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»No, surely, I can make mir keine Vorstellung davon. How should ich auch?«

»Sixt es! Ami-Girl? Freundin von am Russen? Heast, i brauch a Marie! Von der Liebe alla kann ma net leben!«

»Certainly not.«

»Na alsdann. Und dann des Ölend. Bin i also abghaut. Zuerst nach Hamburg. Du, da schaut’s no vü schlimmer aus als in Wean! Am Strich gehen mag i net. Mei Muatterl war Tänzerin im Staatsopernballett, mei Vaterl war Logenschließa. I hab Künstlablut in mia! Alsdann nix wie an amerikanischen Namen und außi aus Deitschland!«

»Aber wer hat dir denn das Striptease beigebracht?«

»Heast, wann dir dei Kindermadl des andere aa so gut beibracht hat wie Deitsch … na servas!«

Eiweih, dachte Jakob. Sie hat mir was Nettes sagen wollen. Es gibt Nettigkeiten, die sind lebensgefährlich. Also ließen seine Kenntnisse der deutschen Sprache rapide nach: »No, no, no … just a little … but who has tought jou striptease?«

»A ehemalige BDM-Führerin aus Castrop-Rauxel. Brunhilde Zecke. Die arbeitet jetzt in Schweden. Nennt sich Kitty Kattykitt … Fern der Heimat … oame Sau …«

»Well, she is German. But you, befreites Austria …«

»Des is aba ja woar, was du da sagst! Mir san a klaans, tapferes Volk, das wo der Hitla vergewaltigt hat …« Mit einem Schluchzen, ohne Übergang: »Und wer vergewaltigt mi?«

»Well, after all … was du tun … and here are only Männer …«

»Na eben!«

»Eben what?«

»Männa! Schau dir die Klacheln hier doch an! Geile Hund, alle miteinand. Aber können kann kana net. Der Robert aa net!«

Jakobs Brauen hoben sich.

»Monsieur Rouvier ist impotent?«

»Impotent? Im Gegenteil, Schatzi, im Gegenteil! Der kriegt ihn nimmermehr hoch! Was glaubst, was i schon alles angestellt hab, bloß damit er a klans bißl … du vastehst?«

»Verstehen, yes.«

»Und des seit fast drei Monat! Jede Nacht! I bin scho halb narrisch. Und mir kummt’s aus die Ohren außi!«

»But … but he is so wonderfully schön!«

»Dafür kann i mia was kaufn!«

»Hm.« Und angesichts dieses Adonis hatte Jakob fast schon Minderwertigkeitskomplexe bekommen! Er reflektierte: Rouvier ist also ein Beauty boy und Zéro, Juarez ist häßlich und rammelt wie ein Karnickel. Und was mich selber angeht, so könnte ich jetzt nicht einmal aufstehen, ohne daß der Tisch umkippte.

Die Göttin seufzte.

»Na ja, und jetzt alsdern Rom. Bin neugierig, ob i bei die Spaghetti an reinkrieg …«

»Hrrm!«

»’tschuldige. I kumm aus Ottakring. Is dir ka Begriff, was?«

»Sorry. We lived in Döbling. My nurse came auch from dort.«

»Ja, Döbling! Des ist was für die feinen Leut! Aber Ottakring – des is des Volk! I bin a Kind aus der Hefe des Volkes!« verkündete Gloria. »’s Woditschka Reserl eben. Den Namen hab i natürlich ändern müssen, hat der Ferdl gsagt.«

»Who is Ferdl?«

»Mei Mänätscha.«

»Well now, could nicht your Ferdl …«

»So hab i mia des ja vorgstellt!«

»Yes. Und?«

»Unsaans hat ka Glück. Der Ferdl is a Warma. Hundat Prozent.«

»How sad. Where ist denn Ferdl?«

»Schon in Rom. Da soll i auftreten. Übermorgen. Im ›Casanova‹. Auf der Via Benito.«

Irgendwas stimmt da nicht, grübelte Jakob und forschte: »Via wie?«

»Benito … I denk mia, sie ham’s nach’m Mussolini so gnennt.«

»I see. Then this is your last Abend hier?«

»Ja. Aba der Robert waaß des net. I kann des nimmermehr ertragen, des Herumgewurschtel an ihm, des stundenlange. Bei allem Geld, wo er mir gibt.«

»Well, I don’t verstehen that! He kommt here jede Nacht to see deine … deine …«

»Ja, ich vasteh schon! Und?«

»Und he can see deine … your … zu Hause, as long as he will!«

»I hab’s eahm ja aa schon hundertmal zeigen wollen! Ab daham bei mia, da wü er’s net sehn!«

»What?«

»Des is pischologisch, waast? Daham da derf i mi net ausziagn. Da ziagt er mi imma aus! Weil er hofft, daß er dabei … du vastehst?«

»I understand.«

»Funktioniert nur nie. Beim Beha is Schluß. Zum Hoserl kommt er gar net amal! Da is er dann schon längst bös! Bös auf mi! Stell dir des vor! Bös auf mi, weil er net kann! I sag ja, zu dir hab i Vatraun. Vom ersten Moment an ghabt. Außadem bin i morgen früh weg. Acht Ua drei geht mei Zug. Nacha können mi alle hier am Oasch lecken.«

»Gibt surely welche, who would this gern schon vorher tun, with pleasure!« Jakob fühlte ein heftiges Rühren. Ob das eine echte Rothaarige ist? dachte er. Und grüne Augen. Grüne Augen haben schon immer Verheerungen angerichtet bei mir.

»Du maanst … Jessassmariandjosef! Und du bist doch so reich!«

»Hrm! Well, yes. But I am a Fremder hier. And I have practically kein Geld. Außer you nehmen Dollar-Schecks …«

»I nimm do ka Geld von dir! Um nix in der Welt. Du mit dein Weaner Kindermadl … Außadem, i hab dir ja gsagt, mir kummts aus die Ohren … Du bist doch ka Warma?«

»Bestimmt nicht, Reserl. Aber wo?«

»Bei mir! I hab a Zimmer, Rü dü Kanal! Und dem Robert sag i, daß die Englända kumma san.«

»What?«

»Daß mei Tant’ zu Besuch is! Vastehst des?«

»Sorry, no …«

»Komisches Kindermadl mußt du ghabt ham! Daß i meine Tag’ hab, Jessas!«

»You must verzeihen my schlecht Deutsch«, sagte Jakob. »But otherwise you’ll be very zufrieden.«

»Wann i mia di so anschau, nachha glaub’ i, wir wern an Wecka stellen müssen, damit i’n Zug net vasäum!«

»Mhm!« sagte Jakob Formann. Auf Englisch.

50

Am späten Nachmittag des nächsten Tages kehrte der liebestolle Handelsattaché Amadeo Juarez aus Paris zurück. Vor seiner Abfahrt war als Treff das Astoria-Kino an der Avenue Prince d’Orange ausgemacht worden. Letzte Reihe Parkett. Man gab ›Vom Winde verweht‹ mit Vivian Leigh und Clark Gable. Das Publikum war erschüttert, immer wieder klangen Schluchzer auf. Der Film war französisch synchronisiert. Jakob verstand kein Wort. Ich weiß nicht, dachte er, was die Weiber alle an diesem Rhett Butler gefressen haben. Besonders die Scarlett O’Hara! Der müßte ich begegnen – dann wäre der Film zu Ende. Aber sofort! (Er befand sich infolge der letzten Nacht noch in einer Phase männlichen Hochgefühls.)

Amadeo Juarez glitt auf den Sitz neben ihm.

»Bon soir.«

»Ja, ja. Alles in Ordnung?«

»Alles in Ordnung. Das Geld ist längst nach New York unterwegs. Die besten Wünsche von Monsieur Arnusch. Madame liebt Sie unendlich und hält es mit ihrer Sehnsucht kaum noch aus. Vor großem Zuhörerkreis im Speisesaal des HÔTEL DES CINQ CONTINENTS. Wie befohlen. Monsieur Arnusch ist vor Ihrer Abreise noch in das größte Blumengeschäft der Stadt gegangen und hat als Mister Fletcher einen Dauerauftrag gegeben, samt einer Reihe von offenen Briefchen. Madame erhält täglich drei Dutzend herrliche Rosen und jeweils ein Briefchen …«

»Hm«, knurrte Jakob.

»Die Briefchen werden natürlich im Geschäft und im Hotel gelesen …«

»Natürlich.«

»Es sind glühende Liebesbriefe von Ihnen an Madame. Monsieur Arnusch hat sich die größte Mühe damit gegeben. Sie beide sind bereits die Sensation des CINQ CONTINENTS … Verzeihen Sie, wenn ich mich gleich entferne? Claire hat wieder Abenddienst im Hotel …«

»Okay«, sagte Jakob. »Machen Sie’s gut, Amadeo. Aber rufen Sie mich morgen abend noch an. Zwanzig Uhr dreißig.«

Der häßliche Handelsattaché hastete davon. Junge, Junge, dachte Jakob schläfrig, jetzt fängt der wieder an! Wir sind schon ein feiner Verein! Aber lieber mies und oho als schön und nix. Armer Rouvier.

Der arme Rouvier hatte im PLAZA eine telefonische Nachricht für Jakob hinterlassen. Er bat um Anruf.

Jakob rief an.

Der Menschheit ganzer Jammer schallte gleich darauf an sein Ohr.

»Sie wissen es natürlich noch nicht.«

»Was weiß ich noch nicht?«

»Gloria ist weg.«

»Was heißt weg?«