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12. Mai: 00.01 Uhr: Aufhebung der Berliner Blockade. In 274 718 Flügen kamen 2 Millionen Tonnen Konsumgüter über die Luftbrücke.

24. Mai: Grundgesetz tritt in Kraft.

30. Mai: Sowjetzone: Wahl des »Deutschen Volksrats« durch den »Deutschen Volkskongreß«.

14. August: Wahl des ersten Bundestages.

7. September: Bundestag tritt in Bonn zusammen. Damit ist die BR konstituiert.

12. September: Bundesversammlung wählt Theodor Heuss (FDP) zum Bundespräsidenten (Wiederwahl am 17. 7. 54).

15. September: Heuss schlägt Konrad Adenauer (CDU) zum Bundeskanzler vor. Im ersten Kabinett Adenauer ist Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (ab 1950: »Soziale Marktwirtschaft«).

1. Oktober: Mao Tse-tung gibt die Gründung der Volksrepublik China bekannt.

7. Oktober: Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Kraft getreten. Wilhelm Pieck Präsident der Republik, Otto Grotewohl bildet die Regierung.

13. Oktober: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) gegründet. Beim ersten Empfang des Bundespräsidenten Heuss auf Schloß Brühl wurden pro Kopf für jeden der 1500 Gäste DM 3,50 ausgegeben – für 1/8 Liter Wein, 2 Tassen Tee und etwas Gebäck.

Eine Trambahnfahrt kostet in München 20 D-Pfennige.

»Germans free to travel« – Deutsche dürfen (mit erheblichen behördlichen Schwierigkeiten bei der Genehmigung) ins Ausland reisen.

J. C. E. Shannon u. W. Weaver: »The mathematical theory of communication« – Begründung der Informationstheorie.

Bühne: Werner Egks Ballett »Abraxas« hat Skandale und behördliches Einschreiten (Bayer. Kultusminister Hundhammer) zur Folge.

Erste Buchmesse in Frankfurt am Main.

Bücher: Graham Greene: »Der dritte Mann«; George Orwelclass="underline" »1984«; C. W. Ceram (Kurt Marek): »Götter. Gräber und Gelehrte«.

Filme: »Der dritte Mann« (USA, Orson Welles, Regie Carol Reed); »Der Engel mit der Posaune« (Österr., Paula Wessely).

»Saufen Sie nicht soviel, Schreiber«, sagte Jakob, angestrengt in die Nacht starrend, während er in der Kolonne der anderen Wagen über die reichlich schadhafte Autobahn sauste.

Er dachte nach.

Seine Gedanken wanderten, wanderten …

Ich muß mit Schreiber nach Berlin, klar. Für OKAY. Senkmann, unser Starfotograf, ist mit einem amerikanischen Offizier gefahren. In dessen Jeep. In meinem Porsche ist kein Platz für drei Leute. Senkmann hat wie ein Verrückter fotografiert da in Helmstedt. Wird wie ein Verrückter fotografieren, wenn wir den Kontrollpunkt Dreilinden von Berlin erreichen … die Avus … den Funkturm … die wieder freie Stadt!

»Verflucht noch mal, ge … geht denn diese Drecksflasche überha … haupt nicht auf? … Ah, jetzt! Endlich …« Schreiber genehmigte sich einen großen Schluck und plauderte weiter: »Die Berliner ha … haben durchgehalten … Da brau … brauchen wir Angaben über die Lu … Luftbrücke … Sucht mir unser Ar … Archiv raus … wie … wie viele Flüge … Abstürze … To … Tonnen befördert … Ta … Tag und Nacht … Sommer und Winter … bei Ge … Gewitter, Schneestürmen und Hagelschauern … in Hi … Hitze und K … Kälte … Wo … Woche für Woche … Monat für Monat … Alle d … drei Minuten ist eine M … Maschine in Tempelhof gelandet, alle drei M … Minuten ist eine zum Rückflug gestartet … Ein K … Krach war das, Chef! Ich wa … war doch dreimal oben! Ihr eigenes Wort haben Sie nicht gehört! Alle drei Minuten ein R … Rosinenbomber! Z … Zehn Monate lang! Prost, Chef!«

»Sie sollen nicht so viel saufen, Schreiber!«

»Jawohl, Chef. N … Nicht s … so viel s … saufen! … Auf Ihr ganz Spezielles, Chef!«

Jakob brummte nur. Er versank wieder in Gedanken. Kinder, wie die Zeit vergeht! Am 3. November war ich wieder in München. Voriges Jahr! November, Dezember … sieben Monate ist das schon her! Hat sich allerhand getan in diesen sieben Monaten. Mit OKAY sind wir weit über der Halbmillionengrenze. Wir arbeiten nicht länger in der Ruine. Ich habe ein Haus am Karolinenplatz gekauft, das stehengeblieben ist. Einem Schieber hat es gehört, der nach der Währungsreform plötzlich am Ende war und unbedingt weg wollte aus München. Vielleicht nach Frankfurt, wo es noch ein bißchen zu schieben gab. Zwei Millionen D-Mark hat er verlangt für das Riesenhaus. Die habe ich anstandslos als Kredit von der Bank bekommen. Wohnungen für die wichtigsten Mitarbeiter habe ich gekauft. Ich schlafe im Redaktionsgebäude. Zwei Zimmer mit Küche habe ich da. Mir genügt’s! Was soll ich mit mehr? Das Pentagon-Geschäft ist fast abgewickelt. Ingenieur Jaschke macht draußen in Murnau Überschichten mit seinen Leuten. Natürlich hat er auch eine Wohnung gefunden und braucht kein Bootshaus mehr. Der Attinger-Bauer hat das Geschäft seines Lebens mit den Klo-Muscheln und Waschbecken gemacht. Alle haben sie ihr Geschäft gemacht. Und machen es weiter!

Der Plastics-Mann, dieser Dr. Addams Jones, den ich in den USA eingekauft habe, der baut drei Werke zur gleichen Zeit aus Ruinen auf! Ein toller Bursche! Glänzend deutsch spricht er. Aber eine Villa an der Elbchaussee in Hamburg habe ich für ihn mieten müssen. Er hat einfach darauf bestanden. Und auf einem VW. Und auf einem Diener. Und … dieser Kerl verlangt dauernd was Neues, mit dem werde ich noch Ärger kriegen, das spüre ich! Und dabei ist er so ein toller Kerl …

Trotzdem, es ist einfach nicht zu fassen, daß mich der Bau aller dieser Werke nicht nur nichts kostet, sondern daß ich daran sogar verdiene! Selber wäre ich nie draufgekommen. Aber der Franzl! Ach, der Franzl …

95

Der Franzl sagte unmittelbar nach Jakobs Rückkehr aus den Vereinigten Staaten, eine dicke Havanna rauchend, noch fetter geworden, in der Ruinen-Redaktion von OKAY eines Nachts zu Jakob: »Ist dir eigentlich klar, daß du jetzt bauen mußt, bauen, bauen wie ein Verrückter, mein Bester?«

»Soviel Geld, wie ich für alle meine Werke brauche, gibt mir keine Bank, mein Lieber«, sagte Jakob beklommen.

»Stimmt«, sagte Franzl heiter. »Die einfachste Lösung in deiner Lage ist die Selbstfinanzierung von neuen Unternehmen. Und zwar eine Selbstfinanzierung über die Preise und über die Steuer.«

»Was für Preise?«

»Deine natürlich, du Rindvieh! Die Illustrierte darf nicht mehr kosten … Die brauchen wir stabil, um die Bankkredite zurückzuzahlen … Aber die Eier, Jakob! Die Fertigbauhäuser! Die, die du für Deutschland baust! Das muß jetzt alles einfach teurer werden, kapierst du?«

»Nein.«

»Gott, gib mir Geduld«, flehte Franzl. »Was wir jetzt nach der Währungsreform haben, das ist ein sogenannter Verkäufermarkt. Wie es so geht im menschlichen Leben. Auf einem solchen Markt ist nicht der Kunde der König, sondern der Verkäufer! Wegen der großen Knappheit kannst du jetzt deine Preise diktieren. Motto: Friß, Vogel, oder stirb. Er wird schon fressen.«

»Ach so …«

»Gar nichts mit ach so! Das war erst die Einleitung! Junge, Junge, alles muß ich für dich tun! Schau: Es gibt in der Bi-Zone so etwas wie eine zentrale Wirtschaftspolitik – davon hast du natürlich auch noch nie gehört –, deren oberstes Ziel ist es – und muß es sein! –, einen raschen Ausbau und Aufbau – Aufbau, hab’ ich gesagt! – der Produktionskapazitäten zu fördern. Na, und das tut sie.«

»Da hab’ ich aber noch nichts von gemerkt, mein Lieber«, sagte Jakob unschuldig.

»Hast du schon deine Steuererklärung abgegeben?«

»Nein.«

»Drum!« Der schwere Franzl schüttelte erschüttert von soviel Unverstand seinen dicken Quadratschädel. »Der Staat gewährt allen Unternehmen hohe Steuervergünstigungen für Investitionen. Du, als Unternehmer, kannst Riesenbeträge abschreiben. Das ist das Beste und Wirkungsvollste. Und besonders beliebt.«

»Ja, aber …«

»Aber was?«