Die »Subkultur« der Jugend findet die ihr entsprechende Kunst: Mit Andy Warhol (1962) beginnt die »Pop-Art«.
Auf der Bühne sieht man Jean Genets »Balkon« (1957) und J. M. Simmels »Schulfreund« (1959), Max Frischs »Andorra« (1961) und das Musical »My Fair Lady« (1961). Rolf Hochhuths »Stellvertreter« (1963) und Peter Hacks’ »Polly« (1964).
Von Büchern ist zu nennen: 1957 Max Frisch: »Homo faber«; Hugo Hartung: »Wir Wunderkinder«; Arno Schmidt: »Die Gelehrtenrepublik«; (noch nicht im Faksimile des Typoskripts). – 1958: Truman Capote: »Frühstück bei Tiffany«; Leon Uris: »Exodus«; Boris Pasternak: »Dr. Schiwago«. – 1959: Pierre Theilhard de Chardin: »Der Mensch im Kosmos«; Heinrich Bölclass="underline" »Billard um halb zehn«; Günter Grass: »Die Blechtrommel«. – 1960: Martin Walser: »Halbzeit«; Hans Habe: »Ilona«; Anne Golon: »Angelique«. – 1961 (C. G. Jung u. Ernest Hemingway †): Helmut Qualtinger: »Der Herr Karl«; das »Deutsche Wörterbuch« der Gebr. Grimm wird beendet; die Zeitschrift »Sprache im technischen Zeitalter«. – 1962 (Hermann Hesse †): Joseph Breitbach: »Bericht über Bruno«; Uwe Johnson: »Das dritte Buch über Achim«; Jerome D. Salinger: »Der Fänger im Roggen«. – 1963: Aleksander Solschenizyn: »Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch«; Mary McCarthy: »Die Clique«; Peter Hucheclass="underline" »Chausseen, Chausseen«; Katherine Anne Porter: »Das Narrenschiff«; Max von der Grün: »Irrlicht und Feuer«. – 1964: Herbert Marcuse: »Der eindimensionale Mensch«; Thomas Bernhard: »Amras«. – 1965: Walter Robert Fuchs: »Knaurs Buch der modernen Physik« (neuer Typ des farbig illustrierten Sachbuchs); Wolf Biermann: »Die Drahtharfe«.
Die großen Filme: »In 80 Tagen um die Welt« (USA, Mike Todd); »Die Brücke am Kwai« (USA, Alec Guiness); »Die Zwölf Geschworenen« (USA). – 1958: »Das Mädchen Rosemarie« (nach dem Mordfall Nitribitt; Titel anfangs: »Venus vulgivaga [mot.]«); »Wenn die Kraniche ziehen« (UdSSR). – 1959: »Sonntags nie« (Frankr., Melina Mercouri); »Manche mögen’s heiß« (USA, Billy Wilder, Marilyn Monroe). – 1960: »Außer Atem« (Frankr., Jean-Luc Godard, »Neue Welle«); »Wir Kellerkinder« (BR, Wolfg. Neuss); »Psycho« (Engl., A. Hitchcock); »Frühstück bei Tiffany« (USA, Audrey Hepburn). – 1961: »Das Wunder des Malachias« (Schweiz, B. Wicki); »West Side Story« (USA); »Telefon Butterfield 8« (USA, Elizabeth Taylor). – 1962: »Die Eingeschlossenen« (Frankr.); »Das schwarz-weiß-rote Himmelbett« (BR); »Der Prozeß« (USA, Orson Welles). – 1963: »Das Schweigen« (Schweden. Ingmar Bergman); »Die Vögel« (Engl., A. Hitchcock). – 1964: »Alexis Sorbas« (Griechenl.); »Mary Poppins« (USA). -1965: »Der junge Törless« (BR); »Es« (BR); »Wer hat Angst vor Virginia Woolf?« (USA).
Nicht wenige Schlager sind bis heute beliebt geblieben: »True love« (1957); der »River-Kwai-Marsch« (1958); »Am Tag, als der Regen kam« (1959); »Wir wollen niemals auseinandergehn« (1960); »Pigalle« (1961); »Junge, komm bald wieder«; »Mit siebzehn hat man noch Träume« (1964) und »Yesterday« (Die Beatles, 1965).
In diesem Sinne geht’s dann weiter (mit manchen Dingen freilich abwärts).
1966: »Deutschmark, Deutschmark über alles« (The Daily Telegraph)
Seit 1959 ist Heinrich Lübke (CDU) Bundespräsident als Nachfolger von Theodor Heuss († 12. 12. 1963).
5. Januar: Altbundeskanzler Konrad Adenauer 90 Jahre alt († 19. 4. 1967).
30. November: Ludwig Erhard tritt als Bundeskanzler der CDU/CSU-FDP-Regierung zurück.
1. Dezember: Bundeskanzler der neuen CDU/CSU-SPD-Regierung: Kurt Georg Kiesinger; Vizekanzler und Außenminister Willy Brandt (Entspannungspolitik). Wirtschaftsminister Karl Schiller (Antizyklische Finanzpolitik zur Konjunkturbelebung).
Arbeitslose in der BR: 160 000 (Jahresdurchschnitt).
Weltweite Demonstrationen gegen Eskalation des Vietnamkrieges durch die USA; dort außerdem wieder schwere Rassenunruhen (1963: Martin Luther King ermordet).
Die »Kulturrevolution« in China wird in der Sowjetunion als »Entehrung des Marxismus-Leninismus« gebrandmarkt.
DDR: Erstes Atomkraftwerk mit 70 000 kW Leistung.
Atomwissenschaftlicher Kongreß in China: »Zur Theorie der Elementarteilchen aufgrund der Erleuchtung durch den Großen Vorsitzenden Mao Tse-tung«.
China hat die Atombombe seit 16. 10. 1964.
In Spanien stürzt ein US-Kampfflugzeug mit Atombomben ab, die gottlob nicht zünden.
Infolge »Bildungsnotstands« wird seit 1961 (Bochum) eine Universität nach der anderen gegründet. In diesem Jahr ist es Düsseldorf. – Es bleibt bei den Studentenkrawallen – (»Schweigende Mehrheit«: 60 bis 85 Prozent). 1968 führen Studentendemonstrationen in Paris zur »Mai-Revolte« mit Generalstreik.
Mary Quant kreiert im »Swinging London« den Minirock.
Bühne: Peter Handke: »Publikumsbeschimpfung«.
Bücher: Günter Eich: »Anlässe und Steingärten«; Lose-Blatt-Lyrik im Verlag Luchterhand; Gerhard Zwerenz: »Casanova oder der kleine Herr in Krieg und Frieden«; Jürgen Thorwald: »Die Stunde der Detektive«; Werner Keller: »Und wurden zerstreut unter alle Völker«; James A. Michener: »Die Quelle«.
Filme: »Grieche sucht Griechin« (BR, Heinz Rühmann); »Abschied von gestern« (BR, Alexander Kluge); »Blow up« (Engl., Michelangelo Antonioni); »Fahrenheit 451« (Engl., François Truffaut); »Africa addio« (Ital.); »Wenn Katelbach kommt« (Engl., Roman Polanski).
Schlager: »Stranger in the Night« (Frank Sinatra); »Natalie« (Gilbert Bécaud).
1976: Dreißig Jahre nach den Eiern von Hörsching oder: »Wohin treibt die Bundesrepublik?« (der Philosoph Karl Jaspers 1966)
1969 wird nach Heinrich Lübke († 1972) Gustav Heinemann (bis 1952 CDU, dann Gesamtdeutsche Volkspartei, seit 1957 SPD) Bundespräsident (bis 1974, † 1976). Er erfindet das Wort vom »mündigen Bürger«. Auf Heinemann folgt 1974 Walter Scheel (FDP).
Willy Brandt ist seit 1969 Bundeskanzler; 1971 erhält er den Friedens-Nobelpreis.
Bei der Bundestagswahl von 1972 bekommt die CDU/CSU 225 Sitze, die SPD 230, die FDP 41: »Sozialliberale Koalition« mit sozial-, bildungs-, rechts- und innenpolitischem Reform- und außenpolitischem Entspannungsprogramm. Im September 1973 werden BR und DDR als 133. und 134. Staat in die UN aufgenommen. Brandt tritt am 6. Mai 1974 wegen der Spionageaffäre Guillaume zurück. 1976 wird er Präsident der Sozialistischen Internationale.
Sein Nachfolger als Bundeskanzler ist Helmut Schmidt (SPD, 1969–72 Bundesverteidigungsminister, 1972 Bundeswirtschafts- und Finanzminister, 1972–74 Bundesfinanzminister). Sein Vizekanzler und Außenminister ist Hans-Dietrich Genscher (FDP). Bei der Bundestagswahl vom 3. Oktober 1976 (Wahlbeteiligung 90,7 %) wird die CDU/CSU mit 243 Sitzen stärkste Fraktion, die SPD erhält 214, die FDP 39 Sitze. Fortsetzung der »Sozialliberalen Koalition«.
In der SPD zunehmend Radikalisierung auf dem linken Flügel, insbesondere bei den Jungsozialisten (»Jusos«), ebenso bei der FDP (Jungdemokraten, »Judos«). Bei der CDU/CSU kriselt es im Verhältnis der Partner und der Vorsitzenden Helmuth Kohl (seit 1973)/Franz Josef Strauß, doch einigt man sich immer wieder bis zum nächsten »Kreuth«.
Politische Gewaltanwendung ist von der gegen Sachen zu der gegen Personen eskaliert: Auf Brandstiftung folgen Morde, Geiselnahmen und Flugzeugentführungen zu politischer Erpressung. Dazu 1972 der evangelische Theologe Helmut Gollwitzer: »1968 haben Gudrun Ensslin und ihre Freunde in ihrer Verzweiflung über die moralische Dickfelligkeit der bundesrepublikanischen Bevölkerung und ihrer offiziellen Repräsentanten mit einem Kaufhausbrand als sinnlich anschauliches Zeichen die Menschen aufrütteln wollen.« Der Prozeß gegen den harten Kern der »Roten Armee Fraktion« in Stammheim wurde zur Farce und endet 1977 mit Selbstmorden. Der Terror wird international. Massive Gegenschläge führen Israel 1976 in Entebbe (Uganda) und die BR 1978 in Mogadischu (Somalia).