! dachte Jakob), sowie ›Die Dämonen‹ von Heimito von Doderer (eine Hymne, diese Besprechung, ein wirklicher Dichter, na ja, ein Wiener natürlich!) und des Theaterstücks ›Blick zurück im Zorn‹ von John Osborne. (Ich weiß nicht, ich kann nicht im Zorn zurückblicken, er kann es offenbar, dachte Jakob.)